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Die Welt · 1904-11-18 · 47 (18.11.1904) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
47 (18.11.1904)
Date
1904-11-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 47 „bi* W^lt" Seite 5 Jüdische Kolonien. Die Kolonien in Palästina nach dem Berichte der „Jewish Colonization Association" für das Jahr 1903.*) Die der Jewish Colonization Association in Palästina direkt oder indirekt unterstehenden Kolonien haben sich zwar an Zahl in dem Berichtsjahre nicht vermehrt, hingegen hat die Verwaltung sich um die Ausgestaltung und Sanierung der bestehenden Kolonien bemüht und auch grosse Terrains bei Tiberias und Delaika hinzugekauft, wodurch sie dort in den Besitz von 20 000 Dunam gelangt ist, und zwar von einem Boden, der zu dem besseren jener Gegend gehört. Die Bildung neuer Kolonisationszentren wird offenbar nicht geplant und demnach scheinen auch Neugründungen von Kolonien in Palästina nach Beendigung der Sanierung der bestehenden seitens der Jewish Colonization Association für die nächsten Jahre nicht beabsichtigt zu sein. Die neugekauften Terrains von Loubieh, Chemsin und Bedjen werden ebenso wie Teile von Sedjera und Atlit**) an jüdische Pächter verpachtet, wozu die besseren unter den jüngeren Arbeitern bestimmt werden. Auch wir können uns der Ansicht nicht verschliesscn, dass eine intensive Durchbildung der bestehenden Kolonien wichtiger ist als die Gründung neuer Ansiediungen auf schwankender Grundlage. Die Jewish Colonization Association unterscheidet in ihrem Bericht zwei Gruppen von Kolonien, solche, die sie aus eigenen Mitteln unterstützt resp. bewirtschaftet, und solche, die Baron Edmund Rothschild ehemals angelegt oder unterstützt hatte und die jetzt von einer besonderen Kommission der Jewish Coloniz.ation Assoziation, der auch Baron Rothschild angehört, verwaltet werden. Zu der ersten Gruppe gehört Waad el Hanine, Ghedera (Katra), Rechowoth, Hedem, Mischmar-Hajarden und die Farm Sedjera, sowie auch Artouff: die zweite Gruppe umfasst Rischon-le-Zion, Maskereth, Bathia, Pethach-Tikwah, Sichron-Jacob, Mesha, Yamma-Delaika, Abedieh-Mellamieh, Rosch-Pinah, Jessod-Hamaalah, Metoule, d. h. Dörfer mit einer jüdischen Gesamtbevölkerung von 4700 Seelen. Da wir durch unseren Berichterstatter meist schon neuere Daten über die einzelnen Kolonien besitzen, so lohnt es sich nicht, die vielen Einzelheiten, die der Bericht bringt, hier anzuführen, interessant ist es aber, die Seeicnzahl der einzelnen Kolonien, wie sie der Bericht mitteilt, mit der Uebersicht zu vergleichen, die A. S. K a s t e 1 i a n s k i in der Zeitschrift „Palästina" 1902, Heft 2 für das Jahr 1898 publizierte (abgedruckt auch in Bd. I „Jüdische Statistik44 Berlin 1903, S. 400): da sich hieraus der Zuwachs der Kolonien innerhalb fünf Jahren ergibt. Kolonien 1898 1903 Rischon-le-Zion . . . . 626 Seelen 761 Seelen 119 174 „ 222 280 Maskereth-Bathia (Ekron) . . 231 274 114 119 818 1} 882*** „ . 132 150*** ., Sichron-Jacob ..... . 893 ii 1108 Rosch-Pinah...... . 513 M 796 229 246 Mischmar-Hajarden . . . . 110 115 284 »v 311 „ 4291 Seelen 5216 Seelen Es haben demnach diese zwölf Kolonien ihre Einwohnerzahl im Durchschnitt in den fünf Jahren um 22% vermehrt: dazu kommen dann noch die neugegründeten Kolonien bei Tinerias (Mescha, Yamma-Delaika, Abedieh-Mellamieh) mit 107 Familien, sowie Atlit mit 8 Familien, ferner eine geringe Zunahme in den kleineren, oben nicht aufgeführten Kolonien, der eine kleine Verminderung nur in Kastinieh gegenübersteht, so dass man wohl die gesamte Bevölkerung der jüdischen Dörfer und Pflanzungen in Palästina für das Jahr 1903 auf 6500 angeben darf gegen 5200 für das Jahr 1898, was immerhin bei *) Aus Nr. 11 von „A 11 n e u 1 a n d". Inhalt: Dr. Fr. Oppenhe i mer: Die Gewinnbeteiligung im landwirtschaftlichen Betriebe. Dr. L. Sander: Die Wanderheuschrecke und deren Vernichtung. Palästina und die Nachbargebiete. Jüdische Kolonien. Vermischtes etc. **) In Atlit erhält jeder Pächter einen Feddan (12 ha) sowie 1000 Frcs. Vorschuss für das Material; die jährliche Pacht beträgt 100 Frcs, und der Pachtvertrag ist jährlich lösbar. ***) Nach Aaronsohn, „Altneuland4 1904, S. 90, einer jährlichen Zuwachsrate von 5%, wenn auch keine rapide, so doch eine gesunde Entwicklung bedeuten würde. Noch wichtiger ist, dass jetzt die meisten der Kolonisten genügend Licht und Inventar haben, um gut weiterzukommen, d. h. vorausgesetzt, dass