Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 1 (6.1.1905)
- Date
- 1905-01-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nrt 1 „bl* * Welt" Seite 11 Skole. Arn L Dezember Makkabäerfeier der Vereine „Dorschei Zion" und „Dorsohei Mada". Festrede Herr M. Kluger, hebräischer Vortrag Frl. Kluger. Violine Herr Sonnenschein-Lemberg. Zahlreiche Gäste. Nationalfonds K 47.50., Tarnopol. Akad. Verbindung „BarKochba". Makkabäerfeier. Zahlreiche Beteiligung. Formvollendete «Tendenzrede Dr. Schur-Stanisiau. Rezitation: Schauspielerin Frl. Stella J?els. Regimentsmusik, Deklamationen, Konzert. Ansprache des Bb. Friedmann. Vom Reinertrage 10 Kronen dem akademischen Heim, 10 Kronen dem Pressfond und 10 Kronen dem Nationalfonds. Miawa. Makkabäerfeier am 18. Dezember. Ortsgruppe starke Teilnahme. Ort: Beratungssaal der Kultusgemeinae. Festrede unter st. Beif. Dr. M. Roth. Tendenzrede H. J. Weiss. (Beif.) Ansprache des Präses S. B. Rosner (Beif.) Sammlung N.-F. durch Staatstierarzt Koscha 10 K (zu 100 K in Bank bis zur Eintragung ins G. ß. deponiert.) Zeitschriften- Rundschau. Die hebräische Presse hat mit dem neuen bürgerlichen Jahre insofern eine Bereicherung erfahren, als das hebräische Tagblatt „Hasman", das im Frühjahr v. J. nach kaum mehr als einjährigem Bestände in Petersburg eingegangen war, von neuem unter neuer Leitung zu erscheinen begann. Das Blatt ist nunmehr in den Besitz der Verlagsanstalt „Tuschijah" übergegangen und erscheint in W i 1 n a. Im Hinblick auf diesen neuen Mittelpunkt jüdischen Lebens uad jüdischer Bildung, durch weiche die Stadt Wiln« die Bezeichnung „Jerusalem in Litthauen* erlangte, erhofft man für aas zum Leben wiedererwachte Blatt einen gedeihlichen Boden sowohl für dessen innere Ausgestaltung als für dessen materiellen Betrieb. Die uns bis zur Stunde vorliegenden 16 Nummern zeugen von dem Bestreben der Herausgeber, ein den modernsten Ansprüchen der hebräischen Leser entsprechend eingerichtetes Blatt zu liefern. Nebst dem Tageblatte „Hasman* wird unter gleichem Titel eine Monatsschrift für Literatur, Wissenschaft und Kunst erscheinen. Ein reges Interesse dürfte die Konkurrenz unter den nunmehr erscheinenden drei hebräischen Tageszeitungen hervorrufen. Diese Konkurrenz äussert sich bereits in den Prämien, mit denen dieRedaktionen einander zu überbieten suchen. So verspricht die „Haz^firah" ihren Abonnenten eine vollständige neue Uebersetzung von Gr ätz' „Geschichte der Juden" (gratis), sämtliche Werke von Smolensky (statt Rs. 18*40 um Rs. 2-—) und „Sämtliche Gedichte* von Gordon (st. Rs. 7*— um Rs. 1-60) „Hazofe" verspricht als Prämie: „Hascbiloach" zu ermässigtem Preise, den „Ozar" von J. S. Pinn (um Rs 2-— und „Sämtliche Gedichte* Bialiks gratis, während „Hasman" die bekannte Uebersetzung des Graetz von S. P. Rabinowitz (8 Bände) gratis im Laufe von zwei Jahren zu liefern verspricht und ausserdem die Werke der beiden Dichter Lebensohn und K. Schulmanns zu sehr ermässigten Preisen in Aussicht stellt. Wir variieren das bekannte talmudische nö^n nsin D^öiD n*OT un(* wünschen dieser regen und lebhaften Konkurrenz einen ebenso sichern und lebhaften Erfolg. M. B. The New Era IHustrated, New York, Dezemberheft. Wir hatten schon des öfteren Gelegenheit, diese vortreffliche Zeitschrift lobend zu erwähnen. Auch das Dezemberheft ist sehr gelungen. Sowohl dem Inhalt als auch der Ausstattung nach. Auf dem Titelblatt ist eine Glocke, gross und mächtig, und ein starker, energiestrotzender Jüngling schwingt den Schlägel. Die Glocke gerät in Bewegung und es scheint uns, als ob wir die Töne hörten, die sich ergiessen. Das Symbol ist ein stolzes, ein anspruchsvolles. Und die „NewEra" strebt diese Aufgabe an. Diese Nummer ist sehr gehaltreich. Besondere Beachtung verdient der Artikel von Hecquet-Cramer über den bekannten Maler und Aestheten des 18. Jahrhunderts Anton Raphael Mengs. Auc£ der Aufsatz von Dr. K a y s e r 1 i n g über Diego A g u i 1 a r aus dem Leben der Marranen ist sehr interessant. Im allgemeinen ist die „New Era" vielleicht die beste jüdische Monatsschrift. —k. Nach den Berichten des zionistischen Wochenblattes in Johannesburg „The Jewish Startf wurden in diesem Jahre die Chanukafeiern in Johannesburg besonders festlich begangen. Es waren ernste Feiern, sowohl die in den Synagogen, wie die in der grossen „Zionist Hall" und bei den einzelnen Vereinen. Dr.Herz und Dr.Landau, die beiden Rabbiner, hielten in ihren Synagogen ausführliche Predigten über die Makkabäer. Für den Nationalfonds wurde fleissig gesammelt. Die „Bnoth Zion" in Johannesbung allein sammelten Pfd. Sterl. 