Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 5 (3.2.1905)
- Date
- 1905-02-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3315709-3316128-3316137--46552-3341404- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 5, 9iblC.*.WcltM Seite 3 Zionistische Konferenz in Wilna. i Resolutionen und Beschlüsse der vom 1. bis 4. Jänner a. St. 19051 in Wilna abgehaltenen Konferenz. Die Konferenz wurde am Samstag den, 1. Jänner 8 Uhr ' abends unter Leistung der Herren J. A. Goldbeirg, H. Slatopolsiki, S, J. Rosenbaum, M. M. Ussischkin und M. Scheinkin eröffnet und ist Dienstag den 4. Jänner um 1 Uhr nachts geschlossen worden. Zugegen waren 47 Personen aus, folgenden Städten: Baku, Balta, Bern, Brest-Lit., Bialiystok, Warschau, Wilna, Grodno, Jekaterinosflaw, Jellsawetgrad, Shwanez, Kischeniew, Kiew, Minsk, Mohiilew a. Dn., Odessa, Petersburg, Minsk, Poltawa, Proskurow und Rostow a. D. Die Konferenz gelangte zu folgenden Schlüssen: I. Zur Frage des Territorialismus. Zum Zwecke der Wahrung und Durchführung der Prinzipien des politischen Zionismus im vollen Umfange aller Punkte des Baseler Programmes nahm die Konferenz folgende Beschlüsse am: Angesichts der in Erscheinung getretenen Strömung, die es für möglich hält, das Endziel des Zionismus in irgend einem Lande ausserhalb Palästinas verwirklichen zu können, ist die Konferenz der Meinung, dass diese Strömung dem historische!! Ideal des Zionismus und dem Baseler Programme zuwiderläuft. Die Konferenz betrachtet es als notwendig, die Unhaltbarkieit des Territorialismus nach Möglichkeit allseitig und gründlich in der Presse aufzudecken. Die Konferenz ist der Ansicht, dass die Terriftorialasten dadurch, dass sie die Wiedergeburt des jüdischen Volkes ausserhalb Palästinas für' möglich halten, gegen den Hauptpunkt des Baseler Programmes Verstössen, der lautet: „Der Zionismus erstrebt die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina", und dass daher die Territorialisten kein moralisches Recht haben, auf Grund des ersten Punktes unseres Organisationsstatutes Schekel zu entrichten. Die Konferenz ist der Ansicht, dass eine Erörterung der Frage wegen irgend welcher Aenderung des Baseler Programmes auf dem Kongresse nicht zugelassen werden kann. IL Zur Ugandafrage. In mündlicher und schriftlcher Propaganda ist darüber aufzuklären, dass das Ugandaprojekt einerseits den Prinzipiell des Zionismus widerspricht, andrerseits nicht imstande ist, die Not der jüdischen Massen zulindern. Das Ugamdaan erbieten, als den»- Grundideen des Zionismus widersprechend, ist, in welcher auch dasselbe dem Kongresse vorgelegt sein mag, abzulehnen. III. Zur realen Tätigkeit in Palästina. A. Auf d e m. K o n g r e s s e. In Ausführung desjeni^gfi.; Punktes des Baseler Programmes, der lautet: ,,Die zweckdienliche Förderung der Besiedlung Palästinas mit jüdischen Ackerbauern, Handwerkern undGewer betreib enden", hält es dieKonferenz für .notwendig, an die reale Arbeit in Pallästina heranzutreten und beschliesst, aui deim Kongresse folgiemde Anträge zu stellen und zu unterstützen: Die Erwerbung des palästinensischen Bodens pKn rbw sowohl mit den Mitteln des Nationalfonds als auch mit anderen öffentlichen und privaten Mitteln muss als eine der fundamentalsten Arbeiten in Angriff genommen werden. Das ausführende Organ, des, Kongresses musis^ von den Grundprinzipien des politischen Zionismus nicht abweichend, dfe Initiative ergreifen und sich Mühe geben, die Vereinigung der Tätigkeit aller jüdischen Kolonisationsgeselllschaften zur intensiven gemeinsamen planmässigen Arbeit in Palästina zu