Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 3 (20.1.1905)
- Date
- 1905-01-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 „bi? # W^lt" Nr. 3 der La^wjr^jejtoch -in der „Judenfrage* genau die entgegj^afo^J^ 4jßprt tritt; ebjenfallff ein Berliner AgAaToE dföa . Jöupäeö Xler kaudwirte, ein Herr Hartmann, als strammer Anüsemit nach dem Merzen der Brunn und und Pückier auf, der jn der heftigsten Weise gegen das „verjudete" Grosskapitäl und gegen den Reichskanzler, auf den der »Israelit Bullina leider einen so grossen Einfluss besitze, vom Leder zieht. Die letztere Tonart ist natürlich die offiziell approbierte, wie ja auch der Bund der Landwirte, laut Statut,,Judeii von der Mitgliedschaft ausschliesst. Es lässt aber doch tief blicken, dass der Bund gelegentlich auch anders kann unjl cfea, woj&rA sich davon einen parteipolitischen Vorteil verspricht, durch seine Agitatoren den Antisimi'isnintf verleugnen lasest. Dann schreF4$ natürlich die Assimilanten TriulnferJ über d^tR^der^ng des Antisemitismus. Ur ,™rw>j. r ,oa ose f-JaaR l Der Verein zur Förderung der Handwerke und technischen Berufsarten unter den Juden mit dem Sitze in Düsseldorf versendete seinen Jahresbericht. In dem abgelaufenen 24. Vereins jähre standen im ganzen 46 Lehrlinge bezw. Fachschüler unter Obhut des Vereines. Von diesen waren 30 Bestand aus dem Vorjahre und 16 neu aufgenommene. Von letzteren werden: 3 Schlosser, 3 Schneider, 2 Sattler und Polsterer, 1 Klempngr, 1 Buchdrucker, 1 Modellschreiner, 1 Schirmmacher, 1 Photograph. Ferner besuchen: 1 Bauhandwerker, 1 Techniker, 1 Zuschneider entsprechende Fachschulen. Ihre Lehrzeit bezw. Fachschulkurse beendeten: 8 Schneider, 3 Schlosser, 1 Sattler und Polsterer, 1 Bildhauer, 1 Polsterer und Dekorateur. Am 31. März 1904 waren 36 Lehrlinge bezw. Fachschüler vorhanden, wovon 17 im Lehrlingsheim zu Düsseldorf und 19 bei auswärtigen Meistern (2 davon durch Aachen, 4 Durch Hamburg) untergebracht waren. In Düsseldorf, Aachen und Hamburg besuchen die Lehrlinge die städtischen Fortbildungsschulen und im Lehrlingsheim zu Düsseldorf erhalten die Zöglinge noch in 2 Stunden wöchentlich Unterricht in den Elementarfächern. Aus den beigefügten Rechnungsabschlüssen ist ersichtlich, dass Düsseldorf über einen Kassenbestand von Mk. 2866.91 verfügt, Aachen aber einen solchen von Mk. 837,33 und Hamburg vqjtt Mk. 403,86 hat. Das nationale Gewissen unserer jüdischen Abiturienten. Unter dieser Spitzmarke klagte herzzerreissend der „Rozvoj" über drei tschechisch-jüdische Gymnasialabiturienten, die — welch ein Frevel! — an die Wiener deutsche Universität studieren gingen. Doch nicht genug daran, hat einer von ihnen auch den .Frevel" begangen und seinen Namen von „vac* in — man lese und entrüste sich — „watza umgeändert. Wer glaubt nach dieser Notiz nicht an die Existenzberechtigung des „Rozvoj"? Zu Gustav Tuche 70. Geburtstag. Gustav Tuch versendet folgendes Dankschreiben: Hamburg, im Dezember 1904. Zu meinem 70. Geburtstage bin ich durch Anerkennung überreich geehrt, herzinnige Liebe ist mir in vollem Masse entgegengetragen worden. Vielhundertfältig wurden Stiftungsfonds, Widmungen, Geschenke, Blumenspenden, Aeusserungen der Presse, telegraphische, schriftliche, mündliche Beglückwünschungen mir zuteil. Ich »rgriff, wo ich es nur vermochte, die Gelegenheit, um zu bezeigen, wie sehr ich dankbar aufgerichtet bin. Wenn ich hierin auch nicht genug tun kann, so will ich wenigstens allzeit meinen Wahlspruch bekennen und ihn zu betätigen mich bemühen. Ich will nicht, dass Israel auf seine unmittelbaren und unveräusserlichen politischen Rechte verzichte. Daneben aber will ich do<h, dass die jüdische Idee in ihrer geschichtlichen Entwicklung überall den ihr gebührenden ethischen und kulturellen Einüuss erlange, und fasse dies in den Satz zusammen: „Die Erde für Juda — und Juda für die Menschheit/ Zu seiner siegreichen Durchführung setze ich meine Kräfte ein; seine Hochhaltung soll als Wechselwirkung aller mir gewidmeten Sympathie auch fernerhin gelten. Gustav Tuch. Die Juden in Portugal. Als in diesem Jahre die Lissaboner neue Synagoge, ein vornehm schöner Bau, eingeweiht wurde, da waren die „Spitzen" der Militär- und Zivilbehörden, der Vertreter des Königs und Abgesandte der Geistlichkeit anwesend und die Zeitungen brachten Artikelserien über die Feier und über die Gebräuche der »Sephardim*. Diese Sympathie im Lande für die Juden soll nun nach dem Plane eines Redakteurs des „Seculo", der grössten (demokratischen) Lissabon er Zeitung, dazu benützt werden, im Landesinteresse