Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 3 (20.1.1905)
- Date
- 1905-01-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3315709-3316128-3316134--46520-3341370- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 3 „bi? #weit" Seite 13 u ,,r Personalnachrächten, Per Arbeiterverein „Aehwah" in tem.ber^,^ibt die- Ve^lflbuixg'Mitgliedes S. G.Ö 1 dsterri mit Frl, Regina W er din g e r aus BoryslaV bekannt, aus welchem Anlasse ihm der Verein herzlichst gratuliert _ Unser geschätzter Gg., Herr I. Grünberg hat sich mit Frl. Rose Dreifus (Genf) verlobt. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Rebellen. Sozialer Roman von Karl Mor b urger. 8°. „Moderner Verlag" in Wien, Fast hätte ich fdas Buch wieder Weggelegt': ohne; es gelesen zu haben. Und da hätte ich, das'kann icii jetzt,'da ich das Buch kenne, sagen, ein gutes Buch weniger gelesen. Den Anläse zu meiner ersten Empfindung bot das Titelblatt. In Rotdruck und grossen Lettern das Wort „Rebellen*. Dann dai Bild einer Gruppe, Vorne ein junges Weibes soll wohl die russische Studentin darstellen — neben ihr ein derber Mann aus dem Volke, mit dem eingefallenen, von ungepflegtem Haar umflatterten Gesichte eines finsteren Fanatikers, auf der anderen Seite ein zweiter Mann mit einer rauchenden Bombe, Dahinter Menschen, deren einer die rote Fahne schwingt, und die alle offenen Mupdes dastehen, offenbar, um den Beschauer zu dem Gedanken zu veranlassen, dass sie ein revolutionäres Lied singen. Das alles ungemein geschmacklos und von einer provozierenden Aufdringlichkeit. Es kam mir so marktschreierisch, kolportageromanmässig vor, dass ich das Buch gar nicht anrühren wollte. Wer mit solchen groben, effekthasch»riechen Mitteln arbeitet und sich schon auf dem Titelblatte damit nicht genug tun kann, der sucht offenbar den Sensationskitz^l aufzustacheln und nichts mehr. Wer wirklich etwas' zu sagen hat, posiert nicht und peitscht auch nicht gewaltsam unsere Instinkte schon auf dem Titelblatte an. Einmal aber schlug ich ganz absichtslos, im Gedanken ganz wo anders, da* Buch auf. Zerstreut las ich eine Seite. Ich wurde aufmerksam und begann von vorne. Ich habe es nicht bereut. Das ist ein gutes, ehrliches Buch. Der Autor ist sichtlich bemüht, uns ein lebendiges, wahres Bild von dem Leben der sogenannten revolutionären Elemente, von ihren Anschauungen, Hoffnungen und ihrem Einflüsse auf die künftige Entwicklung unserer Kultur zu geben. Seine Beschreibung der russischen Studentenkoionie in Zürich halte ich für ausserordentlich gelungen. Allerdings muss ich sagen, dass er die Tiefe und innere Festigkeit dieser jungen, freiheitsdurstigen Menschen sehr zu überschätzen scheint. Was er aber vorführt, hat er gut gesehen. Dass er überall bis zum Kern der Sache vorgedrungen ist, will ich nicht behaupten. Zuerst machte mich r'ie Beschreibung seines Zionisten Boris stutzig, der übrigens wie seine Volksgenos«in Mar ja für mich zu den unsympathischesten Figuren des Buches zählt. Das Zelotenium des Mannes wie die hysterische Schönheitsduselei des Weibes scheinen mir durchaus unecht. Das wollte aber der Verfasser gar nicht zeigen. Er wollte zwei Typen vorführen. Auch einige andere Figuren, wie der Onkel der Heldin, wenn man die Figur der deutschen Studentin so nennen kann, der Züricher Kommis, der sich ein armes braves Kind als Maitresse kauft und sie in brutalster Weise versklaven will, und einige andere, sind, weil allzu tendenziös dargestellt, entschieden missraten. Das alles kommt aber nicht in Betracht gegen die stellenweise geradezu glänzende Schilderung und Entwicklung der Charaktere der verschiedensten Vertreter echt freiheitlicher Ideen. Die Rolika und diePeskarow, die beiden russischen Studentinnen, Frau Josefioas, die Mutter einer kommenden, schöneren Zeit, der Popensohn Wasil, die prächtige Figur des Jakow Jakowiewitsch, der die Zeit des ersteh Christentums wieder heraufbeschwören möchte, der Spion der berüchtigten .dritten8 Abteilung, der im Dienste der russischen Polizei in Zürich sein Schandgewerbe betreibt, die Darstellung des geistigen Werdeganges des offenbar mit grösster Liebe behandelten Rohde, das sind lebensvolle und lebenswahre Typen, die uns geradezu mit Zärtlichkeit vorgeführt werden, Nicht einmal der an manchen Stellen recht saloppe Ausdruck kann da störend wirken; man lässt sich ihn ebenso gefallen wie die „ wildstöhnen den* oder „singenden Augen*, die einen recht gewollt gewaltsamen Eindruck machen. W. Lieder und Zähren. Von Otto Gl o g a u-Nikolsburg. Mit einer Umschlagzeichnung von E. M. Lilien. 