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Die Welt · 1904-12-02 · 49 (2.12.1904) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
49 (2.12.1904)
Date
1904-12-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
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# weit" Nr; 4<T Seite 12 zu seinem alten Gott und den alten Sitten enthalten ist, ferner den von tiefer Heimatliebe erfüllten „Triumphgesang der Juden nach der Zerstörung Babylons" und die Ballade „Simson", die eine Liebesnacht des Helden in Gaza in glühenden echt orientalisch anmutenden Farben schildert und dann den Untergang Simsons nach dem Verrate der Delila, wobei der Dichter von der Philistertochter aus Gaza den Anstoss zu der letzten Rachetat des sterbenden Helden ausgehen lässt. Der Schluss dieser Gruppe war ein Stimmungsbild aus dem Totenkultus der Juden. Ausserdem kamen noch die Ballade „Ziska", das n Dreigespräch *, „Alte Landsknechte im Himmel" und einige lyrische Sachen von Münchhausen zum Vortrage, darunter das von .den „Souvenirs" und das von dem Hochgefühle des Grundherrn erfüllte „Eigen Land". Auch dieser Redner fand eine dankbare Zuhörerschaft. Jüdischer Nationalfonds. Das goldene Buch. „Bnei Zion' und „Bnoth Zion" in Schaki zur Eintragung des verew. Dr. Herzl . . . Kronen 479.18 M. Z. Tppo in Tichwin zur zweiten Eintragung des Vereines „Schiwas Zion" . „ 252.— Bristol Zionist Association „The late Dr. Herzl"............Pfd. St. 10.— „The Zionist Concil of Cleveland, Ohio", trägt Dr. Harrys, Friedenwald, President, Federation of American Zionists ein Dollars 50.— „Leman Zion Association", Randfontein, trägt Dr. Herzls ein.........Pfd. St. 10.— Die Herren D. Schereschewsky, Dr. Isidor Eliaschoff, Max Soloweitecmk zur Eintragung von „Sonia bas Aba Soloweitschik und Herrn Sulim ben Issabea Wölfl" zu ihrer Hochzeitsfeier am 23. Cheschwan 5G(i5.............Kronen 504.— „Agudas Zion" in St Gorodeia...... „ 252.— „Agudas Hazionimu in Demjewka..... „ 240.— „Agudas Zionis" in Kaniew....... „ 240.— „Agudas Zionis" in Ostrog....... v 240.— Von Herrn J. Hofmann in Radornysl zur Eintragung des Dr. Mandelstamm zum Andenken an sein Jubiläum..... „ 240.— „Bnei i Bnoth Zion" in Sudilkow . . . . , 240.— Sch. Tartakowsky in Tscherkassy trägt Dr. Benjamin Seif Herzl ein..... „ 240.— S. Kiselhof in Tschernigowka trägt Doktor Benjamin Seff Herzl ein......, 252.— Durch Herrn Mansohn in Berditschew zur Eintragung von Nachman ben Josef Grobinker und seiner Frau Nechuma bas Jacob anlässlich der Vermählung ihrer Tochter Sarah mit Abr. Nichamki am 20. Tarn. 5663 ........... „ 252.— Richtigstellung: In Nr. 37 soll es statt Deutscher Zionistenverein" richtig heissen „Dänischer Zionistenverein trägt den Rabb. Dr. Goitein ein." Feuilleton. Amerikanische Seminaristen, (Jahrbuch des Jiidiseh4heologischcn Seminars in Cineinnati, herausgegeben von den Studenten dieser Anstellt. 190-1.) Min sinnlicher .Hand von 180 Seiten, nicht eingerechner die Anzeigen am Schlüsse, in denen ein Herr Krell seine Klaviere. Herr Koluit seine .Mädchenschule., Herr Hannafoni seine Hau km ist, Herr Aren bürg seine Juwelen, Herr lioiida seine Kleider empfiehlt. Fiinfiuidzwaiizig Aufsätze aus allen Meldeten der jüdischen Wissenschaft — Theorie und Praxis in gleicher Weise vertreten; ein Protokoll iiher die (hmeral Versammlung des Seininarislenvereines; (Midlich die \\-nldgelungenen Porträts der Professoren — mein Siudiengeiiosso Gotthard Deutsch sieht an der Spitze, was mich mit Freude und Stolz erfüllt — und der in diesem Jahre entlassenen Seminaristen, deren Studiengang auch in aller Kürze mitgeteilt wird. Was sind