Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 5 (3.2.1905)
- Date
- 1905-02-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3315709-3316128-3316137--46553-3341405- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 4 „bie # weit" Nr. 5 und wird seitens dieser Personen grosse und fortwährende Opfer materieller und moralischer Natur erfordern. Nach Abwägung alier Umstände, die die Arbeit ins Palästina erschweren, und indem wir laut und ausdrücklich die jüdischen Massen auf dieselben hinweisen, drücken wir nichtsdestoweniger unsere Ueberzeugung aus, dass d'ile aktivein Kräfte des Zionismus verpflichtet sind, diese Opfer dem jüdischen Volke zu bringen. IV. Zur Nationalisierung des jüdischen Volkes. Auf Grund des dritten Punktes des Baseller Programmes, der lautet: „Die Stärkung des jüdischen Volksgefühles und Volksbewusstsieins4' fordert die Konferenz vom Kongresse, dass die Nationalisierung des jüdischen Volkes in intensivster Weise faktisch eine der Hauptaufgaben der zionistischen» Arbeit in der Diaspora werde und die Organisierung dieser Arbeit zur Pflicht aller Kongressorgane gemacht werden soll. V. Organisierung der Kräfte zum Kongresse. Die Konferenz errichtet einen Spezialfondls zur Vorbereitung der Kräfte zum nächsten Kongresse. Behufs Verwirklichung der gefassten Beschüsse erwählt die Konferenz zwei Zentren: ein leitendes und ein ausführendes. Die Konferenz beschliesst, die Wahl von Delegierten zu fördern, die geneigt wären, auf dem Kongresse die Platform zu verteidigen*, die von der Konferenz ausgearbeitet worden ist. Im Falle der Unmöglichkeit, Kandidaten zu finden, die ganz auf dieser Platform stehen, muss man diejenigen Kandidaten durchzusetzen suchen, die als Gegner des Ugandismus und des Territorialismus bekannt sind. Die Konferenz beauftragt das Zentrum, die mündliche und schriftliche Propaganda zu erweitern und die geeigneten Kräfte und Mittel dazu ausfindig zu machen. Bei unserer Agitation, sowohl der' mündlichen als der Schriftliehen, ist es wünschenswert, die Unerschütterlichkeit des palästinensischen Prinzips im Zionisimus vom Standpunkte alier Richtungen klarzulegien. Die Agitatoren, die vom Zentrum ausgesendet werden, reisen auf Kosten des Zentrums. Ins leitende Zentrum sind gewählt: J. M. Kohan-Bernstein, W. J. Ijomkin und M. M. Ussischkin. Ins ausführende Zentrum sind gewählt: S. Weizmann, W. Glusskin, Ch. Katzenelsohn, J. Klausner, J. Nissenbaum, N. Priluzki, N. Syr'kin, J. Sprinzak umd L. Jaffe. Adresse des Zentrums: Warschau, Selig Weizmann. I. A.: Sekretär der Konferenz: L. Jaffe. Zum Neuen Jahre.*) Ein Rückblick auf das innerhalb des verstrichenen Jahres in Palästina Erreichte ist nicht nuir vom Standpunkte des Historiographien von Bedeutung. Ein solcher Rückblick ist gleichsam die Selbstkritik unserer praktischen! Arbeit. Und dass eine regelmässig wiederkehrende Selbsteinsehätzung des Gelleisteten jedes Mal einen Schritt vorwärts bedeutet, braucht nicht bewiesen zu werdein. Darum wollen wir uns zur Pflicht machen, in unserem Blatte am Anfang jedes Jahres einen Ueberbliick über die Leistungen des verstrichenen Jahwes auf dem Gebiete der praktischen Arbeit in Palästilna unseren GeSiiininunigsgenosse»n zur Kentniisnahme zu bringen. Wir haben schon jetzt die Genugtuung, dass wir im Leben des Landes trotz unserer numerischen Minderheit einen gewissen Einfluss ausüben. Wir sind ein Faktor, mit dem die übrigen Bewohner des Landes rechnen müssen. Es muss uneingeschränkt zugestanden werden, dass dfleise vergrösserte *) Aus dem Jännerheft von „A 11 n e u 1 a nd'\ Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschliessung Palästinas. Berlin W. 15, Pfalzburgerstrasse 83. Bedeutung des jüdischen Eimffltasses sieh besonders in den letzten eineinhalb Jahren kundgab, d. h. seit dem Beginne der Tätigkeit unserer Anglo-Palestine Co. in Palästina. Wir dürfen wohl sagen, dass der erste zielbewusste systematische Schritt des Zionismus in Palästina sich bewährt hat. Diese Tatsache vorausgeschickt, wollen wir nun den Stand unserer Arbeit in Palästina auf den einzelnen Gebieten betrachten. I. Ländliche Kolonisation. 