28.—. In ganz Transvaal gab es nach der Zählung vom letzten April 1,355.345 Weisse, darunter Männer 82%. Die Zahl der Juden ist nach der neuen Volkszählung noch nicht bekanntgegeben. Feuilleton. Lord Beaconsfieid. Grosse Männer bedeuten im Leben eines Volkes ebensoviel wie grosse Momente im Leben eines einzelnen Menschen. Wie diese letzteren blitzartig die ganze Tiefe, das undurchdringliche Dunkel der menschlichen Psyche erleuchten, die verborgenen Kräfte an das Tageslicht fördern, Horizonte zeigen, von denen man früher nicht einmal träumte, so ist die Erscheinung eines grossen Menschen im Leben eines Volkes eine Offenbarung. Mag man auch die begeisterten Übertreibungen Carlylesund seiner Geistesverwandten nicht anerkennen, mag man auch den auf die Spitze getriebenen Heroenkult, die Zurückführung der ganzen Geschichte auf die Taten einzelner grosser Männer verwerfen — die psychologische Wichtigkeit dieser Grossen lässt sich nicht verkennen. Man muss ihren Wert nur richtig und gebührend einschätzen. Wenn wir nun an irgend eine geschichtliche Person herantreten, um ihre Bedeutung für ihre eigene Zeit sowohl als für die Zukunft zu erkennen, um ihren kausalen Zusammenhang mit anderen geschichtlichen Ereignissen und Persönlichkeiten herzustellen, dann müssen wir vor allem darnach trachten, den Seelenkern, den festen Punkt im Leben des Mannes klarzulegen, die Achse zu entdecken, um die sich Taten- und Gedankensystem drehte. Wir müssen bevor wir den „Grossen* in seiner weltgeschichtlichen Bedeutung kennen lernen, ihn im engeren Sinne als Menschen, Staatsangehörigen, als Kind und Vater sehen, kurz als Menschen, wie er tatsächlich lebte und sich entwickelte. Erst dann können wir weitere Kreise ziehen, den Mann in seinem Entwicklungsgange betrachten. Wenn man, sagen wir, an einen derjenigen Grossen, die von Carlyle zum Beispiel verhimmelt wurden, herangeht, dann kann man sehr leicht diese Methode anwenden. Viel schwieriger und komplizierter wird die Sache, wenn man an einen jüdischen Grossen herantritt, an einen, der aus dem Judentum hervorging, um im Siegessturm die Welt zu erobern. Wir haben vor ans eine grossartige Gestalt, die des berühmten Lord-Premiers von England Benjamin D i s r aeli Earl of Beaconsfieid, dessen hundertster Geburtstag jetzt allüberall in Grossbritannien begangen wird. Ueber Disraeli ist viel geschrieben worden — er selbpt hat sich in seinen Romanen geschildert, sich und seine Aspirationen. Und dennoch erweckt Disraeli unser Staunen, weil sein Lebenslauf so aussergewöhnlich, so abenteuerlich, so romantisch ist. Schon die Tatsache, dass er als Judenstämmling zu der höchsten Würde des britischen Weltreiches kam. Zur selben Zeit, wo man in Europa entweder an die Judenemanzipation gar nicht dachte oder sie nur notgedrungen und in einer sehr bitteren Pille den Juden verabreichte, steigt ein Stern auf aus dem Hause Jakobs, erklimmt ein Jude die höchste Stufe des Staatslebens, beugt er die steifen Nacken der stolzen englischen Tories, der kalten, hochmütigen Aristokraten, die jeden Emporkömmling verachteten, besonders wenn dieser Parvenü ein „Israeli" war. Aber diese Tatsache an und für sich würde noch nicht genügen, um Disraeli zu einer so populären beinahe legendären, vor allem gesohichtspsychologisch hochwichtigen Persönlichkeit zu machen. Ist doch zum Beispiel Don Isak Abarbanel, trotzdem er ebenfalls seinerzeit Premier am Hofe von Granada war, keine historisch