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Die Welt · 1904-10-28 · 44 (28.10.1904) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
44 (28.10.1904)
Date
1904-10-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
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„ESi* * W^lt" Seite 13 bereits geschehen. — Die zionistische Zaitung in spaniolischer Sprache „El Sionista" erweist sich als zweckentsprechend. Auf Grund der Propaganda haben sich Ortsgruppen gebildet in Rosario de Santa Fe" („Bene Zion"), Coronel Suarez („Liga Siotiista Dr. Herzl"). Schekel und Nationalfondsspenden laufen ordnungsgemäss ein. Im Oktober veranstaltet die Federalion einen Abend zugunsten des Herzl-Fonds. Bei den letzten Kultuswahlen wurden fünf Mandate nach hartem Kampf erobert, was vom besten Einfluss ist. Die Ausbreitung der Idee nimmt zu. Am 25., 26. und 2*7. d. M. findet die halbjährige Versammlung der Federation statt. Crenovich, Sekretär. Wien. Der gefertigte Vorstand beehrt sich hiermit, die Mitteilung zu machen, dass in seiner nach den Sommerferien stattgefundenen ersten Sitzung dem verewigten unvergesslichen Herrn Dr. Theodor Herzl ein warmer Nachruf gewidmet und einstimmig der Beschluss gefasst wurde, bei der jedesmaligen Seelenandacht in der Vereinssynagoge, IL, Leopoidgasse 29, das Andenken desselben durch Abhaltung einer mstn zu ehren. Isr. Synagogen verein „Beth Israel*, II. Leopoldsgasse 29. Der Obmann S. Deiches. Wien. (Akad. Verbindung „Kadimah"). Dienstag am 19. Oktober hielt die akad. Verbindung „Kadi man« in ihrem Vereinslokale eine würdige Trauerfeier für ihren leider so früh verstorbenen A. H. Alfred Chodrower ab. Die tiefempfundene Trauerrede hielt Bb. Ladislaus Liehtenstein. Jüdischer Nationalfonds. Das goldene Buch. „The SunderJand Zionist Association" zur Eintragung von Mr. Israel Jacobs of 3 Thorn Hill-Park, Sunderland . . . Pfd. St. 10.— Mr. Woolf Israel, 6 Russell Place, Leeds . . „ 5, 10.— Die Zionisten in Jekaterinoslaw tragen Dr. phil. Schmaria ben Chaim Levin ein Kronen 240.— Dr. A. Tschereschkin in Minsk trägt seinen seligen Vater Isak Eisik ben David Tschereschkin, gest. 5. Tewes, ein . . „ 240.— „Ein Hakore" in Rischon le Zion zur Eintragung Dr. Herzig..........Francs 2E0.— Zionisten in Jousowka zur Eintragung von Benjamin Seff ben Jakob Herzl . . . Kronen 303.— Die Boryslawer Juden tragen Moses Hess, den Verfasser von „Rom und Jerusalem*, ein........... . „ 316.-— Welt-Sbi-onik- Farbenverbot! Am schwarzen Brette der deutschen Karl Ferdinands-Universität zu Prag ist folgende Kundmachung des akademischen Senats angeschlagen : „Infolge Beschlusses des akadem. Senats vom 12 d. M. wird der jüdischen akademischen Verbindung „Barissia" zur Wahrung des deutschen Charakters der Universität und der Ruhe und Ordnung an derselben das Tragen von Abzeichen in sämtlichen Räumen der Universität verboten. Der Rektor Hofrat Ulbrich." — Die Farbe der „Barissia*, die streng auf dem Standpunkte des Baseler Programmes steht, ist violett. Das silbergeränderte Band zeigt in der Mitte einen Zionsstern aus Silber. Die Kappe ist violett. Bemerkenswert ist, dass die Verbindung um etwaige Bestätigung beim Herrn Rektor überhaupt nicht eingekommen ist. Das Farben verbot erfolgte auf Denunziation und Verlangen der „deutschMiberalen Kreise. Eine ähnliche Massregelung wurde bisher gegenüber einer zionistischen Korporation nie angewandt. Die Rückkehr ven Jerusalem. Dieses berüchtigte, antisemitische Machwerk Maurice Donays wurde vergangene Woche in tschechischer Uebertragung am Prager Nationaltheater aufgeführt, nachdem kurz vorher „Der Prager Jude" von Kollär gegeben wurde. Antisemitischer Wahnsinn. In einer Sitzung des gaiizischen Landtages begründete Abgeordneter P. J. Stoj alo wski seinen Antrag, die Juden zu selbständigen Richtern nicht zu ernennen und dahin zu wirken, dass jüdische Richter von Christen den Eid nicht abnehmen. Der Antrag sollte dem Rechtsausschusse zugewie en werden, wurde aber mit sämtlichen gegen 11 Stimmen a limine abgelehnt. Derselbe Abgeordnete forderte auch in einem Antrage die Einführung der vierten Wagenkla^se, beziehungsweise besonderer Waggops für jüdische Passagiere. Ein jadischer Jude im Landesausschuss der Bukowina. Der Reichsrats- und Landtagsabgeordnete Dr. Straucher, Kultusgemeindfpräsident und Viz^bürgerineister