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Die Welt · 1904-11-25 · 48 (25.11.1904) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
48 (25.11.1904)
Date
1904-11-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 48 „ble 2! die jüdischen Massen wollen. „Die Massen wollen einen Namen! Sie wollen eine Fahne im Kampfe, ein Panier, nach dem sie alle schauen, wenn die Kugeln pfeifen und der Boden schwankt. Sie wollen die Personifizierung ihrer Ideen und ihrer Hoffnungen, eine Verkörperung der Bewegung in einem Namen." Sehr richtig. Und so ein Mann lässt sich nur in London finden! Ich weiss nicht, ob Herr Dr. Friedemann zufolge einer Vorliebe für alles Englische diese Ansicht hegt oder wirklich durch die bisherigen Leistungen der „kraftvollen Arbeiter1* Londons für die Förderung des Zionismus zu dieser Ueberzeugung gelangt ist. Das erstere anzunehmen, wäre schon verzeihlicher. Denn was die „arbeitsfrei! digen Männer" Londons bis jetzt jedenfalls in den letzten anderthalb Jahren für den Zionismus getan und gesprochen haben, ist so ungeheuerlich gegen den Zionismus, ist eine so krasse Illustration dessen, dass diese Männer nicht nur das Wesen des Zionismus grundfalsch verstehen, sondern zu seiner Zerstörung und Auflösung beitragen, dass man seinen Augen nicht trauen möchte, wenn man liest, dass ein Zionist wie Herr Dr. Friedemann dieselben als die besten Männer in der zionistischen Organisation bezeichnet. Ich hoffe doch, dass HerrDr.Friede mann, wennauch kein völlig reiner,so doch kein ostafrikanischer Zionist ist. Wem haben wir das unglückselige Ostafrikaprojekt zu verdanken? Diesen „arbeitsfreudigen Männern" in London. Wer hat die gefährliche Krisis in unserem Lager heraufbeschworen? Wer hat die feurigste Propaganda für Uganda gemacht? Wer hat das Volk von Palästina abgewendet? Wer hat dem Zionismus den Begriff „Zion" geraubt? Die „arbeitsfreudigen Männer" Londons, Es wäre nutzlos, hier ausführlich darzulegen, was für einen ungeheuren, für lange unverbesserlichen Schaden diese Leute dem wahren Zionismus zugefügt haben. Noch leben ihre Handlungen und Aeusserungen in alier Gedächtnis. Erst vor wenigen Tagen hat einer dieser hervorragenden Zionisten Londons (den Herr Dr. Friedemann bei seinen Ausführungen sicherlich im Auge hatte, denn es ist kein geringerer als Mr. Zangwill) bei seiner Landung in Amerika gesagt: „Jam sure that the Zionist movement is not well understood in America. Its object is not to send the Jews back to Palestina. Palestine is barred to them. And it is not their country more particularly than Egypt. Zionism is only to find a habitation somewhere for the Jewish people."*) („Ich bin überzeugt, dass die zionistische Bewegung in Amerika nicht gut verstanden wird. Deren Zweck ist nicht, die Juden nach Palästina zurückzusenden. Palästina ist für sie versperrt. Und es ist nicht ihr Land besonders mehr als Aegypten. Aufgabe des Zionismus ist nur, irgendwo einen Wohnort für das jüdische Volk zu finden.tt) Dass die anderen „kraftvollen Arbeiter" noch unzionistischer als Mr. Zangwill denken, ist ja bekannt. Und um dieser Herren willen soll der Sitz der Zentrale der zionistischen Organisation nach London verlegt werden! Ihnen soll die Führung der zionistischen Bewegung überlassen werden (ein iussisches Mitglied soll zuschauen dürfen)! Und eine dieser starken Persönlichkeiten soll Leiter der Bewegung werden! Nein, Herr Dr. Friedemann. Das kann nicht und das wird nicht sein. Solange der Begriff Zionismus seinen Sinn noch nicht ganz verloren hat, solange wir unter Zionismus verstehen werden das Bestreben, Bfür das jüdische Volk eine öffentlich rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina zu schaffen", so lange wird das Anvertrauen der Führung an die Londoner Herren ein Ding der Unmöglichkeit sein. Und da kennen Sie doch die jüdischen Massen schlecht, Herr Dr. Friedemann, wenn Sie glauben, dass sie (trotz aller künstlichen Verwirrungen der letzten anderthalb Jahre) in diesen Herren „die Personifizierung ihrer Ideen und *) Siehe den „Jewish Chronicle* und die „Jewish World" vom 4. November. Welt" Seite 1 ihrer Hoffnungen" erblicken werden. Sie werden dann, wenn diese Herren die Führung übernehmen, viel eher einsehen müssen (und das mit Recht), dass ihre Hoffnungen und Ideen, die aus dem gegenwärtigen Zionismus für sie flössen, zu Grabe getragen sind. Ja, wenn das engere A.