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Die Welt · 1904-12-02 · 49 (2.12.1904) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
49 (2.12.1904)
Date
1904-12-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 49 Jfbie & weit Seite 11 gung auch innerhalb der Woche bereits begonnen. (Kurse für Hebräisch, jüdische Geschichte, hebräische und Jargonliteratur etc.) Seminarleiter ist jur. Zucker mann. Wien. Der „theologische Verein der Hörer an der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien* veranstaltet Dienstag den 6. Dezember 1904, *|29 Uhr abends im Festsaale des Hotel Central die Chauukafeier mit folgendem Programm: 1. Begrüssung durch den Präsidenten Herrn phil. A. Beck; 2. Anzünden der Chanukalichter durch Herrn Oberkantor ß. Guttmann mit Männerchorbegleitung; 3. Deutsche Festrede des H^rrn phil. A.Frankfurter; 4. Deklamation des Herrn Th, Weiss, Mitglied des Deutschen Volkstheaters; 5. Hebräische Festrede des Herrn phil. K. Kupfer; 6. Musikvorträge des Herrn Konzertmeisters I. Zimbier und eines Streichquartetts; 7, Liedervorträge des Herrn OberkaatorB. Guttmann. DieKlavier-undHarmoniumbegleitung wird von Herrn Leo Ascher besorgt. Wien. (Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter Wiens, IL, Untere Augartenstrasse 1 a, Cafe* Moller.) Sonntag den 4. Dezember um 4 Uhr nachmittags findet im Kongressbureau ein Vortrag von Gg. Obernik statt. Thema : Zweck der Organisation. Gäste willkommen. Berichte. Niederlande. Die zionistische Arbeit in den Niederlanden ist keine leichte. Die holländischen Juden, welche schon lange alle Bürgerrechte geniessen und von der Judenfrage am eigenen Leibe so wenig spüren, können diese meistens nur schwerlich begreifen. Und sie werden über diese Frage keineswegs belehrt von der hohen Geistlichkeit, welche, nachdem sie in einer kurzen Sentenz ihr Urteil über die Bewegung ausgesprochen, es nicht der Mühe wert fand, dieses Urteil näher zu berichtigen — obgleich der Oberrabbiner Dr. Dünner in dem bekannten Coramunique seine Meinung der ihrigen gegenüberstellte und sie von vielen orthodoxen Gesinnungsgenossen zu einer Erklärung aufgefordert wurden — sondern sich begnügt, in den Synagogen, wo kein Widerspruch stattfindet, nochmals gegen die unjüdische Bewegung zu warnen. Dazu kommt, dass die holländische Kaltblütigkeit öfters den jüdischen Enthusiasmus ein wenig geschwächt hat; oder vielmehr dieser schlummert nur, aber es ist schwer, ihn zu erwecken. Und so dauert es immer ziemlich lange, bevor wir etwas erreichen. Aber jedenfalls ist der Zionismus jetzt in Holland auf allen Zangen; und obgleich wir langsam weiterkommen, wir kommen weiter. Jetzt ist auch in Rotterdam eine Ortsgruppe gegründet: der Plan war schon seit längerer Zeit gehegt und namentlich die Herren G. C. Polak und Dr. A. v. R aalte haben sich um die Ausführung verdient gemacht. Am 20. November wurde dort eine Propagandaversammlung abgehalten, welche stark besucht war* Zuerst wies Herr Dr. van Raalte auf die Notwendigkeit des politischen Zionismus hin; er betonte, wie sehr auch in Westeuropa der Antisemitismus sich verbreitet habe, zum Beispiel in den Studentenkorps. Die einzige Lösung sei die autonome Kolonisation in Palästina und an dieser Bewegung sollen sich alle Juden beteiligen, auch die holländischen. Dieses nationale Streben werde nie Antisemitismus erwecken und wenn sie ihn erwecke, so sei er immer dagewesen. Es waren viele Debatten, welche aber kein neues Thema berührten. Nur wies Herr Dr. G. Polak- Daniels, der zweite Vorsitzende der holländischen A. I. U, ^welcher die Arbeit der Allianz lobte, auf den Umstand hin, da^s der Oberrabbiner eicht anwesend sei; dieser verleugne dadurch seine Pflicht, denn er zwinge jetzt den Laien, zu frageit und zu sagen, was er an diesem Abend selber hätte 'fragen und sagen sollen. Herr G. C. Polak gab den verschiedenen Rednern Antwort, Er sagte unter anderem, der Zionismus überlasse jedem einzelnen die Theologie, der Zionismus sei eine politische Bewegung und auch im Judenlande sei früher die Freiheit des Gedankens Gesetz gewesen. Der Zionist erstrebe die Freiheit, welche den 'Juden ihrer Abstammung wegen gebühre! — Die Ortsgruppe ^wurde an demselben Abend gegründet; sie hat eine gute!und schöne Arbeit vor sich. Personalnachrichten. Unser geschätzter Gesinnungsgenosse Herr Max Hickl, Leiter des Jüdischen Verlages in Brünn, Leiter und Besitzer der „Jüdischen Volksstimme0, feiert am 4. Dezember in Brünn seine Vermählung mit Frl. Aurelie Reich. Wir gratulieren — Unser Gesinnungsgenosse jur. Rudolf Glücklich, Mährisch-Ostrau, wird am 1 Dezember in Wien zum Doktor juris promoviert werden. — Unser Gesinnungsgenosse Marek Andermann in Bucz&cz wurde am 24. November in Lemberg zum Doktor juris promoviert. Vorlese-Tournee York-Steiner. