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Die Welt · 1904-11-11 · 46 (11.11.1904) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
46 (11.11.1904)
Date
1904-11-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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JÜr. 46 bie & w>it" Seite 13 Ein Uebertritt «um Judentum.?Jer- „ Israels Measenger" Ulis Shanghai meldet, dass Mr. «J. T u t o m, ein Leutnant der japanischen Armee, zum Judentum übergetreten ist. Der Religionsunterricht an den Krakauer Mittelschulen. Herr Rabbiner Dr. Josua Thon wandte sich an den Krakauer Ortsschulrat mit der Bitte, den Unterricht der hebräischen Sprache für die jüdischen Mittelschüler für obligat zu erklären. Der Landesschulrat in Lemberg, dem die Angelegenheit zur Entscheidung vorgelegt wurde, forderte den Krakauer Kultusrat zur Abgabe eines Gutachtens auf. Dieser beschioss nun, sich der Aktion des Herrn Dr. Tnon anzuschliessen und seinen Vorschlag zu befürworten. Im Anschluss hieran beschioss der Kultusrat, an kompetenter Stelle vorstellig zu weiden, dass von der jetzigen Gepflogenheit, den jüdischen Religionsunterricht in einem katholischen Religionszwecken dienenden, mit katholischen Emblemen versehenen Saale zu erteilen, Abstand genommen werde. Beilegung des Streiks der zionistischen Handelsangesteliten in Stanislau. Der durch Plakate angekündigte Streik der Hand eisangestellten der Spezereibranche brach Samstag den 15. v. M. aus. Wie ein Mann verliessen die Handelsangestellten an diesem Tage die Geschäfte. Sie verlangten nur die Abendsperre um 8 Uhr. Die Kaufleute, welche bis zum letzten Augenblick nicht glauben wollten, dass ihre Angestellten — diese Wissens- und geldarmen geplagten Geschöpfe, so viel Mut besitzen - wurden überrascht. Das Erstaunen wich dem Schrecken, als sie mit den Frauen und Kindern tagsüber sich statt der Handelsangestellten plagen mussten. Zu diesen Gefühlen trat der Starrsinn. Sie versammelten sich Sonntagabends, verlangten von ihren Angestellten, wie von entwichenen Sklaven, unbedingte Rückkehr auf den Posten innerhalb 24 Stunden, wahrten sich das Recht derNichtaufnahme mancher, da der Streiknach ihrer Meinung willkürlich eingeleitet wurde, und erteilten nur die einzige Konzession, dass sie die Handelsangestellten nur zu Unterrichtszwecken um 10 Uhr abends freilassen. Die Streikenden wiesen entrüstetdas Anbot der Chefs zurück, verlangten unbedingte Wiederaufnahme aller ui d stimmten einer Abendsperre um 9 Uhr zu. Inder Zwischenzeit gebrauchten die Chefs — mit einigen edlen Ausnahmen — die bekannten Mittel, wie Strafanzeigen an die Polizei, an die Staatsanwaltschaft, Anwerbung von Streikbrechern. Das Publikum gab seiner Sympathie den Streikenden gegenüber durch reichliche Gaben für den Streikfonds Ausdruck. Dienstag abends den 19. d. M.traten endlich dank der persönlichen Intervention des Gewerbeinsp-ktors und der mittelbaren seitens des Herrn Bürgermeisters die beiden Komitees der Arbeitgeber und Streikenden zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen, bei welcher nach mühseligen Verhandlungen ein Ausgleich zustande kam. Die Chefs nahmen alle Streikenden wieder auf. Den Angestellten über In Jahren wurde die bedingungslose Freilassung aus den Geschäften um 10 Uhr abends, hingegen den jugendlichen Angestellten unter 16 Jahren um 8 Uhr abends gewährt. Nur ein Kaufmann, der älteste aus dieser Branche, welcher seinen Kollegen voranleuchten sollte, wollte den Ausgleich nicht mitfertigen.Die erworbenen Tausende machen diesen Herrn vergessen, dass er auch einst zu den Kleinen gehört hat, und haben augenscheinlich den Sinn desselben für die Freiheitsbestrebungen der Handelsangestellten getötet. Mittwoch den 20. d. M. nahmen die Streikenden die Arbeit wieder auf. Es ist Sache der letzteren, welche bis neun Uhr, resp. bis Mitten acht abgehetzt wurden, das erkämpfte Recht auszunützen, und von der erlangten Freiheit zu ihrem eigenen Nutzen und zum Frommen der Allgemeinheit ausgiebigen Gebrauch zu machen. Die Juden in Oesterreich nach der Umgargssprache. Nach der letzten Volkszählung wurden im ganzen 1.22L/71 jüdische Seelen gezahlt, und zwar in: Galizien 8-81.1*3, Niederösterreich 157.278, Bukowina 1)6.150, Böhmen 92.745, Mähren 44.255, Schlesien 11.988. Küstenland 4*774. Steiermark 2283, Öberösterreich 1280,. Tirol und Vorarlbeig 1125, Dalmatien 334, Kärnten 212, Salzburg 199, Krain 145. Von dieser Zahl waren .1,144.78b' in den im Reichsrate vertretenen Ländern heimatszuständig und 79.925 Fremde (davon in Wien 50.394)- Von den österreichischen Staatsbürgern bekannten sich zur polnischen Umgangssprache 622.2.36 (54.37 Proz), zur deutschen 119.210 '(36.61 Proz.), zur