Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 44 (28.10.1904)
- Date
- 1904-10-28
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 „bi* # W*ltM Nr. 44 Mädchen werden zu peinlichster Sauberkeit angehalten, sie werden im Scheuern, Abstauben und Reinigen unterrichtet, lernen waschen und plätten, ausbessern, nähen, stricken und einfache Stickereien anfertigen; geeignete Mädchen lernen kochen, andere wieder die Kinder besorgen. Der Verein hatte in den letzten Jahren durchschnittlich 30 Mädchen zur Ausbildung in seinem Hause, im laufenden Jahre hat er 31 Mädchen aufgenommen; er würde aber gerne die Zahl seiner Zöglinge wesentlich erhöhen, wenn er mehr Mittel hätte. Die Unkosten belaufen sich für Zögling und Jahr auf nicht ganz 500 Mark. Für etwa 40 Mädchen würden daher jährlich etwa im ganzen 20.000 Mark aufzubringen sein. Die Jahreseinnahmen betrugen aber in den letzten Jahren zwischen 16.000 bis 17.000 Mark. Dabei werden aus ganz Deutschland Gesuche um Aufnahme von Zöglingen an den Vorstand gerichtet, so dass es ihm an Mädchen zur Ausbildung tatsächlich keineswegs fehlen würde, wenn er nur genügende Mittel zur Verfügung hätte. Ein jüdischer Lordmayor in Kapstadt. Zum ersten Male ist in Kapstadt ein Jude zum Lordmayor gewählt worden. Es ist ein reicher und angesehener Kaufmann namens Mr. H. Liberman. Ihm zu Ehren wurde von der Stadtbevölkerung ein feierliches Bankett veranstaltet. Anatolische Bahnen. Wenn auch die Erntenachrichten aus dem Interessengebiete der Konialinie erheblich günstiger lauten als aus dem der Angoralinie, so wird doch auch auf der letzteren im Vergleiche zum Vorjahre auf ein besseres Ergebnis zu rechnen sein. Jede Vermehrung der Einnahmen auf der Stammlinie kommt der Regierung zugute, deren Bürgschaftszuschuss sich dementsprechend verringert. Andersauf dar Konialinie; hier hat die Regierung bekanntlich nur eine beschränkte Bürgschaft gewährt, deren System es mit sich bringt, dass jed« Mehr- oder Mindereinnahme dieses Betriebsnetzes die Bahngesellschaft selbst trifft. Infolge der vorjährigen Missernte waren die Erträgnisse dar ersten acht Monate wenig befriedigend. Seit Anfang September haben die Beförderungen der neuen Ernte begonnen; damit ist denn auch der erhoffte Wechsel in den Einnahmen eingetreten. Auf der Stammlinie erbrachten die ersten 17 Tage des September, deren Abrechnung bis jetzt vorliegt, bereits ein Mehr von 53.000 Frcs. Auf der Konialinie stellen sich die Einnahmen in den ersten 17 Tagen des September auf 138.646 Fr. gegan 75.783 Frcs. in der entsprechenden Zeit des Vorjahrs. Bücher- und Zeitschriften - Rundschau. Palästina-Bibliothek von A. M. Luncz, Herausgeber des „Jerusalem" und des Palästina-Kalenders. Unter diesem Titel erscheint seit einigen Jahren eine Serie von Werken, die in bezog auf die allseitige Erforschung Palästinas von grosser Bedeutung sind. Bisnun sind erschienen : 1. Kaftor waferach vom ersten jüdischen Palästinaforscher R. Estori Happarchi nebst Abbildungen, 2 Bände, 10 Mk*; 2. Tewuot Haarez, eine ausführliche Geographie und Geschichte Palästinas und der benachbarten Länder von R. Josef Schwarz, 5 Mk.; 3. Hame'amer, Sammlung sämtlicher wissenschaftlicher Artikel über Palästina, die während des letzten Jahrhunderts in Büchern, Revuen und Zeitschriften erschienen sind. 2 Bände, 10 Mk. Ausser diesen bereits erschienenen Werken werden demnächst erscheinen: ein weiteres Sammelbuch aller wissenschaftlichen Abhandlungen über Palästina von jüdi sehen Autor *n in verschiedenen europäischen Sprachen in 2 Bänden; eine Zusammenfassung sämtlicher Reisebeschreibung-n aus dem heiligen Lande vom ersten Reißenden R. Benjamin aus Toledo (1173) bis zum letzten R. Jehoschua b. Simcha (1765) nach Handschriften und verschiedenen Druckausgaben; Briefe aus dem heiligen Lande von wissenschaftlichem Inhalt, chronologisch geordnet; eine Neuausgabe des seltenen archäologischen Werkes „Schilte Hagiborim" und endlich eine Palästinensische Enzyklopädie mit Karten, Plänen und Abbildungen. Ein in Gelehrtenkreisen sehr erwünschtes Werk ist die vom Herausgeber geplante Ausgabe des Jerusalemischen Talmud, des bekanntlich ältesten und bedeutendsten Werkes der Palästinaliteratur. Von diesem Werke liegt uns ein Druckbogen zur Probe vor. Er enthält den Text des venetianischen Erstdruckes (1522—24), mit der eminenten Verbesserung jedoch, dass die Gemara zu jeder Mischna auf dieselbe unmittelbar folgt, während sie in allen bisherigen