Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 46 (11.11.1904)
- Date
- 1904-11-11
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 * weit11 Nr. 46 Mandelbaum, Baruch, o^JWS JHtt» Agada und Halacha enthaltend. I. Teil, 167, S.4. Druck B. Frumkin, Verlag des Verfassers, sämtlich in Jerusalem. In bescheidener Zurückgezogenheit, ausschliesslich seinen Studien lebend, tritt df>r Verfasser, obschon er zu den ersten Gelehrten Jerusalems zählt, nun zum ersten Male in weitere Oeffentlichkeit. Rabbi B Mandelbaum, gemeinhin der „Turower Row" genannt, ist Vv>r etwa 30 Jahren nach Palästina übersiedelt, nachdem er zuvor sein Amt in der genannten Gemeinde (Russland) niedergelegt hatte. Seit dieser Zeit ist, bei einem kärglichen Gnadengehalt, das ihm die erwähnte Gemeinde bewilligt, seine ausschliessliche Beschäftigung „Lernen". Die reifen Frücht* dieses langjährigen Mühens sollen allmählich weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden. Man darf namentlich gespannt sein auf die Responsen, die sich im Besitze des Verfassers befinden. Sie enthalten einen wahren Schatz von Gelehrsamkeit. Von der Tiefe und Breite des Wissens l**gt genügend Zeugnis auch schon vorstehender Teil ab. Derselbe ist in (onj?^) Pforten eingeteilt und behandelt: a) rnsfcl HplX; D) Börtt; c) ♦ ♦♦nmn niD-K***; d) npns und e) pöin yp> Das Werk, das sehr häufig Gelegenheit nimmt, die lautere, gottergebene Frömmigkeit und den unbegrenzten Wohltätigkeitssinn des seligen Barons Karl W. v. Rothschild zu preisen, der dem Verfasser schon vor Jahrzehnten eine unentgeltliche Wohnung in der heiligen Stadt einräumte, trägt den Namen dieses unsterblichen Philanthropen an der Spitze. Druck und Ausstattung lassen nichts zu wünschen übrig. Der Erlös des Werkes soll die Druckkosten der anderen Teile bestreiten helfen. Hoffentlich geht der fromme Wunsch in Erfüllung. Möge es dem gelehrten Verfasser beschieden sein, die Zeit zu erleben, in der er die Erlösung des Judentums (rr ^jjäO m^ entschiedener Bestimmtheit erwartet. Jerusalem. Dr. Grün hu t. Feuilleton. Judentum und deutsche Kunst. Im Berliner „B örsen- Courier4 vom 29. Oktober veröffentlicht Georg Hermann folgenden Artikel, den wir vorläufig ohne Kommentar publizieren. „In der neuen Wochenschrift ,,Der Deutsche4' beschäftigt sich Ludwig Brehm mit dem Judentum in der deutschen Kunst. Wenn diese Arbeit eine Schimpferei grösseren Stiles wäre, so wäre es wohl nicht nötig, sie mit einer Entgegnung zu beehren. Aber gerade, dass sie sich bemüht, Gründe und Gegengründe zu geben, gerade dass sie unter dem Schein eingehender Sachkenntnis auf falschen Voraussetzungen falsche Schlüsse aufbaut, gerade das zwingt uns, sie zu widerlegen. Dem Verfasser ist wohl selbst nicht sonderlich wohl gewesen, als er sie schrieb. Denn bei einem Sinn für Logik hätte er sehen müssen, dass er stets bei dem nächsten Künstler, den er behandelt, die Mängel, die er an dem vorigen rügt, als besondere Vorzüge seiner Begabung hervorhebt, dass er, wenn er zum Schluss das Fazit zieht auf die Kunstbegabung der jüdischen Rasse oder auf ihren Einfluss auf die deutsche Kunst, eigentlich all das bewiesen hätte finden müssen, dessen Fehlen zu beweisen ihm Aufgabe und innigste Pflicht schien. Gehen wir einmal näher auf den Inhalt seiner Arbeit ein. Brehm versucht zuerst einmal zu rechtfertigen, aus welchem „deutschen44 Empfinden heraus Deutschland einem seiner ersten Dichter, nämlich Heinrich Heine, bisher kein Denkmal gesetzt hat. Er erzählt, dass er selbst bei jener Stadtverordnetensitzung von unsterblicher Blamage in Düsseldorf anwesend war, die für Heine das Denkmal verweigerte. Wir sprechen hier nur von Prinzipien. Denn ob Heine ein Denkmai erhält oder nicht, ist absolut gleichgültig. Man kann in Deutschland zu einem Denkmal kommen und weiss nicht wie, ebenso wie der Jockey zum Schlüsselbeinbruch. Die Denkmäler haben zudem in Deutschland einen so absolut unkünstlerischen Charakter, dass man sich wirklich wegen des Fehlens eines Heine- Denkmales nicht aufzuregen braucht. Was mich aber desto mehr