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Die Welt · 1904-11-18 · 47 (18.11.1904) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
47 (18.11.1904)
Date
1904-11-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 „bie * w*itfÄ Nr. 47 dein 220 Frcs. pro ha. In Rechowoth brachten 45,5 ha eine Nettoeinnahme von 219 Frcs. pro ha. In Rischon-le-Zion ergaben 18 ha Mandeln eine Einnahme von 415 Frcs. pro ha. Ein Kolonist von Pethach-Tikwah erhielt sogar von 8 Dunam 675 kg trockene Mandeln im Werte von 508 Frcs. In Sichron-Jacob gibt es schon 63 ha Mandelbäume, doch sind die meisten noch jung, so dass der Ertrag sich erst auf 7937 Frcs. belief; die Produktion wird sich aber in 5—6 Jahren verdreifachen oder vervierfachen. In Rosch-Pinah ergaben 50 ha zirka 11 000 kg im Werte von 12 190 Frcs., also 244 Frcs. pro ha. Weit bedeutender sind natürlich schon die Erträge der Orangerien, die in wenigen Jahren eine der wichtigsten Einnahmequelle der judäischen und sammarischen Kolonien sein werden. In Rischon-le-Zion hat die Administration der Ica 1000 Kisten Orangen geerntet, in Sichron-Jacob 1183, in Pethach-Tikwah sogar 6000, während die Kolonisten daselbst 7475 Kisten (gegen 2389 im Vorjahre) ernteten. Man erwartet für dieses Jahr 15—20 000 Kisten daselbst. Der Verkauf wird. im wesentlichen von der „Pardess"-Gesellschaft übernommen, die in Hamburg und London den Verkauf überwachen lässt und schon 18 755 Kisten verkauft hat pro 5,35 Frcs. brutto und 3,47 Frcs. netto. Es lässt sich voraussehen, dass die Gesellschaft namentlich durch Ersparnis der Unkosten noch bessere Resultate erzielen wird, wenn sie die Orangen durch die neugegründete Palästina-Handelsgesellschaft in Hamburg verkaufen lässt. In Wad-el-Hanine ergab die alte Orangerie, 3 ha gross, einen Nettoerlös von fast 4500 Frcs., die neue 7 ha grosse Orangerie daselbst steht jetzt auch schon im vierten Jahre. Die O 1 i v e n k u 11 u r ist bisher in den jüdischen Kolonien vernachlässigt gewesen, da bekanntlich diese Bäume erst spät zu tragen beginnen. In Maskereth-Bathia beginnt jetzt die Olivenproduktion zu steigen, die letzte Ernte betrug 4056 kg, die zum Teil an Ort und Stelle verbraucht, zum Teil als. Oel verkauft wurden; 1200 kg Oel erzielten 660 Frcs. In Sichron- Jacob ergaben 25 ha 8600 kg Oliven im Werte von 1000 Frcs. und etwa 1400 Liter Oel ergebend. In Sedjera wurde die Pflanzung von Oliven fortgesetzt. Die bei weitem wichtigste Kultur ist nach wie vor der Weinbau und es ist erfreulich zu hören, dass sich die Situation der Weinbauer merklich verbessert hat. Die Haupt- Weinkolonie Rischon-le-Zion hat an den Keller 3 109 749 kg Trauben abgeliefert und dafür 289 960 Frcs. erhalten. Die abhängigen Kolonisten vermochten 8000 Frcs. auf ihre Schulden zurückzuzahlen. Die 24 Kolonisten von Wad-el-Hanine produzierten auf 817-' ha Weinbergen 1374 Kantar Trauben (gegen 972 Kantar im Vorjahre) und erzielten einen Bruttogewinn von 33 039 Frcs., entsprechend einem Nettogewinn von 15 000 Frcs. Die 41 Kolonisten von Rechowoth erzielten von 440 ha Weinbergen für 7785 Kantar Trauben 184 722 Frcs., von denen für 166 358 Frcs. an den Keller von Rischon-le-Zion gingen; es ist ungefähr das gleiche Resultat wie im Vorjahre. Die 14 Kolonisten von Ghedera erzielten auf 114 ha Weinbergen