Ausgaben die Gemara zusammengefasst und losgetrennt von den Mischnajoth nach denselben gedruckt zu werden pflegt. Der Text ist mit einem kurzgefassten Kommentar versehen, er enthält ferner die nötige Interpunktion und einen grossen Apparat von Variantenmateriale nach den Forschungen der namhaftesten Autoritäten auf diesem Gebiete« Die Fremdwörter, darunter auch die botanischen und zoologischen Namen, sind nach Möglichkeit vokalisiert und in Fussnoten näher erklärt. Die Ausgabe wird unter Mitwirkung eines grossen Kreises von Gelehrten im In- und Auslande revidiert und ist auch äusserlich schön und würdig ausgestattet. Der Subskriptionspreis der ganzen „Palästina-Bibliothek", die ausser dem Talmud Jeruschalmi 10 Bände umfassen wird, beträgt 100 Mk. Der Subskriptionspreis für den Talmud Jeruschalmi allein beträgt 40 Mk. Es bleibt uns noch übrig, ein Wort über den Herausgeber Herrn Luncz zu sprechen. In mehreren Rezensionen seiner Ausgaben haben wir an dieser Stelle auf seine Verdienste um die Palästinaliteratur im allgemeinen hingewiesen; wir erwähnen hier noch die merkwürdige Tatsache, dass dieser rührige Gelehrte seit Jahren an beiden Augen erblindet ist und dass er trotzdem nicht aufhört, Ersprieesliches zu leisten. Als blinder und kranker Mann zieht er von Grossstadt zu Grossstadt des Kontinentes umher, durchstöbert Bibliotheken und verwertet ihre Schätze zu monumentalen Werken und sichert sich persönlich die Mitarbeiterschaft vieler Fachmänner für seine verschiedenen Ausgaben. Wir wünschen ihm einen ebensolchen Erfolg bei dem Absätze seiner Werke, die als eine wahre Zierde der hebräischen wissenschaftlichen Literatur betrachtet werden müssen. M. B. Unsere Hoffnung. Monatsschrift für die reifere jüdische Jugend, Seit der trefflich ausgestatteten Herzl-Nummer ist bereits das 7. und 8. Heft erschienen. Wir können zu unsrer grossten Freude konstatieren, dass diese Zeitschrift ihren in Nr. 3 gegebenen Tendenzen treu bleibt und sich bestrebt, in man könnte sagen — programmatischer Form ihrem Ziele als Bildungsmittel für die jüdische Jugend nahezukommen. Bunt wechseln publizistische Aufsätze mit historischen und novellistischen Arbeiten ab. M. Henes beleuchtet in origineller Weise das Sukkothfest. Er zeigt, dass unsere Vorfahren ein Landvolk waren und dass auch wir es auf eigenem Grund und Boden werden können. Besonders interessant ist für die zionistische Jugend E. Müllers Aufsatz „Die Berufe für den Zionismus". Anschliessend an Henes' Ausführungen, betont er die Wichtigkeit, seinen Lebensplan an das Lebensideal anzuknüpfen d. h. schon durch den Beruf dem Zionismus zu dienen. Als hervorragenden Faktor bei dieser Aufgabe erkennt Müller das Studium der Land- und Volkswirtschaft und jede Betätigung auf sozialem Gebiete, weil diese mit dem Zionismus innig verbunden ist. Die Entwicklung des Zionismus in Russland zeichnet Wolowsky in allen ihren Richtungen und Schattierungen. Wir erfahren, dass gleichzeitig mit dem sogenannten Kulturzionismus Gegner des Zionismus auftraten und von einer allgemeinen Verbrüderung (in reaktionärer Weise) träumten. Die jüdische Jugend aber ergriff stürmisch das neue Ideal und verhalf ihm zum Siege. Prof. C h a j e s macht den Vorschlag, altehrwürdige biblische Namen, nationale Namen lebendig zu machen, und lenkt die Aufmerksamkeit auf die jungjüdische Literatur, welche auch neue Namen unter das Lesepublikum bringt. Eine von Rabb. Dante A. Lattes in Fortsetzungen erscheinende Arbeit verspricht eine populär-wissenschaftliche anthropologische Untersuchung des Begriffes „Die jüdische Nation" zu werden. Als Kernpunkt des ersten Teiles dient die Li st sehe Theorie: „Es ist nicht wahr, dass man die Nationalität einer Rasse verändern kann, indem man ihre Sprache und ihren Wohnsitz verändert/ Ebensogut wie der publizistisch-agitatorische Teil ist auch die Lyrik (durch Zuckermanns „Die Saat") und dieNovellistik(durchD.Rothblum undN.Sokol o w) vertreten. Nicht unbemerkt sei gelassen, dass die Redaktion beabsichtigt, ihren Lesern das Studium des Hebräischen in leicht fasslichen Unterrichtsbriefen zu ermöglichen. Damit wäre der Erziehung unserer dem Judentum leider vielfach entfremdeten Jugend am besten gedient. Und schon aus diesem Grunde ist es Pflicht eines jeden Zionisten, durch Verbreitung und Agitation die gute Sache zu unterstützen. Wir hoffen, dass sich die Redaktion bemühen wird, ein der Nummer 7 gleichwertiges Chanukaheft ihren Lesern zu bieten. D. R.