Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1904-12-09 · 50 (9.12.1904) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
50 (9.12.1904)
Date
1904-12-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316073-3316124--46381-3341232
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 50 „bl* # Welt11 Seite 7 Hierauf erstattete der Sekretär Dr. Wahrhaftig den allgemeinen Rechenschaftsbericht (das Sekretariat versahen in dieser Periode ausser dem Genannten abwechselnd die Herren Dr. Syrop, Ing. Leuchter und Adv.-Kand. E. F. Waschitz). Dem Berichte entnehmen wir folgende Daten: Das Distriktskomitee Krakau wurde im Jahre 1902 am Bielilzer Parteitag geschaffen. Der Distrikt war sehr vernachlässigt, da die durch den Krach von Machadoim und überhaupt durch ihre Miss Wirtschaft verschuldete Auflösung der von Dr. Salz-Tarnöw geleiteten kolonisatorischen „Ahawath Zion"-Vereine auch den politischen Zionismus arg in Mitleidenschaft gezogen hat. Im Jahre 1903 existierten 8 Vereine, wogegen heuer die Zahl derselben auf 27 gestiegen ist, also um mehr als das Dreifache. Das Distriktskomite hat zwei Agitationsredner ausgeschickt, von denen einer (Friedmann) 18 Versammlungen abhielt, der andere (Löbl Taubes) 8. Es wurden mehrere öffentliche Volksversammlungen veranstaltet, bei deren einer Doktor Klee-ßerlin das Referat hatte. Ueberall wurden Makkabäerfeiern abgehalten, zu denen das Distriktskomitee Redner aussandte. Anlässlich der Kultuswahlen hat das Distriktskomitee viele Versammlungen entweder selbst einberufen, oder solche zahlreich beschickt. Zwei Gesinnungsgenossen sind auch in die Kultusstube eingedrungen. Den russischen und rumänischen Emigranten wurde seitens des Distriktskomitees materielle und moralische Hilfe geboten. Für das Nationalgeschenk wurde eifrig gesammelt; auch wurde ein Herzl-Wald von 100 Oelbäumen gespendet. Der finanzielle Bericht des Kassiers Dr. Hilfstein war leider nicht sehr günstig. Das Jahr schliesst mit einem Defizit von 600 Kronen, das meist durch die vielen Agitationsreisen und grossen Administrationsauslagen verursacht wurde. (Die Agitationsspesen sind mit 544 Kronen bewertet, die Administration mit 700 Kronen.) Die Schekelzahl ist um mehr als 25°f0 gewachsen und beträgt 866 gigen 615 des Vorjahres. In manchen Städten ist sie rapid gewachsen, wie in Rymanow (von 16 im Jahre 1902 auf 101)> Tarnow (von 19 auf 59), Rseszow (130) etc. Die Grenze ist jedoch noch nicht erreicht, denn der Distrikt zählt 200.000 Juden, die nicht zu den ärgsten und ärmsten gehören. Der Verbandsbeitrag wurde sehr lässig eingehoben. Für Nationalfonds wurde eifrig mittels Büchsen und Marken gesammelt. Der administrative Bericht (erstattet vom Sekretär E. F. Waschitz) macht den besten Eindruck. Die meisten Vereine haben ausführliche Tätigkeitsberichte eingeschickt, die von einer gedeihlichen Entwicklung Zeugnis ablegen. Die besten Organisationen sind die Krakauer und die Frauenvereine. Die Vereine standen im innigen Kontakt mit dem Distriktskomitee (leider gab es auch Ausnahmen) und führten alle seine Weisungen aus. Hervorgehoben muss noch werden, dass das Distriktskomitee einen Behelf er verein „Tuschijah" ins Leben rief, der zirka 80 Mitglieder zählt und vielversprechend ist. In der darauffolgenden Diskussion, im Laufe deren der Delegierte des Landeskomitees die Grüsse desselben entbot und auf die laxe Eintreibung des Schekels und speziell des Verbandsbeitrages als auch auf die wichtigsten Gründe der schwachen finanziellen Fundierung des Distriktskomitees hinwies, beeilten sich die Delegierten, die Berichte zu ergänzen und zu rektifizieren, Von keiner Seite wurden Klagen gegen das Distriktekomitee laut und dieses friedliche Einvernehmen war eines der eifreulichsten Symptome dieser