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Die Welt · 1905-01-13 · 2 (13.1.1905) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
2 (13.1.1905)
Date
1905-01-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
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Seite 12 „bis # weit Nr. 2 v We^*^b^oik. " Die Geschäftsberichte der ottomanischen Eisenbahn-Gesellschaften für das Jahr 1803 sind jetzt veröffentlicht. Das Jahr 1903 war für die türkische Volkswirtschaft nicht günstig; in Kleinasien war die Ernte schwach, und in Rumelien verursachte das Bandenunwesen, zu dessen Niederwerfung die Regierung eine starke Truppenmacht aufbieten musste, erhebliche Schäden. Die Unterhaltung derselben legte dem Staatsschatze schwere Opfer auf, wie auch die Mobilisierung so vieler Bedifbataillone der Landwirtschaft viele Jiände entzog. Die traurigen wirtschaftlichen Folgen der Bandenumtriebe, die sicfy m der Verwüstung.von Feldern, N^eder^- brannung v<pn Häusern, Vernichtung von Viehherden, Vernachlässigung der Kulturen usw. äusserten, wurden durch eine glänzende Ernte einigermassen wieder wettgemacht. Trotz dieser unbefriedigenden wirtschaftlichen Lage klagt eigentlich nur die Anatolische Eisenbahn über geringe Einnahmen. Die orientalischen Eisenbahnen haben eine Mehreinnahme von 17 Mill. Frcs. zu verzeichnen, welche der guten Ernte und den grossen Militärtransporten zuzuschreiben ist. Die Einnahmen aus den letzteren bilden zwar eine Aktivpost in den Büchern der Gesellschaft, dagegen eine starke Passivpost in der türkischen Volkswirtschaft, denn für diese waren es unproduktive Ausgaben. Auch die Eisenbahnen im westlichen Rumelien, mit Ausnahme der Salonicher Linie der orientalischen Eisenbahnen, weisen Zunahmen in ihren Einnahmen auf, und zwar die Jonction Salonique-Constantinople-Bahn von 0*26 Mill. Frcs. und die Salonich-Monastir-Bahn von 0 25 Mill. Frcs. Infolgedessen verminderten sich die Staatssubventionen bei der ersteren Gesellschaft von 6,056.276 Frcs., i. J. 1902 auf 5.795.068 i. J. 1903, bei der letzteren von 1,543.340 Frcs. auf 1,270.875. Die Salonich-Monastir-Bahn beförderte i. J. 1903: 62.°295 Personen, darunter allein 54.256 Soldaten und Offiziere. Die Anatolische Eisenbahn hatte, wie bereits erwähnt, unter der mittleren Ernte des vergangenen Jahres zu leiden, so dass der Staat einen stärkeren Zuschuss leisten musste als im Vorjahre, u. zw. 5,105.066 Frcs. gegen 3,139.785 im Vorjahre. Syrische Bahnbauten. Das Eintreffen des bekannten Eisenbahnunternehmers Grafen Vitalis in Konstantinopel stand, wie kürzlich gemeldet, mit folgenden zwei Angelegenheiten in Verbindung: mit dem Weiterbau der Bahnlinie Rayak- Hama bis Aleppo, ungefähr 48 km, mit kilometrischer Staatsgarantie; ferner mit der Regelung der Reklamation bezüglich des türkischen Mekkabahnbaues der Parallellinie Damaskus-Deraa, die auf einer Länge von zirka 100 km derselben Trace folgt wie die der Vital isschen Gesellschaft gehörige Bahnstrecke Damaskus-M'zrib. Die durch Graf Vitalis repräsentierte Gesellschaft verlangt entwpder den Ankauf der Linie Damaskus-M'zrib durch die Pforte um 7,500.000 Fr. oder eine jährliche Entschädigung für die Konzessionsdauer für den Entgang der Betriebseinnahmen, welcher ihr durch den Bau der genannten türkischen Parallellinie erwächst. Wie man aus Konstantinopel schreibt, scheinen die vom Grafen Vitalis betriebenen Verhandlungen günstig zu stehen. Trotzdem sei jedoch — unter anderem auch wegen des Fastenmonats Ramazan — eine rasche Beendigung derselben nicht zu erwarten. Eine wichtige prinzipielle Entscheidung. Eine Verhandlung gegen Herrn A. Schipper in Neu-Sandec, der wegen Beleidigung einer Einrichtung der römisch-katholischen Kirche angeklagt war, begangen dadurch, dass er b<*im Versehgang, trotz Läutens des Geistlichen, nicht den Hut gelüftet hat, wurde vom Neu-Sandecer Kreisgericht vertagt. Das Rechtschutzbureau der „Israelitischen Union" hat mittlerweile dem Angeklagten Rechtshilfe gewährt. Bei der neuerlichen Verhandlung am 6. d. M. wurde Schipper vom Kreisgerichte Neu-Sandec gänzlich freigesprochen trotz der belastenden Aussage des betreffenden Geistlichen, der gegen ihn die Strafanzeige erstattet hatte, da das Gericht von der Ansicht ausging, dass einJude zu einer kirchlichen Handlung der Reverenz beim Versehgange nicht verhalten werden könne. Gegen das freisprechende Urteil hat der Staatsanwalt Berufung eingelegt. Ungarische Wahlbilder. Die ungarische oppositionelle Presse hat in der letzten Zeit gegen die Juden einen recht scharfen Ton angeschlagen, Die Baronisierungen und die damit verbundenen Bereicherungen des liberalen Wahlfonds haben die oppositionellen Blätter gegen die Juden ausserordentlich erbittert. Ganz Besonderes