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Die Welt · 1904-12-09 · 50 (9.12.1904) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
50 (9.12.1904)
Date
1904-12-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite g „Esfe $ we«? Nr. 50 vereine (Frl. Wetzler). Zum Obmannwurde wieder Gg. Dr. G o 1 d w a s s e r gewählt. , , . Spät nach Mitternacht wurde der Tag, der einen allgemein befriedigenden Verlauf nahm, durc,h Dr. W a h r- h a f t i g unter Dank an die Delegierten geschlossen. Z. Brief aus Kroatien/ Die ersten Zionisten Kroatiens waren Studenten in Wien, die, von der Wiener Bewegung'.mitgerissen, sich an die Arbeit begaben, indem sie aus der Ferne die nationale Sorge um ihre Brüder in der Heimat auf sich nahmen, sich vereinigten, um in der eifrigen. Pflege des nationalen Gedankens zuerst sich selbst zu stärken, um sodann die erste agitatorische Tätigkeit in ihrem Heimatlande, zu entfalten und es dem zionistischen Gedanken je eher zugänglich zu machen. Die Zukunft konnte nicht vorausgesehen werden. Es handelte sich bei der Inangriffnahme der Agitation fast nur, um etwas Prinzipielles, wonach auch d«r kleinste Bruchteil des jüdischen Volkes, von dem sonst nur wenig Hilfe für die zionistische Sache zu erwarten ist, mit der * Volksbewegung, welche eben das ganze Volk umfassen und nicht den kleinsten Teil auf einem noch so entlegenen Fleckchen Erde ignorieren soll, vertraut gemacht werden muss. Denn Kroatien-Slavonien bewohnen kaum 2£.OC0 Juden, die, selbst wenn sie alle für den Zionismus zu gewinnen wären, bei einer Rechnung mit der weitumspannenden zionistischen Organisation kaum in die Wagschale fallen würden. Heute, nach kaum zwei Jahren der alleinigen Tätigkeit des Studentenvereines »Bar Giora" sind Erfolge, die nicht vorauszusehen wareD, zu verzeichnen. Sie lohnten reichlich die Mühe, die aufgewendet wurde. Denn nicht allein die kroatischen Juden wurden in so kurzer Zeit mit dem zionistischen Gedanken vertraut gemacht, vielmehr haben wir ein stolzes, auf seine nationale Eigenart bedachtes Volk iür unsere Sache interessieit und mit einem Schlage gewonnen. Das öffentliche Interesse,, welches der Zionismus Ursache hat, auf der ganzen Welt, bei allen Nationen zu erwecken, ist bei dem kroatischen ''Volke in freundlicher Richtung wachgerufen worden. Der zionistische Gedanke hat die gesamte kroatische Presse und mit ihr die öffentliche Meinung gewonnen. Die Idee, die zu bekämpfen man seitens der Assimilanten keine Mittel scheute, ist als eine natürliche aufgenommen, so dass in der Zukunft die Arbeit eine leichte ist, denn das Allgemeine, Grundlegende ist nun von eirer Seite eingeführt, die die Juden aller Länder gewöhnlich für kompetenter halten — von der arischen Seite. Nun hat die Detailarbeit zu erfolgen. Und auch diese ist zum Teile schon geleistet. Bedauernswert ist nur, dass die propagandistische Tätigkeit ein wenig seitwärts geschlagen hat. Was sonst nirgends geschehen ist — wofür in Kroatien aber gar keine Notwendigkeit vorhanden war— und sicher vom Standpunkte der zionistischen Parteitaktik nicht zu billigen ist, ist in Kroatien geschehen: - der Zionismus wurde in die innere kroatische Politik geschleppt und wird nun einen schweren Kampf mitzumachen haben, bis er sich wieder auf einen objektiven, von der Allgemeinheit gebilligten Standpunkt "erhebt. Zu sehr ist in der allerletzten Zeit von einigen Zionisten, die sich sonst als Oppositionelle an der kroatischen Pqlitik beteiligen, ihre Anschauung von den Rechten Kroatiens im Streite mit Ungarn betont worden. In zionistischen Versammlungen. Sie hätten's lieber lassen sollen. Man hat dadurch . nur unnützerweise den Zionismus in Kroatien bei eir.em grossen Teile der Juden . wie auch Nichijuden diskreditiert, indem man ihm fast den Stempel