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Die Welt · 1904-11-11 · 46 (11.11.1904) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
46 (11.11.1904)
Date
1904-11-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Ür. 46 „bie * Weit" Seite 11 gegen jene Unterschrift rebellierte^---Im Mai quittierten ihnen die VoLkischen ihre Liebesdienste. Ein Aufruf erschien, in dem die liberalen Verbindungen als undeutsch bezeichnet und „JSchleppträger des volksvergiftenden Judentums" genannt werden! — Ströme von Blut mussten wegen dieser Worte ü:essen, aber wir zweifeln, ob die Liberalen dadurch deutscher geworden sind.--Das Keferat machte einen starken Eindruck auf die Zuhörer. Trotzdem die Gegner meist wenig geübte Redner waren, entspann sich eine lebhafte Diskussion. Wenigen war es um Verteidigung der Liberalen zu tun; die meisten verlangten eine Weisung für ihre künftige Stellung der Jadenfrage gegenüber und eine Aufklärung über den Zionismus. Das geschah auch in vorzüglicher Weise durch einige Redner, besonders durch Dr. Margulies aus Tepiitz. Er gab eine kurze, aber äusserst klare Darstellung des Zionismus und appellierte zum Schlüsse in eindrucksvoller Weise an das jüdische Gefühl. Um halb 1* Uhr endete die animierte Versammlung der Studenten. Miava (Ungarn). Samstag den 22. v. M. Generalversammlung der Zionistengruppe. Ein zahlreiches Publikum, darunter sämtliche Mitglieder unserer Jeschiwah. Diese braven Talmu ljünger werden wahrscheinlich auf unserer talmudischen „Hochschule" nicht aufgenommen werden; es dürfte aber von jedem, der die Verhältnisse kennt, bereitwilligst eingeräumt werden, dass, wenn in bezug auf ernstes Studium eine Paralielle zwischen beiden Schulen gezogen werden sollte, diese keineswegs zuungunsten der hiesigen Jeschiwah ausfallen dürfte. DerFinanzberichtunseresVereinskassiers Herrn Moses Schreiber ergab das erfreuliche Resultat eines geringen Ueberschusses. Unser Nationalfondsblock beträgt zur Stunde K 91 welche nutzbringend in einem hiesigen Geldinstitute untergebracht sind, bis K 240 beisammen sind. Dank: an den Kassier. Hierauf warf Obmann Herr S. B. Rosner in einer längeren Rede einen Rückblick auf das verflossene Jahr, gedachte des schweren Schlages, der den Zionismus durch den Verlust unseres verewigten Führers getroffen, und schloss mit einem Appell zum treuen Ausharren beim Zionismus. Bei der nierauf vorgenommenen Neuwahl wurden über Antrag des Vereinsmitgliedes Herrn Dr. med. Max Roth die bisherigen Funktionäre, und zwar Herr Sam. B. Rosner als Obmann, Herr M. Schreiber als Kassier und Herr Ph. Deutsch als Schriftführer mit Akklamation wiedergewählt. Die veranstaltete Sammlung ergab für den Nationalfonds K 17.10. Für das Nationalgeschenk an die Kinder Th. Herzls K 14.30. Ersterer Betrag wurde zu dem bereits vorhandenen Betrage eingelegt. Duisburg. Am 31. Oktober sprach in der hiesigen zionistischen Vereinigung Rechtsanwalt Gronemann-Hannover in trefflicher und erfolgreicher Weise über „Die deutschen Juden und die Judenfrage". Galatz. Der Direktor der „Egalitatea", Herr M. Schwarzfeld, verbrachte jüngst mehrere Tage in Galatz. Die „Kadimah* gab zu Ehren des Gastes ein Festbankett, an dem auch alle Mitglieder des Vereines „Sam. Pineles" teilnahmen. Herr Schwarzfeld sprach über die bisherigen Resultate des Zionismus im allgemeinen und speziell in Rumänien. Die Herren J. Fleischmann, B. Katz, Marcus- Ami, J. Goldenthal, J. Frisch, P. Rubin und Abeles brachten Toaste auf Herrn Schwarzfeld, und auf den gefeierten Schriftsteller Steiermann aus. Paris. Der hiesige Verein „Dorsche Zion" veranstaltete unter dem Vorsitze des Dozenten Dr. N. Slousch einen Abend, an welchem die wichtigsten Fragen des Zionismus diskutiert wurden. Der Vorsitzende führte unter anderem aus, dass es nötig sei, die Arbeiten Herzls fortzusetzen; an Männern der Tat dürfte es nicht fehlen. Doktor Nordau, der stets treu zu Herzl gestanden und an seiner Seite gearbeitet, habe sich bereit erklärt, eifrig die Arbeit tortzusetzen, und er werde gewiss sein Versprechen erfüllen. Er sprach ferner über die Ugandafrage und über die Organisation des Misrachi. Der Vizepräsident Mr. Cahn meinte, durch Uganda könnte das zionistische Ideal keine Einbusse erleiden. Rabbiner Loubetzky verteidigte die Misrachi-Organisation gegen die Verdächtigung fraktionärer