leistete sich das „Budapesti Naplö", das uns gar ein neues Tisza-Eszlar androhte. Vor einigen Tagen hat dieses Blatt wieder Veranlassung gefunden, gegen die Haltung der Juden zu Felde zu ziehen. Diesmal auch nicht mit Unrecht; weil es sich, die Richtigkeit des angegebenen Sachverhaltes voraußgeset^ hier um den Missbrauch einer offiziellen Stellung und uift eine Pression handelt. Ein Vorstand und Vizepräsident der Pester Kultusgemeinde hat an die ihm untergebenen Lehrer und Professoren ein vertrauliches Zirkular gerichtet, indem er diese auffordert, in dem voraussichtlieh heissen Wahlkampfe im VI. Bezirke Budapests, für den Handelsminister Hieronymi und gegen den sozialistischen Kandidaten Dr. Väszonyi, einen Juden, zu stimmen. Der Herr Vorstand sah sich durch die Publizierung dieses Zirkulars veranlasst,;»ü£seine Stelle im Vorstande zu verzichten, liess sich aber doch später bewegen, dieselbe weiter zu behalten. * > < >t? \ Budapest. (Die ' Fluhru ng d er O rfh o do'i'e n.) Die durch den Tod des Dr. Lipschitz leergewordene Stelle eines Präses der orthodoxen israelitischen Landeskanzlei soll, wie wir hören, Mitte Februar zur Besetzung gelangen. Zu diesem Zwecke soll eine Landesgeneralversammlung einberufen werden, zu der jede Gemeinde einen Delegierten entsenden wird. Die Aufgabe der Generalversammlung wird auch die Fertigstellung des Organisationsentwurfes sein. Auch wird in derselben die Wahl der Landes Vertretung vollzogen werden. Auszeichnung eines wackeren Gesinnungsgenossen. Der Unterrichtsminister hat unserem Gesinnungsgenossen, dem jüdischen Religionsiehrer am Staatsgymnasium und an der Staatsoberrealschule zuTeplitz-Schönau, Herrn Rabbiner Dr. Adolf Kur rein den Titel Professor verliehen. System —„Juden hinaus". Bei dem Posener kgl. Regierungs- Medizinalkollegium besteht eine Kommission zur Prüfung von Apothekergehilfen, welcher zwei ordentliche Mitglieder und zwei Stellvertreter aus dem Kreise der hiesigen Apothekenbesitzer angehören. Zu den ordentlichen Mitgliedern zählte seit etwa fünf Jahren der Apotheken besitzet Dr. Leschnitzer, zu den Stellvertretern seit länger als zwanzig Jahren der Medizi* alrat Dr. Mankiewicz. Nach der vor kurzem regierungsseitig veröffentlichten Liste sind diese beiden Herren durch zwei erst vor einigen Wochen nach Posen zugezogene Apothekenbesitzer evangelischen Glaubens ersetzt worden, und zwar, ohne dass die genannten bisherigen Mitglieder der Kommission auch nur vorher davon benachrichtigt worden wären. Da gegen die Person und Qualifikation oder nationale Haltung der letzteren nicht das geringste vorgelegen hatte, was Anlass zur Beschwerde gegeben hätte, so erscheint es nicht befremdlich, dass auch diese Massnahme von der öffentlichen Meinung auf das „System Schönstedt* zurückgeführt wird, welches jetzt auch auf anderen Gebieten Schule macht. Altes von den Sozialdemokraten. In einer Besprechung der Stadtverordnetenwahlen in Frankfurt a. M., wo die Sozialdemokraten gegen Freisinn und Demokraten unterlagen, aber dafür durch Stimmenthaltung zugunsten der „Mittelstandspartei" den freisinnigen Führer, Justizrat Geiger zu Fall brachten, schreibt der „Vorwärts", es sei grosse Trauer „im Hause Israel". Auf Frankfurter Verhältnisse hatte schon früher der „Vorwärts" das Wort „Mausche oben" angewandt. Zeitgemässe Annonce. Für jungen Kaufmann, 25 Jahre, katholisch, von tadellosem Rufe, stattlich und schön, von angesehenster Familie einer Grossstadt Süddeutschlands, Mitinhaber einer bedeutenden Firma, wird eine wohlerzogene häusliche Dame gesucht mit einer Mitgift von Mark 100—150.000 zum Einschuss in altbewährtes Geschäft. Israelitin, die bereit wäre, sich taufen zu lassen, nicht ausgeschlossen. („Frkft. Zeitung" vom 3. Jänner 1905.) Der Endeffekt der Orgelfrage. Die jüdische Gemeinde von Lissa in Posen hat ihr Gotteshaus einem umfangreichen Um- und Erweiterungsbau unterzogen, so dass das Gebäude jetzt einen imposanten Eindruck macht. Die Kosten waren auf 60.000 Mk. festgesetzt, dürften aber die Summe von 100.000 Mk. weit übersteigen. Für das neue Gotteshaus ist bereits von Freunden der Gemeinde eine prächtige O r gel gestiftet und dem Kantor Greulich von der Johanniskirche (kein Druckfehler!) ist das Kantor- und Organistenamt der jüdischen Gemeinde übertragen worden. Unsere Kantoren sind eben noch nicht als Organisten abgerichtet. Aus Rumänien. Ministerpräsident Sturdza hat sein Amt niedergelegt, die liberale Partei ist zurückgetreten und hat ihren Platz der konservativen Partei eingeräumt. Ob das Kabinet Kantakuzene eine Besserung der jüdischen Lage herbeiführen wird? Die Juden Rumäniens kennen seine Politik von früher her und geben sich auch keinen Hoff-

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