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Die Welt · 1904-11-04 · 45 (4.11.1904) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
45 (4.11.1904)
Date
1904-11-04
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 „bi* * Welt" Nr. 45 Ich erhebe aus diesem Grunde Beschwerde gegen Se. Exzellenz den Kriegsminister v. Einem und bitte ganz gehorsamst, diese meine Beschwerde höheren Orts zu unterbreiten und unterstützen zu wollen. Dr. Lachmann, Stabsarzt der Reserve, Gleichzeitig erbat Dr. Lachmann seinen Abschied» Der Abschied wurde ihm durch Kabinettsorder vom 20. Juli bewilligt. Auf die Beschwerde ist ihm ein materieller Bescheid nicht zuteil geworden. Auf Anfrage erwiderte ihm das Bezirkskommando, dass eß die bezügliche Beschwerdeschrift an die bezügliche Stelle im Kriegsministerium abgegeben habe; zweifellos werde der Herr Kriegsrainister Kenntnis erhalten oder erhalten haben; eine formelle Beschwerde sei in diesem Fall unstatthaft. Eine weitere Anfrage, weshalb eioe formelle Beschwerde in diesem Fall unstatthaft sei, blieb unbeantwortet. Noch ein Argument gegen den Zionismus aus der „ Allgemeinen Zeitung des Judentums". Dieses Blatt bringt folgendes sehr Interessante Eingesendet: Geehrter Herr Redakteur! Iq Nr. 38, Seite 446, Ihrer geschätzten Zeitung heisst es : „Im Deutschen Reiche ist der Prozentanteil der jüdischen Bevölkerung von 1,3 auf 1 Prozent zurückgegangen.u Unter anderem wird dort angeführt: „Jüdische Abwanderung wird schwerlich als Grund der Verminderung anzusehen sein, jedenfalls wird sie durch jüdische Zuwanderung aus dem Osten mindestens ausgeglichen/ — Gegen letzteres möchte ich Zweifel erheben, wenn man bedenkt, dass seit einem Vierteljahrhundert viele Juden aus dem Osten ausgewiesen worden sind und nur in seltenen Fällen solche hier die Naturalisation zu erlangen vermögen. Nicht lange ist es her, dass an ganz harmlose jüdische Knaben aus Polen, welche hier die Schule besuchten, ein Ausweisungsbefehl erging. Nach Sachlage fällt ein Zuzug aus dem Osten kaum in die Wage, vielmehr dürften die Ausweisungen, die immer noch vorkommen, auf die Verminderung der Juden nicht ohne EinfLuss geblieben sein. Achtungsvoll M. a Der ehemalige italienische Kriegsminister Generai Graf Ottolenghi ist am cl. d. M. verschieden. Wir verlieren in ihm einen sehr guten Juden, der trotz seiner hohen Stellung seine Zugehörigkeit zum Judentum stets stark betonte und unter anderem die hohen Feiertage im Tempel zubrachte. Wir werden noch näher auf die Charakteristik dieses Mannes zurückkommen. Sein Andenken in Ehren! Auszeichnung eines jüdischen Gelehrten. Der Präsident der französischen Republik hat auf Antrag des französischen Unterrichtsministers den Hofrat Professor Doktor Adam Pollitzer, Wien, für seine'besonderen Verdienste um die Förderung der otologischen Wissenschaften zum Offizier der französischen Ehrenlegion ernannt. Bücherwelt. Der alte Prager Judenfriedhof. Ein europäisches Unikum, so lautet das einmütige Urteil auch der erfahrensten und weitgereistesten Touristen, welche auf ihren Kreuz- und Querzügen durch Europa inmitten des Prager Ghettos den aitehrwürdigen Boden dieses Friedhofes betreten. Und wirklich, wie ein Stück Orient, wie ein Stück längstvergangener Welten wirkt dieser seltene Ort inmitten des Lärmes der modernen Stadt. Es ist dies aber nicht nur ein ganz aussergewöhnliches, in seiner Art einziges Denkmal von allgemeinem und historischem Werte, sondern diese Stätte hat, namentlich für den gebildeten Israeliten, besonders grosses Interesse. Wem es je vergönnt war, auf diesem altertümlichen Totenfelde namentlich im Mai zu verweilen, wenn der ganze Friedhof grünt und blüht, wenn das dichte Laub und die weissen Blüten der Fliedersträucher die gleich Greisen sich neigenden und sinkenden Steine umhüllen, der wird sich eines nachhaltigen tiefen Eindruckes nicht erwehren können und Zeit seines Lebens verbleibt ihm die eigenartige Erinnerung an sein Verweilen in diesem poetischen, ergreifend stimmungsvollen Totengarten. Gott sei es geklagt, dass die „moderne Assanation der Stadt* auch auf dieses