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Die Welt · 1905-01-20 · 3 (20.1.1905) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
3 (20.1.1905)
Date
1905-01-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 3 „bis # weit" Seite 11 Unfall des Barons Albert Rothschild. Baron Albert Rothschild ist am 18. d. M. auf der Eisbahn gestürzt und hat sich die linke Hand am Gelenk gebrochen. Von der Landesrabbinerschule in Budapest. Am 27. Jänner (21 Schebat) d. J. friert Rabbiner Moh^s Bloch. Vorsitzender des Pröfessore» koltegiums der Landesrabbinerschule in Budapest den £0. Geburtstag in voller Geistes und Körperfrische, den L°hrberuf nach wie vor mit dem grössten Pflichteifer erfüllend. Zur Palästinareise. Das Zentralfahrkartenbureau in Budapest ist bestrebt, die Teilnahme auch für w> it^re Kreise möglich zu machen, und zwar auch für diejenigen, die aus rituellen oder anderen Gründen sich selbst verköstigen wollen. Für Hisse Passagiere wurde der Preis für. die erste Klasse auf 800, für die zweite Klasse auf 600, für die dritte Klasse auf 400 Kronen herabgesetzt. Selbstverständlich haban diese Passagiere nur für ihr« Kost zu sorgen, die anderen Auslagen werden von der Unternehmung bestritten. Es wird ersucht, die Angabe von 200 Kronen möglichst schnell an da* Zentralfahrkartenbureau Budapest, Vigadöter 1 abzusenden. Es haben sich sehr viele Teilnehmer gemeldet und es wird auch auf einem grossen Dampfer die Ueberfahrt erfolgen. Ein judenreines Parlament. Dem „Pesti Hirlap" zufolge herrscht in der Wahlkommission der liberalen Partei, an deren Spitze Staatssekretär Sänrfor steht, das Streben, dass möglichst wenig Juden in das ungarische Parlament gewählt werden. Die bisherigen jüdischen Abgeordneten, Wolfner, Naumann, Revai, Weisz, erhalten kein Mandat mehr. Die jüdischen Abgeordneten Mandel, Nemes, Nagy, stehen so schlecht, dass an eine Wiedprwahl kaum zudenken ist. Nur die Wahl der Abgeordneten Rosenberg und Sä dor gilt als gesichert. Allerdings steht es um die Sache <ier jüdischen Kandidaten der Opposition ebenso schlecht, da diesen ausserordentlich starke Kandidaten der liberalen Partei entgegenstehen. Aus Rumänien. Anlässlich einer Besprechung der Tätigkeit des zurückgetretenen Ministeriums Sturdza schreibt die „Vocea Putovei" folgendes: „Schwarz und sündenhaft ist eure Tätigkeit, ihr Verjudeten; ihr seid so sehr degeneriert, so tief gesunken, dass ihr j*de Schamhaft]gkeifc verloren habt; in eurem Innern ist nicht ein Funke von Patriotismus geblieben, ihr ward zu Dienern der Juden! Ihr sprechet nichts und unternehmet nichts, als was euch die Juden heissen." Die Juden Rumäniens wussten gar nicht, was für Freunde sie in dem abgegangenen Minisfprium hatten. Erst die ÄVocea Putovei« ^usste sie darauf führen. Das erwähnte Blatt k^nn es natürlich nicht zulassen dass es bei solchen Verhältnissen bleibe, und zieht den Schluss: „Unsere ganze Tätigkeit, unser ganzes Ausenmert müssen wir auf die Moldau richten, wo die Einwohner gani vom Judentum infiziert sind uud ihnen dieses so tief eingewurzelt ist, wo der grösste Teil der Einwohner vergessen hat, dass sie Rumänen sind, dass sie Christen sind.