Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 5 (3.2.1905)
- Date
- 1905-02-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 „Di* # weit11 Seite 5 ■die Besitzungen im Hauran allmählich wieder in geregeltere Verhältnisse; gebracht wardein und später auch zu einer anderlei tigen A-u&nützung düsnen werden. . Unsere Neuer Werbungen in, Palästina sind im vergangenen Jahre nicht so sehr bedeutend, wie, es nach den zahl reichen in die Presse gelangten Mitteilungen -scheinen musste. 5s wurden in judäa in aer Nähe der alten Kolonien einige kleinere Mächen erworben, die zur Konsolidierung der schon existierendem Kolonie« dienen, mussten. Ueber einige bedeutendlere Käufe hier sowiie in anderen Teilen des Landes wird unterhandelt, sie sind aber vorläufig noch zu keinean Abschiuss gelangt. Auch hierin wird leider gesündigt: eiioerseits durch die ausschliessliche Bevorzugung Judäas bei Neukäufen, andrerseits -durch solche Vorstudien der Kauf Objekte, die in mehreren Beziehungen zu wünschen übrig lassen. Die Erfahrung hat uns üas beigebracht, was schonbei einlacher Ueberkgung klar sein muisste: nämilicn dass, Flächen, die für die sofortige Ausnützung durch Kolonisten ungeeignet sind, nicht für den Weiterverkauf erworben werden dürfen. So blieb Kafr-Saba (zirka 7000 Diuwam) im der Nähe von Jaffa längere Zeit so gut wie gar nicht ausgiemützt. Die Administration der Ica sah sich gezwungen das, Land einem Teile 'der Kolonisten von Pethaon- Thikwah zur Beweidumg und eventuell späteren Bepflanzung abzutreten-. Solche minderwertige Flächen können nur durch kapitalistische Unternehmungen verwertet werden, sind aber für den Kleinbesitzer ungeeignet. 2. Die Pächter. Die Pächteirfrage ist in Palästina noch sehr jungen Datums. Die Initiative in dieser Bieziehung ist denn früheren Direktor der Farm von Sedsenera zu verdanken. Der erste Versuch wurde von ihm mit vier der besten Arbeiter von Sedschera unternommen und schien auch in der/ Tat vielversprechend zu sein. Sieht man sich aber dieses „neue" System der Kolonisation etwas näher an, so wird man überrascht, mit denselben krankhaften' Symptomen der wohltätigen Kolonisation zu tun zu haben, die man bei der übrigen Kolonisation Palästinas beobachtet. Da wir in der Lage sein werden, einen diesem Gegenstände gewidmeten Artikel in leiner der späteren Nummern zu bringen, so beschränken: wir uns hier nur auf iden Hinweis, dass das Pächtersystem sich ebenso) auf dem Grundsatze des Gebens an nichtsbesitzende Personen aufbaut wie idie Kolonisierung. Der einzige Vorteil besteht darin, dass die Leuteviel weniger Geldmittel erhalten als die Kolonisten, Im übrigen unterscheidet sich dieses System bezüglich der erreichten Vorteile in keiner Weise von der Installierung von Kolonisten» Im Gegenteil, die Pächter haben mit Nachtieilen zu kämpfen, die eine: gedeihliche Entwicklwig der Niederlassiumgen, abgesehen von dem prinzipiellen Fehler des einseitigen „Gebens", unmöglich machen. Die Pächter erhalten das Land auf ein Ja/hr, der Kredit wird ihnen nur auf ein Jahr gewährt, .säe wieirden immer nur als „provisorisch installiert" betrachtet, können daher keine Gebäude und Höfe bauen, 'die für dem Kleinbauer von unschätzbarem Werte sind. Was (hindert nun den Pächter nach diesem „neuen44 System bei eimer schlechten Ernte» bei irgendwelchem sonstigen Missgeschick oder bei Fahrlässigkeit und Leichtsinn, den so leicht erreichten Posten mit leichtem Herzen aufzugeben und .sieinen Verpflichtungen bezüglich der erhaltenen Vorschüsse nicht nachzukommen? Wir haben gegenwärtig' zirka 42 solcher Pächter in Galiläa und Samaria, und zwar in Bet-Dschem zirka 20, in Sedschera 12 und in Atiit 10. Hier müssen wilr nocheine weitere Tatsache verzeichnen, die vielleicht dazu angetan ist, unseren Bestrebungen hier ilm Lande einen bedeutenden Vorschub zu leisten. Seit etwa drei Monaten erfolgte die Niederlassung von 16 russich-jüdisehen Pächtern auf dem am nordöstlichen Winkel des Sees von Tiber las gelegenen' Terrain eines türkischen Paschas von Damaskus. Dieses Terrain, unter