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Die Welt · 1904-12-16 · 51 (16.12.1904) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
51 (16.12.1904)
Date
1904-12-16
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 51 fJbi$ * W«lt" Seite 13 Nationalfonds beisteuern. Man scheint hier tatsächlich überzeugt zu sein, dass Palästina geeignet zur Besiedelung ist, und will von Uganda, Argentinien u. s. w. nichts wissen. Statistisches. Nach der letzten Volkszählung sprechen in Oesterreich 57.782 Juden tschechisch. Von den 92.745 Juden Böhmens sprechen 50.080 (55i8%) tschechisch, 40.521 (44-8%) deutsch. In Mähren gibt es 44.255 Juden und von denen bedienen sich 34.261 (8B21%) der deutschen Sprache und 6792 (16-79%) der tschechischen. Schlesien zählt 9681 (88.24%) deutsch-, 1037 (9*7%) polnisch-, und 263 (2'40°/0) tschechischsprechende Juden. Ein trauriges Zeichen. Dass getaufte Juden die heftigsten Gegner ihrer Stammesgenossen werden, liegt in der Natur der Sache, die eine Annäherung nicht zulässt, dass. aber Juden sich nicht entblöden und jede Regung eines gut jüdischen Gefühles zu ersticken suchen, ist geradezu unbegreiflich und zeigt •' uns, wie tief ein Teil der Judenschaft bereits gesunken ist. Der jüdische Verein in Klausenburg, der grösstenteils aus Zio- . nisten besteht, wollte eine Chanukafeier veranstalten. Da trafen nun zahlreiche anonyme Briefe ein — wie sich nachträglich herausstellte, waren sie von J u d e n abgeschickt — in welchen gedroht wurde, man werde demonstrieren, wenn die Festlichkeit tatsächlich stattfinden sollte. Dies geschah offenbar aus dem Grunde, um zu verhindern, dass eine Festlichkeit als eine jüdische erklärt werde. Nichtsdestoweniger nahm die Feier einen ruhigen, ungestörten Verlauf. Wieder gegen die galizische Einwanderung nach Ungarn! Das ungarische Ministeritim des Innern hat an die Direktoren der öffentlichen Krankenanstalten ein Rundschreiben gerichtet, in dem sie zur Vorsicht bei der Aufnahme von „galizischen Einwanderern" gemahnt werden. Merkwürdig, dass man es gerade auf die „galizischen Einwanderer" so scharf hat, während man die Einwanderung der französischen Mönche ruhig vor sich gehen lässt. Offenkundig ist, dass das Rundschreiben beständig . von „galizischen14 Einwanderern spricht, während die Massnahme nur gegen die jüdische Einwanderung gerichtet ist. Eine Erbschaft der Budapester israelitischen Gemeinde. Die Repräsentanz der Budapester israelitischen Gemeinde hielt jüngst unter Vorsitz des Präsidenten Hofrates Sigmund Kohner eine ausserordentliche Generalversammlung ab. In derselben wurde zunächst der aus 150 Mitgliedern bestehende Sterne rausschuss gewählt. Sodann wurde über die Verlassenschaft des verstorbenen Präsidenten der Chewra Kadischa Moses Ehrlich referiert, der sein bedeutendes Vermögen der Gemeinde hinterlassen hat. Da die Seitenverwandten das Testament anfochten, kam es zwischen ihnen und dem Vertreter der isrie- " litischen Gemeinde zu einem Vergleich. Laut diesem Vergleiche, über weichen Hofrat Notar Dr. Philipp Weinmann referierte, übergehen die Besitzungen Fegyvernek und Ranfalva in den Besitz der Gemeinde, doch bleiben sie vorläufig in den Händen der bisherigen Pächter. Durch diese Erbschaft iiiessen der Gemeinde K 1 042 000 zu. Die Generalversammlung nahm den Ausgleich genehmigend zur Kenntnis. Russische Auswanderer in London, In der Themse kamen am 30. November wieder drei Schiffe an, die über 300 Auswanderer brachten, zum grossen Teil russische Juden, zum kleineren nichtjüdische russische Reservisten. Die Leute waren . über die deutsche Grenze geschmuggelt worden und hatten sich in Rotterdam eingeschifft. Von 21. bis zum 30. November hat das jüdische Asyl für -Obdachlose 1760 derartiger Einwanderer aufgenommen, gegen 952 im Vorjahre. . Die Beilegung des Schhlartskrieges. Die Hauptschwierigkeit für die Beilegung der Differenzen bot bekanntlich das der Cunard Line von der ungarischen Regierung eingeräumte Monopol bezüglich ausschliesslicher Beförderung ungarischer Auswanderer nach Amerika mittels Schiffen der genannten Gesellschaft von Eiume.aus. Diese Frage ist dadurch beigelegt worden, dass die Cunard Line den kontinentalen Linien einen entsprechendem Anteil an diesem Geschäfte zugestanden hat unter Genehmigung der ungarischen Regierung. Andrerseits werden russischen, mit Pässen für Cunard-Dampfer versehenen Auswanderern an den unter Kontrolle der preussischen Regierung stehenden Grenzstationen keine Schwierigkeiten mehr bereitet