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland veranstaltete in neun deutschen Städten Vorleseabende unseres Gg. Heinrich York-Steiner über deren Erfolg die deutschen Blätter vielfach berichteten. Wir entnehmen diesen Berichten folgende Notizen: Berlin. Am Montag vergangener Woche hielt der bekannte jüdische Schriftsteller York-Steiner, in der „Berliner Zionistischen Vereinigung" vor sehr grosser Versammlung einen mit ausserordentlichem Beifall aufgenommenen Vortrag über jungjüdische Dichtung, woran er Vorlesungen aus seinen eigenen Dichtungen und besonders aus Morris Rosenfeld anknüpfte. Einen geradezu erschütternden Eindruck rief die Vorlesung seiner eigenen Dichtung „Die tote Frau" hervor, während andere Vorträge immer neue Beifallsstürme hervorriefen. Der Berliner Zionistischen Vereinigung ist zu dieser Veranstaltung Glück zu wünschen. Hamburg. 6. November. Rezitationsabend des zionistischen Vereines. H. York-Steiner, der gestern im zionistischen Verein zwei Novellen vorlas, ist unter den jüdischen Dichtern einer der wehmutreichsten, empfindlichsten und doch einer der schärfsten Beobachter. Seine Bücher „Anti", „Mutter Eva" und „Der Talmudbauer" bilden eine furchtbar traurige Schilderung seiner Nation, die er in Amerika und Deutschland, in Russland und Galizien aufgesucht hat, warmes Menschengefühl flutet wie ein Biutstrom, Leben gebend, durch all seine Schöpfungen. Wer eine seiner Novellen gelesen hat, vergisst sie nicht und er sieht mit anderen Augen den kleinen Juden an, von dessen Schmerz er ein wenig hat mitfühlen müssen. Der Dichter las vorgestern zwei Novellen mit starkem rezitatorischem Ausdrucksvermögen vor, in denen er nicht nur Mitleid erwecken, sondern auch sein Volk erziehen will. Denn er kennt ihre Schwächen und Eitelkeiten und geisselt sie scharf. Aus Liebe. Hannover. (Dichterabend in der Aula.) Am vorigen Sonntag den 6. d. M. veranstalteten Börries Freiherr von Münchhausen und Heinrich York-Steiner einen Dichterabend, wie solche in den letzten Jahren mehr und mehr üblich geworden sind. Herr York-Steiner — um gleich bei seinem Anteile an dem Vortragsabende zu bleiben — las einige von ihm verfasste Prosadichtungen vor, zuerst die Novellette „Die tote Frau", in der das Geschick eines einsam unter oberösterreichiechen Bauern lebenden jüdischen Händlers den Gegenstand bildet. Nachdem er 15 Jahre in der Dorfgemeinde gelebt und sich nicht nur äusserlich, sondern auch innerlich durchaus akklimatisiert hat, stirbt ihm die Frau und nun erkennt er an der Auswahl der Begräbnisstätte — sie soll in dem für Zigeuner und anderes Gesindel bestimmten Winkel des Friedhofes bestattet werden — dass er doch ein Fremder geblieben ist. In einer zweiten Skizze „Was soll er werden? waltet anfangs der Humor vor, der sich in starker Satire gegen die Oberflächlichkeit mancher Israeliten heutiger Zeit kehrt. Es handelt sich um die Zukunft eines neugeborenen Kindes aus reichem jüdischen Hause, über dessen Taufe und Wahl einer christlichen Konfession die Freundinnen der Mutter ihre Ansichten äussern, bis das Beispiel eines aus Russland um seines Glaubens willen vertriebenen alten Juden dem Vater die Augen öffnet. — Dem Verfasser kam beim Vortrage dieser als Kunstwerke höchst beachtenswerten Stücke seine treffliche Rhetorik sehr zustatten. Er las sehr stimmungsvoll und verstand es, durch musterhafte Behandlung des Dialektes und charaKieristische Gestaltung der Gespräche fast dramatische Wirkung zu erzielen. — Herr von Münchhausen, der zuerst zu Worte kam, trug aus seinen Gedichten vor „Euch", worin eine Mahnung zur Rückkehr des jüdischen Volkes

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