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Die Welt · 1904-10-21 · 43 (21.10.1904) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
43 (21.10.1904)
Date
1904-10-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 lfbie # W^lt Nr.-43J« sammenzubekommen und andrerseits wir doch irgendwo eine Zentralleitung haben müssen und nicht etwa, wie die Berliner vorschlagen, eine über viele Städte Europas zerstreute Verwaltung, die alle zwei bis drei Monate zusammenkommt. In diesem Falle laufen wir die Gefahr der Zerstreuung der Kräfte. Es handelt sich nicht für uns, darauf zu bestehen, dass der Sitz der Zentralleitung unbedingt in Wien sein soll — obwohl viele meiner russischen Gesinnungsgenossen dafür sind, um so mehr als viele subjektive und objektive Gründe für diesen Wunsch plädieren — sondern dass im Zentrum Europas, in einer Stadt eine wohlorganisierte Zentralleitung sich befindet. Und damit wir die entsprechenden Personen dazu bewegen können, müssen wir sie besolden. Wohl kenne ich die verschiedenen Einwände gegen die Besoldung, aber wir müssen von den betreffenden Personen das moralische Opfer verlangen, ihre Dienste sich bezahlen zu lassen. Und nun zu der Frage des grossen Aktionskomites. Wir müssen da einen Vorschlag machen, der von weittragender Bedeutung ist und der sicherlich grossen Widerspruch hervorrufen wird, der aber zweifellos früher oder später realisiert werden wird, denn er entspricht den Interessen des Zionismus. Bis jetzt waren die Mitglieder des grossen Aktionskomitees nach den Ländern gewählt. Abgesehen davon, dass dieses Prinzip an und für sich nicht stichhaltig ist, müssen wir doch zugestehen, dass das Leben ganz andere Konstellationen innerhalb des Zionismus schafft. Die normale Differenzierung des Zionismus ist nicht nach geographischen äusserlichen Merkmalen durchzuführen, sondern nach den durch soziale, geistige und materielle Ursachen hervorgerufenen Parteiun^gen. Denn diese wachsen aus den geographischen Grenzen heraus. Misrachi, Poale- Zion, kulturelle, rein politische, demokratische Zionisten streben, allmählich Weltorganisationen zu schaffen, wodurch erst der wahre Charakter des Zionismus als einer Nationalbewegung und Strebens nach einem einheitlichen Volksideal geschaffen wird. Der Zionismus ist nicht blos dass Streben nach einem Staate, sondern ist ein Staat im Werden. Ein Staat mit verschiedenen Institutionen und mit Parteien. Deshalb muss auch in unserem Kongress, aber auch in unserem grossen A.-C. dieser Zug erscheinen. In bezug auf den Kongress geschieht es schon jetzt Es muss aber auch auf die Zusammensetzung des grossen A.-C. Anwendung finden, d. h. in ihm müssen alle Richtungen vertreten sein. Und zwar muss die Vertretung nach dem Prinzipe der Proportionalwahl gewählt werden. Das ist: die Anzahl der Vertreter der verschiedenen Parteien im grossen A.-C. muss der respektiven Anzahl der Schekelzahler oder der Delegierten entsprechen. Dann und nur dann wird urser grosses A.-C. die Stimmung der Zionisten wahrheitsgetreu wiedergeben, dann werden wir nicht Reibereien zwischen den Wählern und Gewählten beobachten, wie es bei der Ugandafrage der Fall war. Und dabei ist dieses Prinzip ein eminent demokratisches. Thatsächlich ist es z. B. in der Schweiz seit mehreren Jahren in Anwendung gebracht. Die Proportionalwahl in das grosse A.