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Die Welt · 1904-10-14 · 42 (14.10.1904) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
42 (14.10.1904)
Date
1904-10-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 42 „oi« $ weit Seite 11 Gesaratjudentum dennoch der Gedanke, dass die grosse und segenspendende Idee Ihres — nein, unseres — Toten! unsterblich und unvergänglich zum Heile des Judentums fortwirken wird." E, K. „Nase doba", die bekannte tschechische Monatsrevue, bringt in ihrem letzten Hefte in einem Artikel über kroatische Verhältnisse folgenden Bericht: Unlängst wurde anlässlich des ersten zionistischen Kongresses der südslawischen Juden in Essegg in den kroatischen Blättern eine interessacte Polemik geführt. Der Austausch der Meinungen brachte aber keine Klärung. Der Kongress selbst war anfangs lärmend, später wurde er in bester Ordnung zu Ende geführt. Die jüdischen Akademiker, die einen Verein „Bar G i o r a" in Wien haben, gaben einen Almanach heraus und zeigten durch ihr ganzes Auftreten, das voll die Eechte ihrer „gegenwärtigen Heimat" respektiert, eine bessere Vorbereitung und sympathischeren Ernst als die Gegner, die Assimilanten. —er. Leeds. Vor kurzem fand hier eine öffentliche Versammlung statt, einberufen von dem grössten hiesigen zionistischen Vereine „Bnei Zion* (Leeds Young Men's Zionist Association). Herr Dr. phil. Samuel D a i c h e s hielt einen überaus iohalt- und lehrreichen Vortrag über 9Zionismus und Territorialismus", in dem er das Wesen des Zionismus wie das des Törritorialismua klar darstellte und das Verhältnis des letzteren zum ersteren beleuchtete. Redner führte aus, dass Zionismus der Ausdruck ist für den Wunsch, die Sehnsucht des jüdischen Volkes, wieder ein freies, unabhängiges Leben auf dem eigenen Boden im gelobten Lande zu führen und Hei vorbringer und Träger einer jüdischen Kultur zu sein. Das allein sei Zionismus und diesen reinen, unverfälschten Zionismus müssen wir mit allen Kräften und Mitteln erhalten und fördern. Territorialismus hingegen sei der absolute Gegensalz von Zionismus. Zum Schlüsse legte Redner folgende Resolution vor: „Diese öffentliche Versammlung, einberufen von dem Verein „Leeds Young Men's Zionist Association", verpflichtet sich, die zionistische Tätigkeit mit unermüdlichem Eifer fortzusetzen. Sie hält es auch für nötig, jetzt ihre Meinung nachdrücklichst zu äussern, dass der Zionismus nur bedeuten kann: das Bestreben, das jüdische Volk in dem alten jüdischen Lande wieder zu beleben und alles zu fördern, was zur Stärkung des jüdischen Geistes und zur Hebung des jüdischen SelbstbewuFstseins führen kann. Das Prinzip des Territorialismus mues als dem Zionismus schädlich und das Judentum gefährdend aus dem zionistischen Programm gänzlich und für immer ausgeschlossen werden." Es folgte eine Diskussion, die von Mr. P. M. Raak in in einer schönen Rede eröffnet wurde, in der er die Resolution kräftig untf rstüizte. Es hat aber auch in der Versammlung an hartnäckigen Ostafrika-Anhängern und Friedensliebenden nicht gefehlt und die Diskussion nahm zuweilen recht erregte Formen an. Die Resolution des Dr. Daiches wurde hierauf zsr Abstimmung gestellt und mit 52 gegen 12 Stimmen unter grossem Beifall der Versammlung angenommen. Mit dem Singen des „Hatikwah"-Liedes schloas nach 3V2 Stunden diese überaus interessante und bedeutungsvolle Versammlung. Hyman Wolf. Jüdischer Nationalfonds. Das goldene Buch. „Im ain ani Ii mi Ii", Odessa ........ Kronen 240.— Das Komitee des Tikwath Israel in Tlumacz trägt Dr. Herzl ein.......... „ 240.— Mos. Ekstein in Beyrouth trägt Josef Kaisermann aus Dankbarkeit für seine erfolgreiche Tätigkeit ein ... „ 246.73 Die Zionisten in Golta tragen Doktor Herzl ein.............. „ 256.80 Die Sektion „Chowewe Zion Jehuda" in Foksani trägt den Rabbiner Is. J. Reines ein............. „ 249.74 Mr. und Mrs. Gabriel H. M a y e r bythe delegates assembled at the „Seventh Annual Convention of the Föderation of American Zionists" held at Cleveland Ohio, Juni 7, 1904 ..........Dollars 50.— Die jüdische Gemeinde in Windau zur Ehruug des Andenkens Dr. Theodor Herzls..............Pf, St. 10,10,11 „Friends of Zion" („Ohawi Zion«),»New York . Dollars 50.