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Die Welt · 1905-01-27 · 4 (27.1.1905) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
4 (27.1.1905)
Date
1905-01-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 flbie # weit" Nr. .4 Errichtung irgend eines jüdischen Staates in einem kaum bestimmten Land zu träumen". Von einem Mann, der sieh ein solches Bild des Zionismus zurechtgelegt hat, erwarten wir, dass er im „entscheidenden Moment" uns beispringt? Es haben auch viele Zionisten eine gewisse Scheu, gegen die Allianceleitung vorzugehen. Das jüdische Publikum ist nicht gewohnt, die Alliance kritisiert zu sehen. Die Alliance spielt im Judentume die Bolle, die der Papst in der katholischen Kirche spielt. Sie ist unantastbar und unfehlbar. Diese -Scheu müssen wir überwinden. Uns sei nur das Judentum und seine Zukunft heilig. Wer diese Zukunft gefährdet, ist unser Feind und ist zu bekämpfen, und zwar durch alle Mittel, die im loyalen politischen Kampfe benützt werden können. Bis heute haben die Ziondsten, die den Kampf gegen die Alliance für notwendig hielten, sich begnügt, Eeden zu halten und Artikel zu schreiben; sie suchten auf diese Weise in erster Linie auf die Leiter der Alliance zu wirken. Dieser Weg war ein falscher. Noch nie ist durch Kritik der Exekutive allein der politische Kurs in einem Land geändert worden. Die Kritik muss an die Adresse derjenigen gerichtet sein, die die Exekutive wählen. Sie müssen davon überzeugt Werdern dass die Männer, denen sie bis heute die Leitung der Alliance anvertraut haben, ihr Vertrauen nicht besitzen. Kritik ohne Organisation ist aber ein Gedanke, dem die Tat nicht folgt. Eine Organisation muss geschaffen werdem die vor und während der Wahlen auf die Wähler zu wirken sucht, die eine Kandidatenliste zusammenstellt und veröffentlicht, die Wahlen kontrolliert. Ohne eine solche Organisation spielen wir die Eolle des Predigers in der Wüste. Seien wir deshalb konseqyiemt und schaffen wir diese Organisation. Soll dieselbe aber geschaffen und lebensfähig werden, so muss jede einzelne zionistische Gruppe die nötigen Massregeln ergreifen. Eine Zentrale kann nur Winke geben. Wenn je, gilt hier ein Wort vom getrennt Marschieren. Marschiere ein jeder von uns, um für Zion neue Siege zu erringen. * * * Ich bin von verschiedenen Seiten gefragt worden, wie die Mitgliedschaft in der Alliance zu erwerben sei und wie die Alliancewahlen vorgenommen werden. Die in Betracht kommenden Bestimmungen der Statuten der Alliance sind folgende; Art. 2. Um Mitglied der Gesellschaft zu werden, ist erforderlich, dass man seinen Beitritt zu den Statuten erkläre und einen hierauf bezüglichen Antrag an ein Komitee richte oder einem solchen durch ein Gesellschaftsmitglied vorgeschlagen werde» Das betreffende Komitee strmirnt dann über die Aufnahme mit einfacher Stimmenmehrheit ab. Art. 4. Der Beitrag, welcher zur Bestreitung der Gesell * Schaftskosten bestimmt ist, beläuft sich auf mindestens 5 Mark jährlich. . . * Art. 5. Die Gesellschaft wird durch ein Zentralkomitee geleitet, welches seinen Sitz in Paris hat. . . . Art. 6. Die Zahl der Mitglieder des Zentralkomitees ist auf 60 festgestellt. Diese Zahl kann jedoch erhöht werden. . . . Art. 7. Das Zentralkomitee bestimmt, wie viele seiner Mitglieder in Paris ihren Wohnsitz haben müssen. Art. 8. Das Zentralkomitee wird durch Abstimmung sämtlicher G e s e 11 s c h a f t sm i t g 1 i ed e r erwählt. ... Art. 9. Die Mitglieder des Zentralkomitees werden auf die Dauer von neun Jahren erwählt; alle drei Jahre scheid?