böhmischen 57.782 (5.05 Proz.), zur russischen 40.966 (o,5S Proz.), zur italienischen 2940 (0.25 Proz.), zur rumänischen 263, zur ungarischen 165, zur serbo-kroatischen ()■>, jzur slowenischen 63. Von den 92.745 Juden Böhmens waren 19.2^4 in Prag, 48.685 in böhmischen und 24.856 in deutschen Orten und davon meldeten sich 50.080(55.18 Proz.) zur böhmischen Umgangssprache und 40.521 (44*8 Proz.), zur deutschen. Von den 44.255 Juden Mährens waren in Brünn 82:>\ in Ol mutz PW6, m Jgiaü l4oü,' in Znaim 620, in b oft mischen Gemeinden 28:497, in deutsclien 37 (T). Fremd waren 3078. Zur deutschen Sprache bekannten sich 31 261 <s3.2t Proz,), zur böhmischen 679-2 * 16.79 Proz.), Von den ■11.988 Juden Schlesiens waren in Tröppau 1047,' in Bielitz 2460, in Friedete 326, in böhmischen Gemeinden 2019,. in polnischen 4853 und in deutschen 12S3 Juden. Zur deutschen Umgangssprache bekannten sich 9681 (s.8,24 Proz.), zur polnischen ■ 1Ü3S (ca. u.7 Proz ). zur böhmischen 263 (2.4o Prozent.). Statistisches. In ganz Transleithanien gibt es 707.000 Juden. Zur magyarischen Nation bekennen sich 451.000, zur deutschen 223.000...zur rumänischen 5059, zur kleinrussischen 1252 und endlich zur slovakischen 13.370 und zur eigenen Nation - niemand (??) Eine Manifestation. Am 19. d. M. fand in Pilsen die Generalvorsammlung der „N. J. Ü-Z.", statt, die von ganzen — 25 Personen besucht war. Ist das die ganze tschechischjüdische Partei?! Allerlei aus Bosnien. Nicht nur gegen äussere Feinde haben wir zu kämpfen, weit regsamer und grausamer sind unsere Brüder, die in ihrer grossen Verblendung gegen .Ehre und Recht ankämpfen. Vielfach versuchen sie, unsere Arbeit, ganz besonders in kleinen Gemeinden, durch Verhöhnung und Spott zu stören. „Beweisen Sie mir, dass ich Jude bin." ist eme leider gar häutige Entgegnung dieser Herren, die alle durchwegs nur „Gesandte des Judenstaates werden wollen, um hier zu bleiben". Die meisten aber schauen und sehen nicht, vernehmen und hören nicht: und ist die Jugend schon bei uns, so wird sie zum Märtyrer. Hohn und Spott und Verständnislosigkeit allseits! Ja selbst — Prügel für sein zionistisches Gefühl. Es ist keine Phrase: Ein jüdischer Vater wagte es, dem Sohne (einem Gymnasiasten) „den Zionismus mit der Rute austreiben zu wollen14. Seine eigenen Worte. Wir wissen jedoch, dass die Ueberzeugung des jungen Juden auch diesen und allen Schlägen standhalten wird. Jung-Juden sind eben nicht mehr „JudenjüngeL" — Im Gesptüche über Zionismus kommt man auch auf die jüdischen Farben zu sprechen, die wie ein Vorstandsmitglied unserer Gemeinde ganz bestimmt wissen will, „pola-silbern" sind. Ich fürchte, viele, gar viele Juden haben Gold und Silber zu ihrem Panier erhoben — und deshalb wollen sie von unserem „Blau-weiss" nichts wissen. J. Was einem jüdisch-russischen Reisenden passieren kann. Ein Russe, Jude, mit Pass und reichlichen Barmitteln will zu seinem Bruder räch London. Auf Betreiben der Schiffahrtsgeselisehaften wurde ihm das nicht gestattet und er wird in Eydtkuhnen festgehalten, da er sich weigert, durch den Kauf eines Billetts von den deutschenSchiffahrtsgesellschatten nach Amerika sich die Durchreise duich Deutschland nach London zu öffnen. Der Festgehaltene hat auf das nachdrücklichste die Intervention des russischen Konsulats angerufen. Und auf dessen Einschreiten wurde er freigegeben und ihm die Durchreise ermöglicht. Gesetzliche Vorbedingung für die Passage russischer Auswanderer ist, dass sie Fahrkarten einer der an den KontrolLtationen beteiligten Gesellschaften nach irgend eim.m Ort im Auslande haben. Ist das der Fall, so müssen sie durchgelassen werden. Die Agenten haben weder etwas zu erlauben noch etwas zu verbieten. Kommt jemand mit einer gesetzlich vorgeschriebenen Fahrkarte nach England in die Grenzkontrollstationen, so muss er weiterbefördert werden, und wenn er zehnmal von England aus mit der Cunardlinie weiter fahren will. Bücherwelt. Bolletino del Gruppo Sionistico Milanese. Milano 1904. Unsere wackeren italienischen Gesim 1 ingsgenossen legen einen wirklich anerkennenswerten Eifer an den Tag. Sie geben Broschüren, Zeitungen, Bulletins heraus und machen eifrig Propaganda für unsere Idee. Und wenn man noch die besonderen Schwierigkeiten, mit denen die italienischen Zionisten zu kämpfen haben, die durch die rechtliche Stellung der Juden bedingt sind, hinzurechnet, so muss man wirklich ihre Rührigkeit bewundern. Das vorliegende Heftchen ist ein Bulletin der Mailänder zionistischen- Gruppe und enthält ausser einem Artikel über „Theodor Herzl und der Zionismus" instruktive Notizen und Angaben über, das Leben der italienischen Zionisten-

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