Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 43 (21.10.1904)
- Date
- 1904-10-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3315709-3316073-3316117--46239-3341083- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seilt 12 „bl*-* W*lt Nrf 43 "Poalei Zion" in Koridanow...... „ 240.— Die Zionisten in Krivoi-Rog zur Eintragung des zu früh dahingeschiedenen Führers Dr. Theodor H e r z 1........ „ 252.— Verbindung „Maccabaea" in Wien .... „ 240.— „Agudath Hazionim" in Dubossary zur Eintragung des verew. Dr. H er z 1 ♦ . . „ 238.21 „Erez Israel" in Odessa........ „ 240.— „Jehuda Hamachbi" in Odessa..... „ 345.14 „Grinmby Ladies Zionist Association" . . Pfd. St. 10.— „Agudas Bnei Zion" in Bielsk zur Eintragung des verew. Dr. Herzl ... 10.— „Mewasereth Zion\ „Bnoth Zion«, „Youngmens Zionist Literary Society" in Lonisville zur Eintragung Dr. Herzls . . „ 10.5.4 ^Je1^@b»oi)il<. Aus Jerusalem. Unter den Festlichkeiten, die zur Zeit des Tempels gefeiert wurden, soll das Fest des „Wasserschöpfens" am Hüttenfeste (s. Tr. Sukkah) den ersten Eang eingenommen haben. Unter der hiesigen jüdischen Bevölkerung findet, wenn auch nicht das Schöpfen, doch die nnötP rcKVtfn rvs selbst eine Fortsetzung. Das Fest, bei dem selten Musikklänge vermisst werden, dauert vom zweiten Sukkothabend bis n:n Wtfiru Die Stufenlieder, die beim Wasserschöpfen gesungen worden sein sollen, werden unter den Anwesenden versteigert und der Erlös wird zur Anschaffung von Wein und anderen Getränken verwendet. Ein solches Stufenlied (mbtfftn TtP) wir(i Vers um Vers rezitiert; inzwischen aber werden andere Stücke unter Musikbegleitung eingeschaltet. Bei Vermeidung gewisser Auswüchse, insbesondere aber des ohrenzerreissenden Schreiens, dessen die Unwissenden mit Fleiss sich bedienen, würde die Feier erhebend auf den Zuhörer wirken. Sie dauert in der Regel bis gegen Mitternacht Natürlich hat sich dabei mehr als eine Kehle längst heisergeschrien. Lehrer Krischewski, an der hiesigen Alliance-Sehule wirkend, der Vorsitzende der lokalen Ortsgruppe, ist von der zum Direktor ihrer Mädchenschule nach Jaffa berufen worden. Herr B e 1 k i n d ernannte zum Lehrer einen jungen Mann, der eine längere Zeit an der Lämelschule hospitierte. In den Kolonien erwartet man neue Verfügungen, von denen man sich viel Gutes verspricht. Hazioni. Ein Gedenkstein für Oberst Goldsmid. Sonntag den 7. d. M. wurde auf dem Wilesdon-Friedhof in London am Grabe des Obersten Goldsmid ein Gedenkstein aufgestellt. Es ist ein lichtgrauer, polierter Granitsarg mit einer Säule aus sizilianischem. Marmor. Und am Sarge sind folgende Inschriften zu lesen : nbn TöttHbtti pna ja bx^ü p-sb Tonn jD"5 K"" '« dt ntrs; H3W p rrsawn j-pm d\-6k bx nun* bn» isb* ms D^nn Albert Edward Williamson Goldsmid, Colonel, M.V.O, Died March 27th, aged 57 years. „They shall go from strength to strength, every one of them appeareth before God in Zion.* —Psalm LXXXIV, 7. Bei der Steinlegung waren u. a. folgende Personen anwesend: Mr. J. L. Greenberg und Reverend J. G o 1 d b l o o m als Vertreter der „English Zionist Federation", Mr. Henriques, Sir Montagu,Sir Montefiore, die Offiziere der „Jewish Lads Brigade'* u. s.w. Die Gebete sprach Rev. S.Singer. Ein jüdischer Ministerpräsident. Aus Australien schreibt man dem ,Daily Chronicle", dass es möglich ist, dass ein Jude an die Spitze der Regierung treten werde. Die Koalition zwischen der Schutzzollpartei und der Arbeiterpartei ist nämlich durch einen jüdischen Advokaten, einen sehr begabten Mann, Mr. Isaac Isaacs, zuwege gebracht worden und es ist wahrscheinlich, dass wenn eine Ministerkrise jetzt kommen sollte, er der Leiter des Kabinetts würde. Es wäre somit der dritte Fall nach Disraeli und Cremieux. Ueber den Zwiespalt zwischen nationalem Judentum und Patriotismus haben sich die Assimilanten seit jeher aufgeregt. Das „Hamburger Israelitische Familienblatt" erhält nun eine Zuschrift aus Südafrika, die eine Beruhigung hinsichtlich dieser himmelschreienden Ansicht eines Duckers geben dürfte. Wir schicken voraus, dass die südafrikanische Judenschaft zum weitaus grössten Teile im zionistischen Lager steht. Der Korrespondent schreibt aus Kapstadt: Hier wohnen 10.000 Juden. Vor 22 Jahren hatten sie nur ein einziges Bethaus. Heute gibt es in jeder grösseren Stadt grosse Synagogen, in