Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 45 (4.11.1904)
- Date
- 1904-11-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3315709-3316073-3316119--46278-3341124- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 45 „bie * w^it" Seite 9 Die Herausgeber des „Jüdischen Tagblatt4', eines unseren Bestrebungen freundlich gesinnten, jedoch in Dingen der sogenannten Landespolitik nicht ganz einwandfreien Organes, geben auch ein kleines hebräisches Tagblatt „Hajom4 heraus, dem wir besten Erfolg wünschen. Ein Urteil können wir darüber noch nicht abgeben. W. Zur Judenwanderung. Mitteilung des Hilfsvereins der deutschen Juden. Wiederholt hatten wir auf die grossen Unzuträglichkeiten hingewiesen, welchen die auswandernden Glaubensbrüder aus Russland an der preussischen Grenze ausgesetzt sind. Der Hilfsverein der deutschen Juden, welcher unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Zustände an der Grenze Verhandlungen mit den Direktionen der Hamburg- Amerika-Paketfahrt-Aktiengesellschaft und des Bremer Lloyd einleitete, hat dieselben erfreulicherweise zu einem günstigen Abschlüsse gebracht. Die mannigfachen Schwierigkeiten, welche sich bei den Verhandlungen bei dieser vom wirtschaftlichen und politischen Gesichtspunkte aus ausserordentlich komplizierten Frage entgegengestellt hatten, wurden endlich in einer Konferenz, welche im; Hilfsverein der deutschen Juden zwischen dem Generaldirektor B a 11 i n und den Präsidenten des Hilfsvereins der deutschen Juden, den Herrn James Simon und Dr. Paul Nathan, stattgefunden, in befriedigender Weise beseitigt. Durch ein umfassendes Tatsachenmaterial, welches Herr Dr. Paul N a t h an in den wichtigsten Grenzorten in Ostpreussen persönlich gesammelt hatte, konnte die Sachlage bis ins Detail geklärt werden. Dank dem freundlichen und sachlichen Entgegenkommen des Herrn Generaldirektors Ballin, welcher vorübergehend von der Presse für die sattsam bekannten Zustände an der Grenze persönlich verantwortlich gemacht wurde, sind nun die Missstände als beseitigt zu betrachten, Das Uebereinkommen zwischen dem Hilfsverein der deutschen Jaden und den deutschen Schiffahrtsgesellschaften ist im Interesse unserer auswandernden Glaubensgenossen als ein ausserordentlich günstiges zu bezeichnen. Dieser Erfolg, der fast ausschliesslich den persönlichen Besprechungen zwischen dem Präsidium des Hilfsvereins und der Generaldirektion der Schiffahrtsgesellschaften zu verdanken ist, igt durch die Tagespresse bereits bekannt geworden. Wir möchten nur noch hinzufügen, dass der Hilfsverein der deutschen Juden mit der von ihm vorgeschlagenen Organisation der jüdischen Auswanderung aus Osteuropa bereits begonnen hat. Es haben sich zunächst in Ostpreussen an den wichtigsten Grenzübergängen, wie Eydtkuhnen, Insterburg, Tilsit, Prostken, Memel, Lokalkomitees im Anschluss an den Hilfsverein, der deutschen Juden konstituiert, welche ihrerseits mit der Zentrale in Königsberg, dem Schutzkomitee für durchreisende Juden, verbunden sind. Diese Lokalkomitees, welche vom Hilfsverein der deutschen Juden subventioniert werden, haben ihre Tätigkeit mit Eifer und Geschick begonnen und in zahlreichen Fällen den bedrängten Glaubensgenossen Rechtsschutz und Unterstützung gewährt. Um die Auswanderer vor gewissenlosen Unteragenten und Herbergsbesitzern zu schützen, hat es sich als notwendig herausgestellt, in Tilsit eine eigene Herberge zu errichten. Es ist ferner iti Aussicht genommen, durch Flugblätter und Plakate in hebräischer und der Jargon spräche unsere auswandernden Glaubensbrüdern noch vor dem Betreten des deutschen Bodens aufzuklären und auf die zu ihrem Schutze