Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 51 (16.12.1904)
- Date
- 1904-12-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 „bie # w^it" Nr. 61 tische Argument; denn änderen, etwa nationalen, Argumenten sind gegenwärtig die westeuropäischen Juden ja doch nur in geringem Masse zugänglich. Ich will nun nicht in Abrede stellen, dass gerade diese nationalen, in den Augen so vieler „idealen, unpraktischen" Argumente mir in Wahrheit die eigentlich praktischen zu sein scheinen. Vielleicht werden auch die Gegner unter unseren Volksgenossen allmählich zu dieser Einsicht kommen. Jedenfalls sind es gerade diese Argumente, die uns Zionisten hauptsächlich zur Mitarbeit an der geplanten Organisation veranlassen. Wir sehen in der Kooperation der grössten jüdischen Organisationen, in der Zusammenfassung bedeutender Teile unseres Volkes das eigentlich Wichtige der ganzen Aktion. Die Organisation der jüdischen Wanderung scheint uns nur der erste Schritt zu einer Organisation der Judenheit überhaupt. Wenn einer der hervorragendsten Teilnehmer der Konferenz ge^ meint hat, er müsse sich an den Zionismus erst „gewöhnen", so hat er damit so ziemlich das zum Ausdruck gebracht, was wir in bezug auf alle jüdischen Angelegenheiten bei unseren Volksgenossen anstreben. Sie sollen sich gewöhnen, jüdische Angelegenheiten als Juden zu erledigen, sie sollen das ängstliche Schielen nach dem Nachbar verlernen, den sie durch jede eigene Lebensäusserung zu verletzen meinen, sie sollen sich nicht immer als Anhängsel anderer, sondern als lebensberechtigte und zum Leben fähige Glieder einer Gesamtheit betrachten, in der sie alle die individuellen Rechte beanspruchen dürfen und sollen, die allen anderen zustehen. Vielleicht wird das Studium der Auswanderung aus dem Osten den westeuropäischen Juden manche Erkenntnis bringen, die wir ihnen bis jetzt vergebens zu vermitteln suchen. Die guten Köpfe unter ihnen sind schon jetzt darauf gekommen, dass in dem „utopischen" Zionismus mehr Gesundes steckt, als sie sich träumen Hessen. Vielleicht werden sie später auch einsehen, dass unser Enthusiasmus, den sie als unsere Stärke bezeichnen, nichts anderes ist als der Ausfluss einer einheitlicheren, freieren und befriedigeren den Lebensanschauung, die durch die Heimkehr zu unserem Volke einen belebenden Quell gefunden hat, dem sie immer frische Kraft verdankt. Dann werden sie mit Staunen gewahren, dass sie durch die bescheidene Hilfe, die sie anderen zu bringen versuchten, sich selbst am meisten genützt haben. Die Regelung der Auswanderung wird dann auch ihnen in ganz anderem Lichte erscheinen als jetzt. Dann wird es ihnen auch klar werden, dass sie mit der Organisation der Auswanderung ein Symptom behandelt haben und dass sie, wenn sie nicht nutzlose Arbeit machen wollen, tiefer gehen müssen, an die Wurzel unseres Glends, an das Goluth selbst. Die Arbeit zur Beseitigung des Goluth ist die einzige, die endgültig die so heiss gewünschte Regelung der Auswanderung bewirken wird. Nicht im Osten Europas kann jetzt den Juden geholfen werden, selbst wenn man Milliarden Geldes in Russland investieren könnte und wollte. Wir Zionisten haben es genug oft und genug laut gesagt, wie dem jüdischen Volke zu helfen ist. Es wäre überflüssig, hier nochmals davon zu sprechen. Dr. S i e g m u n d Werner. * * * PRÄSENZLISTE der Konferenz zu Frankfurt a. M. am 4. Dezember 1904. James Simon-Berlin, Dr. Paul Nathan-Berlin, Dr. H. Hildesheimer-Berlin, Oscar Berlin-Berlin, Justizrat Timendorfer-Berlin, Stadtrat S. Magnus-Königsberg i. Fr., Rabb. Dr, Horovitz-Frankfurt a. M., Geh. Reg.