1905. Verlag „Nec sinit" Berlin N. 24. Ein Gedichtenbuch, das gelesen zu werden verdient. Nicht alles gleich massig gut. Manches Tal bei hohem Berge. Aber der Berge gibt es weit mehr, talogau berechtigt zu schönen Hoffnungen. Einzelnes, wie „Sonnetokuss*, »Im Lebenstale*, „Sonnenbezwinger*, „Lieti<fjäer*!S^0mä^1 „Mignon*, „Widdersehen*, „Der jüdische Student", vöV allem aber „Was so ein dummes Mädel sich denkt" und „Gebet vor der Schlacht* ragen weit über das Gewöhnliche empor. Am schwächsten fand ich „Ernst Haeckel" und fast den ganzen Zyklus „Mutter*. Speziell bei dem letzteren ist trotz der schönen Verse recht wenig wirkliches Gefühl, wenig echte Wärme zu spüren. Als Probe aus dem Buche Gl ogaus möge hier das Gedicht „Der jüdische Student* Platz finden. Der jüdische Student i - > "f.? th :.■ 'ijl) i , iZ... Bin Juden weib, den ^Säugling am Qrm, t,u ll-> Hat an sei^ Fenster gepocht. . 'V ' V Ihn fasste ein "schmerzvoller, bitterer Harm, Weil nichts er zu schenken vermocht. Sie schaut' ins Zimmer; es war so klein, Die Wäode kahl und leer; Der Hunger grüsste zum Hunger hinein — Und beide seufzten schwer. Sie sagten nichts und verstanden sich schnell. . . . Den Säugling küssend geschwind, Verliess sie, Tränen im Auge, die Schwell'; — .Das winkt auch dir, mein Kind lB . . . W. Der Jüdische Student, Vierteljahrschrift der Vereine Jüdischer Studenten (im Bunde Jüdischer Korporationen). Herausgegeben von Dr. Emil Cohn. Erster Jahrgang, Berlin ly04. Ein alter Bekannter dieser „Jüdische Student". Er bildet auch nur die Fortsetzung der bis März 1903 erschienenen gleichnamigen Monatsschrift. Was er sein will, geht am besten aus dem Geleitworte des Herausgebers hervor: „Nicht das Organ des Bundes Jüdischer Korporationen, auch nicht eine Zeitschrift zur Propagandierung einer Tendenz, sondern einfach die Veröffentlichung eines Kreises junger, durch eine Idee geeinter Juden zur gegenseitigen Belehrung und Freude und vielleicht auch einigen anderen Menschenkindern zum Wohlgefallen." Nun denn, die Zeitschrift ist über ihr Wollen hinausgewachsen. Da wird mit viel Ernst und noch mehr Liebe, aber auch mit erfreulicher Sachkenntnis über gar manche Gebiete jü tischen Lebens und Strebens geschrieben. Ja, es ist nicht zu zweifeln, dass der Herausgeber auch betreffs der Propagandierung einer Tendenz nicht ganz bei seinem Versprechen bleiben konnte. Wohl handelt es sich nicht um die Anpreisung der Tendenz einer Partei oder gar einer Clique, aber um eine gut jüdische und moderne Tendenz, und die darf und soll der „Jüdische Student" haben. Dass so mancher klingende zionistische Namen unter den Autoren zu finden ist, wird sicherlich manchem unserer Gesinnungsgenossen sehr erwünscht sein. Wenn ich einen Wunsch äussern dürfte, so wäre es der, es möge der „Jüdische Student" das Organ aller selbstbewussten jüdischen Studenten werden. Das würde seinen Leserkreis und auch seine Wirksamkeit bedeutend fördern. Dazu be* dürfte es ausser dem öfteren Erscheinen gar keiner grossen Aenderungen. Die Mitarbeiter würden sich bei unserer arbeitsfreudigen Uuiversitätsjugend und ihren A. H. gewiss leicht finden. Jedenfalls sei die Zeitschrift unseren Studenten aufs wärmste empfohlen. W. Uns liegt das erste Heft der neuen Jugendzeitschrift „Jung Israel'* vor, die vom Jänner d. J. an im „Jüdischen Verlage" (Berlin-Charlottenburg, Herderstrasse 3/4) erscheint. Das sehr schön ausgestattete Heft hat als Umschlagzeichnung die Wappen der zwölf Stämme nach demOriginalentwurf von Eduard Joel (Hamburg) und folgenden Inhalt: „Jung Israel*, Gedicht. „Ruth* von Martha Wiener (mit einer Kunstbeilage). „Ein Märchen aus dem Paradies* von Ch. D. Nomberg. „Die Belagerung Jotapatas* von Julius Unrimny. „Der verdiente Groschen", Illustration von L. Pilichowski, Lodz. „Der Erzherzog und der Jude*. „M'zpah", GedichtmitIllustration. „Mannhaftigkeit*. H bräipcheTageszeitungen (mit Illustration), Rätsel etc. Wir können die vorzügliche Zeitschrift allen Freunden einer jüdischen Erziehung unserer Jugend nur empfehlen. Der Preis von Mk. 4.— pro Jahr (Mk. 1.— pro Quartal) ist für eine Halbmonatschrift von solcher Gediegenheit in Inhalt und Ausstattung ein sehr mässiger zu nennen. Probenummern versendet der Verlag auf Verlangen gratis uud franko. „Az Ujsäg" veröffentlicht in seiner Nummer vom 16. Dezember v. J. «inen Artikel über die Bestrebungen des Zionismus, die eine eingehende Würdigung finden.