unverletzliche teure Denkmal ihre vernichtende Tätigkeit ausdehnte. Ein ganz ansehnliches Stück dieses uralten Begräbnisortes fiel der modernen Umgestaltungssucht zum Opf*vr. Dieser unersetzliche Schaden wird zum Glück wenigstens teilweise gemildert durch Herausgabe einer künstlerischen Publikation über diesen Friedhof, welche in eleganter, reich mit Bildern ausgestatteter Form eben im Kunstverlag B. Kocl in Prag ersshienen ist und den ganzen Friedhof in seiner ursprünglichen unverkürzten Schönheit wiedergibt, so wie er war, bevor die neuzeitige Stadtregulation an seine Mauern klopft^. So wie der Friedhof selbst ein Unikum ist, so gilt dasselbein unvermindertem Masse auch von diesem schönen Buche. Das Werk ist von Dr. L. Jefäbek (übersetzt von A.Major und Dor. Sp. W u k a d in o vi c) und repräsentiert sich in seiner einfachen, aber ebenso vornehmen Ausstattung höchst vorteilhaft. Der peinlich saubere Druck auf feinem Büttenpapier in schöner klarer Antiqua macht der k. u. k. Hofbucüdruckerei A. Haase alle Enre. Das Buch wird eingeleitet durch die Aquarellreproduktion einer Studie von V. Jansa, die wir schon aus dem Werke „Alt-PragH desselben Künstlers kennen. Ausserdem zieren 22 graphisch hervorragend ausgeführte Tafeln, die bedeutendsten Grabmäler daistellend, die 47 grossformatige Seiten starke Monographie. Diese Darstellungen, die doch alle das gleiche Motiv wiedergeben, die hohen flachen Grabsteine sind sehr verständig ausgewählt und überraschen durch die Verschiedenheit in der Gleichartigkeit. Es sind neben einigen Gesamtansichten und Totalan sirhten die bedeutendsten unter den zahllosen Steinen im Bilde wiedergegeben, namentlich die Grabsteine des gefeierten Gelehrten Rabbi Bezalel Low, ferner des grossen Bibliophilen Rabbi David Oppenheim etc. etc. Textlich ist das Buch ausgezeichnet. Die Darstellungen Jefäbeks siod stimmungsvoll und wissenschaftlich bedeutend. Ein reichhaltiges zuverlässiges Quellenmaterial hat ihm zugebote gestanden, so dass in diesen 47 Seiten ein interessantes Stück hebräischer Geschichte niedergelegt ist. Die Fu?snoten von Dr. Po Hak sind wertvolle Ergänzungen. Der Preis dieser originellen Publikation, die wir der Aufmerksamkeit unserer Leser wärmstens empfehlen ist K 5.— Mk. 4.25. Feuilleton. Ein gutes Herz, Ein Geschieht chen aus Ostgalizien. Von Matthes Berthold Taub, Brody. Draussen ist es kalt zum Erfrieren. Dem kleinen Anton hat der Vater einen schmucken Ponny mit Trensenzügeln und einem Sattel versprochen, falls er heute den ganzen Tag im Zimmer aushalten werde. Natürlich hat er sofort eingewilligt, denn ein Pony, wie ihn zum Beispiel Klein-Annie, das Schlossfräulein, hatte, war schon seit langem der Inhalt seiner Träume, das einzige Ziel seiner Wünsche gewesen. Und nun tollt und springt er herum und jodelt, dass es glockenhell bis auf die Straf se hinausklingt. Die Beige von Schnurrpfeifereien, bestehend aus kleinen Blechwägen, Docken, reisigen Soldaten u. a. m., die am Bücherschragen des Vaters liegt, streift er mit einem verächtlichen Blick und zupft am alten, arg zugerichteten Steckenpferd, auf dem er nun nicht mehr reiten werde, da es sich doch so ganz und gar nicht rühren könne. Plötzlich bleibt er still und späht nach der Tür des anstossenden Zimmers, ob nicht „Muttchen" kommt. Denn als er vor Tagen seinen Windspiel gequält hatte, da schalt ihn die Mutter einen bösen Knaben, der ein unchristliches Herz habe, und" hielt ihm eine langeltßtandrede, in welcher sie ihm ins Gewissen sprach, dass er das Gebot Gottes, auch nicht dem kleinsten Tierchen ein Leides zuzufügen, schnöde übertreten habe. Und da hat er geweint, aufrichtige, bittere Tränen der Reue und versprochen, nie mehr ein Ti^r zu fretten, ja, sogar durch Woltaten die Sünde, die er begangen, wieder gut zu machen suchen. Und nun hat er beinahe das Gebot Gottes wieder übertreten. Und schon will er sich ein Gewissen daraus machen und dem Steckenpferde auf den Knien Abbitte tun, als etwas geschieht, welches ihn seine „Sünde* vergessen macht und ihn auf andere Gedanken bringt

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