Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 51 (16.12.1904)
- Date
- 1904-12-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3315709-3316073-3316125--46407-3341259- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
\ Seite 12 „bi^ # W$lt" Nr. 51 Prag. Der Distriktstag am 25. Dezember wird um 0 Uhr vormittags eröffnet. Das Lokal ist der Schiedsgerichtssaal der Produktenbörse; die Tagesordnung lautet: 1. Eröffnung, 2. Rechenschaftsbericht, 3. Kassabericht, 4. Bericht des Nationalfonds-Kommissärs, 5. Agitationsbericht, Referent Herr Propper, 6. Organisation, 7. Freie Anträge, 8. Neuwahlen. Eine Substituierung von Vertrauensmännern ist unzulässig. Zionistisches Verbandsbureau der Hansestädte. Die Hamburger Zionisten treffen sich an jedem Donnerstag-Abend im Logenheim, Hartungstrasse 9/11, an jedem Sonnabend Abend im Cafe Ott, Jungfernstieg-, (Stammtisch mit blauweisser Zionsfahne). — Im „Hamburger Verein für jüdische Geschichte und Literatur" sprach kürzlich Herr Assessor Dr. Friedemao n-Wiesbaden über „Land und Leute von Palästina". Soviel wir dem Berichte des Hamburger „Fremdeoblatf entnehmen, hielt sich Redner an sein Buch „Palästina", das bereits in einem Feuilleton der a Welt" gewürdigt wurde. Er erntete reichen Beifall. Berichte, Frankfurt. Für Dienstag nach Abschluss der Verhandlungen der Konferenz hatte die Frankfurter zionistische Vereinigung die in Frankfurt anwesenden zionistischen Delegierten zu einem gemütlichen Abend eingeladen. Gg. Goitein begrüsste namens der Frankfurter Zionisten die Gäste aufs herzlichste. Ueber 200 Personen hatten sich eingefunden und folgten mit grösster Aufmerksamkeit den Ausführungen der Herren O. Marmorek, D. Wolffs o h n, Dr. A. K 1 e e, Dr. N. Katzenelsohn und Soko- 1 o w. Der Begrüssungsabend fand erst in vorgerückter Stunde sein Ende. Für den Nationalfonds wurden 120 M. gesammelt. Wien. Samstag den 10. d. M. hat unter dem Vorsitz der Frau Dr. Sidonie Kohn eine Generalversammlung des I. Wiener zionistischen Frauenvereines stattgefunden, in welcher Herr Lektor Friedmann in geistvoller, fesselnder Weise über „Jakob und Laban, zwei biblische Charaktere" sprach. Auf den Inhalt des Vortrages kommen wir noch zurück. Krakau. Am Montag, 12. d. M., fand im polnischen Nationaltheater die Makkabäerfeier bei ausverkauftem Hause statt. Viele Polen wohnten ihr bei. Die Festrede hielt Leon Reich (Lemberg). Ungeheuren Beifall fand das von Hirszenberg selbst gestellte Bild „Golus". Ausführlicherer Bericht in nächster Nummer. Wien. Vor einem zahlreichen Publikum sprach unser hier als Gast weilende Gg. Dr. Boris Goldberg aus Wilna, Dienstag, den 13. d. M. im Kongressbureau über die Kolonien in Palästina, die er während seines mehrwöchentlichen Aufenthaltes in denselben kennen lernte. Mit grosser Sachkenntnis berichtete der Vortragende über die verschiedenen Einrichtungen und Verhältnisse in den einzelnen Kolonien und wies an der Hand derselben nach, welche Aufgaben sich den zionistischen Körperschaften und Organisationen als wichtige Gegenwartsarbeiten ergeben. So hätte die Gesellschaft „Geulah" den Zweck zu erfüllen Boden zu kaufen und zu parzellieren, ein Infoimationsbureau hätte die Pflicht, Leuten, die sich ansiedeln wollen mit genauen Auskünften an die Hand zu gehen und die Palästinavereine könnten ihre philanthropische Tätigkeit derart einrichten, dass sie in den kleineren Kolonien die gemeinnützigen kommunalen und kulturellen Bedürfnisse decken, da deren Befriedigung aus eigenen Mitteln den Kolonisten zu schwer sei. Er schilderte zum Schlüsse die Art der Kolonisation, wie sie in der Kolonie Sedschera nach der Anregung von Margulis-Kalwariski durchgeführt wurde und sich so glänzend bewährt hat. Den hochinteressanten Vortrag lohnte grosser Beifall. Wir werden denselben in einer nächsten Nummer ausführlich zum Abdruck bringen. B. Wien. Dienstag den 6. Dezember fand im Festsaale des „ Hotel Central" die Chanukafeier des Theologischen Vereines sYatt. N.