Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 49 (2.12.1904)
- Date
- 1904-12-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49 „bie #!||Die Mahnung zur Demut, zur bedingungslosen Aufriehtig- IJjkoit und Wahrheitsliebe, zur Aneignung von Lehensart-, zur jj Vermeidung von Schwulst und Uebcrladiuig in der Predigt |!|wird von den Seminaristen aller Länder als ein Gemeinplatz | |jbelächelt werden, ist aber unseres Erachtens immer zeitj jjlgeinäss, immer notwendig, denn sie ist noch nie beherzigt i| worden. Freilieh ist damit das Wesen unserer Frage nicht i|||oinmal berührt. II Ist das Problem nicht geeignet für eine öffentliche Ii-Besprechung, nicht reif zur Diskussion? Ach, die Semina- [jjristen und Lehrer des Hebrew Union College sind sonst picht ängstlicher Natur. Der Aufsatz von Louis Grossmann li'zum Beispiel, „Beligiöse Erziehung im modernen Juden- Ijjtum", fürchtet sich nicht, die Axt an die Wurzel eines liebe]s |zu legen, unter dem wir in Oesterreich leiden und stöhnen, lohne dass die geringste Aussicht vorhanden wäre, dein unerträglichen Zustande ein Ende zu machen. „Unsere }f|E e 1 i g i o n g e h ö r t n i c h t u n t e r d i e L e h . r g e g e Iiis t ä nde der Schule!" Ich sage es seit Jahrzehnten — jjjUmsonst; unsere Stammesgenossen in Amerika sind besser jlyiran. Dort gibt es — Gott sei Dank! — keine jüdischen!|Ke]igionslehrer an den öffentlichen Schulen; allerdings auch!••!' keine christlichen. Ich habe mich von der ordnungsmässigen Besprechung jjl'der Aufsätze entfernt und kehre reumütig zurück. Wilhelm ij;'Bacher gibt das Etymon und die Bedeutungsentwicklung jjjij'von „G emarau, Gotthard Deutsch, dem seine riesige Arjjjj beitskraft lange erhalten bleibe, bespricht „Das Jahr 1903!|; in der jüdischen Geschichte" und gibt in eines mühevollen im Arbeit „denkwürdige Daten aus der jüdischen Geschichte". | j;Lieber Freund Deutsch, wozu haben Sie Personen in Ihre Listen aufgenommen? Nicht; wahr, es hat Sie nicht wenig lljill'gewundert, dass Sie Ihren Namen im Jewish Year Book veri ,° . p |!|;missten? Was soll man dazu sagen, dass Sie, der fiei- Ijfgehigste aller Chronister, der Paul d'Abrest, Guido Adler jljjj (nebst vielen anderen unköniglichen Adlern), Barney Bar- ||nato (Mann, wie haben Sie sich amerikanisiert!), Biowitz Up anführen, der Sie alle möglichen Täuflinge anführen, weil jljlj sie einmal den Büchermarkt bereichert haben, was soll man!t|'dazu sagen, dass für Sie Abraham Epstein, Professor Man- |i! de! stamm nicht existieren? Was glauben Sie: wer hat mehr Iff Anrecht auf ein jüdisches Andenken, der charakterlose Täuf- ||| ling und Kathederschmock Michael Bernays oder der hervorijij; ragende Prediger, bahnbrechende Talmudforscher und langjährige Eektor des Wiener Seminars Adolf Schwarz? Lieber Freund Deutsch! Wozu hahen Sie überhaupt II;';' Ihre kostbare Zeit einer Arbeit gewidmet, die einer Ihrer |||' jungen Eabhiner-Seminaristen ganz gut, da er mehr Zeit; hat, vielleicht besser hätte machen können? Es sind etwa i;^; vier Jahre her, da hat mich Ihr inniges, starkes, gehaltvolles jl: Buch „Ans halbvergangener Zeit" — es heisst doch so? — ||;. in. tiefster Seele ergriffen; Sie haben sich mit dem Werk- Iii chen neben Kompert, Bernstein, Zangwill, York-Steiner ge-; stellt: warum geben Sie uns nicht ein Bild von der Seele Ii, des amerikanischen Juden, so wie Sie uns den Moravtschik