Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 47 (18.11.1904)
- Date
- 1904-11-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 „&ie # w^it Nr. 47 des Schriftführers Herrn Redakteur Salj Geis, Heiligkreuzstrasse 32, zu senden. Bureau des Misrachi für Westeuropa: Rabbiner Dr. Nobel, Leipzig, Jacob S. Posen, Frankfurt, Präsident. Vizepräsident. Dr. med. Adler, Lübeck. Dr. med. Franck, Altona. Dr. med. Jacob Feuchtwanger, Frankfurt. * * * Das Zentralbureau der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Berlin, Friedrichstrasse 58 II, bittet Gesinnungsgenossen, welche in der nächsten Zeit nach Palästina reisen, ihm ihre Adresse mitzuteilen, falls sie bereit sind, die Begleitung einer jungen Dame aus den Kolonien, die gezwungen ist, von Deutschland nach Hause zu reisen, zu übernehmen. Mit Zionsgruss Zionistische Vereinigung für Deutschland Zentralbureau. Simonson m. p. Frankenstein m. p. Jüdische Toynbee-Hallo. Wien, XX. Karajangasse 20. Die Eröffnung des heurigen Wintersemesters fand Mittwoch, 9. November statt. Der Präsident Herr Doktor Is. S a m u e 1 y begrüsste die Gäste und hielt dann Dr.Theodor Herzl einen kurzen, würdigen Nachruf. Im Anschlüsse an diese Würdigung Herzls erklärte er, dass der neue Vorstand die Toynbee-Haile nach dem bewährten Muster der früheren Jahre im alten Geiste weiterzuführen gedenke. Als Vortragender ergriff hierauf Dr. Josef Jerusalem, von lebhaftem Beifalle begrüsst, das Wort zu seinen Ausführungen über den Wert der Bildung. Im zweiten Teil erfreuten die Klaviervirvuosin Frl. Dora Popper und der Violinspieler Herr Strassman n das Publikum dmch ihre Vorträge. Frl. Friedman n trug unter Beifall einige Gedichte vor. Donnerstag, 10. November, dem Geburtstage Friedrich Schillers, begann Dr. Siegm. Werner seinen Schillerzyklus. Die Bibelerklärurg am Freitag hatte Herr Rabbiner Grün übernommen. Samstag, 12. November fand der von Frl. Elsa Freund veranstaltete musikalische Abend statt. Frl. Grete Hirsch und Frl. Singer ernteten nebst der Veranstalterin reichen Beifall. Sonntag, am 1:5. November sprach Herr Dr. Heinrich Grün über „Kurpfuscherei". An den beifällig aufgenommenen Vortrag schloss sich eine interessante Diskussion. Montag, 14. November fand die Fortsetzung des Vortrages über Kurpfuscherei statt. Dienstag, 15. November wurde in der dichtgefüllten Tc yübt e-Halle \ od Dr. Werner eine Vorlesur g aus Dr. Herzls Erzählungen und „Solon in Lydien" abgehalten, der die Vejlesutg der Selbstbiogrsphie Heizls voranging. Mitiwoch beginnt der Zyklus des Universitätsprofessors Dr. Josef Po Hak über Bau und Verrichtung der Sinnesweikzeuge. Damit hat die Toynbee-Halle die erste Vortragswoche beenoet. Der Musikausschuss hat sich sogleich nach der Ei Öffnung des Vortragssemesters konstituiert und das Progran m der heurigen musikalischen Ahende bereits zum grossen Teile fertiggestellt, Der Ausschluss für Kinder jausen wird den ersten Kinderr achmittag Sonntag, 4. Dezember als Chanukajause veranstalten. Leber den Fortgang der Kurse wird dem Lachst Nachricht gegeben. Vortragsordnung: Sonntag. 20. November: Dr. Leop. Kahn: Menasse ben Israel. Montag, 21. November: Dr. Josef Jerusalem: Oesterr. Verfas^ungsgesehichte (Ein Zyklus). Dienstag, 22. November : Diskussion. Leiterin Fräulein Malvine Fried mann. Mittwoch, 23. November : Dr, Siegfried Herz: Thema vorbehalten, Donnerstag, 24. November: Dr. Siegm. Werner: Schiller II. Freitag, 25. November: Bibelerklärung. Samstag. 