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Die Welt · 1904-12-02 · 49 (2.12.1904) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
49 (2.12.1904)
Date
1904-12-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 49 „Die * weit11 Seite 7 wirkte Bambus nur freundschaftlich an ihm mit. Dann wendet sich Turoff in seinen Ausführungen gegen die ehemaligen Freunde und Schüler von Bambus, die in Bambus' Eintreten für die Kolonisation einen Verrat am heiligen Geist des Zionismus erblickten. Schüler hat Bambus nie gehabt. Ihm fehlte jede werbende Kraft. Die Freunde, die sich ihm angeschlossen hatten, so lange er in Reih' und Glied kämpfte, mussten ihn verlassen, als er eine Fronde gegen Herzl bilden wollte. Leute, die mit ihm auf dem Standpunkt der Kolonisation standen, mussten sich gegen ihn wenden, wenn er aus der Kolonisation den Fallstrick machen wollte, um den Kongresszionismus und Herzl darüber straucheln zu lassen. Freilich können wir zugeben, dass in diesem Kampfe der weitaus feindlichere, aber auch ungeschicktere Gegner der zionistischen Partei eben der Herr Turoff war, der aus seinem Herzen keine Mördergrube machte, wenn er mit Anhängern des Kolonisationszionismus zusammen war. Seine Tätigkeit in dem „Hilfsverein der deutschen Juden" wurde von uns ebenfalls anders aufgefasst als von Bambus. Doch darüber ist hier nicht der Platz, zu schreiben. Wohl aber hat Herr Turoff, gerade Herr Turoff, nicht das Recht, den früheren Freunden Willy Bambus' zuzurufen : „Etwas mehr Duldung, meine Herren!" Es hat uns gefreut, dass man Bambus', mit dem wir für den Zionismus lange gearbeitet hatten, ehe wir seine Angriffe abwehren mussten, in Liebe gedenkt. Denn er hat es nicht verdient, vergessen zu werden. Aber ihn zu einem Märtyrer des Zionismus zu machen, liegt keine Veranlassung vor. Wir werden ihn trotz alledem im guten Andenken behalten als einen der ersten Kämpen im westeuropäischen Zionismus. Wir werden dem früh Dahingeschiedenen vergessen, was er durch seine Opposition geschadet hat, und ihm dankbar gedenken, was er früher genützt hat. Wir werden der ersten Tage des „Serababel" uns erinnern und des sterbenden „Zion" nicht weiter gedenken. Die Tragik in Bambus' schwerem Geschick muss uns mit allem versöhnen, was er im Zionismus falsch getan hat. Nachdem er seine beste Manneszeit in Not und Sehmerzen und schwerer Sorge durchgemacht hat, war es ihm endlich vergönnt, ein reicheres und reiches Leben zu führen. Und da warf ihn das tückische Leiden, nachdem ihn andere schmerzhafte Krankheiten schon mehr als ein Jahrzehnt schwer gequält hatten, auf das letzte Krankenlager. Wo er anfing, Behaglichkeit zu sehen, musste er seine junge Familie für immer verlassen. Das ist bittere Tragik. Ehre seinem Andenken! Heinrich Loewe. Die jüdische Auswanderung aus Russland und ihre Regelung, Von L. Wygovsky. I. Statistisches. Genaue statistische Daten über die Ausdehnung der jüdischen Auswanderung existieren nur seit den letzten fünf J mren und auch diese behandeln — wenn auch den- Kauptteil, so doch immer nur einen Teil des jüdischen Emigrationsstromes — speziell die nach den Vereinigten Staaten Nordamerikas sich begebenden Juden. Aus diesen Angaben ist ersichtlich, dass während der letzten fünf Jahre in die Vereinigten Staaten Nordamerikas allein im Durchschnitt fast 40 000*) Juden jährlich aus- *) Während der letzten 5 Jahre emigriertem in die Vereinigten Staaten Nordamerikas: Im Jahre 1898/99 24 275; 1899/1900 37 011; 1900/01 37 660; 1901/02 37 846: 1902/03 47 689 Juckn. Im ganzen 184 481, also durchschnittlich 36 896 Juden jährlich. wandern. Ueber die vorhergehenden Jahre ist Genaues in bezug auf die Emigration nicht bekannt. Nur steht fest, dass anfangs der neunziger Jahre infolge der Ausweisung der Juden aus den Dörfern, sowie aus