-F. 24 K., Saal überfüllt; unter anderen werden bemerkt: die Herren Rektor Dr. Ad. Schwarz, Hofrat Professor D. H. Müller, Lektor Friedmann, Prof. Büchler, Rabbiner Dr. Abeles, Bauer, David. Taglicht und Funk (Pressburg), Dr. L. Kahn und Frau, Vertreter jüdischer Vereine und Blätter etc. etc. — Der Präsident Herr Beck eröffnete die Feier und gedachte in markigen Worten des verstorbenen Dr. Th. Herzl Hierauf trug Herr Stössler einen selbstverfassten poetischen Prolog vor, der erhebende Wirkung erzielte. Nach dem Anzünden der Chanukalichter durch Herrn Oberkantor Gutimann (unter Assistenz des Tempelchores) hielt Herr Frankfurter die überaus beifällig aufgenommene deutsche Festrede. Die Mitwirkung des Violinvirtuosen Herr J. Zimbler an der Spitze eines Streichquartetts und des Schauspielers Herrn Th. Weiss (Vortrag jungjüdischer Gediente) erntete enthusiastische Anerkennung. Ebenso fand die hebräische Festrede des Herrn Kupfer schon wegen ihrer leichtverständlichen Sprache wohlverdienten Beifall Es sprachen noch Herr Rektor Schwarz, Hofrat Müller, Lektor Friedmann und Herr Rabbiner Dr. Bauer. Teplitz. Jüngst fand die erste Makkabäerfeier des Vereines „Zion* statt. Besuch und Verlaufwaren geradezu glanzvoll. Die Festrede des Dr. Margu lies war ein Kabinetstück — tief angelegt und formvollendet. Unser als vorzüglicher Musiker und stilvoller Komponist bekannte Oberkantor Dawison hatte für diesen Abend einen kräftigen Männerchor „Wisstlhr woher die Freiheit stammt" komponiert, der ausgezeichnet vorgetragen, mächtige Wirkung erzielte, Frl. Klara Langer, die blühend schöne Tochter des Grosskaufmannes M. L an g er sang mit ungemein lieblicher, weicher Stimme zwei Lieder so herzig und schön, dass dieses Debüt — wir glauben es war ein solch es— für die Geberin ausserordentlich ehrenvoll und für die Hören den sehr genussreich ausfiel und man nach weiteren Gaben dringend verlangte. Von den Darbietungen des immer bereiten Herrn B.Schlesinger gilt das, was einmal von seinem Gesauge gesagt wurde. Ein Sturm der Freude begrüsste sein Auftreten — ein tosender Orkan des Jubels folgt seinem Abtreten. Der feinsinnigste Musiker Dr. Salus begleitete den Liebling des Publikums und Stern aller Konzerte. Herr Egon Brecher einer der Besten des hiesigen Stadttheaters rezitierte aus jur gjüdischen Dichtern, so hinreissend, so machtvoll, so gefühlswahr und warm, dass er wiederholen und zugeben musste und unter brausenden Beifall das Empore vorliess. Ohne Misston verlief das schöne Fest. Wir Zionisten haben gezeigt, dass unsere Juden auch für den Ernst zu haben sind, und wir meinen die ernst zu nehmen sind, wissen es uns Dank. Für den Nationalfonds sorgten und sammelten in nimmer müder Lust und Begeisterung urd mit reichem Erfolg die Damen: Bloch, Kolm, Knöpfelmacher und Stern. Personalnachricht. Unser geschätzter Gg. Dr. Philipp Menczel, Landes- und Gerichtsadvokat, hat seine Advokaturskanzlei in Czernowitz, Rathausstrasse Nr. 16, eröffnet. Vtf*1r»@bi,oi)ik. Was ein rumänischer Minister gerne möchte. Gelegentlich der Einweihung eines neuen Verwaltungsgebäudes in Bottoschani wurde zu Ehren des anwesenden Ministers des Innern Vasile Laskar ein Bankett veranstaltet, an dem auch Vertreter der jüdischen Bevölkerung teilnahmen. Dr. Olivenbaum brachte folgenden Toast aus: „Die jüdischen Einwohner Bottoschanis, diese friedliche, das Vaterland und die Dynastie liebende Bevölkerung, erhebt durch mich dieses Glas zu Ehren und auf die Gesundheit des Herrn Ministers, in der Hoffnung, dass unter den befreienden Reformen, welche derselbe vollführt hat und in der künftigen Zeit noch vollführen wird zum Wohle und Fortschritte des rumänischen Landes, er auch seinen Schutz und seine Aufmerksamkeit den jüdischen Gemeinden zuwendenwird, die heute isoliert und ohnegesetzlicheGrundlage sind/ Der Minister antwortete dann wörtlich: „Die Judenfrage ist eine der wichtigsten in unserem Lande; wir können folglich nicht über dieselbe hinweggehen. Die Juden sind in Rumänien in grosser Anzahl und manche von ihnen haben sich seit langer Zeit hier niedergelassen. Wir sind nicht gegen die Juden, welche das Vaterland lieben. Als Beweis dafür können die Naturalisierungen (!) gelten, welche die Regierung in der vorigen Session bewilligt hat. Sagen Sie aber Herr Doktor, Ihren Glaubensgenossen, dass, wenn sie die Verbesserung ihrer Lage wollen, sie ihre Blicke nicht über die Grenze richten sollen, denn dies kann ihnen nur noch mehr schaden, aber nicht nützen. Zeigen Sie uns Ihre Leiden, richten Sie an uns Ihre Klagen, denn wir sind die Herren in diesem Lande." Die Rede erregt hier grosses Aufsehen. Vom Zionismus der Polen lässt sich die „Köln. Ztg." aus Warschau berichten: Jeden, der ein wenig die Entwicklung der Juden in Polen verfolgt hat, muss es überraschen, welche gewaltigen Fortschritte der Zionismus gemacht hat. Im sogenannten Ansiedlungsrayon gibt es gegen 1200 Zionistenvereine, die alljährlich über 100.000 Rubel zum