Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 46 (11.11.1904)
- Date
- 1904-11-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« If „feit # w*rtw tit ~M< Jüdischer Wuhltetigkeitssinn in Amerika. Am J7, Septem bor fand in Paterson, New Jersey, die Einweihung eines Schulgebäudes statt, welches Nathan Barnert der jüdischen Gemeinde zum Geschenk machte. Dasselbe einiiäit ausser Schulräumen, in welchen die Kinder von Einwanderern für die öffentliche Schule vorbereitet werden, einen Turnsaal, Bader, Räume für Handfertigkeitsunterricht und Versammlungsräume für Klubs und Vereine. Das Gebäude führt den Namen „Miriam Barnert Memorial4 zu Ehren der Gattin des Stifters. Herr Barnert. der schon früher eine Synagoge für die Gemeinde erbaut hat, war zweimal Mayor von Paterson. Judenexzesse in Algier. An einem Freitag kam es in Konstantine (Algierj zu einem heftigen Zusammenstoss zwischen eingeborenen Tirailleurs und Jaden, bei dem auf beiden Seiten mehrere Personen verwundet wurden. Die Untersuchung soll ergeben haben, dass die Juden den Streit hervorgerufen haben indem sie die Strasse versperrten und eine Truppe Tirailleurs nicht durchlassen wollten. Es wäre zu einem wahren Blutbade gekommen, wenn nicht der Hauptmann der Tirailleurs und ein Polizeikommissär herbeigeeilt wären und dem Kampfe ein Ende gemacht hätten. Zwei Juden sind verhaftet worden, da sie beschuldigt werden, die Strapsenschlacht veranlasst zu haben. Den Tirailleurs ist der Zutritt in das Judenviertel verboten worden, dessen Strassen militärisch bewacht werden. Ein Dutzend Tirailleurs, die mit gefälltem Bajonett in Judenhäuser eindringen wollten, wurden entwaffnet und in das Arrestlokal geführt. in der jüngst aufgelösten italienischen Kammer sassen 10 jüdische Abgeordnete, und zwar: Barcilai (5. röm. Bezirk), Franchetti (Citiä di Castello). Ludwig Luzzati (Abano) Arthur Luzzatto (Montevarc hi), Richard Luzzatto(S. Daniele) Melli (Cornacchioj, Morpurgo (Fi iaulische Städte). Romanin- Jaeur (Piave), Sorani (Scansano) und Wollemborg (Ciltadella). Das Münchener Gemeiedekollegium hat den Antrag des klerikal-antisemitischen Gemeindebevollmächtigten H errniann, die Einwanderung ausländischer Juden, namentlich aus Galizien und Russisch-Polen, mit allen gesetzlichen Mitteln zu bekämpfen und sich mit den übrigen bayrischen Städten wegen gemeinsamer Schritte zur Beschränkung der Judeneinwanderung ins Einvernehmen zu setzen, mit 30 gegen 10 Stimmen abgelehnt. Massnahmen gegen die galizische Einwanderung nach Ungarn. Der ungarische wirtschaftliche Landesverband hat an das Abgeordnetenhaus eine Eingabe gerichtet, in welcher die Bitte gestellt wird, man möge der Masseneinwanderung der galizischen, russischen und rumänischen Juden Grenzen ziehen. Gleichzeitig mit der Eingabe forderte der Landesverband auch den Gemeinderat von Budapest auf, einen ähnlichen Aufruf an das Abgeordnetenhaus ergehen zu lassen. Der Gemeinderat beschloss auch, anschliessend an die Eingabe des Landesverbandes, die dringende Aufforder ung an die Regierung zu richten, im Sinne des Gesetzes vom Jahre P»03 über die Einwanderung die Niederlassur g der galiz.sehen Juden in Ungarn zu verhindern respektive zu beschränken. Wieder die alte Regel, wo die Zahl der Juden eine grössere wird, da wächst der Antisemitismus. Das sind die liberalen (?) Magyaren. Li-—. Ein Auflösungsgesuch. In Hannover hat eine V ersammlung von Studierenden der Technischen Hochschule an Rektor und Senat dort das Gesuch um Verbot beziehentlich Aullösung der konfessionellen und jüdischen Korporationen gerichtet. Der Senat der Hochschule hat bei den Rektoren der deutschen Universitäten ar gefragt, wie sie sich zu der Angelegenheit stellten. Die Antwort ging dahin, dass man zu Verbot und Aullösung keine Veranlassung habe. Der Ausdruck „konfessionelle und jüdische Korporationen" bedarf einer Erklärung: Von antisemitischer Seite wird behauptet, die jüdische Religion sei keine Konfession; diese Bezeichnung käme nur der evangelischen und der katholischen Religion zu. Die Jubiläumsfeierlichkeiten des jüdisch-theologischen Seminars in Breslau wurd»n am 21). Oktob. durch einen Fesigoti esdienst in der Seminarsynagoge eröffnet, an dem Sfminardozent Dr. Horowitz die Festpredigt hielt. Am Abend vereinigten sich die Festteilnehmer in dtr Lessinglo^e zu einem von dem Stiftungskuratorium verar stalteten Bierabend, der in überaus gemütlicher Weise die Alten Herren mit den jungen Semestern vereinigte. Kurator Stadtrat Milch begrüstie aufs wärmste rfie Gäste, die aus allen Gauen Deutschlands und seiner Nachbarländer sich eingefunden hatten. Sonntag vormittags 11 Uhr fand in der Lessing]oge die Jubiläumsfeier statt. Nach Einleitung der Feier dur ch den Chor hielt Kurator