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Die Welt · 1905-01-13 · 2 (13.1.1905) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
2 (13.1.1905)
Date
1905-01-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2 „bi* # W$lt" Seite 5 giose und nationale Leben betrifft. Die Sephardim waren es, die den deutschen Juden fast die Berechtigung abgesprochen hatten, sich Juden zu nennen. Sie wolten allein als Hebräer gelten, denn sie sprechen die Sprache, die sie als die „neu-hebräischea zu bezeichnen gewohnt sind — die allerdings verdorbene (?) Sprache jenes Landes, aus welchem vor Jahrhunderten ihre Vorfahren so schmählieh vertrieben wurden, die Sprache jener Nation, die sie hierbei auf das grausamste misshandelte. Inzwischen ist es aber doch anders geworden. Der zionistische Gedanke, das auf das Gleiche gerichtete Streben jies ganzen Judentums, hat die Brüder vereinigt, wenn, auch ihre religiösen und kulturellen Bedürfnisse verschiedenartige sind und dies auch fernerhin auf eine Zeitlang in den besonderen Gemeindevertretungen seinen Ausdruck behalten dürfte. Ich will im Rahmen dieses Artikels bloss dessen Erwähnung tun, wie komisch es einerseits anmutet, wenn sich zwei Glieder eines Volksstammes, die das Unglück hatten,nach zwei verschiedenen Weltrichtungen verschlagen zu werden und sich nun an der romantischen Stelle der Savemündung wieder, allerdings nach Jahrhunderten schwerer Wanderung, begegnen, fremd gegenüberstehen. Oder ist nichtein geschichtliches Erfordernis zu erfüllen gewesen, ist nicht eine gleichartige Anschauung in bezug auf das endliche Los des ganzen Juden Volkes notwendig gewesen, eine beiderseitige Legitimierung als Juden durch den Zionismus, um sich gegenseitig als Brüder anzuerkennen? Dies trifft zweifellos auf sephardischer Seite, auf welcher das nationale Empfinden ein weit höheres ist, zu; auf deren Seite muss diese Legitimierung ihrer aschkenasischen Brüder durch den Zionismus willkommen und allein die Schranken zu beheben imstande sein, durch welche sie sich bis dahin von ihren Brüdern abschlössen. Aber liegt nicht andererseits etwas Sonderbares darin, mit welchem Stolz auf ihre Eigenart sie sich sogar ihren Brüdern gegenüber isolierten? Liegt nicht etwas darin, was uns unsere sephardischen Brüder zur Aufnahme zionistischer Anschauung ganz besonders vorbereitet erscheinen lässt? Ist es nicht ein Element, welches sich ganz vorzüglich für unsere »Bearbeitung" eignet und auch derselben wert wäre? Denn mit wie weit höherem nationalen Selbstbewusstsein werden sie ihre Eigenart Fremden gegenüber zu schützen wissen, wenn sie die historische Stammeseigenart sogar Brüdern gegenüber verteidigen zu müssen glaubten. Aber es ist auch gleichzeitig ein Element, welches modern nationaler Erfrischung bedarf. Diesbezüglich wurde, glaube ich, seitens der zionistischen Bewegung bis dato viel vernachlässigt, und ich glaube, nicht bloss bezüglich der Sephardim in Serbien, sondern der Sephardim am Balkan überhaupt; denn dadurch, dass sie ausser den Landessprachen meist nur noch das Spaniolische beherrschen, kommen sie kaum in die Lage, sich mit zionistischer Literatur bekanntzumachen und die richtigen zionistischen Ansichten kennen zu lernen. Sie haben nur ein Herz für alles Nationale von vornherein, aber keine Gelegenheit, die Bewegung, die sie wohl interessieren würde, verständnisvoll aufzunehmen. Wohl erscheint durch den Philippopeier „Haschofar" teilweise dieses Uebel gelindert, doch sollte man auch durch die Herausgabe zionistischer Broschüren in spaniolischer Sprache das möglichste zu erreichen bestrebt sein. Und man würde viel erreichen, besonders unter den serbischen Sephardim, wo man auf grosse Interessen rechnen kann, wo es aber nur einzelne gibt, die die zionistische Bewegung richtig beurteilen. Daher wird es auch leicht erklärlich sein, dass Serbien im Verhältnisse zur nationalen Kraft seiner jüdischen Einwohner so schwachen Anteil an der zionistischen Bewegung nimmt und dies trotz der Kraftentfaltung des Aktionskomiteemitgliedes Dr. A1 c a 