-Rat Dr. Mayer- Karlsruhe, Senator Leop. Fischer-Hannover, Justizrat Dr. Mann-Stettin, Albert Simon-Köln a. Rh,, Rabbiner Dr. Winter-Dresden, Rabb. Dr. Werner-München (Hilfsverein der deutschen Juden). Bankdirektor George Marx-Königsberg i. Pr., Konsul J. Latten-Königsberg i. Pr*, M. Perlmann-Königsberg i. Pr., Justizrat Cohn-Tilsit, Laaser-Tilsit, Pupko-Tilsit (Ostpreuss. Schutzkomitee des Hilfsvereines für durchreisende russische Juden). Paul Laskar-Hamburg (Israelitischer Unterstützungs* verein für Obdachlose.) Martin Lebrecht-Nürnberg (Lokalkomitee des Hilfsvereines). Rabb. Dr. Rosenak-Bremen (Schutzkomitee des Hilfs^ Vereines). Rabb. Dr. Ziemlich-Nürnberg, Ed. Cohen-Frankfurt, Rabb. Dr. Münk-Marburg (Lokalkomitee des Hilfsvereines). Rechtsanwalt Dr. Gunzenhäuser - Stuttgart (für das Württemberg. Landeskomitee des Hilfsvereines). Justizrat Timen dorfer-Berlin, Sanitätsrat Dr. Maretzki- Berlin, Siegmund Bergel-Berlin, Joseph Wisloch-Frankfurt a. M- (Grossloge für Deutschland VIII. U. O. B. ß.) Dir. Dr. Bärwald-Frankfurt a. M., Jacques Bigart-Paris (AUiance Israelite uniserselle, Paris). Hermann Landau-London (Anglo Jewish Association und Shelter, London). Carl Stettauer-London (Board of Guardians). Rechtsanwalt Dr. Blau-Frankfurt a. M., Charles L. Hallgarten-Frankfurt a. M., Justizrat Dr. Edmund Lachmann-Berlin (Jewish Colonization Association). Wilh. Pappenheim-Wien, Dr. A. Kaminka-Wien, (Israelitische Allianz zu Wien). Dr. Pappenheim-Wien, Dr. Löwy-Wien, (Hilfsverein f. d. notleid, jüdische Bevölkerung in Galizien). Dr.Ed.Kohn-Wien (GrosslogeU.O.B. B. für Oesterr.). Architekt Oscar Marmorek-Wien, Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer-Köln, Dr. Siegmund Werner-Wien (Zionistisches Aktionskomitee). Bankpräs. D. Wolffsohn-Köln (Jüdische Kolonialbank, London). Bankdir. Dr. Katzenellensohn-Libau, Dr. M. Warschawsky-St. Petersburg, Dr. J. Gordon-St. Petersburg, David Feinberg-St. Petersburg, Siegm. Frumkin-Warschau, Red. N. Sokolow-Warschau, Adolf Gordon-Wilna, Paul Frumkin-Wilna, Dr. Lubarsky- Odessa, M.E.Landau-Moskau, L. Wygodsky-Minsk (Russland). Advokat Dr. S. Stern-Bukarest, Rabb. Dr. Niemirower- Jassy (Grossloge U. 0. B. B. für Rumänien). Prof. D. Simonsen-Kopenhagen, Grosshändl, Abrahamsohn-Kopenhagen (Hilfskomitee). J. Bollag-Feucht wanger-Basel, Julius Meyer-Basel (Hilfskomitee für jüdische Auswanderer). N. A. van Geider-Rotterdam, J, M. Schnitzl«r-Rotterdam (Montefiore Vereinigung)* Moritz Warburg-Hamburg (Hilfskomitee für die russischen Juden). Ph. Graf-Nürnberg, Adolf Hey mann, Nürnberg (Zentralverein für Nürnberg-Fürth). Stadtrat Stockheim-Mannheim (Grossh. Bad. Oberrat der Israeliten). Jacob Hirschinger-München (Armenpflege). Dr. Adler-Lübeck, Jak. S.Posen-Frankfurt (Misrachi). Dr. J. Horovitz-Frankfurt, Alfred Geiger-Frankfurt Lismann Fürth-Frankfurt, Elie Michael-Frankfurt (Palästinensischer Hilfsverein »Lemaan Zion") Gustav Levy-Stettin (Jüdische Gemeinde Stettin). Henry Seligmann-Frankfurt, M. M. Maniz-Frankfurt, Philipp Schiff-Frankfurt, Sana. Neustadt-Frankfurt, Z. Hochschild-Frankfurt, J. C. Weill-Frankfurt, Benny Oppenheim er¬ Frankfurt, M. Oppenheim-Frankfurt, Meier Selig Goldschmidt, Leopold Merzbach, Willy Stern-Frankfurt, Dr. Ad. Fuld (Hilfskomitee für die österreichischen Juden, Frankfurt). Leopold Hirschler-Frankfurt, Stadtrat Baer-Frankfurt, Dr. Walter-Frankfurt, Hermann Cr am er-Fr an kfurt (Israelitischer Hilfsverein). Rabbiner Dr. Jaulus-Aachen, Rabbiner Dr. Rosenthal- Köln (Israelitischer Armenverein). Dr. A. Klee-Berlin, Eduard Simon-Mainz, Dr. Julius Moses-Mannheim, KonsulA. M.Simon-Hannover, M. Apelt- Halle a. S., Bertha Pappenheim-Frankfurt a. M., Arthur Meyerowitz-Berlin, Arthur Goldschmidt-Berli™, Dr. M. Friedländer-Berlin.