erlangen. Die Tätigkeit der Jüdischen Kolonialbank muss im Orient »mittels Gründung einer möglichst grossen Zahl von Filialen Fund Agenturen der Anglo-Palestine Company in Palästina und "der asiatischen Türkei erweitert werden zum Zwecke der Anpflanzung und Entwickelung des jüdischen Händlers und der jüdischen Klein- und Grossindustrie aller Art in VorderasLen. Das ausführende Organ des Kongresseis muss die Initiative ergreifen zur Vereinigung der Tätigkeit aller jüdischen Bildungsanstaliten, die in Palästina funktionieren, zur gemeinsamen planmässigen Arbeit, die auf die nationalkulturelle Hebung der dortigen jüdischen Bevölkerung hinzielt. Der Kougress ergreift die Initiative zur Errichtung eines lokaljüdischen, zentralkollegialen Organs in Palästina, das die palästinensische Judenheit zusammenschliessen und vereinigen und als repräsentative Körperschaft und Beschützer der jüdischen Interessen in Palästina gelten soll. B. Vor dem K o n g r e s s e. Die Konferenz beschliesst, eine Mittelschule mit dem Namen „Theodor Herzl" für zahlungsfähige Zöglinge in Palästina zu gründen. Behufs Sichersteliung der Mittel werden Aktien herausgegeben mit der Verpflichtung der Ratenzahlung, wobei jedem Aktionär das Recht eingeräumt wird, während des ganzen Kurses einen Schüler unentgeltlich zu erhalten. Die genaue Ausarbeitung der materiellen Seite der Frage und die Realisierung der Mittel ist einer Kommission, bestehend aus folg enden Herren, übergeben worden: J. A. Goldberg, Hille Ii Siatopolski, Wlad. Shabotinski, M. M. Ussischkin, J. W. Tschlenow und B. B. Jaffe. Die Ausarbeitung des Programmes und die Gewinnung des Lebierpersonals ist einer Kommission, bestehend aus folgenden Herren, übergeben worden: Ch, Weizmann, J. Klausner, Sch. Lewin und M. ScheinKin. Die Konferenz wendet sich an das Odessaer Palästinakomitee im Namen der Teilnehmer, die gleichzeitig Mitglieder des Odessaer Komitees sind, mit der kollektiven Bitte, in möglichst kürzester Zeit in Jaffa ein Infonnations- und Auskunftsbureau neben dem dortigen Zentrum unter Leitung der bestehenden Palästinaorganisation zu errichten. Die Konferenz beantragt durch Herrn B. A. Goldberg, ein ausführliches Buch „Führer durch Palästina" zusammenzustellen und herauszugeben zum Zwecke der Propagierung der Palästinareisen. Anregunge n. Die Konferenz stellt zur gründlichen Diskussion der Zionismen folgende Anregungen der verschiedenen Teilnehmergruppeu: Es ist notwendig, für Palästina eine grössere Hypotheken- und Agrarbank zu gründen, die gegen Garantie von Boden, Häussern, Fabriken, Bojaren etc. langfristige Darlehen zu gewähren hätte. Es ist notwendig, durch Initiative und materielle Beihilfe dazu beizutragen, dass in Palästina eine neue jüdische Zeitung gegründet werde. Es ist notwendig, einige Stipendien für Zionisten an der juridischen Hochschule in Konstantinopel zu errichten. Es ist notwendig, in allen grösseren Städten neben den Schekel-, Nationalfonds- und anderen Kommissionen auch eine Palästinakomimissiou zu gründen, die alte Auskünfte, betreffend die reale Arbeit in Palästina, zu erteilen hätte. Der Kongress muss das Projekt der Errichtung eines Lehrer- Institutes in Palästina realisieren. Es ist notwendig, einen Volksaufklärungsfonds für die jüdiisehe Bevölkerung in Palästina zu errichten. Unter den augenblicklichen Verhältnissen wird die reale Arbeit in Palästina einen grösseren Zufluss von opferwilliigen Personen aus der Diaspora erfordern müssen. Die Arbeit der letzteren in Palästina wird unzweifelhaft unter sehr schwierigen Verhältnissen vor sich gehen müsse i