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Die Welt · 1904-12-16 · 51 (16.12.1904) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
51 (16.12.1904)
Date
1904-12-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Redaktion und Administration: WIEN IX., Türkenstrasse Nr. 9. Tölephon 14.199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten, Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaktion täglich von 10—V,^ Uhr. Preise der Anzeigen : laut aufliegendem Tarif. Der Irseratenteil wird Dienstag abends geschlossen Einzelne Nummern 30 Heiter. RoTliflCnroicO" Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das Ausland: DC£Uyo|JI ClOU. Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R, 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17.— halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig Frcs. 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85 Nr. 51. Wien, 16. Dezember 1904. — 8. Tebeth 5665. 8. Jahrgang. Da mit Ende dieses Monats eine sehr grosse Anzahl von Abonnements abläuft, wird um rechtzeitige Erneuerung ersucht, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Unsere Hauptvertretung in Russland hat die Buchhandlung „Hazefirah" in Warschau, Nalewki 24. Die Konferenz zur Regelung der jüdischen Auswanderung aus Osteuropa. Die vom „Ii ilfsverein der d e u t s c h e n J11 (1 c iiu und der „Grossloge TL O. B. B. für I) c u t s c h 1 a n d" nach' Frankfurt einberufene Konferenz hat daselbst am 4. und 5. Dezember stattgefunden. Wir haben den offiziellen Berieht über die Ver- Imndlungen bereits in unserer vorigen Nummer veröffentlicht. Es sollen nun der kurzen Besprechung des Resultates einige prinzipielle Bemerkungen angefügt werden. Wir wollen vor allem feststellen, dass 'die'zum Beschlüsse erhobenen drei Resolutionen so ziemlich das unter den gegenwärtigen Verhältnissen bei den jüdischen Organisationen Erreichbare darstellen. Wenn diese Beschlüsse energisch, durchgeführt werden, so ist für die Emigranten tatsächlich viel gewonnen. Wir dürfen auch, erwarten, dass man in durchaus wohlwollendem Sinne an die Durchführung dieser Beschlüsse herantreten werde, und wir Zionisten sind natürlich gerne bereit, uns nach Kräften an dieser Arbeit zu beteiligen. Dass aber damit noch lange nicht das geleistet ist, was geschehen sollte, darf nicht verschwiegen werden. Für die Emigranten wird manches Gute aus der ehrlichen Betätigung des Zentralbureaus und der Landeskomitees erwachsen, an den-Ursachen der Emigrat i o n wird damit nichts geändert. Das soll kein Vorwurf für die Einberuferder Konferenz und keiner für die Teilnehmer an derselben sein. Haben wir uns doch auch daran beteiligt und sie gutgeheissen. Es ist aber nötig, dass gerade von uns Zionisten bei aller dankbaren Anerkennung der bereits geleisteten und bei aller Hoffnung auf noch zu leistende Arbeit, immer wieder darauf hingewiesen werde, dass wir in allen von der Konferenz in Aussicht genommenen Massregeln nur eine Bekämpfung von Symptomen, nicht aber eine Beseitigung der Ursache einer schweren Erkrankung unseres Volkskörpers sehen können. Es muss dalier jetzt, und gerade jetzt wieder, hervorgehoben werden, dass die Wanderung unserer Volksgenossen momentan allerdings eine grössere geworden, dass sie aber keine zufällige, keine willkürliche ist. Man wandert nicht aus, wenn man in seiner Heimat in Verhältnissen lebt, die ein Fortkommen, und sei es auch nur ein bescheidenes, ermöglichen. Die Aengstlichkeit mancher Leute, die bei jeder Massregel fürchten, eine Ermutigung der Auswanderung zu bewirken, ist eine unbegründete. So lange, um mit Franz Oppenheimer zu sprechen, „die tiefen Strömungen des Ozeans der Menschheit ihre Geschichte sind", so lange ferner „Massenströmungen vom Orte höheren Druckes zum Orte niederen Druckes" vor sich gelien müssen, so lange ist nicht darauf zu rechnen, dass die Auswanderung unserer Volksgenossen aus den Gegenden Osteuropas aufhören werde. Daran werden selbst politische Reformen, die Ja doch den Herrschenden immer erst in hartem, lange währendem Kampfe abgezwungen werden, müssen, die ja auch auf das möglichste Minimum reduziert und nur allmählich durchgeführt werden dürften, nicht viel ändern. Die Lage unserer Brüder im. Osten ist eine solche, dass wir eine Abwanderung aus der Zone des wirtschaftlichen Hochdruckes als eine den ökonomischen Gesetzen entsprechende und darum auch nicht einzudämmende betrachten müssen. Wenn von dieser Hochflut auch eine Anzahl wirtschaftlich Schwacher mitgerissen wird, die sonst den Daseinskampf noch an Ort und Stelle auszukämpfen versucht hätte, so ist das sicherlich eine quantite negligeable, die zu keinerlei Befürchtungen Anlass geben kann. Nicht um Ermutigung und nicht um Entmutigung kann es sich also handeln, sondern um die möglichst vernünftige Regelung einer von unserem Wollen und Wünschen unabhängigen Auswanderung. Und das ist der Grund, warum wir Zionisten uns an dieser Arbeit beteiligen wollen. Ob mit oder ohne Konferenz werden die Juden Europas zu dieser Frage Stellung nehmen müssen. Für die Juden des Ostens sind die von uns bewohnten Gebiete bereits Zonen niederen Druckes, und wenn auch die einzelnen Staaten dafür sorgen, dass diese Zonen nicht von den Auswanderern überschwemmt werden, so kann eine ungeregelte Auswanderung nicht ohne störenden Einfluss auf unsere eigene Lage bleiben. Dasist das rein prak-

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