Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 48 (25.11.1904)
- Date
- 1904-11-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 #lbie * weit" Nr. 48 Jade), ein Philologe von Haus aus. Das schweizerische Auswanderungsamt gehört zu den bestgeleiteten derartigen Instituten. Was die weiteren Zwecke des Institutes anbetrifft, stelle ich sie mir wie folgt vor: a) Zentralisation der Reiseunterstützung im angedeuteten Sinne; b) Aufsicht über die Geschäftsführung, das Lokalkomitee und die Lokalagenten; q) Begutachtung — zuhanden des Zentralkomitees — prinzipieller, das Auswanderungswesen betreffender Fragen; d) Aufsicht über die Publikationen und Inserate betreffend Auswanderung; e) Sammlung des statistischen Materials sowie des Materials, betreffend die Speditionen, die Eisenbahn- und Schiffsverbindungen, Transport-, Reise- und andere diesbezügliche Verhältnisse; f) Zusammenstellung derjenigen Mitteilungen, welche für die Veröffentlichung bestimmt sind; g) Verkehr mit den Auswanderungs- und Hafenbehörden, den Hilfsgesellschaften und Privaten behufs Wahrung der Interessen der Auswanderer; h) Sammlung der gesetzgeberischen Erlässe, betreffend das Auswanderungswesen, der sachbezüglichen konsularischen und anderen Berichte, wissenschaftlicher Berichte über die Verhältnisse der in Betracht kommenden Einwanderungsländer, der wichtigsten Auswanderungsliteratur u. dgl,; i) Anknüpfung und Unterhaltung von Verbindungen mit Gemeinden, Vereinen und Privaten behufs Verhütung leichtsinniger Auswanderung und zweckmässiger Ausrüstung dürftiger, zur zielbewussten Auswanderung entschlossener Personen und Familien; k) Erteilung von Rat, Auskunft und Empfehlungen an Auswanderer, wo ein Begehren dazu gestellt wird; 1) Begleitung einzelner Auswandererzüge bis zum Einschiffungshafen; Besichtigung der Logierliäuser für Auswanderer daselbst und der Schiffseinrichtungen; persönlicher Verkehr mit der Schiffsleitung und den Transportgesellschaften. Ich glaube diese Bemerkungen machen zu dürfen, indem ich zur Grundlage meiner Erörterungen mir die Organisation des schweizerischen Auswanderungsamtes genommen habe. Zur Organisationsfrage. Neue Bahnen, Von Dr. Julius Moses - Mannheim. Es erscheint in hohem Masse verwunderlich, dass in der bangen Situation, welche der Tod Herzls geschaffen hat, alle Zukutrftssorgen, -Erörterungen und -Vorschläge nur um den einen Punkt sich zu drehen scheinen: „Wie soll die künftige Leitung der Organisation beschaffen sein?4' Die' ungleich bedeutungsvollere Lebensfrage unserer Bewegung: „Wie soll die künftige Tätigkeit des Zionismus und seiner Leitung beschaffen sein?4' erfährt nur ein spärliches und kümmerliches Interesse. Es ist ja wahr, die lähmende Wirkung des schweren Schicksalsschlages, der uns getroffen, auf unser freies Denken und Ueberlegen ist noch nicht überwunden; aber wir müssen uns gewaltsam aufraffen und mindestens versuchen, uns zu einer klaren Vorstellung über den Inhalt der künftigen zionistischen Arbeit durchzuringen. Bei der Aufstellung der Organisationsentwürfe, mit denen die zionistische Presse jetzt angefüllt ist, ging man vielfach von der Prüfung der Frage aus, ob die bisherige Form der obersten Leitung auf die Person Herzls direkt zugeschnitten war oder ob sie auch unter den veränderten Umständen auf Gültigkeit Anspruch erheben kann. Auch die Feststellung eines Tätigkeitsprogrammes ist vielleicht zweckmässig mit der Erwägung einzuleiten, ob die Aktionsweise des Zionismus, die v o r und unter Herzl inauguriert wurde, nur m i t ihm möglich war oder auch ohne ihn fortgesetzt werden kann und soll. Das hervorstechendste Merkmal