20. November: Konzert. * * * Wien. (Die Propagandakommission des Kolonisationsvereines. — Konstituierung des jüdischen Kolonisationsvereines in Wien.) Nachdem die im Mai dieses Jahres ausgearbeiteten Statuten di s jüdischen Kolonisationsvereines von den zuständigen Behörden einspi uchslos zur Kenntnis genommen worden waren und bereits am 17. Oktober eine Vorbesprechung der Proponenten stattgefunden hatte, erfolgte am 14. November die formelle Konstituierung des Vereines im grossen Sitzucgssaale der jüdischen Kultusgemeinde in Wien. Die zahlreich besuchte Versammlung, welcher die Vertreter sämtlicher Vereine der Wiener Kultusgemeinde beiwohnten, eröffnete Präsident Dr. Alfred Stern mit einer Ansprache, die das Entstehen des Vereines, schilderte. Hierauf erstattete Dr. Alfred Nossig das Referat über die im Statut präzisierte Bestimmung des Vereines. Nach einer Diskussion, an welcher sich Dr. Weisl, Herr Lucian. Brunner, Baurat Stiassny und andre beteiligten schritt man zur Konstituierung des Vereines und zur Wahl des leitenden Ausschusses, der sich aus folgenden Herren zusammensetzt: Präsident Dr. Alfred Stern, Dr. Rudolf Auspitz, Da\irl Ritter v. Guttmann, Prof. Dr. Ehrmann, Emil Horner, kais. Rat Sachs, Rabb. Dr. Schmidl, Baurat Wilhelm Stiassny, Dr. F. Weisl, Oskar Marmorek, Doktor J. Bloch, Dr. Zins, Ingenieur Schiff, Dr. Pappenheim. Der Ausschuss trat sofort zusammen und verteilte die statutenmässig vorgesehenen Funktionen in folgender Weise: Präsident Dr. Alfred Stern, Vizepräsident kais. Rat Sachs, Schatzmeister Herr Emil Horner, Stellvertreter Doktor W. Pappenheim, Schriftführer Dr. F. Weisl, Stellvertreter Dr. Zins. Ein ausführlicher Bericht über den Verlauf der Versammlung sowie über die Zwecke und den Arbeits, plan des Vereines gelangt demnächst zur Veröffentlichung * # * Jüdische Abende. Die Kenntnis des eigenen Volkstums, der eigenen Sprache, Literatur und Kunst ist die erste Vorbedingung jeder Volksbewegung für uns Juden. Für uns, die wir erst nach Erkenntnis ringen, lür uns, deren Kultur erst im Werden ist, die wir an der Schwelle der Renaissance unseres Volkstums stehen, für uns ist die Erforschung, unseres Schrifttums, der Kulturdenkmäler der Gegenwart, eine Erkenntnis der Volkssprache gleichbedeutend. Bisher hat man bei uns nur Geschichte getrieben; wir haben uns nur mit der Vergangenheit beschäftigt — die Gegenwart ist wichtiger. Um das Volk jn allen Tiefen kennen zu lernen, um uns selbst zu erkennen, unsere eigene Individualität, müssen wir die Volkssprache, die Volksliteratur kennen. In die „Jargon" literatur, das ureigenste Geistesprodukt unseres Volkes, das Kulturzeichen des Ghettolebens, pulsierend wie die Gegenwart, wie das Leben, wollen und müssen wir eindringen. Das ist das Band, das wirkliche, unzerreissbare, das beide Hälften des jüdischen Volkes verbinden kann und verbinden wird. Diese Aufgabe haben wir ins Auge gefasst, indem wir jüdische Abende veranstalten. Nicht einer ausgesprochen politischen Tendenz wollen wir dienen. Unser Ziel ist, die Geisteswelt des östlichen Judentums dem westlichen Juden näherzurücken, verständlich, zugänglich zu machen. Und wir hoffen, dass unsere Arbeit bei allen Juden, die für jüdisches Wesen und Leben Interesse haben, Anklang fioden wird. Die erste Veranstaltung unter dem Titel: „Jüdischer Abend, Vorträge aus der Literatur der ostjüdischen Volkssprache (Jargo n)tf, findet Sonntag den 20. d.M., 8 Uhr abends, im Festsaale des „Hotel Centr ai" statt. Das Programm umfasst sowohl Vortlage als auch musikalische und deklamatorische Darbietungen. Der Regiebeitrag beträgt 50 Heller. Adressen zu Einladungen sind zu senden an Herrn phil. J. Schmul, Wien, VIII., Langegasse 51. Karten sind zu haben im Verlag „Zion", in der Redaktion der „Weltu sowie bei den jüdisch-akademischen Verbindungen und Vereinen. DasKomitee: Dr. A. Brod, Mathias Acher, M. Hammer. P. T. Ich ersuche die geehrten Gesinnungsgenossen, zur Kenntnis zu nehmen, dass ich aus der Redaktion der Monatsschrift „Der jüdische Aibeiter* ausgetreten, daher auch für den Inhalt der in diesem Blatte erscheinenden Artikel und Notizen nicht verantwortlich bin. Hochachtungsvoll mit Zionsgruss Bernard Grünhut, Wien, IL, Stephanies'rasse 10.