1 a y für die zionistische Sache, dessen Fleisse zu verdanken ist, was bisher an Aufklärung geschehen ist, und dessen Einflüsse angerechnet werden muss. was bis dato an positiver Aufklärung resultiert Der hiesige Verein „Z i o n", der eine Vereinigung der Aschkenasim und Sephardim aller Schichten der Bürgerwelt darstellt, gibt ein Bild von der Vereinigungskraft der zionistischen Idee. Auch in dem hier bestehenden Jüdischen Frauenverein wird nationale Arbeit geleistet, wenn dieselbe auch nicht ein über das lokale hinausgehendes Interesse beanspruchen kann. Die gesellschaftliche jüdische Jugend konzentriert sich im Jüdischen Gesangverein, der heuer sein 25jähriges Bestehen mit einer vielversprechenden Feierlichkeit begehen will, worüber ich noch Gelegenheit nehmen will, zu berichten. Die Vorbereitungen zu dieser Feierlichkeit, insofern sie mir bekannt sind, lassen schliessen, dass dieselbe als nationale Feierlichkeit gedacht ist. Trotzdem dieser Verein als reiner Sportverein begonnen hatte erfüllt er heute, dank einigen arbeitsfreudigen Zionisten, einen guten Teil der nationalen Pflicht der hiesigen jüdischen Jugend und hat auch heuer die Veranstaltung der Makkabäerfeier in eigene Hand genommen, indem er den hiesigen Verein „Zion" um Ueberlassung dieser ehrenhaften Pflicht anging. Einem nationalen Befürfnisse ersten Ranges der hiesigen Judenschaft hat der Verstorbene Mata Levy entsprochen, indem er ein Vermächtnis von über 100.000 Frcs. zum Zwecke des Aufbaues eines jüdischen Heims hinterliess. Der Plan ist fertig. Zionisten, mit den Arbeitern zu gleicher Zeit an die Arbeit und eswirdeinHeimder Zionisten! Deef. Brief aus Lemberg. An emsiger, agitatorischer Wirksamkeit im Dienste unserer Ideen haben es die hiesigen Zionisten, sowohl die ältere Generation aus der Zeit des ersten Aufflackerns als auch die jüngern, die bereits die Glanzperiode unseres unvergessenen Führers mitgelebt, nie fehlen lassen. Dennoch vermieste man bis vor kurzem jene wohlgeleitete, tiefer angelegte Zentralisation der Arbeit, welche unstreitig die Basis einer gedeihlichen Parteiorganisation bildet und erst seit der Schaffung der Landes- und Distriktskomitees für die Zeit vom 24. November 1903 bis 31. Dezember 1904 (Vorsitzender Gesinnungsgenosse Adolf Stand) besteht. Der Bericht bietet in seinen, wenn auch noch bescheiden gehaltenen Einzelheiten ein erfreuliches Bild regen, weit über das theoretische Gebiet hinausragenden Schaffens der dieser Körperschaft angehörenden Gesinnungsgenossen. Der überaus rührige Finanzreferent des Komitees Herr Jakob Philipp berichtet, dass an Schekelbeiträgen für das Jahr 1904 der Betrag von 1253 Kronen (ein erhebliches Plus g^gen das Vorjahr), aus dem Erlös von Nationalfondsmarken 243 Kronen eingingen, während sich die zuhanden des Distriktskomitees und der Administration der Zeitschriften „Wschöd" und „Moriah" eingelaufenen Spenden für den Nationalfonds auf 2387 Kronen 14 h beliefen. Hierbei ist jedoch in Rücksicht zu ziehen, dass etwa der doppelte Betrag von verschiedenen Lokalorganisationen direkt nach Wien überwiesen wird. Unseres Erachtens sollte künftighin diese Umgehung der Lemberger Parteileitung vermieden werden, da sonst eine übersichtliche Zusammenfassung der finanziellen Leistungsfähigkeit des Distriktes unmöglich gemacht wird. Die Administrationskosten (inklusive jener für die Trauerkundgebungren) betrugen 425 Kronen 17 h, zu Wahlzwecken wurden 87 Kronen verausgabt, die Nationalbibliothek in Jerusalem mit 8 Kronen bedacht. Was die moralische Thätigkeitsephäre der Distriktsorganisation betrifft, ist in erster Reihe die trotz des effektiven Unterliegens als sehr erfolgreich zu bezeichnende Beteiligung der Partei an den Kultusgemein de wählen zu bedacht. Die Mitglieder des Komitees haben bei verschiedenen Anlässen an zionistischen Manifestationen der Provinzvereine als Redner teilgenommen. Sehr würdig gestalteten sich die anläaslich des Todes unseres grossen Herzl veranstalteten Traüerfeierlichkeiten.

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