Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 47 (18.11.1904)
- Date
- 1904-11-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 riDie # W^It" Seite 13 f\us der J$e^e$ai)$. Gedenket des Sehekels! Voranzeigen. Der Frauen- und Mädchenverein „Fünfhaus" ladet Gesinnungsgenossen ein, zu seinem „Jour* herzlichst ein. Vortrag: Frau Dr. Krenberger über „Umgang". Donnerstag den 24. November, von 4—7 Uhr nachmittags. Cafe" Schwenderhof XV., Mariahiiferstrasse 189. Wien. (Verein zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl" in Wien.) Samstag den 19. d. M. y,7 Uhr abends findet im Vereinslokale IL, Unt. Augartensirasse la ein Vortrag des Schriftstellers Herr Michael ßerkowicz statt. Thema: „Die neuhebräische Literatur in ihren Hauptzügen44. Gäste willkommen. Wien. („Poalei Zion", Verein jüdischer Handelsangestellter, Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein.) »Samstag den 19. November 1/2S Uhr abends findet eine gemeinschaftliche Versammlung beider Vereine im Restaurant Hahn, IL, Lilienbrunngasse 9, Ecke Hammer-Purgstallgasse, mit folgender Tagesordnung siatt: 1. Bericht über die Fusionierung beider Vereine, Gg. Schmidt. % Vortrag über die Notwendigkeit der „Poalei Zion "-Organisation, Gg. Goldstein. 3. Wahl eines gemeinschaftlichen Arbeitskomitees. 4. Vortrag des Gg. Gross über den Stanislauer Streik und die Stellung der Sozialdemokratie. 5. Diskussion. Berichte. Wien. (Akademische Verbindung „Libanouia".)Chaigenwahlen: techn. P. Bauer, Präses, jur. E. Sonnenfeld, Vizepräses, ing. C. Müller, Schriftführer. Stanislau. (Jüdisch-akademischerVerein „Bar-Kochba".) Ausschusswahlen: Dr. Füllenbaum, Präses, jur. Karl Weingarten, Vizepiäses, jur. Spiegel, Schriftführer. Czernowitz. (Jüd.-akad. Leseverein „Emunah".) Chargenwahl: phil. B. Eidinger, Präses, jur. D. Taube, Vizepräses, jur. S. Schwitz, Schriftführer. Lemberg. Akademische Verbindung „Judaea". Chargenwahlen: jur. Rabner, Präses; icg. Czaczkes, Vizepräses; ing. Menasse, Schriftführer. Brünn. Jüdisch - akademische Lese- und Redehalle. Ausschusswahlen : Präses ehem. L. Baumgarten, Vizepräses ing. R. Hayek, I. Schriftführer ing. H. Aufrecht, IL Schriftführer ing. A. ßuchwalder, LKafsier ing. M. Donath, IL Kassier ing. B. Zimmermann, Bibl. ing. R. Ripper. Zeitungsw. ing. A. Eisler, Revisoren ing. Lichtigf^ld, ing. E. Stark, ing. S. Haas. Wien. (Erster Wiener jüdischer Turnverein.) Am 7. November 1. J. fand die V. ordentlicbe Hauptversammlung des Vereiuts unter zahlreicher Beteiligung seitens der Vereinsmitglieder im Turnlokale statt. Bei diesem Anlasse wurde ein Bild Dr. Theodor Herzls nebst der von ihm eigenhändig unterschriebenen Beitrittserklärung im Turnlokale angebracht und widmete der Obmann Doktor Ludwig Werner dem Dahingeschiedenen einen warmen, von den Anwesenden stehend angehörten Nachruf, Von den gefassten Beschlüssen wäre hervorzuheben die Einsetzung eines Turnhallen-Baukomitees, ferner die Einhebung eines zehnprozentigen Zuschlages zu den Monatsbeiträgen zugunsten des Baufonds. Die vorgenommenen Wahlen in den Turnrat ergaben folgendes Resultat: Obmnun Dr. Ludwig Werner; Obmannstellvertreter Karl Plowitz; L Turnwart Rudolf' Pollak; IL Turn wart Doktor Max Jerusalem; I. Schriftführer Leopold Wessely; I. Schriftführer Elsa Steinbach; I. Kassier Hugo Spitzer; IL Kassier Sigm, Günsberger; Zeugwart Ingenieur Otto Stiassny; Ersatzmänner Dr. Josef Weinreb, Robert Korn, Siefried Beer. Brody. Der Zionverein, der bis jetzt eine Filiale des Zionvereins Lemberg war, wird nun unter dem Namen jvat rnitK selbständig. Wir sind nach zweckentsprechendem, schöneren Zusammenkunftsräumen übersiedelt und es sind uns schon viele neue Mitglieder beigetreten. Personalnachrichten. Unser geschätzter Herr Kollege David Florentin, Chefredakteur des Journals „Ei Avenir" in Salonichi, feierte am 15. d. seine Vermählung mit Fräulein Julie, Tochter des Herrn Abram Josef Covo. Wir gratulieren bestens. — Unser Gesirnungsger osse Dr. Jakob Korkis hat seine Advokatur&kanzlei in Lemberg eröffnet und sich in die Liste der Verteidiger für Strafsachen eintragen lassen. Jüdischer Nationalfonds. Das goldene Buch. „The Mount Hermon", Beacon, Liverpool, A branch of the Order of Ancient Maccabeans.............Pfd. St. 10.— „Ohavei Zion" in Reval zur Eintragung Dr. Herzls.............. Kronen 240.