* Und dass die rumänischen Patrioten sich nicht mit den blossen Worten begnügen, sondern zu Taten greifen, soll der folgende Fall aus Podul-Turcului zeigen : In diesem kleinen Städtchen wurde die Familie dps Israel Fpl^mann 'von einer Räuberbande überfallen. Die Tochter de« Hauses wurd« getöter, als sie in dem Anführpr dpr Ban^e den Ortepfarrpr Konduraki erkannte. Die übrigpn kamen mit schweren Verletzungen davon. Auf ihre Hilterute Hin pilten die Nachbarn herbei und es gelang nur, dpn Waldhüter Feldmanns zu ergreifen. Bei seinem Verhöre gestand er, dass der dortige Poliz^ichef gemeinsam mit dem Pfarrer diesen Überfall beschlossen hatten. Die Mörder sind verhaftet worden und werden sicherlich wpgen Raubanfalls strafweise — versetzt werden. L. S. Makebeth. Die jüdische Einwanderung in Frankreich. Die Zahl der französischen Juden ist in den letzten zwanzig Jahren rapid in die Höhe gegangen. Noch im Jahre 1881 zählte Frankreich kaum 50.000 jüdische Seelen. Mit dpm Beginn der Judenverfolgungen in Russland und Rumänien ist die Einwanderung von Juden aus diesen Ländern nach Frankreich in Sehwung gekommen. Zu diesen Immigranten kommen in jüngster Zeit jüdische Einwanderer aus London, denen der Boden Englands allmählich heiss zu werden beginnt. Gegenwärtig dürfte Frankreich reichlich 200 000 Juden zählen, von denen ein kleinerer Teil in Marseill« und Lyon, der grösste Teil aber in Paris wohnt, wo sie ihrer Gewohnheit entsprechend zusammen wohnen und ganze umfangreiche Ghetti bilden. So ist das Viertel Montenwtre, eines der volksreichsten von Paris, das vor wenigen Jahren nur eine geringe Anzahl jüdischer Geschäfte aufwies, in ein solches Ghetto umgewandelt. Ein noch älteres Ghetto besteht in der Gegend der Bastille, das von den Juden schon längst den Namen „Der jüdische Plätz,l" erhalten hat. Wovon leben nun die Zehntausende von Juden in Paris? Em grosser T^il von ihnen ist auch in der neuen Heimat dieselben Luftmenschen geblieben, die sie früher zuhause waren. Sehr viele von ihnen sind Schuhmacher, Schmiede und Tischlpr. Auch das Gewerbe der Mützenmacher liegt in Paris fast vollständig in jüdischen Händen. Alle genannten Gewerbe, namentlich jedoch das der Mützenmacher, haben viel unter zeitweiligpr Arbeitslosigkeit zu leiden. Der größte Teil der in Paris lebenden örtlichen Juden betreibt jedoch das national-jüdische Handwerk der Schneiderei. Aber auch das Schneiderhandwerk hat in Paris keinen goldenen Boden, so dass nur tüchtige Fachmänner, die gute Z wisch enra eist er abgeben, auf ein gutes Fortkommen rechnen dürfen. Das Gros der jüdischen Schneider, die ihr Handwerk im grossen russischen Ghetto erlernt haben, verstehen von der Schneiderei nur so viel, dass sie in einer grossen Werkstätte eine ihnen zugewiesene ganz bestimmte Spezialarbeit wie Knopflöcher o^er Aermelteile hersteilen können. Niedrige Löhne und häufige Arbeitslosigkeit lassen sie auf keinen grünen Zweig kommen. Das jüdische Herz. Zum Krack einiger klerikal-antisemitischer Banken in Böhmen, bei dem weite Kreise der Bevölkerung um ihren letzten Heller kamen, trotzdem reiche Parteifreunde in der Nähe waren, stellen wir folgende Tat eines englischen Juden als hübsches Pendant: Das kleine Marktstädtchen Needham Market in Suffolk war vor einigen Wochen von einem Bankrott heimgesucht worden, der fast