Versammlung. Zur Beilegung eines Konfliktes zwischen dem Distriktskomitee und zwei Tarnower Vereinen, der seinerzeit zum Ausschluss derselben aus der Organisation führte, wurde auch ein friedlicher Ausweg gefunden. In dem darauffolgenden Referate behandelte Gg. Josef Margulies die Neuorganisation des Distriktes, die auf der Basis des Baseler Programmen der Schekel- und VerbandssteueiZahlung beruht, in jedem Vereine eine besondere Agitations- und Nationalfonds-Kommission vorsieht und einen Ausschlussparagraphen enthält. Zu § % der die Ziele des Distrikfcskomitees behandelt, wurde ein Zusatzantrag (E. F. Waschitz) angenommen, der als die wichtigste derzeitige Aufgabe des Distriktskomitees die Fürsorge für die Emigranten bezeichnet. Unserer Meinung nach sollte das Distriktskomitee sein Augenmerk hauptsächlich auf den Verbandsbeitrag (Parteisteuer) richten und auf dieser Basis die Organisation aufbauen, sonst ist der „Ausschlussparagraph" und daher auch die stramme Einhaltung der Disziplin nur illusorisch. Gg. Prof. Markus Margulies referierte hierauf über „Agitation und Presse". Die Agitation soll in Händen von besonderen Agitations-Komitees in jeder Ortschaft beruhen, die monatlich dem Distriktskomitee Bericht erstatten. Das Hauptgewicht muss auf die „Poalei Zion"-Vereine gelegt werden, da sie die Massen heranziehen helfen« Die galizische Parteipresse „Wschod*, „Moriah*, „Jüdischer Arbeiter" (welch letzterem über Antrag des Gg. Kenner K5 monatlicher Subvention zugestanden wurde) muss intensiv unterstützt und verbreitet werden, was die Hauptpflicht der Agitationskomitees bilden muss. Ueber „unsere finanziellenlnstitutionen" referierte Dr. Hilfst ein. Er schlägt betreffs des Schekels vor, dass jeder Verein für die Schekel seiner Mitglieder haften soll und dass nur Schekelzahlern das Recht zustehen soll, Delegierte auf den Distriktstag zu entsenden. Er fordert ferner zur Gründung von Shaieklubs auf wie auch zur Inanspruchnahme der Kolonialbank und der palästinensischen Filialen im geschäftlichen Verkehr. Zur Hebung des Nationalfonds schlägt er die Herausgabe von Telegrammblanketten vor; schliesslich sollen die O e 1baumsp enden populär gemacht werden. In der darauffolgenden langen Diskussion wurden die von den Referenten vertretenen Thesen mit kleinen Modifikationen angenommen. (Das Organisationsstatut muss vom Landeskomitee bestätigt werden.) Von den vielen Resolutionen und Anträgen verdient die Resolution des Gg. Feldblum an den Kongress Beachtung, die die Bildung einer separaten galizischen Organisation forderte, die jedoch nach Erklärung des Delegierten des Landeskomitees, dass dasselbe sich im Prinzipe nicht ablehnend dazu verhalte, jedoch den gegenwärtigen Stand der galizischen Distrikte als für die Sache nicht günstig betrachte, dahin modifiziert wurde, dass das Dibtriktskomitee aufgefordeit werde, die Lösung der Frage der Aussonderung Galiziens aus der österreichischen Organisation im Einvernehmen mit dem Landeskomitee und den beiden anderen galizischen Distriktskomitees zu versuchen. Betreffs des Organ es der österreichischen Zionisten „Zion" wurde das Distriktskomitee ermächtigt, mit dem Landeskomitee so bald als möglich ein Arrangement zu treffen. Das letzte Referat galt der Uganda-Frage. Der Referent (Gg. D, B u 1 w a) nahm einen reservierten Standpunkt ein. Nach der Diskussion, an der sich Gg. Grünhaufc (Sanok), Freund (Krakau) und E. F. Waschitz beteiligten, wurde jedoch die Resolution des ersteren angenommen, die sich gegen die Befassung des Zionismus mit Uganda wendet. Dem Distriktskomitee wurde das Absolutorium einstimmig erteilt, wonach das neue Distriktskomitee gewählt wurde. Neugewählt erscheint eine Vertreterin der Frauen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.