es ihnen an Fleiss und Ausdauer nicht gebricht. Schon jetzt sind viele der Kolonisten in der Lage, regelmässig ihre Vorschüsse und Amortisationsquotenzurückzuzahlen, und voraussichtlich wird sich die Zahl derselben bei weiterem Heranwachsen der Pflanzungen in immer schnellerem Masse vermehren. An Bodenrnangel leiden vor allem noch die Kolonisten von Waad-ei-Chanin, Mischmar-Hajarden und Jessod-Hamaalah. Besonders interessant und wichtig sind die Versuche, die mit Baumwolle gemacht wurden, wenngleich sich hätte voraussehen lassen, dass eine Baumwollkultur auf dem Plateau von Sichron-Jacob fehlschlagen musste. Auf Versuche mit Baumwolle, die von englischer Seite in der Nähe von Jaffa in diesem Sommer veranstaltet worden sind, angeblich mit gutem Erfolge, werden wir noch zurückkommen; übrigens ist die Jewish Colonization Association auch im oberen Jordantal, in der Kolonie Abedieh-Mellamieh, im Begriffe, Versuche mit Baumwolle zu machen. Der Tabak wird jetzt auf verschiedenen Kolonien versucht, aber mit wechselndem Erfolge. In Waad-el-Chanin brachten 2 ha 1000 kg trockene Blätter, von denen 400 kg zu 4 Frcs. das Kilo verkauft wurden. Die Kosten der Kultur der 2 ha beliefen sich auf 7—800 Frcs. In Pethach-Tikwah gaben die 18 mit Tabak bepflanzten Dunam nur sehr geringe Resultate, was dem späten Beginn infolge der Schemita zugeschrieben wird, da die Autorisation seitens der Rabbiner von Jerusalem sich lange verzögerte; auch mit der „Tombac" genannten Tabaksorte wurden grössere Versuche gemacht auf 35 Dunam; das Resultat war aber noch nicht bekannt. In Sichron-Jacob ergaben 10 Dunam 507 kg Tabak, in Rosch-Pinah ergaben 687 Dunam 11 000 kgdie aber nur 12 190 Francs brachten. Metoule, wo früher viel Tabak gebaut wurde, hatte 1903 nur 264 Dunam bepflanzt, von denen nur 69 guten Erfolg hatten: die Ernte wird auf 1322 kg geschätzt. Mit Opiummohn machte man Versuche in Maskerath- Bathia, mit Anis ebendaselbst, sowie in Pethach-Tikwah, wo ein Dunam einen Ertrag von 34 kg brachte, mit Lein und Kassiablüten (Acacia Farnesiana) wurden in Sichron- Jacob auf dem Plateau Versuche gemacht, und zwar mit zufriedenstellenden Resultaten. Was die G e t r e i d e e r n t e betrifft, so war sie nach den auf der Farm Sedjera gewonnenen Resultaten bedeutend geringer als im vorhergehenden Jahre. Per Hektar wurden gjerntet: Weizen 4,5 (gegen 7). Hafer 18 (gegen 26), Gerste 15 (gegen 22) hl. Für G r ü n d ü n g u n g wurden Versuche mit blauen Lupinen in Maskereth-Bathia gemacht; jedoch müsstc diese wichtige Frage in ganz anderer Weise methodisch in Versuchsstationen angefasst werden. Für die Anzucht von Viehfutter gilt das gleiche; die Jewish Colonization Association, berichtet nur von einem kleinen Luzernenfeld von 6 ha 30 ar in Metoule, das 41 700 kg trockener Luzerne erbrachte. Auch die Frage der D ü n e n b e festig u n g muss methodisch und vielseitig in Angriff .genommen werden; in Rischon-le-Zion scheinen die hierfür angepflanzten Kasuarinen und Eukalypten gut zu gedeihen. .Die Seiden zu cht scheint sich nur langsam zu verbreiten. In Maskereth-Bathia. haben drei Kolonisten aus 14 Unzen Eiern 560 kg frische Kokons gezüchtet im Wertevon 1633 Frcs. In Pethach-Tikwah haben zwei Kolonisten aus 8 Unzen 247 kg erzogen, welches geringfügige Resultat als Folge der „Schömita" hingestellt wird. In Sichron-Jacob erzielten die Kolonisten aus 23 Unzen 752 kg Kokons im Werte von 2486 Frcs. In Rosch-Pinah wurde für 2460 Frcs. Seide produziert. Ueber Bienenzucht wird leider nicht das geringste in dem Bericht erwähnt, obgleich sie doch eine wichtige Nebenbeschäftigung der meisten Kolonisten bilden könnte. Weit erfreulicher sind die Nachrichten über die B a u m - k u 1 t u r e n, spezieil über Mandeln und Orangen, auch die Oliven, beginnen jetzt eine etwas grössere Bedeutung zu erlangen. Während die Mandel k u 11 u r früher als nicht lohnend hingestellt und teilweise sogar aufgegeben wurde, beginnen jetzt die Kolonisten schon selbst neue Anpflanzungen zu machen, speziell in Rischon, wo es sehr wichtig ist, neben dem Wein eine andere Kultur zu besitzen. Leider scheint man aber die besser bezahlten Sorten in Palästina erst wenig eingeführt zu haben, was auch eine Aufgabe der Versuchsstation sein wird. Ueber die Ergebnisse der Mandel k u 11 u r sind folgende Notizen erwähnenswert. In Ghedera brachten die 10 ha Man-

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