— „Ohavei Zion" in Libau.......... „ £M)ü B. Gissin in Mohilew zur Eintragung seines verewigten Vaters Ephraim Gissin, gest. in Petach Tikwah ...... „ 378.— Vtfeir*©bi,oi)il{. Die antisemitischen Exzesse in Uhncw. Kürzlich hatte der Kassationshoi unter Vorsitz des Senatsprüsidcnteu ü Ii 1 e jenen vom Landesgericht Lemberg üurcngeiührtcu Munsterprozess wegen der antisemitischen Exzesse m Uhuuw zu überprüfen, der gegen 103 Angeklagte stattfand, neunzehn, Tage in Anspruch nahm und nicht in Lemberg, sondern an Ort und Stelle in Uhnow verhandelt wurde, weil aus dieser Bezirksstadt und Umgebung. 357 Zeugen gerührt wurden. Von den Angeklagten wurden 52 freigesprochen, 51 jedoch wegen öffentlicher Gewalttätigkeit, Körperverletzung, Ainreizung, Verbreitung beunruhigender üerüente etc. zu Strafen bis zu fünf Monaten schweren Kerkers verurteilt. Von diesen nahmen 27 die Straten an, wahrend 24 die Nichtigkeitsbeschwerde ergriffen. Wie erinnerlich, wurde von den Rädelsführern der Exzesse aus Anlass eines Leuers, das angeblich von einem jüdischen Einwohner sollte gelegt worden sein, die Parole ausgegeben, über die Juden herzufallen. Die Rädelsführer stellten sich an die Spitze der einzelnen, mit Hacken, Sensen, Stöcken und Steinen bewaffneten Volksihaufen,, die durch herbeiströmende Personen aus den Nachbargemeinden verstärkt wurden. Die Menge warf in die Fenster der jüdischen Bewohner Steine, drang ein, zertrümmerte Möbel und Warenvorräte und brachte den Inwohnern Verletzungen bei. Das Urteil zollt dem Takt der Gendarmen, die der erbitterten Menge gegenüberstanden, sowie dem vermittelnden und beruhigenden Einschreiten der Intelligenz der Stadt besondere Anerkennung, da es sonst zu furchtbaren Greueltaten gekommen wäre. Auch habe die jüdische Bevölkerung die Klugheit gehabt, einerseits gar nicht zu reagieren, sondern sich in den Wohnungen einzuscnliessen, andrerseits aber von innen selbst ihre Fenster zu zertrümmern, damit die Vorübergehenden meinten, es hätten hier schon Vorgänger gehaust. Auch konstatiert das Urteil, dass seither im Orte wieder Friede und Eintracht herrscht, dass der gegen die Juden wahrscheinlich von einzelnen böswillig erfundene Verdacht der Brandlegung sich als unbegründet erwies und die Bevölkerung dies einsehe. Nach kurzer Beratung erkannte der Kassationshof auf Verwerfung der Nichtigkeitsbeschwerde. Zu Tode misshandeit. Eine dramatische Szene hat sich in Czernowitz bei einer Soldatenbeerdigung abgespielt. Der stud. jur. Heinrich Teitel bau in, Einjährig-Freiwilliger bei einem galizischen Infanterie-Regiment, war beim Exerzieren unerhört schikaniert und in beleidigendster Weise behandelt worden. Man hatte den jungen, etwas schwächlichen Menschen, dem es nicht gelang, in voller feldmarschmässiger Ausrüstung über einen ziemlich breiten Graben zu setzen, stundenlang immer wieder gezwungen, den Graben zu nehmen, ohne dass er es fertiggebracht hätte, herüberzukommen, und ihn dabei mit ehrverletzenden, seine jüdische Abstammung verspottenden Ausdrücken gekränkt. Der durch die Anstrengung körperlich völlig ermattete und durch seine Behandlung in den Zustand schwerer geistiger Depression versetzte Einjährige sollte sich nachmittags bei seinem Hauptmann melden, zog es aber vor, nachdem er seine Extrauniform angezogen hatte, sich auf dem Korridor mit dem Dienstgewehr zu — ersehiessen. Zum Leichenbegängnis hatte sich im Militärhospital der Oberst mit einem Teile des Offizierskorps eingefunden. Im Hofe richtete der Vater des Selbstmörders, Regimentsarzt a. D. Dr. Teitelbaum (aus Brzezany) vor der Front der Offiziere an den Oberst folgende Worte: „Herr Oberst, ich hin Soldat gewesen und habe vielleicht mehr Kenntnis davon (auf die Offiziere weisend^ als jene Herren dort. Wenn man diesen Freiwilligen dem Marcdenbuche gemäss behandelt hätte, so hätte man mir den Sohn erhalten; er wäre einen Tag marod. Ich hätte meinen Sohn, das Vaterland wäre reicher um einen treuen Diener und nur ärmer um den Dienst eines Tages, den der junge Rekrut hätte leisten können. Ich bin kein Mensch, der sich mit Kleinigkeiten abspeisen lassen wird. Ich drohe nicht, ich werde den Weg des Rechtes finden," Oberst Dworzak erwiderte, dass er die strengste Bestrafung der Schuldigen verfügen werde. Feitel-