werden. Die Hamburger Linie wie der Norddeutsche Lloyd haben nämlich auf die ihnen seitens der preussischen Regierung eingeräumten Vergünstigungen verzichtet, so dass, wie bemerkt, auch mit Pässen für die Cunard Line versehene Auswanderer jene Kontrollstationen an der russisch-preussischeri) Grenze fernerhin unbeanstandet passieren können. Die . allgemeine Wirkung der getroffenen Vereinbarung geht dahin, dass die im Verlaufe dies Dampferkrieges stark reduzierten Passage raten durch solche ersetzt werden, wie sie vor einem Jahre bestanden haben. Das bedeutet, dass die bisher von den britischen Linien geforderte Zwischendecksrate von 15 Dollars wieder auf die frühena Höhe von 20 Dollars gesetzt wird und die kontinentalen Dampferlinien anstatt ihrer bisherigen Zwischendecksrate von 17 bis 25 Dollars wieder 30 bis 40 Dollars fordern. Auch für Kajütpassage werden die Preise auf den 'englischen Linien wieder von 30 bis 35 Dollars auf 42V^ bis 45 Dollars hinaufge&etzt werden. Jüdische Einwanderung in Amerika. Von Mai 1903 bis Mai 1904 sind 872 334 Personen in Amerika eingewandert, darunter 94 272 Juden, .10,8 Prozent. Kanada und Südamerika ist hierbei nicht mit inbegriffen. Jerusalem. Der berühmte Hebroner Rabbiner und Verfasser des mehrbändigen Werkes „^n mtp"*)> Rabbi Cheskija Medini, ist leider Freitag den 2. d. M. einer mehrwöchentlichen Krankheit erlegen, Medini stammte aus Konstantinopel, wo er auch seine Jugendjahre verlebte. Die Krasso-Bazorer Gemeinde, wie die meisten Juden in der Krim aus qvvisd bestehend, wandten sich seinerzeit an den Konstantinopeler Grossrabbiner um einen Rabbiner. Dieser empfahl ihnen den damals noch jugendlichen Medini. 28 Jahre bekleidete er das dortige Rebbinat. Die Liebe der Gemeinde zu ihrem Seelenhirten war nahezu abgöttisch. Unter den russischen Kollegen zählte er zu den ersten. Als die Kinder versorgt waren, legte Medini vor etwa acht Jahren sein Amt nieder, um nach Palästina zu übersiedeln. Schweren Herzens sah ihn die Gemeinde aus ihrer Mitte scheiden; den festen Entschluss vermochte sie jedoch nicht zu ändern. Einer seiner Vorsteher begleitete ihn bis hierher. Er gedachte sich zuerst in Jerusalem dauernd niederzulassen, da ihm jedoch das hiesige Leben zu geräuschvoll vorkam, zog er sich alsbald nach dem stillen Hebron, der Väterstadt, zurück. Auf vieles Drängen nahm er vor vier Jahren die dort erledigte Rabbinerstelle an. Vom Gnadengehalte, welchen ihm Krasso-Bazor aussetzte, lebend, schlug er jede wie immer geartete Gabe aus. Natürlich versah er auch sein neues Amt ganz unentgeltlich. Medini hatte in Palästina kaum seinesgleichen. In seinem Aeussern glich er einem mKntt er tfbft; seine Lebensweise war eine echt patriarchalische und er ging im 70. Lebensjahre zu den Patriarchen ein. n s ac 3 rv Grünhut. Feuilleton. Das Trender!. Aus einer Chanukageschichte von Schalom Aleichem. (Schluss.) Wenn ein Mensch nur immer und immer Leid und Kummer zu ertragen hätte und nicht auch ein Funke Vergnügen, ein Schimmer von Freude sein Leben erhellen sollte, so würde er es kaum ertragen und müsste des Lebens überdrüssig werden. So meine Mutter, die arme Witwe, die Tag und Nacht schwer gearbeitet hat, in Frost und Hunger und Entbehrung einzig und allein der Sorge um mich lebte. Weshalb sollte sie nicht auch ihr Vergnügen haben? Und wie jeder Mensch sein eigenes Vergnügen hat, das ein anderer vielleicht nicht empfinden mag, so hatte auch meine Mutter ihre besonderen Vergnügungen. Nichts in dar Welt machte ihr so so viel Vergnügen wie die Stunden, da ich ihr am Sabbat und an Feiertagen „Kiddusch gemacht", am Pessach ihr den „Seder abgerichtet" und am Chanuka ihr „Chanukalichter gebenscht". Ob es ein Kiddusch mit Wein oder Bier, ob ein Seder mit Chremslich oder mit vertrockneten Mazze war, ob die Chanukalichter in einer silbernen Menorah oder in zerschnittenen Kartoffeln steckten — glaubet mir: nicht im Wein noch in den Chremslich noch im Silber liegt der Kern der Sache. Es kommt nur auf das Machen des Kid dusch, das Abrichten des Seder und das Renschen der Chanukalichter an. Man hätte meine Mutter in dem Augenblicke sehen sollen, wie ihr Gesicht so hell strahlte und leuchtete! Da konnte man wahrnehmen was ein rechtes Vergnügen, eine wahre Glückseligkeit sei. Ich beuge mich über die zerschnittenen Kartoffel und sage die Berocho *) mit der üblichen Melodie; ich sage *) Segensspruch. *) Einige Teile haben bereits die zweite Auflage erlebt.

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