für 2086 Kantar Trauben 46 310 Frcs.; davon wurde für 33 204 Frcs. Alkohol an den Keller von Rischon geliefert. Die Kolonie in Pethach-Tikwah erzielte für 1 307 982 kg Trauben 134 232 Frcs. Hedera erzielte auf 119 ha (im Vorjahre 100 ha) 29 000 Frcs. brutto; ein Teil der Ernte wurde an Ort und Stelle verarbeitet, das übrige an den Keller von Sichron-Jacob abgeliefert. Sichron- Jacob ergab 594 900 kg Trauben, davon 430 000 von den erneuerten, d. h. auf amerikanische Unterlage gepfropften Weinstöcken, woraus hervorgeht, dass die alten, von der Reblaus verheerten, nur noch wenig tragen. Rosch-Pinah in Qaliläi produzierte 199 683 kg Trauben, für die 14 180 Frcs. bezahlt wurden. Was die Kellereien der Palästina-Kommission der Ica betrifft, so wurden in den Keller von Rischon-le-Zion 6 951 975 kg Trauben geliefert, in einer 5tägigen Woche konnte der Keller 400 000 ke Trauben aufnehmen. Die Fassfrage ist noch nichl ganz gelöst, doch konnten schon Bestellungen drüben vergeben und dadurch eine gewisse Ersparnis gemacht werden. Der Keller in Sichron-Jacob hat nur 680 603 kg Trauben erhalten, wofür 63 848 Frcs. bezahlt wurden; die Resultate der Ernte sind hinter der Erwartung zurückgeblieben; eine der Ursachen scheint die übergrosse Feuchtigkeit des Bodens gewesen zu sein. Der Keller von Rosch-Pinah enthält 1447 hl Wein in gutern Zustande. Neuerdings (s. „Altneuland" S. 150) hat Rechowoth auch einen Keller erhalten, während, wie wir sahen, Ghedera seinen Wein zum grossen Teil zu Alkohol verarbeitet und Hedera teilweise den Wein selbst in nrimitiver Weise herstellt, um den weiten und verlustreichen Weg nach dem Keller von Sichron zu ersparen. Ueber die Viehzucht ist leider wenig zu sagen; der Bericht erwähnt nur, dass sie in Rosch-Pinah (Caba) dazu beiträgt, den Kolonisten eine sehr annehmbare Situation zu gewähren; hingegen haben die schlechten Resultate in der Schafzucht die Administration von Rosch-Pinah bewogen, selbst einen Versuch zu machen. Vor zwei Jahren, mit 77 Schafen begonnen, zählt die Herde jetzt 150 Stück schöner Qualität. In Sedjera wurde ein grosser Viehhof eingerichtet; sollte nicht vielleicht dort auch der geeignete Platz sein für Versuche zur Anlegung eines Gestütes? Im übrigen hängt die Frage der Viehzucht so eng mit der Frage der Futterkräuter zusammen, dass sie ohne letztere kaum befriedigend gelöst werden kann. Was die Unterstützung der Industrie in Palästina seitens der Ica betrifft, so scheint sich die Seidenspinnerei und -Weberei in Rosch-Pinah nicht zu bewähren. Als Hauptgrund werden die Verteuerung des Brennmaterials durch den Transport und die relativ teure Arbeit angegeben, da die Arbeiter ihre Famijien in Safed lassen müssen; ausserdem bleiben die Arbeiter nicht länger als zwei Jahre, was nicht genügt, um die Praxis eines guten Spinners zu erlangen,. Man hat den Direktor und Unterdirektor entlassen und einen jungen Mann von Erfahrung und praktischem Sinn an die Spitze gestellt. Wichtigen ist die Handwerkerschule in Jerusalem, die unter der Leitung von M. A. Antebi steht. Die Weberei beschäftigte Ende 1903 65 Arbeiter, die 0,75—2 Frcs. pro Tag verdienten; das Salär der Arbeiter betrug 9011 Frcs, in dem Jahre, man fabrizierte für 30 000 Frcs. nnd verkaufte für 21 546 Francs Ware, d. h. etwa ebensoviel