verwunderte, dkas ist die schuljungenhafte Kritik, die Brehm an Heine selbst übt. Gerade dass er über ihn nichts weiter Lobendes zu sagen weiss, als auf die einzige Schönheit seiner Lieder hinzuweisen, zeigt eigentlich, wie unendlich fern er Heine steht und wie er all die Keime der Moderne, die in ihm schlummern, einfach nicht sieht oder nicht sehen will. Nicht der Heine, der das „Buch der Lieder" schrieb, ist für uns heute von Wert, nicht e r hat bis auf den heutigen Tag Einfluss, sondern jener andere Heine, den ich den „ersten modernen Menschen44 nennen, will; jener, der die grossen Töne der sozialen Lyrik im „Weberlied4* erklingen Hess, der im „Armen Lazarus44 von allen Schmerzen einer leidenden kranken Seele erzählte, der in der „Pomare4 ein Leben schilderte, das in der Gosse endet, und dem doch trotz all seiner Sündigkeit vergeben wird; jener Heine, in dem ein Stück Griechentum weiterlebte und der sich in seinem letzten Gang zu unserer schönen Frau von Milo schleppte. Ich glaube, von dem hat Brehm wenig gehört und noch weniger verstanden. Und man kann versichert sein, wenn Heine nur jene schöner, Lieder geschrieben hätte, die Herr Brehm so lobt, ein deutscher Dichter, der wirklich ein „Dichter44 und zugleich ein „Deutscher44 ist — nämlich Richard Dehmel — hätte ihm nicht in Worten jenes wunderbare Heine-Denkmal gesetzt, in dem es auch zu lesen ist: Und links zu Füssen des getauften Juden, den Stock beschnüffelnd und beblinzelnd, hockt — ich schlage vor, aus rheinischem Eisenquarz — ein fettes Schwein, das echte deutsche Haussen wein. Mach mir dies Schwein ja wahrhaft wahr und schön, wie's dieser grosse Künstler wert ist; und vergiss mir auch die Borsten nicht! Nachdem Brehm nun Heine als Prototyp des jüdischen Künstlers hingestellt hat und im Brustton der Ueberzeugung gerufen, „es fehlt ihm der Ernst, es fehlt ihm die Ehrfurcht, die den echten deutschen Künstler noch immer mit Verantwortung erfüllt hat, weil er seine Kunst im innerlichsten Zusammenhang mit dem Gedeihen des Volksganzen empfindet44, versucht er nun — natürlich nicht gar so plump — alle diese Eigenschaften an dem jüdischen bildenden Künstler deutscher StaatsangehörigKeit nachzuweisen. Zuerst muss er aber einmal anerkennen, dass es im Verhältnis zur Zahl der deutschen Juden einen ungewöhnlich starken Prozentsatz tüchtiger führender Künstler gibt, und er ist immerhin so kulant, ihre Bedeutung nicht zu leugnen. An der Spitze des jüdischen Kunstschaffens in Deutschland steht heute Max Liebermann. „Liebermann,44 sagt Brehm,, „ergriff die neue naturalistische Richtung, die der natürlichen naturalistischen Eigenart seiner Rasse voll entsprach. Für die Betätigung: der gewonnenen Kenntnis fand er in den atmosphärischen Wundern Hollands die geeignete Stätte.44 Schön! Das ist richtig. Und wenn das richtig ist, wie kann Brehm von Liebermann die hellen und leuchtenden Worte, wie sie etwa gleich Fanfaren aus den Bildern eines Boecklin brechen, verlangen,? Boecklin war hell und leuchtend, weil die Heimat seiner Alpenluft die Schweiz war. Liebermann ist verhältnismässig, farblos, ist grau, weil er als Moderner die Linie der alten holländischen Kunst des 17. Jahrhunderts, die Linie Rembrandts, der in Israels seine Fortsetzung fand, weiterführt. Und Boecklin ist leuchtend, weil seine Kunst eine Mischung der Elemente bietet, die er aus dem Florentiner Quatrocentisten, aus den frühen Niederländern und aus den Vlamen übernahm. Und eines schliesst eben das andere aus. Jeder aber ist auf seinem Boden ebenso heimatberechtigt wie der andere. Dass nebenbei die Behauptung Brehms hundertfach durch die letzten Arbeiten Liebermanns, die ausserordentlich farbig sind, widerlegt werden, darauf will ich nicht einmal eingehen. Ebenso wie seine Worte, dass bei Liebermann die verweilende Freude an den Ton- und Farbendetails fehlt, nur von einem ungenügend erzogenen Auge des Schreibers erzählen und dass ein anderer Vorwurf, wie der, dass Liebermann patzte, doch eigentlich so laienhaft ist, dass ich ihn nach ein paar vernünftigen Gedanken, die sich in