der Herzischen zionistischen Tätigkeit war ihr© politisch-diplomatische Richtung. Aber es ist eine masslose Uebertreibung, zu sagen, dass der Herzische Zionismus überhaupt nur Diplomatismus war. Seiner Initiative verdanken wir diei wichtigsten Institutionen unserer Organisation, seiner Anregung die fruchtbarsten Ideen unserer Innenarbeit. Er war es, der in den Worten: „Wir organisieren die Judenheit für ihre künftigen Geschicke" das Programm für die interne Gegenwartsarbeit formulierte, der die bedeutungsvolle Parole zum Kampf um die Gemeindestuben ausgegeben hat. Es liegt uns selbstverständlich fern, diejenigen, die den Kampf gegen das Gespenst des einseitigen Herzischen Diplomatismus immer wieder heraufzubeschwören nicht müde werden, von der Ungerechtigkeit ihrer Angriffe dadurch überzeugen zu wollen, dass wir die gewaltige Geistesarbeit Herzls im Dienste des Zionismus zergliedern und fein säuberlich nach Fächern geordnet vorführen. Das ist freilich wahr: er konnte nicht alles in eigener Person ausführen, was nötig war, und er übernahm deishalb vor allem die Arbeit, die e r allein kraft einer glänzenden speziellen Begabung ausführen konnte und zu der ihn die erzielten Erfolge stets aufs neue legitimierten. Die suggestive Macht seiner Persönlichkeit, in der das jüdische Volk die Idee des Zionismus herrlich verkörpert sah, hat es bedingt, dass die Tätigkeit, der der Führer selbst unermüdlich oblag, den Hauptanteil des Interesses der zionistischen Massen in Beschlag nahm. Das war ein Glück. Dadurch haben dir Zionisten politisch denken gelernt und sich abgekehrt von jener Richtung, die sich darin gefällt, in engen Disputationszirkeln immer und immer wieder die Theorien im geistigen Kleinkampfe hin- und herzuwälzen. Es ist auch falsch, wenn neuerdings behauptet wird, dass durch den Diplomatismus die in den Massen und den einzelnen Individuen von Herzl selbst geweckten Kräfte wieder verdorrten. Der Anblick der politisch-diplomatischen Tätigkeit und Erfolge Herzls entfachte vielmehr fortwährend neue latente Kräfte: denn nichts war mehr geeignet, dem Einzelindividuum und den Massen einen Lebensinhalt und Lebensarbeit zu geben, als das Bewusstsein, durch das Einstellen der eigenen vollen. Persönlichkeit in den Menschen- und Ideenkreis des Zionismus die Vollmacht verstärken zu können, auf Grund derer Herzl das Postulat einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk erheben konnte. Herzl ist tot. Aber das Baseler Programm ist geblieben, das in seinem letzten Satze die vorbereitenden Schritte zur Erlangung der Regierungszustimmmungen, die nötig sind, um das Ziel des Zionismus zu erreichen, verlangt. Jeder Vorstoss gegen diesen Punkt würde an der politischen Einsicht, die unser Volk unter Herzls Führung erlangt hat, scheitern. Allerdings dürfte für die nächste Zeit nur ein zurückhaltendes Tempo in der Durchführung des genannten Programmsatzes zu erwarten sein. Keine andere zionistische Arbeit ist dermassen abhängig von einer ganz besonderen Qualifikation der führenden Einzelperson als die diplomatisch-politische. Wenn auch Herzl Beziehungen geschaffen und Fäden geknüpft hat, die mit seinem Tode nicht zerstört wurden, so hängen die Fortschritte auf diesem Gebiete wesentlich davon ab, ob und wann dem jüdischen Volk ein neuer Führer ersteht, der mit Herzls Geschick die Gefahren des dornenvollen Weges der Politik zu vermeiden und zu überwinden vermag. Und wäre ein solcher Mann heute auch unter uns, er würde nur nach einer genügend langen Zeit der Prüfung und Vorbereitung das Herzische Erbe anzutreten und dessen Werk fortzusetzen wagen. So wird wohl die nächste