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Die Welt · 1904-11-11 · 46 (11.11.1904) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
46 (11.11.1904)
Date
1904-11-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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S^ile i ,,i>ie^ weit Nr, 46 gegen, die Juden vo bereite. Es wurde sofort eine Linter-, Buchung vorgenommen, welche die Aussagen des Advokaten bestätigte. Die Verteidiger verlangten, dass der Schutzmann als Zeuge vorgeladen werde. Der Prokurator protestierte dagegen, doch der Gerichtshof beschloss, den Schutzmann vorzuladen und ihn zu verhören! Und von diesen Vorgängen offenbar angeekelt, ruh das ruesische Blatt ausf: „Kischenew, Home], jetzt Alexandria, Smjela, Smolensk, Bychow etc. — Wann endlich wird es aufhören?!" Und dennoch erhob die Staatsanwaltschaft leichten Herzens und leichtfertigen Sinnes gegfn sieben undzwanzigJuden die schwere, nach den russischen Gesetzen äusserst schwerwiegende Ai klage, da.<s sie aus religiösem und i ationalein Hass sich vereinigt hätten, um öff-ntlich Gewalttaten gegen verschiedene Christen zu verüben . . . Lang und breit verbreitet sich das russische Amtsblatt, der „Regierungsbote", über diese Anklage gegen, die Juden und fs ist mehr als bpgreiflich, welche verhängnisvolle Stimmung gegen die Juden im Reiche dadurch erzeugt wird... . . Bychow (Gouvernement Mohilew). Ueber die Exzesse gegen die Juden in Bychow berichtet der „Sewero-Sapadny Kraju folgendes: Aus den benachbarten Dörfern kamen die Bauern nach Fyrhow, um ihr Vernichtungswei k zu vollbringen. Alle jüdischen Geschäfte wurden ausgeplündert, die Häuser demoliert und zerstört und viele Juden schwer misshandelt. Drei volle Tage währten die blutigen Exzfsse; gegen Abend des dritten Tages steckten die Plünderer die jüdischen Häuser in Brand. Die zuiode erschrpektfn Juden versteckten sich in den Kellern und in den Stallun en. wo sie drei volle Tage ohne Nahrung zubrachten. Jetzt gleicht Bychow einer vom Feinde zeisJ orten Stadt . Lodz; Ueber die gegenwärtige Lage der beschäftigungslosen jüdischen Arbeiter in Lodz veröffentlicht die deutsche „St. Petersburger Zeitung" folgende erschreckende Einzelheiten: Ueber 20.000 beschäftigungslose Arbeiter hungern und die Folgen davon beginnen sich bereits in unheimlicher Weise fühlbar zu machen. Wie ein Ungewitter wüten in Lodz ansteckende Krai kneifen, wie Pockfn, Typhus, Scharlach, Diphtheritis, und fordern ungeheure Opfer. Alle Hospitäler sind überfüllt, Schwejkrarke müfsen -auf den Fussboden gebettet werden. Aber kann man überhaupt davon sprechen, dass Lodz Hospitäler besitzt? Lodz besitzt gar nichts' — weder Anlagen zur För derung der Gesundheit weder eine Kanalisation, eine Wasserleitungsanlage, noch ein Hospital. Alles, was in dieser. Beziehung vorhanden ist, wurde aus privaten Mitteln geschaffen oder gehört zu Entrichtungen, über die zu verfügen der Magistrat ucserer Stadt kein Recht hat. Mit einem Worte, die Lage ist verzweifelt, und was wird ei>t der bevorstehende Winter bringen? Täglich brechen auf den Strassen Personen vor Hunger zusammen, die Rettungswagen sehaflvn' mit ansteckenden Krankheiten Behaftete in unzahligen Margen nach den Hospitälern und noch immer kein Fingerzeig,' der Hilfe, der Rettung verheissen möchte. •■ Auch die russischen Blätter bestätigen, dass'die ökonomische Krise' in Lodz unter den Arbeitern schreckliche Zustände" geschaffen habe ... Wilna. In einem Prozesse vor dem Schwurgerichte in Wiina hatten die Geschwornen unlängst d» n jü tischen Arzt W. Z. zu ihrem Obmann gewählt. Der-Vorsitzende erklärte jedoch den Geschwornen, wie das „Sewero- Sapadnoje Slowo* mitteilt, dass. ein- Jude als Obmann , nicht fungieren darf, und forderte-die Geschwornen-auf einen Christen zu ihrem Obmann zu wählen. CTt. > Warschau. Aus Petersburg schreibt man dem ,,H azö fe": Nachdem das hiesige Zentralkomitee &er Jüdischen Kolonisationsgesellschaft von Paris (Ica) tlie Zustimmung ttäzu erlangt hatte, ein Auskunftsbureau für Auswanderer zu gründen, wurde die zweite Sektion wieder im Leben gerufen, die . im ,J,ahre^ 1392 neben. dem , Zentralkomitee gegründet .wurde. Am L Oktober fand die erste Versammlung jler Mitglieder statt, in der über das Prpgramm und, auch darüher beraten wurde, welche Unterslätzung raao den Auswanderern bieten könne. Es wurden folgende Beschlüsse gefasst: Das Bureau erteilt den Emigranten die nötigen Iüformationen durch die Verbreitung von russischen und jüdischen Flugschriften irn B^siedluugsrayon durch die Rabbiner und Gemeindevorsteher. Ferner wird das Bureau die Emigranten mit Legitimationen versehen, die ihnen als Reisepässe ins Ausland dienen und sie zum ermässigten Reisetarif; berechtigen werden. Dadurch trä^t das 2^atralkomitee den Behörden gegenüber die Verantwortung; für den Fall,« dass;die Emigranten vom Hafen zurückgeschickt oder an den Grenzen aufgehalten werden sollten, würde die Regierung für die ihr verursachten Spesen sich aus dem Fonds von 1OO.O0O Rubel die Baron Hirsch als Garantie zu diesem Zwecke, hinterlegt hat. bezahlt nachen. Sollte dadurch der genannte Fonds auf Veniger als 25.000 Rubel sich erschöpfen, muss die Kolonisationsg^sellschaft den Fonds wieder auf seine ursprüngliche Höhe bringen. Das Auskunfisbureau wird den Emigranten keinerlei G^ldunterstützung gewähren, da dieses ja selbst nicht aus den Mitteln der Kolonisationsgesellschafc unterhalten wird, sondern aus privaten Beiträgen in Russland, und das Pariser Komitee bloss die Bewilligung zur Gründung und zur. Arbeit im ISIamen der Gesellschaft erteilt hat. In den nächsten Tagen wir(i Herr Dr, Sonnenf'ld, einer der Direktoren der Ica, nach Russland kommen, um mit den Mitgliedern des Zentralkomitees in Angelegenheiten des Komitees zu verhandeln. Herr Sonnenfeld hält sich zur Zeit in Polen auf, wo er die Handwerkerschulen ia Warschau und Lodz sowie die Weinbauschule in Czensiocnow inspiziert, und wird: sich von dort nach Wilna begeben. K, Hilfsverein der deutschen Juden. ' - .; ' O ' ' Offizielle Mitteilung: Bekanntlich hat der Hilfsverein der .deutschen Juden mit der Durchführung der von ihm vorgeschlagenen Organisation der jüdischen Auswanderung aus Osteuropa auf deutschem Gebiete bereits begonnen. Zu den; in Ostpreussen bestehenden . Schutzkpmite:es c(es H^ilfsvereius für durchreisende russische Juden, weiche eine überaus; rege und segensvoile Tätigkeit entfalten, sind in den; letzten Tagen neue Komitees dieser Art hin zugekommen. ..Um die gegenwärtige Lage auch an der Grenze in den Provinzen Westpreussen und Posen kernen zu lernen, sandte der Hilfsverein'der deutschen Ju ien den Sekretär Herrn A. Mey ero witz dorthin, und es wurden in vergangener Woche auch in den Städten Thorn, Gollub und Iriöwrazlaw Schutzkomitees für durch) eisende.russische Juden gebildet. Diese Schiitzkomitees, welche gleichzeitig als Lokalkomitees für den Hilfsverein der deutschen Juden zu Propaigandazwecken sich konstituierten, sind seit.einigen Tagen bereits in Aktion getreten. Eine grosse Anzahl von auswandernden Glaubensgenossen sind durch diese Komitees befördert worden. Die Vorsitzenden dieser Schutzkomitees sind: In Thorn Herr D, Wolff, in Gollub Herr Apotheker A. Iii esen f e 1 d. in laowraziaw Herr. -Leo D a v i d s p h ii. 1 a l^tztgenanu ter Gern einde fand auch eine; öffentliche Fröpagandaversamchlung für den Hilf-* verein noter dem Vorsitze des Herrn Stadtrates S a 1 o m o n s.Q-h n statt. Nach einem Referat des- Herrn M e y e r o w i t z;üb«r Ziele und Bestrebungen des Hilfsv^reines. wurde: die. Begründung eines Lokalkomitees für denselben einstimmig beschlossen* Es tratemäuch eine grosse Anzahl von Herren •dem U.flfsvere.iÄ als/rMiigl&deiv sofort; beL; AuG}>unj'anderen

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