bestehenden Komitees'5hinzuweisen. Mit weiteren Reformen und Erleichterungen jeder Art soll allmählich vorgegangen werden. Es wäre in hohem Grade wünschenswert, dass man die Auswanderer auf diese neuen Institutionen aufmerksam mache, damit sie von ihnen recht häufig Gebrauch machen. Wenn diese Organisation in Ostpreussen vollständig durchgeführt sein wird, beabsichtigt der Hilfsverein der deutschen Juden, dieselbe auch auf Westpreussen und Schlesien auszudehnen. Ganz unabhängig davon werden natürlich die Bemühungen des Hilfsvereins eifrig fortgesetzt, eine internationale Konferenz aller grossen jüdischen Organisationen zur Regelung der A.uswandererfrage einzuberufen, und es ist im Interesse unserer unglücklichen Stammesgenossen auf das innigste zu wünschen, dass diese Konferenz sobald als möglich zustande kommen möge. Zum Schlüsse seien nur noch die Namen der Vorsitzenden der Grenzkomitees in Ostpreussen genannnt: In Königsberg inPreussenHerr Bankürektor George Marx, in Eydtkuhnen Herr Isidor Berlowitz, in Insterburg Herr Rabbiner Dr. Beermann, in Tilsit Herr Justizrat K o h n, in Prostken Herr Jakob Schidorsky, in Memel Herr Rechtsanwalt Jakobsohn, Der Zehentnehmer. Selbstbesteuerung für den jüdischen Nati o nalfonds! m In den Ausweisen des Einlaufes in unseren Nafiqnal- Fonds kommt zum Ausdruck, dass der leiten deTj^danke seiner Begründer leider nicht ganz in die Praxis,^umgesetzt wurde. fehlt noch immer das wesentliche, jdas; ihn zu einer Demonstration eines aus eigener Kraft nach Heimat und Freiheit strebenden Volkes machen würde. JJ^enn auch der Fonds sein Teil findet bei allen Wep^selfällen-und Ereignissen des jüdischen Lebens, so hätte siejrlängst schon ein Gründstock derb e harrlichen Steuerträger einstellen müssen, deren regelmässige Beiträge für Zionjsten und Aussenstehende das erhebende Beispief einfcr streng erfüllten nationalen Pflicht geboten hätte.ra/;;y Regelmässig geleistete nationaler/Abgaben sind der beste Beweis für die gute Art der Erfassung ,der nationalen Aufgaben. Unsere materiell denke'träi Zeit hat .sich ihre Leute gut genug erzogen, als dass.eipe Auseinandersetzung über die Lächerlichkeit eines blassen Idealismus unseren Vorsätzen gegenüber erst nötig wäm Der Hatipnalfonds, der ein Thermometer der zionistische^ Tätigkeit Jstj sollte ihre starke Gl e ich m ässigkeit undfesdauer aaazei gen. Deswegen ist es notwendig, dass die Absicht seiner Gründer verwirklicht wird, welche regelm äs Sai g e nationale Steuern ohne Pause als Dokumente unwandelbar ^Gleichgesinnter vom Volke verlangten. ::* " h r : - Der Nationalfonds kann an idealem Wert nur gewinnen, wenn er vom blossen Ztufall teilweise Emanzipiert und zum Zehentnehmer im jüdischen Leben wird. Seine Anlage ermöglicht es auch dem Armen,; sejne nationale Pflicht in dieser Form zu erfüllen. Die »Beispiele, die wir in dieser Art in unseren Ausweisen finden; sollten bald in einem Vielfachen nachgeahmt werden; Eine Mahnung ist aber besonders an unsere wohlhabenden Gesinnungsgenossen notwendig, deren Namen in unseren ^ationalföndsausweisen sich allzu selten Rendezvous geben. Sie werden nicht leugnen, dass der Luxus manches unnötige Opfer kostet. Die nationale Selbstzucht muss sie auffordern, diese Ausgaben höheren Zwecken zuzuwenden, ihre-Lebensweise strenger zu gestalten und die hierdurch gemachtön Ersparnisse der Volkssache zuzuwenden. Sie dürfen sich aber nicht mit dem guten Willen begnügen, sondern müssen mit festen Vorsätzen in die Garde der Treuen des Zionismus und des Nationalfonds treten. In der nächsten Nummer finden sie die Form dafür. Unter derRubrikwÖelbstbesteuerung<' zeichnen sich diejenigen