df r Landeshauptstait Czernowitz, ist zum Landesausschuss-Beisitzer für das Land Bukowina gewählt worden. Wenn wir sonst bei Ernennungen und Auszeichnungen von Juden nicht Grund haben, uns besonders freudig aufzuregen, weil diese dann gewöhnlich ihr Judentum in den Hintergrund stellen, fo begrüssen wir um so freudiger die Wahl dieses wackeren Juden, zumal es nicht bloss eine Ehrenstelle, sondern auch eine Arbeitsstelle ist, an die er gelangt. Der Siegesmarsch der Judenfeindschaft Es genügt, dass irgendwo die Zahl der Juden auffällt, damit der Antisemitismus beginne. Er hat eine Hochburg der Freiheit erobert. Die „Neue Züricher Zeitung* brachte einen Artikel gegen die .russisch-polnische Invasion", in dem von ganzen Wagenladungen polnischer Juden gesprochen wird, die sich in Zürich niederlassen, und gegen die Regierung und Polizei sowie gegen die Einwohnerarmenpflege den Vorwurf zu grosserToleranz und Nachsicht gegen die Elemente erhoben wird; von berufener Seite ist allerdings sofort in demselben Blatte auf diese übertriebenen Darstellungen geantwortet worden, immerhin aber gibt es zu denken, dass auch in der freien Schweiz schon die Einwanderungsfrage, lies Judenfrage, allgemein debattiert wird. In bezug auf den Universitätsbesuch russischer Juden ist es bekanntlich schon lange zu judenfeindlichen Kundgebungen gekommen. Plackereien der Auswanderer in Deutschfand. Lokalkomitees für jüdische Auswanderung. Die Polizeipraxis den russischen jüdischen Auswanderern gegenüber treibt die sonderbarsten Blüten. Wie aus Insterburg gemeldet wird, kam dort am Freitag mit dem Memeler Zug ein jüdischer junger Mann an, der von dem am Bahnhof stationierten Gendarmen angehalten und nach seinem Reiseziel befragt wurde. Der Reisende gab an, nach Königsberg zu seinen Eltern zu fahren, fand aber mit dieser Erklärung beim Gendarmen keinen Glauben. Derselbe hielt ihn für einen Auswanderer und veranlasste seine Rückbeförderimg nach Meirel. Dieser Fall der Beschränkung der Freizügigkeit sollte endlich zu energischen Massnahmen drängen. — Die schweren Unzuträglichkeiten, die sich im Grenzverkehr für die russischen Auswanderer ergeben haben, haben d^zu geführt, dass sich in Memel, Insterburg, Tilsit, Eydtkuhnen und Prostken Lokalkomitees gebildet haben mit einer Zentrale in Königsberg. Die Vertreter der Lokalkomitees waren am 11. d. M. in Königsberg zusammengekommen, um unter Vorsitz des Bankd»'rektors Marx mit dem Königsberger Komitee jene Vereinbarungen zu treffen, die notwendig sind um auf eine Beseitigung der unerhörten Zustände an der Grenze hinzuwirken. Sämtliche Komitees werden mit dem Hilfsverein der deutschen Juden für die Zwecke der Auswanderer in der Weise zusammen arbeiten, dass dem Staate alle Garantien geboten werden, um ihn vor der Einschleppung von Krankheit zu schützen sowie um Staat und Kommunen vor Belastung dur^h unterstützungsbedürftige Auswanderer zu bewahren. Es werden die nötigen Schritte bei der königlich preussisohen Regierung getan werden. Die jüdische Dienstbotenfrage. Die „Allgemeine Zeitung des Judentums in Berlin schreibt, offenbar um mit den ersten Sätzen ihre Feindschaft gegen den Zionismus zu begründen : Es ist so weit gekommen, daes in den Vermietungsbureaus jetzt schon sehr oft gefragt wird : „Sh d die Herrschaften jüdisch?" und dass ziemlich oft auf die Bejahung dieser Frpge die Antwort des Mädchens erfolgt: „Dann bedaure ich". Wie seltsam dies auch klingen mag, da ja erfahrungsgemä8s die Dienstmädchen es gerade in jüdischen Häusern sowohl in b^zug auf den Lohn wie auch auf die Kost und Behandlung zumeist besser haben als in vielen anderen. Die antisemitische Hetze hat eben auch auf diesem Gebiete ihre Früchte getragen. Gerade deshalb aber ist ein Verein, der sich die Aufgabe gestellt hat, einerseits der Dienstboten! ot unserer Familien entgegenzuwirken und andrerseits für arm« jüdische Mädchen ein soziales Erziehungswerk zu schaffen, von ganz besonderer Bedeutung. Der Verein „Mädchenhaus Pankow" (natürlich in Berlin und nicht in Wien. Die Red.), wendet sich in diesen Tagen an die Mitglieder der jüdischen Gemeinde. Er hat die Aufgabe, jüdische Mädchen, besonders Waisen, zu dienstlichen Stellungen zu erzieben. Alle Zweige des Berufes werden hier berücksichtigt. Die

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