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Die Welt · 1904-12-16 · 51 (16.12.1904) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
51 (16.12.1904)
Date
1904-12-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 51 „bis # weit*1 Seite 5 Den Rabbinen. „Bei seinen praktischen Arbeiten wird uns der Zionismus stets an seiner Seite sehen." Diese Musik für zionistische Ohren machte Herr Rabbiner Horovitz beim Kommers der Frankfurter Auswandererkonferenz. Derselbe Dr, Horovitz, der seinerzeit einer der ersten unter den Protestrabbinern war+ Vielleicht sind diese Priesterworte wie jene, die einst den Sonnenaufgang für Jerusalem verkündeten. Wir begrüssen jeden Fortschritt der Friedenssache im Judentum auf das freudigste und unsere innere Genugtuung darüber hat keine Grenzen. Es ist kein Hindernis für den Frieden, wenn alle mannhalt und ehrenvoll ihre bessere Einsicht ans Tageslicht stellen. Namentlich dann wären die Juden leicht durch Einigkeit zum Ideal eines Stammes zu machen, wenn besonders die westlichen Rabbiner es wollen. Sage es keiner, dass sie ihre Macht über die Gemeinde zum grossen Teile verloren haben, seitdem sie aus dem Reiche des Uebersinnlichen nicht herauskommen» Wenn aus ihren Reden und Handlungen der Pulsschlag zukunftsstarken jüdischen Lebens, die glühende Liebe für ihr Volk, für sein Glück und seine Ehre herauszufühlen sein werden, dann wird es kaum einer in der Gemeinde wagen, der Autorität von Arons Nachfolgern zu widerstreiten. Seien wir Juden doch alle glücklich, dass es uns vergönnt ist, eine Zeit zu erleben, in welcher wir vor dem Antlitz der Ewigkeit ein monumentales Geschichtswerk ausführen können, das vom Standpunkte der heiligsten Gefühle und des kühlsten Denkens gleich hoch zu bewerten ist. Knüpfen wir an die obenerwähnte Konferenz an, um mit Beweisen aufwarten zu können: Soll es ewig so dauern, dass ein Teil der Juden sich auf der Wanderung befindet und der andere Teil seinen Spediteur macht? Vor Jahrhunderten strömten die Juden nach Galizien ein, weil es ein Dorado war; siehe 1904! Jetzt ist Amerika in Mode» Sehen wir weiters die sesshafte jüdische Gesellschaft an; die Abfälle davon sollte man nicht zählen, sondern wägen, denn es sind die Wertvollsten, die uns verlassen. Wir können gegen dieses abscheuliche Bild, aus dem wir noch viel betrübende Einzelheiten gar nicht erwähnt haben — die glänzende Vorstellung eines Volkes in der Heimat stellen, eine Vorstellung, hinter deren Wirklichkeit die politische Schönheit der so angesehenen Schweiz noch zurückstehen wird, Ist das nicht eine Aufgabe, des Schweisses der Edlen wert? Unabhängig, zum Schönsten strebend, klug und sicher können die Juden dahinleben, mit offenen Nachbarländern zur Entfaltung. Nun Ihr Herren Rabbiner, Ihr mü s s t ja wissen, was noch Herrliches in unserem Edelvolke zur Entwicklung drängt — macht, den Ruck vom Auch Juden zum Nur-Juden. Weit stehen unsere Arme offen. Kol Israel achehem! Die paar Zeilen eines Artikels können nicht die Aenderung eines Menschen in einer neuen Richtung bedeuten — sie können nur den Anstoss geben —• der Zionist entsteht in jedem Juden, wenn er denke, yon selbst und langsam. Aber „ die praktischen Arbeiten des Zionismus werden uns stets an seiner Seite finden", hat uns Dr. Horowitz versprochen — ein paar Worte werden genügen, eine solche praktische Arbeit nachzuweisen : „Der