— Verein „Nechemjetf in Radomysl trägt Doktor M. Man d eis tarn m ein......Pf. St. 10,-—,— Colonelul Albert Edward Goldsmith de catre sectia zionista „Erez Israel", Braila, Romania...............Lei 250.— W«1r*übi'ODi1<. Judenwanderung. Englische Blätter melden, dass russische Juden, die aus den Dowlais Steel Works auf Veranlassung der „Icaa im vergangenen Mai nach Kanada ausgewandert waren, dort ausserordentlich trübe Erfahrungen gemacht haben. Man hatte als sicher angenommen, dass die Leute bei der Nordeisenbahn in Winnipeg Beschäftigung finden würden und die Reisekosten wurden aus dem von Baron Hirsch gegründeten Fonds zur Ueberführung russischer Juden in geeignete Gegenden bestritten. Als die jüdischen Arbeiter in Kanada eintrafen, fanden sie die versprochenen Arbeitsstellen nicht vor. Viele von ihnen waren vollständig vermögenslos und sahen sich zum Betteln genötigt. Der erste Sklavenbefreier ein Jude. Ein jüdischer Gutsbesitzer auf der Insel Jamaika machte am 28. Juni 1838, dem Krönunpstage der Königin Viktoria, zu deren Reich Jamaika gehörte, den Anfang mit der Sklavenbefreiung. Der Bericht des „Jamaica Despatch and Kingston Chronicle" vom 6. Juli des genannten Jahres über die aus diesem Anlasse veranstaltete Feierlichkeit und die Reden, welche der Gutsbesiizer Herr Daniel Hart und der Pfarrer Herr Atkins gehalten, sind jetzt reproduziert. Synagoge in Niederländisch-Indien. In Batavia, der Hauptstadt der Insel Java, soll demnächst eine Synagoge gebaut werden, die schon längst als ein dringendes Bedürfnis empfunden worden ist. In Niederländisch-Indien leben im ganzen 4000 Juien, ein grosser Teil davon in Batavia» Die neue Synagoge soll 20.000 Gulden kosten; rund 15.000 Gulden sind bereits gesammelt, den Rest hofft man durch ein Wohltätigkeitsfest zusammenzubringen, so dass mit dem Bau bald begonnen werden kann. Antisemitismus im französischem Heere. Unter diesem Titel veröffentlicht die Pariser „La petite Republique" folgenden von Verneuil - sur -JAire, dem Schauplatze der grossen französischen Militärmanöver, datierten Bericht: Während der grossen nordöstlichen Manöver erschien täglich gegen 10 Uhr vormittags ein Verkäufer der antisemitischen „Libre Parole" per Rad oder Automobil auf dem Operationsgebiete und bot den Offizieren und der Mannschaft das antisemitische Schundblatt an. Jeder, der das Blatt kaufte, erhielt eine Photographie des Generale, der die Uebungen leitete, obgleich die Vervielfältigung der Bilder von hochgestellten Offizieren strenge verboten ist. Ausserdem wurde jedem Käufer der „Libre Parole" ein Briefpapier, ein Kuvert und ein Bleistift als „Zugabe" präsentiert. Auf dzr Rückseite des Kuverts prangten nun folgende Sinnsprüche: „Der Jude schlüpft dir entweder zwischen den Knien durch oder er greift dich von rückwärts an, entweder er ist unter dir oder über dir, neben dir nie." Unterschrieben: Edouard Drumond. Ferner: „Wozu anderem hätte auch Gott den Juden erschaffen als zum ,Spionieren*?" Die „Petite Republiquee entrüstet sich nun mit Recht über die Tatsache, dass alle diese Schandtaten der „Libre Parole" vor den Augen, ja mit Genehmigung des Truppenchefs vor sich gingen. Es scheint also, dass General Negrier und Genossen seit der Dreyfusaffaire nichts gelernt und nichts vergessen haben. Neue Adjustierung für die österreichischen Feldrabbiner. Für die Feldrabbiner der k. und k. österreichisch-ungarischen Armee ist zugleich mit denen für die andersgläubige Militärgeistlichkeit eine neue Adjustierungsvorschrift herausgekommen. Sie sind befreit davon, Offizierskopfbedeckung zu tragen, sondern tragen Kopfbedeckung nach Vorschrift des Ritus. Die Ausrüstung besteht sonst in Pantalons, Talar, Binde, Mantel, Halbstiefeln oder Stiefletten, Handschuhen* Sanitätsarmbinde im Felde, Legitimationsblattkapsel und Viktualiensäckchen. Pantalons sind aus feinem schwarzen Schafwollstoff, Schnitt und Form wie Infanterie. Talar ist schwarz (an den bestimmten Tagen weiss) mit folgenden Besonderheiten: Aermeldistinktionen längs des oberen Randes der beiden Aermelaufschläge bestehend aus Börtchen von Gold und kaisergelber Seide. Die Binde besteht aus einem 10—12 cm breiten, den Leibesumfang angemessen langen, moirierten Seidenbande, dessen beide Enden mit 10 cm langen Goldfransen besetzt sind. (Für Rabbiner Färb« schwarz.) Dekorationen werden am Talar getragen.

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