1. Neue Koloniem. B o d e n e r w e r b u n» g e n. Wie allgemein bekannt sein dürfte, brachten uns die letzten drei Jahre einige neue Kolonien, sämtlich um nördlichen Teile des Landes. Diese Gründungen bedeuten aber nur eiime Fortsetzung des alten Systems, das ist des Systems der wohltätigen Kolonisation. Auf den in der Gegend von Tiberias und bei Zichron-JaKO'b angekauften Flächen wurden 'diejenigen Kolonisten und1 Söhne von Kolonisten angesiedelt, für die es im den alten Kolonien einerseits, infolge des. Uebergamges der grossen weiinbauenden Kolonien zum Ackerbau, andrerseits dank der Uebervöl'kerung derselben! keinen Boden mehr gab. Diese Leute wurden auf den neuer wo rbenen 'Fläctai „installiert": sie erhielten je 30 Hektar Boden sowie 8000 Eres bar per Familie. Zu den bekannten Begleiterscheinungen diesles Systems der Gewährung der sämtlichen für die Einrichtung nötigen Mittel an Leuten die nichts besitzen, gesellten sich zwei Jahre ungünstiger Ernten. Die Missernten, über die wir in unserem Blatte seinerzeit berichteten, trafen diese Deute, die an das mehr oder weniger sorglose Dasein in den alten Kolonien gewöhnt waren und sich nie aus einer verwickelten Lagle selbstständig zu helfen wussten, besonders schwer. Die Administration dieser neuen Kolonien hielt es nicht für notwendig, den besonderen Charaktereigenschaften dieser Elemente Rechnung zu tragfen, und zog das „Brechen44 dem „Biegen" vor. Und so stehen sich momentan Kolonisten u«id Administration verbittert gegenüber, ohne sich gegenseitig verständigen zu können. Derart ist der innere Zustand der Kolonien. Was den äusseren Anblick derselben betrifft, so haben wir uns persönlich aus dem Vergleich unserer Kolonien, mit der gleichaltrigen und zum Tieiii' um ein Jahr jüngeren deutschen Kolonie Wilhellma überzeugein können, dass unser Korrespondent, der die Lage der Kolonien in der Gegend von Tiberias in unserer Nr. 4 vorige.1! Jahries schilderte, nicht zu schwarz gesehen hatte. liier ma? vorläufig das Gesagte genügen, da wir demnächst in der Lage sein werden, einen besonderen, diesem Gegenstände gewidmeten Artikel zu veröffentlichen. Von besserem Erfolge scheint der Systemwechsel, welcher zum Teil in dem Uebergange d!er Kolonisten vom Weinbau zum Ackerbau bestand, in Ziehron-Jacob zu sein-. Diese in der Vergangeniheit in bezug auf die Selbstbetätigung der Kolonist) n an der Arbeit „par excellenee" fahrlässige Kolonie zeigt uns jetzt den hier oioch seltenen umd: darum erhebendem Anblick von Kcflonisten., die hinter dem Pfluge gehen und in die anderen Arbeitiem im Feld und im Hofe tätig eingreifen. Und; nicht etwa die Jungen allein. Es sind, was viel merkwürdiger ist und dem Kenner der hiesigen Zustände fast unglaublich erschiem, die Alten, die eine solche Transformation durchgemacht haben. Eine sehr erfreuliche Wendung brachten uns die tetztei zwei Jahre in der rJauranangelegenheit. Bekanntlich betrachtete man schon seit vielen Jahren die Besitzungen im Hau ran als einen mehr oder weniger aufgegebenen Posten. Wir konstatieren mit grosser Befriedigung, dass es der Ica in den letzten zwei Jahren gelungen' ist, und zwar1 durch das. planimässige, zielbewusste Vorgehen des von der Administration eingesetzten Beamten, die Grenzen der Besitzungen von den Uebergriffen der Nachbarn zu schützen und die teilweise schon durch Gräben festzulegen, eine bessere Ausmützung der Ländereien zu erreichen etc. Es ist zu hoffen, dass bei dem fortgesetzten energischen Vorgehen dies ihiesigen Administrators, dessen Tätigkeit von der Direktion in Paris günstig beeinflusst wird,