jüdische Nationalfonds dient dazu, dieAecker in Palästina anzukaufen". Sie sijid eingeladen, meine Herren Rabbiner! Der Zionismus hat nichts von Sympathiebeweisen die nur in den Gefühlsorganen, nicht aber in den Vollzugsorganen sitzen. Wir haben pfennigweise eine beträchtliche Summe zusammengescharrt. Der Nationalfonds findet leicht seine Zahler, an Sammlern aber fehlt es ihm. Denn gerne geben die Juden für eine Zufluchtsstätte ihres Stammes. Strecket die Hände aus für das jüdische Volk! Gebt uns, Rabbiner, Eure Macht im Lehrstuhl und auf der Kanzel! Schicket der jüdischen Kolonialbank oder der „Welt" Geld für den Nationalfonds l Seid wieder die nationalen Führer der Juden in nationalen Dingen! Gebt dem Judentume einen greifbaren Anhalt, ein Ziel — schaffet mit an der Einigkeit — schützt unser Volk! Seid beharrlich in der Steuereintreibung für das Judentum. Niemand darf seine nationale Pflicht vernachlässigen. Traurig, wie der Anblick unseres ganzen Lebens, ist auch der Anblick unseres Landes, wo nicht jüdischer Fleiss schon Paradiese schuf. Es könnte ein grosses, ein stolzes Wort der Geschichte werden, wenn diese Triften wieder mit ihrer Fruchtbarkeit ein Volk ernähren : „Das haben die grossen und stolzen Rabbiner Judas getan!" Fragt Euch, Rabbiner, ob aus den vielea Verteidigungsschriften des Judentumes nicht das kurze Wort werden kann: Respekt, wir sind Juden! In Euerem Anfang sei der jüdische Nationalfonds"'!*) Die Judenhatz vor 25 Jahren. In dem Streit über den Ursprung des Judenhasses behaupteten die einen, er sei das Produkt hellenischen Geistes und aus dem Abendlaude nach dem Orient hinübergetragen worden. Ebenso schnell und erfolgreich wie die makedonischen Waffen habe die griechische Kultur die asiatische Völkerwelt unterjocht und ihre stamraestümliche Bildung aufgesogen, „ein wirksames Ferment des Kosmopolitismus und der nationalen Dekomposition", was damals ein weit höherer Ruhm war wie heutzutage. Erst auf dem Boden Judäas sei die europäische Wissenschaft auf entschieden unbesiegbaren Widerspruch gestossen. Dieses trotzige Beharren auf dem eigenen Geisteserbtum, diese energische Ablehnung hellenisch-heidnischer Mischkultur habe den Anlass zu dem nie sterbenden Judenhass gegeben, der von Griechenland auf Rom übergirg, als nach der Zertrümmerung des alten Nationalstaates die nimmerwankende Festigkeit jüdischer Gesinnuügstreue dem welterobernden Edom, den Herren des Erdkreises als verbohrter Starrsinn erschien. Bis dahin habe keine dunkle Wolke religiösen oder nationalen Hasses auf das reine Gemüt des Morgenländers je einen Schatten geworfen. Das bestreiten die anderen und meinen, nicht der Gegensatz orientalischer und okzidentalischer Denkweise sei die Quelle des Antisemitismus, auch im Orient sei antijüdische Gesinnung allezeit herrschend gewesen. Der Judenhass sei so alt wie das Judentum selbst, dessen notwendiges Korrelat. Losgelöst von der heimatlichen Scholle, sei es immer des Juden Bestreben und missgönntes Vermögen gewesen, sich der Umgebung in Farbe und Wresen anzupassen und dabei in schroffer Absonderung gegen alle Nichtjuden doch jedes Stammesglied festzuhalten. Dieses schlaue Anschmiegen an die geltende Sitte, diese kluge *) Auskünfteüber Sammelbögen, Büchsen, Broschüren.: Der nächste Zionist oder die Redaktion der „ WeltÄATürkenstrasse 9.

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