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Die Welt · 1904-12-16 · 51 (16.12.1904) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
51 (16.12.1904)
Date
1904-12-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 51 „bi$ & Welt Seite 11 Aufruf! Hebräische Sprachvereine, in deren geselligen Zusammenkünften das lebendige und freie Wort der hebräischen Sprache gleichsam neups Leben und einen besonderen Reiz zu verleihen pflegen, waren und sind die erfreulichsten Früchte der jungjüdischen zionistischen Bewegung. Auch Wien hat es im vorigen Jahre erlebt, einen hebräischen Sprachklub „Ivria" in seiner Mitte zu sehen Allein, wiewohl die Donaustadt beinahe zweimal so viel Juden beherbergt als Berlin, findet in ihr ein Verein, der in Berlin seit Jahren in der Munstrasse floriert, bloss ein kümmerliches, für die Gründer und Freunde qualvolles Dasein» Ich erlaube mir daher, die Freunde der hebräischen Sprache in Schrift und Wort auf diesen vor einem Jahre gegründeten Klub aufmerksam zu machen und Sie zu einer geselligen Zusammenkunft, respektive Gründungeabend im Kongesssaale anzuregen. Hochachtend Josef M. S a c h b> * * * Die bekannte israelitische Erziehungsanstalt in Ahlem wurde am 7. November infolge einer Einladung der Leitung dieser Anstalt, durch die Herren Baron Börries von Münchhausen, Heinrich York-Steiner und B«chtsanwalt Gronemann eingehend besichtigt. Die trefflich geleitete Anstalt nötigte die Besucher zum Ausdruck ihres Interesses und ihrer Bewunderung. Besonders interessierten die Zöglinge der Anstalt selbst, die einen vorzüglich disziplinierten Eindruck machten, und es erregte erfreutes Erstaunen, wie junge Leute aus Russland und Galizien, die erst seit kurzem der Anstalt angehören, sich so schnell in das Gefüge derselben und in die ungewohnte landwirtschaftliche Arbeit gefunden haben. Es ist damit allein schon ein Beweis erbracht, wie bei planmässigem vernünftigem Vorgehen tüchtige jüdische Handwerker und Landwirte erzogen werden können. Bei dem Besuche spielte sich eine sehr bezeichnende und interessante Episode ab. Die Besichtigung war nahezu zu Ende, als der Baron von Münchhausen an den führenden trefflichen Leiter der Anstalt, Herrn Inspektor Silberberg die Frage richtete : Ich habe bemerkt, Herr Silberberg, dass Sie in den Sälen der Anstalt Bilder vom Kaiser, auch der früheren Kaiser, das Bild Bismarcks und andere patriotische Bilder haben, was ja auch durchaus am Platze ist; wie kommt es nun aber, dass Sie nirgendwo auch Bilder von jüdischen Helden haben? Nach einer kleinen Pause erfolgte die nicht eben sehr befriedigen de Antwort, dass das jedenfalls darin liege, dass von den Freunden der Anstalt sich niemand zur Schenkung eines solchen Bildes veranlasst gesehen habe. Wenige Tage darauf aber traf in der Anstalt das Struck'sche Bild von Theodor Herzl ein, das Baron von Münchhausen der Anstalt zur Erinnerung an seinen Besuch widmete. Unter dieses Bild hatte der Dichter folgende schöne Widmungsverse gesetzt: „ Wasser des Lebens aus steinernem Herzen schlug deine Hand, Du führtest dein Volk aus der Fremde ins Vaterland Und sahst doch nur fern von den Bergen die heilige Flur, Die der ewige Gott der Väter dem Samen des Abraham [schwur! Du Mose der Zeit, da das Heimweh in Israel stieg, Du Mose unserer Tage, Gott geb deiner Sache den Sieg! Börries Freiherr von Münchhausen." * * * flilfsyerein der Deutschen Juden. Zu einer imposanten Kundgebung für den Hilfsverein der Deutschen Juden gestaltete sich 'eine öfrentlche Versammlung der Posener Qemeindeinitglieder, welche eine Anzahl Notablen unserer Gemeinde zum 1. Dezember nach dem grossen Apollo-Saal ein - berufen hatte. Die Herren James Simon und Dr. Paul Nathan aus Berlin erstatteten ein ausführliches Referat über „Ziele und Zwecke des Hilfsvereines der- Deutschen Juden". Die Versammlung, welche von weit mehr als tausend