jl so meisterhaft nahegebracht haben? Erinnern Sie sich, wie Iii; der selige Direktor Lazarus so gerne zitierte? .tempn pT-no ttmpn pbyfc | j Und nun eile ich aber mit der Aufzählung der Ar- Ii: beiten zu Ende. Malter, Al-Kindi; Butt en wieser, j; Das Wesen der Prophetie; Karpeles, Zwei Bachurim (Keine und Börne); E e 1 d m a n n, Lose Blätter (No-; tizen); M a r g o 1 i s, Die Kirche und der Einzelmensch; Levia s, Die Namen der hebräischen Vokale; Hirse h. : Worin besteht die Originalität des Judentums?; Philip- 1 soll, Kanzel und Politik; M a n n h e i m e r, Gelehrsamkeit; und Reichtum; M a g n e s, Einige Gedichte Bialiks; j Frisch, Das Prokrustesbett; Fried m a n n; Kiddush Welt" Seite 13 Hashem und llillul Ilashem; S i 1 b c r, Elijah Gaon; L o - v i t c h, Isaac Erter; G o r d o n, J oseph Perl; II e i c h 1 e r, Bemerkungen zur Liturgie; S a p i r o, Mein Tagebuch (ein satirischer Hieb auf eine gewisse Klasse amerikanisch-jüdischer Frauen); Fri seh, Zeclmtli Aboth und die Akedah; E 11 e 1 s o n, Der Prediger (Gedichte; eine "Variation auf Koheieth). Ich bin leider kein Fachmann und habe daher kein massgebendes Urteil über den wissenschaftlichen Wert: dos Jahrbuches; aber als Leistung der fSeminarzogliiige, als Mnssstab für das Können und Wollen der jungen Leute — allen Kespekt. L c o B a f a e 1 s. Chanukaweihe. Der letzte, hehre Ton verklang Und es erlosch der letzte Funken, Da sucht ich dich im dunkeln Banm Und bin vor dir ins Knie gesunken. Ich tat's in grenzenlosem Weh, Weil ich mich nach der Heimat sehne . . . Ihn Tropfen fiel auf deine Hand, Verstandest du die heisse Träne? . . . Du strichst mir milde übers Haar Und sprachst prophetisch wie ein Seher: „Bald bricht ein neuer Frühling an. Dann kommen, wieder Makkahäer." Wien. Thekla Blech. Chanukafichter. Von Hugo Zuckermann. Ein dünnes Lichtlein zündele ich mit hebender; Hand. Und wollte einen llolzstoss entfachen mit qualmender Fackel, hoch auf dein schroffen Gipfel des Libanon, und wollte Stämme fällen, Iii in nielragende, wettererprobte Waldriesen schlagen mit klingender Axt und Scheiter auf Scheiter türmen, dass die lodernde Glut zum nachtschwnrxen Himmel heke und die Hügel sich röten wie mit Blut übergössen. Und die Nacht soll weichen aus den finsteren Wäldern und die Schatten sollen sich flüchten in die zerklüfteten Taler und die Funken sollen sprühen zu den jagenden V* oiken, dass sie rotglühend das dunkle Firmament durchwandern und die Flammenbotschaft künden in fernen Landein Juda hat sich befreit! Israel hat gesiegt! Und der Ostwind komme brausend g< (logen und fache meine Flammen zum wallenden Feueimeer. Und strahlen soll es heller wie die Sterne, die den Himmel umkreisen im schweigenden Ri igen. Und spotten soll es der SLerne bleichen Mimmerns und des Mondes wechselnden Scheins. Und jauchzen soll es: Ich bin die Sonne, Die Sonne des freien Volkes, Sein Siegesfeuer. # * # Nun thront mein Licht am kahlen Tisch. In die Fenster sollte ich es stellen, in das Fenster, das hinausspäht ins tielYcrschru ite Feld, ins Fenster, das der Sturm rüttelt. Dann soll erstrahlen in die kalte Winternacht ein warmes, freundliches, neues Licht. Und winken soll es allen verirrten Brüdern, die wandern durch Sturm und Schnee. Dass *ic nicht Irrwischen folgen, die sie in den Sumpf locken. Und flackern soll es, wie die Feuer^äuie in der Wüste, allen, die das