russische Juden allmählich zum Ackerbau heranzuziehen. Der fruchtbare Boden Portugals wird nur sehr schwach bebaut, denn die heimischen Bauern sind nicht arbeitsam und weite Strecken vortiVfflicheft, Acker^eipTOs^tftfetä5 brach^Ülir * Juden sollte Parketen unfef M|e^tM|^ zuglteitV^e?a%af sife nicht eher zu Verlasseh, bis sie sie durch Bezahlung selbst erwerben können. Aus Jerusalem. In den jüngsten Tagen hat sich hier folgender Fall ereignet. Ein Weib befand sich gerade am Erew Sabbat ganz allein in einem mit Kohlen geheizten Zimmer. Der ausströmende Kohlendunst war indes so schwer, dass die arme Frau von demselben betäubt zu Boden fiel. Nach etwa einer Stunde ward sie leblos aufgefunden. .Wiedegbejebungsversuche erwiesen sichaU|*rfolglos.i;ndessen brach mittlerweile der Schabbes an; somit konnte, üngerbtet der hiesigen strengen Gepflogenheit 'die Beerdigung ^chtkpejir; arifSelpenTage st aufin d^^0Ünd das war ein grosses Glück; denn nachdem die Betäubte in ein anderes Zimmer gebracht, auf den Boden gebettet, und einige Stunden der frischen Luft ausgesetzt gelegen hat, kam sie wieder zu sich — und sie wandelt noch heutigen Tages unter den Lebenden. Wie viele mögen nach hiesigem Brauche (rekte : Missbrauche) vor ihrer Zeit hinausbefördert werden —. dass weiss Gott allein. Denn dass es, nach dem soeben geschilderten, geschieht, ist klar. Die hier s. Z. gegründete sogenannte Organisation (m^norO zählt in der heil. Stadt 60 Mitglieder. Hazioni. Gold im Lande Ophir. Ein neues Goldfeld ist im M-a schonenlande in Rhodesien, in einer Entfernung von etwa 150 km von der Grenze von Portugiesisch-Ostafrika und je etwa 300 km von Salisbury und Buluwayo, entdeckt worden. Eine Bahnstrecke, die schon von Gwelo nach Selukwe abzweigt, kann um 120 km zu der neuen Goldstätte verlängert werden. Das Gold erscheint in einer alluvialen Lagerung, die sich sehr weit ausdehnen soll. Die Fundstätte liegt unweit der berühmten Bauwerke von Simabwe, einer ziemlich gut erhaltenen Gruppe von Befestigungen und Tempelbauten, die man auf phönizischen Ursprung zurückführt, jedenfalls von einem aus weiter Ferne zugewanderten Volke stimmend, das dort Gold suchte. Zahlreiche verlassene Gruben zeugen von der Tätigkeit dieses Volkes. Bekanntlich haben mehrere Reisende, darunter Dr. Karl Peters, in diesem Teile Rhodesiens das in der Bibel erwähnte Land Ophir erkennen wollen, von dem es im 1. Buch der Könige, 27, 28, heisst: ,Und Hiram sandte seine Knechte im Schiff, die gute Schiffsleute und auf dem Meer erfahren waren, mit den Knechten Salomos. Und kamen gen Ophir und holeten daselbst vierhundert und zwanzig Zentner Goldes und brachten es dem Könige Salome* Ein zionistisches Stück auf dem Jargontheater in Wien. In Edelhofers Volksorpheum, dem Wiener Jargontheater, wird derzeit ein Stück „J adele mit dem Tlirhik" aufgeführt, das eine Verherrlichung der zionistischen Idnn und des Dr. Herzl in sich birgt. Abgesehen von dem etwas ungeschickten Aufbau des Stückes und der -darin enthaltenen langatmigen Tiraden sind einzelne Szenen sehenswert, ja sogar wirklich ausgezeichnet. Der Verfasser des Stückes, Herr Lerescu, bringt in der Maske Dr. Herzl auf die Bühne, der fürs Judentum warmfühlende, reiche jüdische Kaufmann, der für sein Vaterland, für Zion strebende Jüngling, der Assimilant, der jüdische Proletarier und endlich das „Jüdele mit dem Tlimik" (ein kleines Pack mit seinem Hab und Gut), der, von Russland verjagt, in Rumänien nicht bleiben kann und in Amerika nicht eingelassen wird, sie alle sind lebenswahr dargestellt und machen das Stück sehenswert. Jüdische Abende. Wie wir hören, bereitet sich das Komitee zur Veranstaltung ,Jüdischer Abende" — Vorträge aus der Literatur der ostjüdischen Volkssprache („Jargon") _ vor, den dritten Abend, der Donnerstag den 2. Februar d. J. wieder im grossen Saale des Hotel „Zentral", II., Taborstrasse 8, stattfindet, besonders zugkräftig zu gestalten* Besondere Fürsorge wird dem musikalischen Teile des Programmes zugewendet werden. Dieser, sowie die Vorlesung jüdischer Literaturstücke in deutscher Uebersetzung, endlich ein Vortrag des Herrn Osias Waschitz unter dem Titel „Ein Blick in die Jüdische Literatur der letzten Jahrzehnte" werden auch jenen, die gar kein. Jüdisch verstehen, reichlich Anregung und Vergnügen bieten. Das Programm selbst wird in nächster Nummer veröffentlicht werden. Eintrittskarten zum Preise von 50 Hellern (als Regiebeitrag) sind in vielen Cafes, im zionistischen Kongressbureau, im Verlag „Ziontt (IL, Untere Augarten- Strasse) und am Abend selbst erhältlich.