* ein Drittel derselben aus, für welches Neuwahlen vorgenommen werden müssen. Die Mitglieder des Zentralkomitees sind ohne alle Beschränkung wieder wählbar. Art. 15. Ein Komitee kann in jedem Orte gebildet werden, wo die Gesellschaft 10 Mitglieder zählt. Die Zahl der Mitglieder eines Lokalkomitees wird durch diejenigen Gesellschaftsmitglieder bestimmt, welche berufen sind, es zu wählen. Art. 16. Bezirkskomitees können in jedem Landesteile gebildet werden,, wo mehrere Lokalkomitees bestehen. Art. 17. Die Bezirks- und Lokallkomitees müssen jedes Jahr neugewählt werden. Die bisherigen Mitglieder sind ohne alle Beschränkung wählbar. Wie man sieht, verliert sich das Statut in Details nicht. Jedes Lokal- und jedes Beizirkskomitee kann, falls es das Bedürfnis dazu fühlt, -eine eigene Geschäftsordnung ausarbeiten. Auch bei den Wahlen zum Zentralkomitee braucht nicht nach einheitlichem Modus vorgegangen werden. Jedieis Komitee kann den Wahlmodus einführen, der ihm am besten passt. Der Vorteil Liegt auf der Hand, aber auch der Nachteil, falls wir nicht beizeiten für eine zionistische Vertretung in diesen Komitees sorgen. Dr. E 1 i a s. Mülhausen, Dezember 1904. „Die Auswanderung steht zur Zeit gewissermassen vor einer Mauer", das ist nach Nr. 2 seines Korrespondenzblattes die traurige Wahrheit, welche das vom „Hilfsverein der deutschen Juden'4 und der „Grossloge für Deutschland VIII U. O. B. B." vor kurzem begründete Zent Talbureau für jüdische A u sw a n d e r u n. g s a n g e 1 e g e n h e d t e n konstatieren muss. Das Bureau schreibt: Die Auswanderung nach England. Der Arbeitsmarkt in England, namentlich in London, ist zur Zeit so schlecht, dass viele tausende von Arbeitern aller Berufe brotlos sind. Sehr schlimm ist auch die Not unter unseren eingewanderten Glaubensgenossen. Angesichts der überaus traurigen Lage, in der sie sich befinden, bitten wir unsere Schutzkomitees, unter allen Umständen weiteren Zuzug nach England fernzuhalten. Wenn Auswanderer ohne ganz festen Anhalt jetzt nach England gehen, so werden sie unmittelbar in das tiefste Elend gehen und sie vermehren das Elend der hungernden Massen, die bereits drüben sind. * * * Die Auswa n d ie r u n g n a c h A m e r i k a. In Amerika und wiederum in den grossen Zentren, nach denen die Auswanderer hinzuströmen pflegen, steht es nicht viel besser. Auch hier gestalten sich die Arbeitsverhältnisse ungünstiger. Dazu kommt, dass die Preise für Lebensmittel und Wohnung ständig im Wachsen begriffen sind. Selbstverständlich werden die Einwanderer bei ihrer Unerfahrenheit •durch die misslichen Arbeitsverhältnisse am härtesten betroffen. Es wird immer schwier er für sie, Arbeit zu finden. Die Zaihl der Brotlosen wächst von Tag zu Tag. Um sie nicht ins Ungewisse anschwellen zu lassen, prüfen die amerikanischen ELnwanderungsbeamten jetzt imit grosser Strenge alle Ankömmlinge auf die gesetzllichen Erfordernisse hin.*) Selbst kräftige, und arbeitsfähige Leute werden u n w e iger lieh zurückgewiesen, wenn auch nur der Verdacht vorliegt, dass sie nicht einmal die Mittel zur Ueberfahrt selbst haben bezahlen können. * * * Die Auswanderung nach C a n a d a. Es werden alle Passagiere Vom Festland, die keime Verwandten in Canada haben, die sich ihrer annehmen, zurückgewiesen, wenn sie nicht im Besitze von 200 Mark sind. *) Laut telegraphischer Nachricht von New-York vom 17. Jänner sind seit dem 1. Jänner 1100 Auswanderer, grösstenteils russische Juden, zurückgewiesen worden.

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