das für beneidenswerte Leute, diese Seminaristen von Cincinnati! Erstens reisst man sieh um sie: die amerikanischen Gemeinden kennen offenbar den Tag der Entlassung nicht erwarten! Gleich das erste Porträt zeigt uns ein blutjunges Bürsehlein : er wurde im Jahre \SS2 geboren, ist also ganze 22 Jahre alt — ich irre mich doch nicht in der Subtraktion? — und wurde in diesem Jahre .Rabbiner in Warne. Ein anderer Herr, namens Mendel Silber, dessen Wiege in Lithauen gestanden, sieht nicht um einen Tag älter aus: nun denn, auch er wurde 1882 geboren und auch er wurde in diesem Jahre auf einen Predigerposten berufen. Die übrigen sind im Vergleiche mit diesen bemooste Häupter; der älteste geht ins 27. Lebensjahr! Zweitens: diese Sonntagskinder haben ein Publikum, das sich fürs Seminar und die Seminaristen, fürs Judentum und alles Jüdische interessiert. Das sieht man aus der ganzen Anlage des Jahrbuches, aus den Aufsätzen, der Ausstattung, sogar — nein, in erster Reihe aus den Ankündigungen der Schneider und Klavierfabrikanten. Las Luch, soll offenbar von Tausenden gelesen werden, aus dem bunten Allerlei des Textes soll jeder aussuchen können, was ihm gefällt; ganz die Grundsätze einer vornehmeren, aber immerhin auf die unkontrollierbaren Bedürfnisse und die gemischten .Neigungen eines vielköpfigen Leserkreises berechneten Review. Den Reigen eröffnet ein Seminarist, Verzeihung! ein Rabbiner von.22 Jahren mit einem recht platten Sinngedicht; darauf folgt ein ..Bild von Yiddischen Swoat-Sliop Leben in Xcw York" von Morris Rosenfeld (im Jargon). Da* sind die leichten Vorspeisen, die (hmmon kitzier : dann kommen die schweren Gerichte. Der Rektor des Seminars, der Rev. Dr. Kaufmann Kohl er — nach dem more anglieo gebildeten Vornamen zu schliessen, ein Stockamerikaner — verdonnert die blinde Talmudverehrung überhaupt verwirft im besonderen die Anschauung, dass der Talmud Anfang und Ivnde des jüdisch-theologischen Studiums sei, und stellt ein eigenes Programm auf, in welchem — man staunt über die kühne Originalität dieses Sturingesellen — ausser dem Talmud auch noch Bibel, Grammatik, Geschichte und sogar Pädagogik als Lehrgegenstände angeführt werden!! Noch nie in der Geschichte des Judentunis bat jemand mit grösserer Wucht offene Türen eingerannt, als der ehrwürdige Kaufmann Kohler, Rektor des Seminars in Cincinnati. Lud wie gerne hätten wir von berufener Seih1 etwas Belehrendes über die Ausbildung des amerikanischen Seminaristen gehört! Was wird in Amerika vom Rabbincr, vom Prediger verlangt? Kenntnis des Rituals ist nicht das Ihn und Auf des modernen jüdischen Seelsorgers, das braucht uns nicht erst ein Rektor zu sagen. Aber was ist im tiefsten Kern die Daseinsberechtigung des heutigen Theologen in Amerika? Ist er auch dort im Begriffe, zum Standesbeamte]! und Totengräber herabzusinken? Welches Verhältnis besteht zwischen ihm und seiner Gemeinde? Der Herausgeber des Jahrbuches, Ephraim Frisch, eines der bemoosten Häupter (25 1) und noch nicht fix angestellter Rabbiner, hat offenbar das Bedürfnis gehabt, sich über diese Fragen von anderen als Herrn Köhler belehren zu lassen, und hat den ausgezeichneten Menschen und namhaften (iolehrten Claude Montefiorc um einige Aeusscrungen über den jüdischen. Seelsorger ersucht. Montei'iorc fuhr gerade den Nil hinauf, als er den Brief erhielt, kam aber trotzdem, wenn auch nur zögernd, der Bitte nach. Nun, aus dem Munde eines so ehrlichen, erfahrenen, gedankenvollen .Alarmes ist alles annehmbar, also auch die im Jahrbuch veröffentlichten, aus dem Siegreif hingeworfenen Ratschläge.

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