Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 49 (2.12.1904)
- Date
- 1904-12-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 „bie & weit Nr. 49 Chanukah — unsere Schekelwoche *) Alle, die in Liebe und Treue zu ihrem Volke an der grossen Aufgabe der Wiederaufrichtung der jüdischen Nation in ihrem alten Heimallande mitarbeiten wollen, alle, denen die geistige und physische Regeneration unseres Volkes am Herzen liegt, alle Juden, die a u f dem Boden des Baseler Programmes steh e n, werden hiermit an ihre erste Pflicht erinnert, an die Volkssteuer, an den Schekel. Der Schekel ist das Bekenntnis zum nationalen Judentum, das Schiboleth aller jener, die an der B e f r c i u n g und Erlösung aus de m G o 1 u s mitarbeiten. Der Schekel ist kein Almosen, den die Reichen und Satten ihren armen und hungernden Brüdern aus Mitleid zuwerfen. Nein! Die Schekel sind die Ziegel, die alle ohne Unterschied, reich und arm, freiwillig zum Bau unserer Zukunft, einer öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina für das g a n z e jüdische Volk, zusammentragen! Und darin liegt eben eine grosse moralische Bede u tung: der Schekel ist gleichsam ein Barometer, das die steigende oder sinkende Temperatur der Volksbegeisterung anzeigt. Wenn auch die Gesamtzahl der Anhänger der nationalen Selbstemanzipation die der Schekelznhler um das Zehn- und Zwanzigfache überst eigt, so ist doch das Steigen der Schekelzahl ein sichtbarer Beweis des Wachstums der ihrer Pflichten be wus s ten Zionisten. Und wenn wir erwägen, dass sich die Schekelzahl seit dem ersten Kongress in der Tat vervierfacht hat, so muss es angesichts der Schwierigkeiten, die uns der Assimiiationsmoloch noch immer in den Weg stellt, uns mit Selbstvertrauen erfüllen und unsere Arbeits- und Op f e r fr e u d i g ke i t i n noch höherem Masse steige r n. Der Schekel leistet aber auch eminent praktische Dienste. Die Hauptarbeit der zionistischen Bewegung bildet in erster Reihe die Organisation oder, wie sich unser Führer ausdrückte, ,.d i c Organisierung der J u d e n h e i t für ihre künftigen Geschicke". Wie der Zionismus von dem Standpunkte ausgeht, dass alle Juden der Welt eine nationale Einheit bilden und daher die Judenfrage nur als Weltfrage gelöst werden kann, so umfasst auch die zionistische Organisation die ganze AVeit. Die Erhaltung und der weitere Ausbau dieser Weltorganisation erfordern einen grossen Aufwand, den eben der Schekel deckt. Denn er ist das einzige rechtliche Einkommen d e r L e i t u n g u nserer B e w e g u n g, d e s A .-C, zur Bestreitung der Kosten der Kongresse, der im Dienste der Sache notwendigen Reisen, des Sekretariats u. s. w. A ber auch d i. e Landesun dDistriktsorgan isufionen erhalten für ihre mannigfachen Aufgaben einen perzcntucllon Anteil an dem Sei.ekel. Es verdient auch hervorgehoben zu werden, dass der Schekel zur U n t e r s t ü t z u n g v on ku lture llen Unte rn e h m u n g e n, und zwar speziell in Palästina, beiträgt, wie Nalioaalbibliothek, Mädchenschule in Jaffa ii. dg)., wie insbesondere zur Unterstützung der P a r t e ipresse, deren Wichtigkeit für die Propaganda der nationaln Idee wohl niemand bestreiten wird, zumal ■'■'-) Aus Nr. 1) mcs „Zion", Monatsorgaces der üsterreic■ hi p.(ihv» rrija' d sorp an isati ori.In d erse 1 ber Numimer: — z. O r p a - nisationsfrafft-n. _ Dr, E. M. Zweig: Jüdische Politik in Mahren. — Mittellinig^n d?s österreichischen Landrskomitees. — Ben Hu?: ß rieht der österreichischen Nationalfondskommission und Distriktschronik. wenn man die Verdammung- oder Totschweigepoliti der sogenannten liberalen Presse berücksichtigt. Und nicht zuletzt: der Schekel ist eine Legitimation, die das Wahlrecht f ü r unsere oberste Instanz, den Kongress, gewährt, wodurch jedem einzelnen in höchst demokratischer Weise die Einflussnähme auf die Zusammensetzung und die Beschlüsse unseres modernen Synhedrions gesichert ist. Dieses Wahlrecht erhält heuer eine ganz besondere Bedeutung. Der Kongress wird diesmal ohne seinen grossen Schöpfer, ohne Theodor Herzi tagen. Es werden Stimmen laut, die unsere Bewegung in ganz andere Bahnen lenken mö diten. Da heisst es auf der Hut sein. Alle Mann an Bord, alle, die dem politischen Zionismus zum Siege verhelfen wollen, alle, die für das jüdische Volk eine Heimstätte in Palästina anstreben. Wir müssen am Kongress in imposanter Zahl erscheinen, um der Welt zu zeigen, dass der Geist unserers Führers irn Zionismus lebt und fortwirkt. Und es ist dabei nicht zu übersehen, dass nach dem Beschlüsse des letzten Kongresses 200 Schcke 1zahiei erst eine Wahlgruppe bilden, die das Hecht hat, einen Delegierten zu entsenden. Gesinnungsgenossen! Setzt die Agitation und die Werbearbeit zur Verbreitung unserer Idee mit Eifer und ungesch Wächter Begeisterung fort und sorget dafür, dass jeder Zionist seiner Sc h ekel p flicht Genüge leistet. Das österreichische Landeskomitee hat heuer ausnahmsweise die Chanukah woche vom 25. Kislew bis 4. Tebeth (2.—10. Dezember) als Schekelwoche bestimmt, da der Kongress bereits im März stattfinden solh Und w e n n d i e G h a n u k a h 1 i c h t e r w i e d e r angezündet werden und wie helle Sterne die lange finstere G'olusnacht des jüdisehen Volkes erhellen, und wenn sie Erinnerungen an die Heldentaten der Makkabäer auslösen, die G u t u n d Blut f ü r die Fre ih e i t i h r e s V o 1 k e s und Landes geopfert haben, dann m ögej eder, dem diese Erinnerung noch teuer und heilig ist undder in sich den Geist der Makkabäer spürt und von seiner und seines Volkes Befreiung trau m t, s i c h beeilen, d a s w i n z i g e O p f e r eines S c h e k e 1 s zu bringen; er bringt gewiss das Ideal, als freies Volk auf freiem Boden zu leben, seiner Verwirklichung n ä h e r! Das Lösegeld für das Volk! Einen Schekel her! Ludwig Jakobowski. Ein Gedenkblatt von M a x IST a c Ii c r. „ . . . Ihm lasset uns zum Totenopfer zollen Den abgeknickten Zweig, den bluten vollen." Vier Jahre sind, es nun her, da senkte man die irdischen Ueberrcstc Ludwig Jakobowskis in die kühle Erde, in der er, der Ruhelose, von all dem Hingen und Mühen sei ihm: kurzen Lehens Frist endgültig Bast halten sollte. Eine echte, künstlerische, frei schaffende Persönlichkeit mit all seinem Judenstolz und seiner herrlieh entfalteten Diehterphantasic trug man an jenem stürmischen Dezembernaclimittagc zu Grabe. Als Sohn jüdischer Eltern am 21. Jänner 1868 zu St rein o in Posen gehören, wuchs er in stetem Kummer und Elend auf. Er selbst schildert in einem Jugendgedicht