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Die Welt · 1904-12-16 · 51 (16.12.1904) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
51 (16.12.1904)
Date
1904-12-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Hr.. 51 „bie # weit" Seite 7 tröstet er sich, werden immer nur seltene Ausnahmen bleiben, solange unser Yolk seinen Christenglauben heilig hält." Für seine Gegner war es ein Leichtes, hier auf den haltlosen Widerspruch hinzuweisen, in den sich Treitschke in seiner oratorischen Kunst unversehens verwickelt. Nun, kam es denn darauf an, eine sachgemässe Besprechung der Juden frage und positive Vorschläge zu ihrer Beseitigung der Oeffentlichkeit zu unterbreiten, oder nicht vielmehr, von weithin vernehmbarem Orte in gewohnter künstlerischer Darstellung, die ihm über alles ging, das heiss umstrittene Tagesproblem der Politik als Herold in das Volk hineinzurufen? Hatte er nicht ein halbes Dezennium vorher sein Heroldsamt in derselben Weise gegen die Sozialdemokratie und ihre Gönner treulich ausgeübt? Treitschke rühmt sich selber, wie tagaus tagein eine Heerschar von Streitschriften gagen seine judenpolitischen Artikel heranstürme. Nachwirkend war der Ruf erschollen, das Volk stand auf, der Sturm brach los : doch es war nur ein Stürmlein auf die Veste; ein Stürmlein, wie es die Juden so häufig schon erlebt im kreisenden Laufe der Zeiten. * * * Unsere Feinde, sagt man, halten uns zusammen. Durch den Druck von aussen sind wir zu einem Volke gebildet worden und durch die Not zusammengeschmiedet. Leider aber haben es alle Verfolgungen unserer Feinde und Bedrücker nicht zustande gebracht, dass sich in unseren eigenen Reihen das Gefühl der Selbstachtung entwickelte. Man betrachtete die täglichen Beleidigungen und Demütigungen als eine vorübergehende Erscheinung, als eine augenblickliche Laune, und schnöde verkaufte man, wie Esau um ein Linsengericht die Ehre. Als der satte Operndichter Richard Wagner sein niederträchtiges Pamphlet „Das Judentum in der Musik", in die Welt hinauesandie, derselbe Wagner, der den „Juden Heine", welcher es um den hungrigen Operndichter Wagner wahrlich nicht verdient, einen politischen Bänkelsänger nannte — da fand er seine glühendsten Verehrer und Bravorufer in jüdischer Gesellschaft. An dem Mute der Selbstentwürdigung und Selbstentmannung, wozu auch ein Mut gehören soll, hat man's vor 25 Jahren auch nicht fehlen lassen. Nicht unserer Feinde Drängen und Treiben vollbrachte es, dass man die Rolle von Lakaien nicht mehr spielen wollte, nicht die Verfolgungen Hessen uns selbstbewusstes Ehrgefühl erlernen, nicht die ungewollte Wirkung judenfeindlicher Hetzpredigten machte den neu geweckten Mut der eigenen Achtung wieder rege — es war der Wille, der Entschluss des Herzens, das auf sich selbst sich jetzt besann. Das Selbstbewusstsein ist gegen Judenhass die Mauer. Das alte nationale Selbstgefühl, das nur sich selbst vertraute, wird doch die alte Feindschaft überdauern. Das ist unsere Aufgabe und unser Pathos. Und das sei heute unsere Lehre aus der Judenhatz vor 25 Jahren! T u b a 1. Ein tschechischer Assimiiantenkongress. Am 27. November tagte in Prag ein „Arbeitskongress* der tschechischjüdischen Assimilantenpartei, von dem ihr Parteiorgan behauptet, dass er ein Kampfplatz des altkonservativen gegen das freiheitlicheJudentum war. Doch weit gefehlt. Abgesehen von anderen Dissonanzen, handelte es sich einzig und allein darum, ob die vielfach verkannte und arg misshandelte hebräischeSprache durch — Majoritätsbeschluss als nicht vorhanden für die tschechischen Juden gelten soll oder nicht. Und die hebräische Sprache hatte Glück. Sie hatte diesmal die nötigen zwei Drittel Mehrheit und fiel nicht durch. Doch nicht zu frühe gejubelt! Die Redaktion des „Rozvoj* meinte, das wäre ein Pyrrhussieg. Und die Redaktion des Assimilautenblattes muss es doch wissen! greifbares statistisches Material