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Die Welt · 1904-12-23 · 52 (23.12.1904) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
52 (23.12.1904)
Date
1904-12-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 52 „&ie * w^it" Seite 5 Nachdem er dahingegangen ist, ist die Lage derart verändert, dass Abhilfe geboten ist. Auf der einen Seite der antisemitische österreichische Nationalitätenstaat, eine gedrückte, in ihrem Horizont beengte Judenschaft, eine uns abholde öffentliche Meinung, auf der anderen das englische Imperium, breite jüdische, frei lebende Massen, eine von grossen Gedanken bewegte öffentliche Meinung und eine uns wohlgesinnte Presse. Ich meine, es ist klar, wohin unsere Interessen weisen. Dr. Friedcmann. * Konferenz der Mitglieder der süddeutschen Gruppenverbände. Die für den 18. Dezember 1904? nach Frankfurt a. M. einberufene Konferenz der Mitglieder der süddeutschen Gruppenverbände hat die folgenden Resolutionen gefasst: 1. Der Kongress ist, gemäss den früheren Beschlüssen des grossen A.-C, auf den März 1905 einzuberufen. 2. Die Versammlung ist der Ueberzeugung, dass die Zentralisation der Führung eine Notwendigkeit für den ungehinderten Fortgang der Bewegung bildet 3. Die Leitung der Bewegung ist nach London zu verlegen. Falls dies untunlich erscheint, ist Berlin zum Sitz der Leitung zu wählen. Mit ergebenen Zionsgrüssen Simon (Mannheim). * * Zur Diskussion der Organisationsgabe. Herr Hugo Schachtel veröffentlicht in der „Jüdischen Rundschau" eine Entgegnung auf meinen die Dezentralisatioiisanträge bekämpfenden Artikel, in welcher er nichts weniger behauptet, als dass ich in meinem Artikel Herzl herabgesetzt hätte. Die Herabsetzung Herzis findet er in meiner Konstatierung, dass das bestehende Organisationsstatut die Institution einer Führerschaft nicht keimt, dass es nicht einmal eine .Bestimmung enthalt, dass der Präsident des A.-C. direkt vom Kongresse zu wählen ist, und dass nach diesem Statut die vom Kongresse gewählten Mitglieder des A.-C. auch einen anderen als Herzl zum Präsidenten des A.-O. hätten wählen könne n. Die Leser dieses Blattes wissen, um was es sich handelt. Die Propagatoren der Dezentralisation begründeten ihre Anträge hauptsächlich mit der unbewiesenen Behauptung, dass das bestehende Organisationsstatut auf den Leib Herzis zugeschnitten sei, dass es daher, nachdem Herzl tot ist, für die derzeitigen Verhältnisse nicht passe und geändert werden müsse. Dem Bckämpfer dieser Anträge musste nun vor allem daran gelegen sein, zu beweisen, dass diese grundlegende Prämisse unrichtig, daher auch die Folgerung unstatthaft sei, und er bewies, dass die bestehende Organisation nicht auf den Leib Herzis zugeschnitten ist. Bei der allbekannten und von niemandem bestrittenen Tatsache, dass Herzl faktisch der Führer war, hätte ein auf seinen Leib zugeschnittenes Örganisationsstatut diese Tatsache sanktionieren müssen. Es hätte die Institution der Führerschaft enthalten oder, wenn schon nicht das, doch zumindest bestimmen müssen, dass der Präsident des A.-C. vom Kongresse selbst designiert wird. Da aber das Organisationsstatut solche Bestimmungen nicht enthält, vielmehr die Leitung der Bewegung einer Körperschaft anvertraut, die sich eines ihrer Mitglieder selbst zum Präsidenten wählt, so ist das der beste Beweis, dass dieses Statut nicht auf den Leib Herzis zugeschnitten, sondern den Verhältnissen, ohne Rücksicht auf c i n e Person angepasst ist. Der Bestand der faktischen Fülirersehaft Herzis ist ja also geradezu Grundlage dieser Beweisführung. Die Beweisführung, dass sich das Organisationsstatut nicht nach der Person