wi? im vorhergehenden Jahre; der Unterschied zwischen Produktio:: und Verkauf mindert sich aber durch den gesicherten Verkauf von Dünas (Bauernstoffe). Die Färberei ist noch nicht definitiv eingerichtet; zwei junge Leute, die nach Roubaix gesandt wurden, haben ihre Lehrzeit dort noch nicht beendet; bis dahin leitet ein eingeborener Arbeiter die Färberei. Wir halten das Prinzip, neue Industrien durch Anlernung junger Leute im Auslande einzuführen, für ein verfehltes. Zurückgekehrt, wissen sie sich bei den geringsten Schwierigkeiten nicht zu helfen und bringen den ganzen Betrieb dadurch ins Stocken, wodurch die geringe Ersparnis gegenüber dem Engagement eines guten europäischen Meisters für einige Jahre mehr als ausgeglichen wird. An Strickmaschinen wurden in dem Jahre sechs neue an Arbeiter in Jerusalem, Jaffa, Gaza und Galiläa verteilt; die Abzahlungen liefen pünktlich ein, wodurch die Anschaffung neuer Maschinen ermöglicht wird. 26 Maschinen sind schon seit der Gründung des Werkes verteilt. Die Darlehenskasse wurde vor drei Jahren mit 50 000 Frcs. begründet; infolge der Zinszahlungen beträgt ihr Kapital jetzt 55 758 Frcs.; sie hat bisher 151913,80 Frcs. an 230 Personen ausgeliehen und 96 839,70 Frcs. zurückerhalten; 116 Darlehen sehweben noch; die Schuldner, bestehend aus Arbeitern, kleinen Kaufleuten, Händlern und Ladeninhabern sowie einigen Kolonisten, meist in Jerusalem, einige auch in Jaffa; sie zahlen mit wenigen Ausnahmen, regelmässig ab; übrigens geben sie Garantien. Die A r b e i t e r w o h n u n g e n in Jerusalem haben jetzt die Zahl von 34 Häusern erreicht, diel ein kleines „Nahalat Zion" genanntes Stadtviertel bilden mit Badeofen, Zisterne, Synagoge etc. Die Totalausgaben dafür betrugen 79 182,15 Frcs., die bisherigen Eingänge seitens der Erwerber sind 8191,25 Frcs. Die Werkstätte für Frauen beschäftigte 35 Lehrlinge mit der Haarnetzindustrie; einige erwarben schon 0,75 bis 0,85 Frcs. pro Tag. Auch in Damaskus wurde diese Industrie jetzt eingeführt. Aus Mangel an Lehrerinnen konnte die Spitzenfabrikation bisher in diesem Jahre nicht betrieben werden. Vor zwei Jahren berichtete die Ica, dass schon 1900 zwei junge Mädchen nach Belgien zur Ausbildung in der Spitzeufabrikation gesandt wurden, die im September 1901 zurückkehrten. Es scheint hier also das, was wir oben gelegentlich der Färberei sagten, eingetroffen zu sein. InstallierungvonLehrlingen. Es wurden zwei Handwerker in Damaskus, einer in Jerusalem mit kleinen Vorschüssen unterstützt. Auch einigen Kolonisten in Artouff wurden Vorschüsse gegeben. Auswanderung. Leider figuriert auch in diesem Jahre diese heikle Rubrik in dem Jahresberichte der Ica. Sie trug zur Auswanderung von 40 Personen nach Amerika, Aegypten und Transvaal bei. Wir können ohne Kenntnis der betreffenden Fälle kein Urteil darüber fällen, ob diese Unterstützung im antizionistischen Sinne wirklich geboten war; wir hoffen aber, dass diese hässliche Rubrik möglichst bald aus den Berichten verschwinden möge. Gerade die Förderung der palästinensischen Industrie ist ein Gebiet, auf dem die Jewish Colonization Association mit dem Jewish Colonial Trust resp. der Angio-Palestine Co. ohne Verletzung ihrer Prinzipien sehr gut zusammen arbeiten könnte.

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