den meisten Fällen Prachtbauten, und alle paar Monate werden neue Gemeinden gebildet. Grosse Synagogen gibt es jetzt je eine in Port Elizabeth, East London, Durban, Bloemfontein, Pretoria, Kimberley, Paarl, Lanigsbury, Willowmore und deren mehrere in Capetown (Kapstadt), Johannesburgund Oudtshorn. Die alte Capetown-Gemeinde baut jetzt ein neues Gotteshaus mit einem Geldaufwand von zirka 1 Million Mark. Es ist vor Jahresfrist eine neue russisch-polnische Synagoge in Roeland Str. eröftnet worden. Im sogenannten Juden viertel (denn die Einwanderer lassen sich alle im selben Stadtviertel nieder) gibt es eine Anzahl Chewras und eine Schul. Die neue Synagoge der alten Kapstadtgemeinde wird gegenüber der alten, zu klein gewordenen, im schönsten Teile Kapstadts, direkt an der berühmten Eichenallee und neben dem Palast Sr. Excellenz des Gouverneurs inmitten herrlichster Parkanlagen errichtet und eine der architektonischen Zierden Kapstadts werden. Eigentümlich ist die Tatsache, dass trotz der Nichteinhaltung des Sabbats und der Speisegesetze seitens der Mehrheit der begüterten Klassen doch in ganz Südafrika keine reformierte Gemeinde existiert und dass hier ein solch starker Enthusiasmus, ein begeistertes Anhängen an die alte Religion und das Judentum hervortritt, wovon man in Deutschland kaum ahnt. Man ist hier stolz, Engländer zu sein, die Freiheiten und Privilegien, den Schutz der britischen Flagge zu gemessen, man übt die Pflichten und Rechte des britischen Untertanen mit Liebe und Hingebung, aber neben demUnion Jack steht nochder „Mögen Dovid", seiman Zionistjoder^ auch Nichtzionist. Der fragliche ungarische Liberalismus. Eine Reminiszenz von hohem Interesse teilt Dr. Armin Schnitzer in Komarom (Ungarn) mit: Im Oktober 1895 sollte die vom ungarischen Abgeordnetenhaus^ bereits angenommene Rezeption der jüdischen Religion im Magnatenhause zur Verhandlung kommen. Von hocharistokratischer Seite wurde eine rücksichtslose Agitation gegen das Gesetz inszeniert; ein ganzer Heerbann von exotischen Magnaten — aus Wien, welche bisher nie das Recht der Gesetzgebung ausgeübt hatten, wurde aufgeboten, und die Annahme der Gesetzvorlage war sehr zweifelhaft. Da stand ein Bischof als Mitglied des Oberhauses gegen das ausdrückliche Verbot seines Arztes, eines Juden, vom Krankenlager auf und reiste nach Budapest. Hier forderten ihn seine Freunde, beunruhigt durch sein leidendes Aussehen, auf, sofort nach Hause zu reisen; er aber wich nicht, und in der Tat war es nur ihm zu danken, dass die Vorlage zur Annahme gelangte, es war Stimmengleichheit, so dass der Präsident den Ausschlag geben musste; er entschied für das Gesetz. Wäre der Bischof nicht dort gewesen, so wäre die Vorlage mit einer Stimme Mehrheit gefallen. Das Backen der Mazzoth in Ungarn keine gewerbsmässige Beschäftigung. Aus Anlass eines konkreten Falles hat der ungarische Handelsminister in Budapest ausgesprochen, dass das Backen der Mazzoth wohl eine zeitweilige, aber keine gewerbsmässige Beschäftigung sei. Diese Beschäftigung untersteht daher nicht den im Gewerbegesetze enthaltenen Bestimmungen. Amsterdam, Oktober. Ende dieses Jahres wird die an Seltenheiten so reiche Hebraica- und Judaica-Bibliothek des bekannten Biographen N. H. van Biem a, in der jüdischliterarischen Welt unter der Namenschiffre b'ftP bekannt, durch die Buchhandlung J. L. Joachimsthal hier, zur Versteigerung kommen. Der Katalog umfasst 3700 Nummern, worunter zirka 50 Handschriften, 300 Responsen, Inkunabeln und Postinkunabeln, sowie Werke aus allen Zweigen der hebräischen und jüdischen Literatur. Ohne Zweifel wird diese Versteigerung für die vielen Sammler auf diesem Gebiete von grossem Interesse sein. Personalnachrichten. Ger. Herr Dr. Hugo Benedikt, Nationalfondskommißsär für Oesterreich, hat sich mit Frl. Sylvia Einstein, Tochter des Herrn Gustav Einstein in München, verlobt. — Unser Gg. Herr Bernhard Wölpe, Sohn des verewigten Herrn Jonas W. Wölpe in Frankfurt a. M. hat sich mit der Tochter Helene des Herrn Jos. Seligmann, in Köln a. Rh. verlobt. — Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Philipp Goldbergerin Marien bad wird sich am 23. d. mit Frl. Luise Schneider vermählen. — Im September 1. J. fand die Verlobung des a. H. der „Bar- Kochba* Wien Mr. Pharm. M. Goldfluss mit Frl. R. Schornstein in Tarnöw statt.