wurde nicht geboten. Dafür aber desto konfusere Reden gehalten, die dann den Kulminationspunkt erreichten, wenn der oder jener dem Zionismus eines am Zeuge zu flicken versuchte. Wer mit offenem Auge dem Gange der Verhandlungen folgte, der konnte sich des Gefühles nicht erwehren, eine Versammlung politisch unreifer und an den ernsten Ereignissen der Judennot mit seltener Ignoranz achtlos vorübergehender Männer vor sich zu haben. Der Arbeitskon gress wurde durch das Referat Dr. Arnsteins: »Von unseren Beziehungen zur tschechischen Oeffentlichkeit" eingeleitet. Er konstatiert mit Befriedigung, dass in vielen Orten sowohl in rituellen als Matrikelangelegenheiten die tschechische Sprache gebraucht wird. Nur die Jugend hat an Tatkräftigkeit im assimilatorischen Sinne nachgelassen. Nach zwei Richtungen will Dr. Arnstein den Kampf geführt wissen : gegen die jüdischen Schulen deutscher Unterrichtssprache und gegen den Z i o n i sm us. Ueber letzteren sagt er wörtlich: „Auch der Zionismus ist ein wichtiges Hindernis für die Entfaltung unserer tschechischen Ideen; gegen diesen Einfluss, welcher zwischen den Juden und der übrigen tschechischen Gesellschaft einen Damm aufzuführen bemüht ist, müssen wir uns auf das entschiedenste stemmen." Es ist einfach lächerlich, darüber unsrerseits auch nur ein Wort zu verlieren. Polna, Holleschau, Prag reden als Tatsachen eine zu beredte Sprache. Mit einer geradezu sträflichen Naivität „konstatiert" der Referent eine Abnahme des tschechischen Antisemitismus seit dem Jahre 1897. Denn kaum zwei Sätze später legt er das Bekenntnis ab, dass die Sokolvereine keine Juden aufnehmen, die tschechischen Abgeordneten sie nur als Stimmvieh benützen und ansonsten sich den Teufel um sie scheren. Und trotz alledem wird an dem Assimilantenwahnsinne festgehalten, dass nur im „Hej slovane* das Heil der tschechischen Judenheit liegt, trotz alledem führt der Referent als zweckdienliche Mittel „die Verbreitung der tschechischen Lektüre und Literatur* an — gegen die wir als solche natürlich nichts haben — aber (nun kommt der Pferdefuss) nur zu dem Zwecke, , damit der Assimilationsprozess im Interesse der Kultur (!) beschleunigt werde". Tollkühne Träume, wie Gründung eines Tagblattes und einer Bank, musste der Referent als „nicht reif abweisen und stellte es zum Schlüsse — da keine tschechische Partei ihren [Intentionen entspricht — grossmütig dem Willen des einzelnen anheim, zu welcher Partei im tschechischen Lager er sich schlagen wolle. Nach diesem trostlosen Einleitungsreferate sprach der Matador im Lager Dr. Otto Bondy aus Kuttenberg über „Parteiorganisation* noch jammervoller. Er wünscht, dass die tschechischen Juden den Respekt der tschechischen Oeffentlichkeit sich verdienen, und meint: »Wir müssen die Christen in unsere Mitte nehmen, damit wir zeigen, dass wir etwas veranstalten können. Besonders in unsere Vortragsabende sollen wir unsere Christen nehmen." Das ist wohl mehr als Katzenbuckeln und Speichellecken, das wir ja bei so vielen Assimilanten gewohnt sind. Doch wo die Begriffe fehlen, da stellt zu rechter Zeit ein Jesuit sich ein. Um den salbungsvollen Anstrich bemühte sich der Herr Rabbiner Dr. Kraus. Das Wort „Jüdischer Geist* wirkt auf diesen Führer und Hirten wie ein rotes Tuch auf einen spanischen Kampfstier: „Was bedeutet das: „Jüdischer Geist?" ruft er pathetisch aus. „Jüdischnationaler Geist? Es ist doch bekannt, dass gerade aus dem Judentum Leute von unbestimmtem Nationalcharakter hervorgehen. Das Hebräische ist nur eine Form, die den eigentlichen Kern, die Religion, deckt." Er verlangt zum Schlüsse, dass das Hebräische eliminiert wird, besonders aus den Volksschulen, da es kein wichtiger Bestandteil für die religiöse Erziehung ist. Ich bin überzeugt, dass ich durch diese wenigen Zitate aus dem Referate dieses priesterlichen Chauvinisten

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