Bestrebungen. Zum Schlüsse der Diskussion, an der sich noch mehrere Redner beteiligten, wurden Vorschläge für den nächsten Kongress beantragt. Herrn Dr. Nordau und Zangwill wurde für das stramme Festhalten an den Kongressbeschlüssen und Verteidigen der Organisation das Vertrauen ausgedrückt. Personalnachrichten. Frl. Cilla Lothringer, Tochter des Herrn Gg. N. Lothringer, Präsident der „Chowewe Zion" in Bolechow, hat sich mit Gg. Ch. H. Friedländer verlobt. — Das Mitglied des Troppauer Vereines „Jeschurun", Gg. Dr. Robert Lichtwitz, hat sich am 6. d.M. mit Frl. Olga Alt mann, Tochter des Herrn Heinrich Alt man n in Teschen, vermählt. — Die Tochter unseres sehr geschätzten Gg.Mitgliedes des grossen A.-C. für Rumänien Samuel Pineles, Frl. Hermine, feierte am 8. November ihre Vermählung mit Herrn Bernhard Saiten aus Czernowitz im Tempel Jsr. Choral" in Galatz. Todesfälle. Herr Willy Bambus ist am 3. d. M. in Berlin verschieden. — In Wien ist Alexander S ch arf, der Herausgeber der „Sonn- und Montags-Zeitung" am 5. November gestorben. ludischer Nationalfonds. Das goldene Buch. „Bnos Zion", Gate No. 27, O. K. of Z. of Kansas City, Mo...........Pfd. St, 10.— „Benei Zion", Gate No. 28, O. K. of Z. of Kansas City, Mo............„ „ 10.— Joel Levy, Nottingham, trägt den verewigten Dr. Herzl ein............8 „ 10.— Sektion „Chowewe Zion Jehuda" in Foksani trägt den verewigten Dr, Herzl ein . . Francs 24G.10 Zur Eintragung des ApothekersEmil Schecht, Zastawna..............Kronen 244.(16 Zur Eintragung des Vereines „Veiitas" in Brünn................ „ 260.35 Zur Eintragung des Dr. Kurrein in Tepiitz „ 257 68 „Cork Ladies Zionist Association", Cork. . Pfd. St. 10.— Die Zionisten der Stadt Zambrow.....Kronen 252.— Verein „Beis Jacob", Odessa, zur Eintragung Dr. Herzls.............. „ 240.— Verein?Degel Jehuda", Rischkanowka, zur Eintragung Dr. Herzls........ „ 240.— Liverpool Zionist Workmens Association „Poalei Zion" zur Eintragung ihres verewigten Führers Dr Herzl. . . .Pfd.St. 10.— Die Lojewer Zionisten tragen die Stadt Lojew ein..............Kronen 252.— „Agudas Kadimah* in Rowno „ 267.— Well^öcbFODil^. Graf Giuseppe Oitolenghi, der bekannte italienische General und gewesene Kriegsminister, ist den 4. d. M. in Turin gestorben. Einer der besten Generäle Italiers, geschätzt als Soldat, als militärischer Führer, als Minister, war er eine der populärsten Persönlichkeiten des Landes. Und dabei blieb er ein guter, treuer Jude. Wenn auch nicht jüdisch in dem Sinne, wie wir es jetzt verstehen, wenn auch nicht national gesinnt, war er in religiöser Beziehung seinem Glauben und seinem Stamme treu geblieben. Und wer die Lage der italienischen Juden kennt, wer weiss, wie schwer die jüdische Minorität mit einer grossartigen italienischen Kulturrenaissance zu kämpfen hat, der weiss, dass es für einen vom Glücke begünstigten Juden nicht leicht ist, sein Judentum zu bewahren. Ottolenghi war schon alt, als die jüdischnationale Bewegung auch in Italien Anklang fand. Er ist in dieser Sache nie öffentlich hervorgetreten. Das ganze Judentum betrauert in dem Hingeschiedenen einen seiner treuesten Söhne, ,TS2Urv Israel Zangwill in Amerika. Israel Zangwill hat sich mit seiner Frau nach Amerika begeben. Seine Ankunft in New York war eine Sensation. Zeitungsreporter haben ihn noch auf dem Sehiffsd^ck interviewt. Er erklärte den Interviewern, dass sein eigenstes Ziel nicht literarisch-künstlerischen Charakters sei, sondern ein agitatorisches. Er wolle, so berichten die Interviewer, die reichen Juden von Amerika für die Idee einer jüdipchen Autonomie, gleichgültig, wo immer, ob in Ostafrika oder in Amerika, gewinnen. Die Hauptsache sei, den Juden ein Asyl zu verschaffen, sie vor Entnationalisierung und Entjudung zu bewahren. Als künftigen Leiter der zionistischen Bewegung hält Mr. Zangwill Dr. Max N o r d a u für den berufensten. Er äusserte sich pessimistisch über die Zukunft der Juden in Amerika. Und als ein Mitarbeiter eines grossen New Yorker Blattes ihn darauf aufmerksam machte, dass es in Amerika keinen Nationalitätenhass gebe, erwiderte Zangwill, dass er daran nicht glaube. Verschiedene Rassen müssen einander bekämpfen. Der Empfang, der Zangwill überall zuteil wurde, war ein sehr herzlicher und begeisterter.

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