Herzis richtete, weil es das Institut der Führerschaft nicht kennt, hätte ja ohne die selbstverständliche Voraussetzung, dass Herzl faktisch der Führer war, gar keinen Sinn! Wie kann mir also vorgeworfen werden, dass ich mit diesen Ausführungen die Führerschaft Herzis leugne? Es sind nicht immer die hervorragenden Persönlichkeiten in einer Bewegung vorhanden, die zu einer Führerschaft fähig sind. Es wäre daher ein grosser Fehler, in einem Zeitpunkte, in welchem ein solcher Mann lebt, die Organisation ganz nach ihm einzurichten, weil dann mit seinem Ausscheiden die Organisation und mit ihr die Bewegung hinfällig wären. Unser Kongress hat daher in weiser Voraussicht die Leitung nicht einer einzelnen Person, sondern einer Körperschaft anvertraut. Findet sieh in derselben eine überragende Persönlichkeit, wird sie mit der Zeit faktisch die Führerschaft übernehmen. Findet sieh aber keiner oder scheidet die vorhandene aus, dann leitet eben die vom Kongresse bestimmte Körperschaft die Bewegung und diese ist durch diese weise Einrichtung vor zu grossen Erschütterungen bewahrt. Wie nun in der Feststellung der Tatsache, dass der unter der Aegide Herzis gestandene Kongress ein weises, den Verhältnissen angepasstes und nicht auf eine Person zugeschnittenes Organisationsstatut geschaffen hat, eine Herabsetzung Herzis gesehen werden kann, ist rein unerfindlich. Man sollte glauben, dass derjenige Herzl mehr ehrt, der feststellt, dass unter seiner Aegide ein Statut geschaffen wurde, welches den Verhältnissen ohne Rücksicht auf seine Person angepasst ist und auch nach seinem Tode die Wirksamkeit behält, als diejenigen, welche ihn ein Organisationsstatut für seine Person sich zuschneiden lassen mit der Devise: Apres moi le deluge. Man könnte nun meinen, Herr Schachtel habe den Artikel missverstanden; wäre er aufgeklärt worden, er hätte gewiss die Behauptung fallen lassen. Zu meinem Bedauern muss ich konstatieren, dass Herr Schachtel tatsächlich diesbezüglich aufgeklärt wurde, und trotzdem obige Behauptung hat drucken lassen. Hier die Tatsachen. Der Leser soll sich über dieses Vorgehen ein Urteil bilden. Ich will mich jedes Kommentars enthalten. Herr Schachtel schickte seine Ausführungen gegen meinen Artikel der Redaktion der „Welt" ein, in welchen unter anderem folgendes zu lesen war: „Dass kein einzelner den toten Führer ersetzen könne, das war der Gedanke, der jetzt alle über eine Abänderung unserer Organisation, nachdenken Hess. Dieser Gedanke ist Dr. Kokesch . . . unbekannt, denn sein Artikel stellt Herzl nicht, wie wir ihn bisher sahen, als einen einzelnen, einen einzigen dar, dem vier andere beigegeben waren, sondern als einen von fünfen, der von diesen zum Präsiden ton gewählt war. Das ist aber unrichtig, dass das engere A.-C. ebenso gut hätte einen anderen zu seinem Vorsitzenden wählen können .... Herzl war unstreitig der Führer, ob diese Institution nun im Statut vorgesehen war odiT nicht. Gegenüber dieser Tatsache wirken die Ausführungen Kokesch's .... peinlich, weil sie im Effekt den einen zugunsten von anderen herabsetzen/' Die Redaktion der „Welt" schickte Herrn Schachtel den Artikel am 27. November 1904 zurück und Herr Doktor Werner schrieb ihm bezüglich des zitierten Absatzes folgendes : „Bezüglich Ihres Artikels möchte ich Ihnen noch einige Worte sagen. In seinem Artikel hat Dr. Kokesch unseren, verstorbenen Führer sicherlich nicht herabsetzen wollen. Er wollte nur zeigen, dass in der Theorie nach den Bestimmungen des Statutes auch ein anderer zum Präsidenten hätte gewählt werden können. Es handelt sich nur

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