dem Namen Btecha bekannt, liegt unmittelbar am Ufer des Tiberiassees und zeichnet sich leider durch ein ungesundes Klima aus. Die Bedingungen des zwischen den Pächtern, und dem Besitzer abgeschlossenen Abkommens gipfeln darin, dass die Pächter, die, ihr eigenes Inventar besitzen müssen, Land auf neun Jahre erhalten gegen die Zahlung von 20 Prozent -dies Bruttoertrages, wobei die Zehntenabgabe der Besitzer übernimmt. Später erhalten noch die Pächter von ihm ein kleines Haus per Familie, wie auch Stall und Hof. Vorläufig hat der Besitzer für die Leute Baracken aufgeführt. Sollte in der Tat dieser Versuch von Erfolg begleitet werden, so ist in diesem Vorgehen den reichen Grundbesitzer, die aus eigemietoi Interesse ihre arabischen Pächter durch jüdische ersetzen, ein, sehr bedeutender Fortschritt unserer Arbeit in Palästina zu sehen. Wir befürchten aber, dass einerseits infolge des anscheinend ungünstigen Klimas des Ortes (während unseres Besuches dort lag beinahe die Hälfte der vor kurzem aus Russland frisch angekommenen Leute im Fieber), andrerseits infolge ungenügender Garantien seitens des Besitzers der Versuch rnisslingen dürfte. Jedenfalls verdient er unsere volle Aufmerksamkeit und sorgsamie Ueberwachung. Interessant ist es noch, daiss die 16 Pächter für das erste Jahr; ihrer Niederlassung eine Genossenschaft bildeten, indem ein jedes Mitglied 300 Rubel in die Genossenschaft zu zahlen hat. Für dile Summe vo'ii 4800 Rubel(n sollen Ackergeräte, Arbeitstiere etc. erworben werden. Die Arbeit erfolgt gemeinsam. Dass Redbungen verschiedner Art sich einstellen mussten, liess sich voraussehen. Es ist aber immerhin zu hoffen, dass. dieser erste Versuch einer landwirtschaftlichen Genossenschaft in Palästina mehr oder weniger gelingen wird. Ein Misislingen desselben dürfte aber nicht dem Prinzip den Boden untergraben» wenn man bedenkt, dass die Bedingungen, unter denen diese Genossenschaft (entstanden ist, sehr ungünstige sind: das schlechte Klima zwingt einen Teil der Kräfte, der Arbeit fernzubleiben, während die anderen die ganze Last tragen müssen. 3. Die Musterfarm, Bis jetzt besitzen wir nur eine einzige Farm, nämlich in Sedschera. Die nähere Betrachtung ihrer Organisation und ihres gegenwärtigen Zuistandes hat uns gezeigt, dass diese Gründung sich in richtigen Bahnen bewegt. Die Farm von Sedschera macht den Eindlruck einer gut geleiteten Wirtschaft, die ein reiches Inventar, gute Gebäude, reingehaltene Felder besitzt. Die verschiedenen Zweige der Landwirtschaft sind berücksichtigt worden. Die Farm beginnt jetzt Pferde- und Mauitierzueht sowie Schaf- und Rinderzucht zu betreiben, sie legt Ol'iven- und Weinpflanzumgen an, letztere zur Erzeugung der Rosinen von Salt, auf deinen Einführung in unsere Kolonien wir schon vor mehreren Jahren aufmerksam gemacht hatten. Die Farm von Sedschera beschäftigt ausschliesslich jüdische Arbeiter, zirka 50 an der Zahl, und trotz dieses die Wirtschaft bedeutend verteuernden Umstandes wird das jährliche Defizit von Jahr zu Jahr geringer. Man darf mit einiger Sicherheit annehjmen, dass sie nach wienigen Jahren auch schon materielle Erfolge zu verzeichnen haben wird* Eine grosse Bedeutung hat Sedschera spezieil in der Ar^ beiterfrage. Der grösste Teil der jüdischen Arbeiter in Palästina findet hier Beschäftigung und Ausbildung, Die im lietzteu Jahre hier häufiger ankommenden Einwanderer wenden sich zu allererst nach Sedschera, wo sie bei vorhandenem Bedarf als Arbeiter aufgenommeil werden. Auch ist es kennzeichnend, dass man gegenwärtig in Sedschera acht absolvierte Schüler von Miikweh-Israel als Arbeiter findet. Es ist erfreulich, dass wenigstens ein Teil dar Zöglinge von Mikweh-ItSirael im Lande als Arbeiter und nicht als Aufseher und Agronomen verbleibt» Wir könnlen wohl sagen, dass die Entstehung von weiteren Farmen hier in Palästina vonnutzen sein würde. Die Grün lung einer Farm auf Grund des Kischenewer Waisenfonds durch unseren Nationalfonds erscheint damit nicht alls ein notwendiges Uebel, sondern ist eim airssichtsvolles Unternehmen, welches