Stadtrat Milch die Begrii^surgsunspr acht» und gab einen kurzen Ueberblick über die Geschichteder jtaaüciieischeu Stiftungen, insbesondere über die Gründung des Seminars. Er schloss mit' hinein begeistert aufgenommenen Kaiserhoch. Die sich anschliessende Festrede des Seminarrabbiners Dr. Levy behandelte das Iherrta: „Die Entwicklung des talmudischen Lehrhauses4. Darauf folgten die Beglückwünschungen der Vertreter des Magistrats der Stadt Breslau, der Gemeindebehörden, der sonstigen Korporationen und anderer jüdisch- - theologischer Lehranstalten. Es sprach Bürgermeister Mühl im Namen des Magistrates der Stadt Breslau : ihm dankte Knrator Milch. Im Namen d^r Synagogen gemeinde Breslau, , die dem Seminar eine Stiftung von 2000 Mark überwies, gratulierte Stadtrat Pringsheim. Für den deutschen Rabbinerverband sprach Rabbiner Dr. Guttman Breslau, im Auftrage der königlich würuembergischenen israelitisch Oberkirchen - behörde Kirchenrat Dr. Krön er, im Auftrage des grossherzogiieh badischen Oberrates der Israeliten Dr. Steckelmacher, für das Breslauer Rabbinat Dr. Rosenthal, als Vertreter des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes und zugleich im Auttrage der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des JudentumsProfessor Dr.Philippson-Berlin, als Delegierter der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin Dozent Dr. Elbogen. als Delegierter des Jewsh theol. Seminary in Newyork Professor Doktor Drachmann, für die noch lebenden bei Gründung des Seminars eingetretenen Hörer OberrabinerDr. Güdemann- Wien, für die Ailiance israeJite universelle und zugleich für die Gemeinde Köln Dr. Frank, für die Gemeinde Posen Dr. Bloch, für Stettin Dr. Vogelstein, für Lemberg Dr. Caro, für Dresden Dr. Winter, für dieChewra- Kadischa-ßreslau Herr Eduard Sachs, als Vertreter der jüdischen Lehrerschaft Schlesiens und Posens und im Auftrage des Hilfsvereines deutscher Juden Professor Dr. Padt- Breslau und als Vertreter der derzeitigen Hörerschaft Doktor Wilde. Die Redner waren fast ausschliesslich ehemalige Hörer des Seminars, Um 2l/a Uhr schlops die würdige Feier. Das Festbankett in der Lessingloge begann um 5 Uhr und wurde von Kurator Stadtrat Marek durch einen Kaisertoast eröffnet. Kurator Dr. Freund begrüsste die Gäste. Alsdann folgten die Toaste von Professor Dr. Kisch-Prag, Dozent Dr. Braun, Oberrabbiner Dr. Güdemann-Wien, Kurator Stadtrat Milch, Kirchemat Dr. Kroner-Stuttgart, Rabbiner Dr Guttmann-Breslau. ReligionshbTer Dr. Klueger, Pi ofessor Dr. Bacher-Budapest, Dr. Behrens-Breslau. Doktor Frank-Köln, Dr.Münz-Gleiwitz, Dr. Zuckermandel-Breslau, un d Seminarrabbiner Dr, Levy. Die Reihe der Festlichkeiten beschloss ein von der jetzigen Hörerschaft am folgenden Abend veranstalteter solenner Fesikommers. Von der Baron Hirschstiftung in Wien. Der Vizepräsident des Kuratoriums der Baron Hirschschen Stiftung, Sektionschef v. G n i e w o s z, hat in einem Schreiben an den Unterrichtsminister auf riiese Ehrenstelle resigniert. Sektionschef v. G n i e w o s z gehörte dem Kuratorium seit der Gründung an und war eines seiner eifrigsten und tätigsten Mitglieder. Er legte nun sein Mandat nieder, weil er mit den jetzt in der Verwaltung der Stiftung herrschenden Verhältnissen nicht einverstanden ist und für diese keine Verantwortung übernehmen will. Assimilationsblüte. Der in Wien in der Neubaugasse 77 wohnhafte Jakob Lauf er, Eigentümer einer koscheren Auskocherei und Hausbesitzer, hat anlässlich des Geburtstages Doktor Luegers sein Haus beflaggt. Gegen das rituelle Schächten. Ueber Antrag des Abgeordneten Schneid er wurde bereits vor Jahren der niederösterreichische Landesausschuss beauftragt, einen Bericht über die Zulässigkeit des Schächtens zu erstatten. Der über acht Ouartseiten umfassende Bericht liegt nunmehr vor. Nach dem Ergebnis seiner diesbezüglichen Studien ist der Landesaussohuss zu der Ansicht gekommen, dass der Erlass eines Verbotes der rituellen Sthächtung anzustreben sei. Dem niederösterreichiseben Landtage ist bereits ein diesbezüglicher Antrag des- Landesausschusses zugegangen. Der Antrag wird selbst verständlich angenommen werden. Dass er zum Gesetz wird, ist allerdings selbst in unserem lieben Oesterreich nicht zu erwarten. Ohne Unterschied der Konfession! Frau Therese von Leon hat anlässlich des Todes ihres Gatten, des kaiserl. Rates Jac<|nes Ritter v. Leon, 2000 Kronen zur Verteilung an Wiener Arme ohne Unterschied der Konfession gewidmet. Gebardhabt wird die Verteilung solcher Beträge wirklich ohne Unterschied in der Konfession. Es ist notorisch, dass bei urs in Oesterreich gerade bei solchen Geldern die armen Juden leer ausgehen; bei den Beteilten herrscht kein Unterschied in der Konfession — sie sind alle Christen.