Moskau die Emigration noch bei weitem stärker war. Aus einigen indirekten Daten ist zu ersehen, dass dieselbe in einem Jahre sogar mehr als 80 000 Seelen betrug. Die Auswanderung in die Vereinigten Staaten Nordamerikas bildet jedoch nur einen Teil der gesamten Auswanderung der russischen Juden. Es wird bekanntlich auch nach England, Südafrika, Kanada, Australien und anderen Ländern in bedeutendem Masse emigriert. Obgleich die Statistik diese Länder vollständig übergeht, glaubt man annehmen zu dürfen, dass in alle Länder, ausgenommen die Vereinigten Staaten Nordamerikas, im allgemeinen nicht weniger als 10 000 Juden emigrieren. Demnach beträgt die gesamte auswandernde Masse gegerwärtig etwa 50 000 Seelen jährlich. Schon diese absoluten Ziffern geben ein Bild von der Ausdehnung der Emigration-. Aber die Bedeutung letzterer tritt noch mit grösserer Deutlichkeit hervor, wenn wir uns die relativen Daten vergegenwärtigen, d. h. diejenigen Zahlen näher betrachten, welche uns zeigen, welcher Prozentsatz der gesamten jüdischen Bevölkerung oder einzelner Gruppen derselben infolge der Emigration fortgeht. Die jüdische BcvöIkcrung des Ansiedlutigsrayons zählt bekanntlich 5 000 000 Seelen, so dass die jährliche Emigration von 50 000 Menschen genau 1% oder 10%) der beständigen Bevölkerung ausmacht. In der jüdischen Auswanderungsmasse ist die Zahl der Männer vorherrschend grösser als die der Frauen; ebenso übersteigt die Zahl der Erwachsenen die der Minderjährigen. Infolgedessen ist der Prozentsatz der wirtschaftlich Selbständigen, d. h. solcher, die einen Erwerbszweig kennen, unter den Emigranten TAmal grösserals unter der beständigen Bevölkerung. Wenn überhaupt die Emigration 10 Menschen von Tausend wegführt, gehen von wirtschaftlich Selbständigen 15 von Tausend fort. Das ist ungefähr der ganze Zuwachs an Personen, die eine Profession besitzen. Diese Ziffer veranschaulicht uns am besten, wie überhäuft im Ansiedlungsrayon diejenigen Erwerbszweige sind, zu denen die Juden Zutritt haben. Bei allen Völkern wächst die Zahl der wirtschaftlich Selbständigen ungefähr in demselben Verhältnis, in welchem sich überhaupt die Bevölkerung vermehrt. Der jährliche Zuwachs der jüdischen Bevölkerung im Ansiedlungsrayon beträgt TA% oder 15 pro Mille. Vom gesamten Zuwachs entnimmt die Emigration nur zwei Drittel (50 000 vom Ueberschuss der Geburten über die Todesfälle, der 75 000 Menschen beträgt), dafür führt sie aber den ganzen Zuwachs an wirtschaftlich selbständigen Personen fort. Bei uns ist diese Gruppe stabil; infolge der Auswanderung vermehrt sie sich absolut nicht. Alle Erwerbszweige sind dermassen überfüllt, dass sogar die Juden, die durch ihr Anpassungsvermögen die Welt in Erstaunen setzen, nicht imstande sind, ihren Zuwachs am Orte zu versorgen: alle hinzukommenden 15 von Tausend sind gezwungen, anderwärts Unterkunft zu suchen. Noch frappierender sind die Daten, welche zeigen, wie gross speziell die Zahl der auswandernden Handwerker ist. Vergleichen wir die Zahl derselben unter den Emigranten mit der Gesamtzahl der jüdischen Handwerker im Ansiedlungsrayon (nach den Angaben der Jewish Coionization Association vom Jahre 1898), so finden wir, dass jährlich von tausend Handwerkern 33 auswandern. Das will sagen, dass die Zahl der Handwerker unter dem Einfluss der Emigration nicht nur nicht wächst wie die übrigen erwerbsfähigen Gruppen, sondern sogar stark abnimmt. Diese Abnahme ist so bedeutend (sie erreicht 18 pro Mille), dass, wenn die Emigration in Zukunft im selben Masse wie jetzt vor sich gehen sollte, im Laufe der kommenden 50 Jahre im Ansiedlungsrayon kein einziger Handwerker bleiben wird. Es ist selbstverständlich schwer anzunehmen, dass die Emigration tatsächlich zu einem solchen Re-

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