-C. in Zukunft ein Ostafrikasyndikat bedeuten soll, dann ist London der geeignetste Ort und die betreffenden Herren die passendsten Führer. Solange aber das engere A.-C. die zionistische Organisation vertritt, ist London der ungeeignetste Ort für dessen Sitz und die betreffenden Männer unmögliche Führer. Also die äusseren, inneren und persönlichen Gründe sprechen aufs stärkste gegen London als den Sitz der zukünftigen Leitung der zionistischen Bewegung. Auf die weitere Frage, welcher Ort als Zentrum gewählt werden soll, in diesem Artikel einzugehen, ist nicht meine Absicht. Ich möchte bloss sagen, dass es vielleicht ratsam wäre, für eine bestimmte Zeit mit der Beibehaltung Wiens zu experimentieren. Die Hauptrolle in der Wahl des Ortes müssen die zur Verfügung stehenden Männer spielen. Und da sollte doch die Tatsache mitreden, dass die in Wien wohnenden Herren sieben Jahre lang aufs engste mit Dr. Herzl zusammengearbeitet haben, von dessen Geist doch etwas auf sie übergegangen sein muss. Das Heranziehen weiterer Kräfte könnte durch Uebersiedlung nach Wien bewerkstelligt werden. Leeds (England)» Dr. Samuel Deiches. Eine zionistische Deputation beim Fürsten Swiatopolk-Mirsky. Wir erhalten von der zionistischen Landsmannschaft Russlands folgende Mitteilung : Am 5./18* November d. J. wurde eine Deputation der russischen Zionisten vom Minister des Innern Fürsten Swiatopolk-Mirsky empfangen. Die Deputation bestand aus den Herren Dr. N. Katzenelsohn (Libau), der schon früher von Seiner Exzellenz empfangen worden war, Rechtsanwalt J. Jasinowsky (Warschau), Dr. Tschlenow (Moskau) und Dr. Belkowsky (Petersburg). Der Minister hat die Deputation wohlwollend angehört, berührte die wichtigsten Punkte und Erfordernisse der zionistischen Bewegung und versprach, dieser wichtigen Frage seine ernste Aufmerksamkeit widmen zu wollen. Aus Russland. Hornel. Die Verhandlungen in dem Prozesse gegen die Teilnehmer an den vorjährigen Greueltaten gegen die Juden in Hornel fördern täglich neue Tatsachen zutage, welche die Schutz- und Hilflosigkeit unserer Volksgenossen in Russland in erschütternder Weise demonstrieren. Aus dem neuesten Berichte der „Nowosti" über die jüngsten Verhandlungstage im Homeler Prozesse geht deutlich hervor, wie grausam alle die Vertreter der Behörde, welche berufen waren, den Juden Schutz zu gewähren und sie vor den Ausschreitungen der Plünderer zu beschützen, mit den verzweifelten Juden verfuhren. Der Kommandant einer Truppenabteilung, Oberst Lyssenko, welcher entsendet wurde, um die Mörder und Plünderer auseinanderzutreiben und die Ruhe wieder herzustellen, stand mit seiner Mannschaft, wie der ehemalige Polizeimeister von Hornel, Oberst Rajewskij, unter Eid aussagte, und sah den Verwüstungen jüdischer Häuser und der Ermordung vieler Juden ruhig zu, ohne einschreiten zu wollen. Oberst Rajewskij forderte Lyssenko auf, auf die Mörder Feuer geiben zu lassen, er beachtete jedoch diese Aufforderung nicht und liess die Mörder und Plünderer weiter ruhig gewähren. Und trotzdem suchen die offiziellen russischen Blätter nachzuweisen, dass an den blutigen Homeler Vorgängen im vorigen Jahre nur die Juden schuld seien. Die amtlichen „Mogilewskija Qubernskija Wjedomosti' leisten in dieser Hinsicht Unglaubliches. Dieses Amtsblatt publiziert aus Anlass des Prozesses in Hornel Artikel, in denen die Juden in gehässiger Weisel als Urheber der Greuel-

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