einer kroatisch - oppositionellen Parteibe- Wf gti'r'g . aufüjückt?. Der allgemeinen Sjrrpaihie, welcher sich unsere unparteische Bewegung erfreut hat und stets erfreuen sollte, ist sie verlustig gegangen. Wohl kann sich der Zionismus als eine freiheitliche, moderne, nationale Bewegung mit jeder freiheitlichen Regung eines jeden Volkes befreunden, er hat sich aber noch in keinem Lande an den innerpolitischen, rein nationalen Kampfe, der innerhalb der meisten Nationen zwischen den Parteien wütet, beteiligt, indem er einen Parteistandpunkt eingenommen hätte. Für die Zionisten war überall — und bis vor kurzem auch in Kroatien — die Anschauung und die Form, in welcher sie dem Heimatlande Dienste leisteten und ihrem Patriotismus Ausdruck gaben, nebensächlich, das, was sie einigte, war einzig und allein ihr Judentum und das Baseler Programm. Es wird für die Entwicklung des zionistischen Gedankens in Kroatien unbedingt das baldige Inslebenrufen einer Organisation vonnöten sein, um diese Fehler gutzumachen und alle ferneren zu verhüten. Dadurch wird auch am besten der Vorwurf, der dem Vereine »Bar Giora" gemacht wird, dass er den „deutschen" Zionismus nach Kroatien importiere, behoben, obzwar derselbe sonst nicht ernst zu nehmen wäre. Es sind lächerlicherweise Juden, welche diesen Vorwurf laut erheben, ohne zu bedenken, dass der Zionismus, selbst wenn sich unter diesem Namen nichts weiter als eine solide Firma bergen würde, dies nicht verdienen würde, geschweige denn eine von ihnen anerkannte Volksbewegung; sie erheben ihre Stimme gegen den »Import", ohne aber selbst etwas dagegen zu tun, ohne diesen Import unnötig zu machen. Der Verein „Bar Giora" dürfte sich kaum dagegen sträuben, wenn er der Arbeit, die ein kroatisches-slawonisches Landeskomitee zu leisten haben wird, entledigt wird, denn die Arbeit ist derart angewachsen, dass sie ein Studentenverein kaum mehr bewältigen dürfte. Was ist natürlicher, als dass jetzt, wo bereits feste Ansätze zur Gründung einer Organisation vorhanden sind, alle Elemente zusammenwirken, um ein kroatisch-slawonisches Landeskomitee zu schaffen? Wenn man die Zukunft im Auge hat, muss man Zagreb als Sitz der zukünftigen kroatischen Organisation vorschlagen. Das Komitee selbst müsste aus Gesinnungsgenossen verschiedener Städte zusammengesetzt sein, nur die eigentliche peimanente Exekutive (vielleicht aus drei Personen bestehend) sollte Zagreb zum Wohnsitz haben. Das Zentium Kroatiens soll auch das Zentrum unserer Organisation werden von allem Anfang, damit für später unnütze Arbeit erspart bleibt, ohzwar es heute noch nicht darauf Anspruch erheben könnte. In Bälde werden wir dann in Zagreb nicht allein die zionistische Zentrale sehen, sondern auch ein jüdisches Wochenblatt und die Geschäftsstelle eines Bundes jüdischer Kultusgemeinden Kroatiens, Wünsche des Herin MsxLe derer, die bereits vor Monaten der Oeffentlichkeit überliefert wurden, ohne dass sie bis heute berücksichtigt wurden. Ueberall mangelt es aber nur am Beginnen. Die Bildung des Landeskomitees wäre mit Unterstützung einzelner tüchtiger Gesinnungsgenossen und der bereits in Zagreb, Osijek, Virovitica, Bjelovar, Pozega, Virjkcvce,Djakovo, Zemun bestehenden Gruppen durchzu* führen, eine letzte dankbare Arbeit, der sich der Verein „Bar Gioranicht entziehen sollte. D________1. Aus Russland. Hornel. Wir werden noch öfter Anlass nehmen müssen, aus dem im Gerichtssaale zu Hornel seinem Ende entgegengehenden Prozesse gegen dieTeilnehmer an.den vorjährigen blutigen Exzessen gegen die dortigen Juden Szenen und Bilder vorzuführen, welche die ganze Trostlosigkeit der La.g.e unserer Volksgenossen, in Russland in unheimlichster Weise illustrieren. Der Verhandlungstag vom 30. November

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