-C. hat noch eine andere Bedeutung : sie zwingt jede Partei, das Maximum der Arbeit bezüglich Agitation und Propaganda zu leisten, und dabei muss diese Arbeit eine Klärung und Präzisierung der verschiedenen Tendenzen im Zionismus herbeiführen. Andrerseits werden eine Masse von Unannehmlichkeiten vermieden werden, die wir in manchen Landsmannschaften jedesmal bei der Wahl der Aktionskomiteemitglieder beobachten. Indem wir diese Bemerk an gen bezüglich der an unserem Ür#anisation3statute vorzunehmenden Abänderungen der OÖffentlichkeit übergeben, hoffen wir, dass man schliesslich eine Organisation schaffen wird, die wenigstens teilweise die ungeheure Lücke, die durch den Tod unseres Führers geschaffen ist, ausfüllen wird. Aendern wir so wenig als möglich, und wenn Aenderungen vorgenommen werden müssen, so sollen sie den Lebensnotwendigkeiten entsprechen. Dr. D. Pasmanik (Genf) Oer Misrachi* Die Diskussion über den Misrachi hat infoige des von uns gebrachten Artikels „Achtung" auf das lebhafteste eingesetzt. Vor allem bringen wir über Wunsch des Rabbiners Fi eines folgende Stellen aus seinem Zirkulare über die Pressburger Konferenz in wörtlicher Uebersetzung: „ , . .Wir sind von dem Glauben durchdrungen, dass die Jüdischkeit das letzte Ziel des Zionismus bedt utet, und dass wir nur zu diesem Zwecke eine Heimstätte auf unserem Boden herbeisehnen. Andrerseits wollen wir den andern Zionisten unsere Anschauungen nicht aufdrängen, trotzdem wir von dem Siege unserer Idee im Laufe der Zeiten durchdrungen sind. Wir haben uns daher vorgenommen und zur Pflicht gemacht, unsere separaten Anschauungen dem Kongress nicht als eine allgemeine Pflicht aufzuoktroyieren. Wir begnügen uns mit der Propagierung unseres Gedankens in nichtoffizieller Form. Im Gegenteil, wir erachten es als äuserst dringend, allen Schichten und Parteischattierungen des jüdischen Volkes die Möglichkeit zu bieten, an der Erlösung des Judenvolkes teilzunehmen, sonst ist unser Ziel unerreichbar. Wir haben daher immer betont, dass der Kongress sieh fernhalten muss von allem, was in keiner direkten Verbindung mit den politischen und praktischen Arbeiten steht. Hierdurch haben wir alle ohne Ausnahme zur Mitarbeit eingeladen und wir waren immer darauf bedacht, alles auszumerzen, was geeignet wäre, auch nur den kleinsten Teil des jüdischen Volkes dem Zionismus fernzuhalten. Wir haben nur während des Kongresses unsere Anschauung vertreten und bestreben uns, unsere Ansichten ausserhalb der Grenzen desKongresses zu propagieren. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, haben wir unser Pressburger Programm formuliert Dasselbe lautet: 1. Der Misrachi ist eine Organisation der orthodoxen Zionisten, die sich auf das Baseler Programm stützt, das auf die Regeneration des nationalen Lebens und auf der Kolonisation und öffentlichrechtlichen Wiedererlangung Palästinas basiert. Auf der Regeneration des jüdisch enVoikes im Geiste der Thora und der Tradition. Der Misrachi sieht die Existenzbedingung des jüdischen Volkes in der strengen Befolgung der Gebote und in der Beförderung der Kolonisation Palästinas. 2. Der Misrachi bewahrt in der allgemeinen Organisation seine Anschauungen und ist selbstständig in seinen speziellen Zielen und Bestrebungen. 3. Der Misrachi hat alle Hebel in Bewegung zu setzen, um seine Lebensprinzipien zu realisieren. Zu diesem Zwecke hat er die Aufgabe, in Literatur, Erziehung und Agitation in diesem Geiste und Sinne zu wirken. 4. Der zweite Paragraph besagt also deutlich, dass wir nur über unsere Anschauungen wachen wollen, aber keineswegs diese Pflicht den anderen Zionisten auferlegen. Es ist hier also weder eine Art Inquisition noch ein Zwang, vielmehr nur der Ausdruck einer separaten Partei im Zionismus, und berührt in keiner Weise den allgemeinen Zionismus-

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