all« Familien des Städtchens in Mitleidenschaft gezogen und viele an den Rand des Unterganges gebracht hatte. Es handeltp sich um den Zusammenbruch der seit vieten Jahrzehnten bestehenden Groschen-Sparbank, die ein gewisser Maw verwaltete und der insbesondere die kleinen Handwerker und Geschäftsleute, Arbeiter und viele Witwen ihre Ersparnisse anvertraut hatten. Die Not infolge des Zusammenbruches war so gross, dass angesehene Londoner Morgenblätter, unter anderen das „Daily Chronicle", eine Sammlung eröffneten, um die bitterste N®t wenigstens zur Weihnachtszeit lindern zu können. Ein in dpr Stadt selbst eingesetzter Ansschuss beriet tagtäglich über MUtel, wie den dringendsten Notlagen abzuhelfen sei. Am Mittwoch nun erschien in der Sitzung des Ausschusses Herr Edgar Speyer, einer der Chefs des in der City von London hoch an gesehenen Bankhauses Gebrüder Speyer, und Hess sich von den Komiteemitgliedern die Sachlage erklären. Auch der Konkursverwalter war in der Sitzung anwesend. Herr Speyer hörte die ihm gegebenen Aufklärungen ruhig an und machte s^'ch Notizen auf einem Bogen Papier. Nachdem er den Umfang des Unglücks kennen gelernt, das auf ihn einen tipfpn Eindruck machte, ergrifl>ram Schlüsse der Satzung das Wort und erklärte in einer einfachen Bemerkung, dass er den gesamten Verlust aller Sparer decken wolle unter der Bedingung, dass alle Ersparnisse bis tausend MArk in Zukunft in der amtlichen Postsparkasse und Ersparnisse von mehr als tausend Mark in einem wohl akkreditierten Bankhau°e deponiert werden müssten. Herr Speyer zog dann ruhig sein Scheckbuch aus der Tasche und überreichte d°m Sekretär des Atisschnssps einen Scheck in Höhe von 80 000 Mark. Als man Herrn Sppyer darauf aufmerksam machte, dass auch die Kinder des bankrotten Bankvarwalters iVirpm Vater ihre gesamten Ersparnisse im Betrage von 34.000 Mark anvprtraut hätten, die pbenfalls gänzlich verloren seien, schripb Herr Speyer einen weiterpn Scheck in diesem Betrag* ans. so da«s er inagpsamt 114.000 Mark in dem Markffteekpn zurückb'ess. Man kann sich denken, wie diese Nachricht in dem Städtchen wirkte. Der Bund der Landwirte und der Antisemitismus. Die Anweisungen, dip der Bund der Landwirte seinen Agitatoren erteilt, lasspn an Vielseitigkeit nicht* zu wünschen übrig. In Westpreussen treten die bündlerischen Agitatoren jetzt in zwei benachbarten Wahlkreisen unter antisemitischer und philosemitischer Flagge auf. In Könitz hat vor einiger Zeit ein Berliner Agitator des BunHes dpr Landwirte, pin Herr Hut, den Antispmiten gehörig die Leviten gelesen. Die Antisemiten, führte er aus, hetzten die kleinen Landwirte gegen die Besitzer auf; ihre Agitation gereiche überhaupt der Allgemeinhpit zum Unhpil wip auch die b*>klagpnswerten Vorkommnissp in Könitz gezeigt hätten. Dpr Bund der L^ndwMp huld'gp. in konfessioneller Beziehung dem Grundsatze Friedrichs fles Grossen : Jeder könne nach seiner Faeon spüg werden. Dipse Apussprungen de« hündlerischen Redners können als authpntisch gelten. Das Organ des Burdes der Landwirte hat trotz des heftigen Protestes des Berliner AntiflemitenorganR den Rpdner noch nicht desavouiert. Im Nachbarwahlkreise Schlochau-Flatow vertritt der Bund

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