Personen besucht war, erklärte ihr Einverständnis mit den Ausführungen der Vortragenden und erklärte sich bereit, die gemeinnützigen Bestrebungen des Hilfsvereines tatkräftig zu unterstützen. Dies kam in der Versammlung durch zahlreiche Beitrittserklärungen und Zeichnungen deutlich zum Ausdruck. Es wurde die Bildung eines Provinzialk^mitees mit dem Rechte der Kooptation beschlossen. In dieses Komitee sind vorläufig die Herren Geheimer Kommerziell rat Herz, Schleyer, Israel Friedländer, Direktor N. Hamburger und Rechtsanwalt Placzek gewählt, welche sich auch um das Zustandekommen der Versammlung hervorragend verdient gemacht haben. Eine gleich gut besuchte Propagandaversammlung für den Hilfsverein fand am Tage zuvor in Bromberg in Wicherts Festsälen statt. Auch hier hatten die Herren James Simon und Dr. Paul Nathan sich in das Referat über den „Hilfsverein der Deutschen Juden und seine Aufgaben" geteilt. Der Erfolg war ein glänzender, die meisten Anwesenden, unter denen, auch Vertreter der Nachbargemeinden Nakel und Inowrazlaw sich befanden, erklärten ihren Beitritt zum Hilfsverein. Dem neu gebildeten Lokalkomitee traten sofort folgende Herren bei: Landtagsabgeordneter Louis Aronsohn, Rechtsanwalt Baerwald, J. Barnass, A. Cohnfeld, Oberlehrer Friedland, Bankdirektor Friedländer, Rudolf Jakobi, Lipowsky, Landtagsabgeordmeter Amtsgerichtsrat Peltarsohn, Justizrat Wolfen und Rabbiner Dr. Walter. H<is det* J$e^eäat>ä- Gedenket des Schekels! Voranzeigen. Wien. Im „Verein jugendlicher Arbeiter" hält Sonntag präzise 1j3h Uhr abends im Kongressbureau, IX., Türkenstrasse 9, Herr Dr. H. Kadiseh einen Vortrag über das „Jüdische Proletariat und die verschiedenen Strömungen im Sozialismus8. Gäete willkommen. Wien. Der Einzelverein „Wien" des „Zion" beruft für Die s ag den 20. Dezember 1904, 8 Ubr abends im Saale des Kongressbureau, lX.Türkenstrasse 9 eine ordentlicheGeneralversammlung mit der üblichen Tagesordnung ein. Um starke Beteiligung wird gebeten, da wichtige Anträge vorliegen. Wien. (Verein „Theodor Herzl".) Samstag den 17, Dezember findet im Vereine „Theodor Herzl", IL, Untere Augartenstrasse la, ein Vortrag über „Jüdische Kunst" statt. Referent: phiL Oskar Rosenfeld. Anfang 7\l2 Uhr abends. Gäste willkommen. Wien. „Poale Zion" veranstalten Samstag den 17. d. M. präzise halb 8 Ubr abends im Kongressbureau, IX. Bezirk, Türkenstrasse Nr. 9, eine öffentliche Versammlung. Tagesordnung: Die Lösung der Judenfrage nach den Prinzipien der „Poale Ziontf. Der bekannte Schriftsteller Dr. Arthur Landauer aus Breslau hat sein Eingreifen in die Debatte in antizionistischem Sinne zugesagt. Gäste herzlichst willkommen. Wien. „Jüdische Abende". Vorträge aus der Literatur der altjüdischen Volkssprache (Jargon). Das Komitee dieser Veranstaltungen arrangiert, durch den glänzenden Erfolg des ersten im November stattgehabten Abends ermutigt, einen zweiten, der Sonntag den 18. d. M. im Festsaale des Hotel Central, IL, Taborstrasse 8, stattfinden wird. Der Abend wird durch einen Vortrag des Schriftstellers Herrn A. Coralnik über die Grundzüge der Entwicklung der „Jargon"-Literatur eingeleitet. Weiters folgen Vorlesungen von Skizzen und Gedichten im jüdischen Originale. Einen neuen Programmpunkt bilden diesmal die Gesangsvorträge einer bewährten künstlerischen Kraft. Karten sind unter anderen bei Herrn M. Hammer, Stempelerzeuger, L, Rotenturmstrasse 31, im zionistischen Kongressbureau, IX., Türkenstrasse 9 und an der Abendkasse zu haben. Wi$n. Der Jüdische Männergesangverein „Schir Ziony hält jeden Mittwoch von 8-9 Uhr abends seine wöchentlichen Gesangsübungen im Vereinslokale, IX., Türkenstrasse 9, ab und werden Neuanmeldungen stets vor Beginn der Uebung entgegengenommen. Schriftliche Auskünfte erteilt bereitwilligst der Schriftführer Wilhelm David, IX., Porzellan gasse 22 a.

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