Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 42 (14.10.1904)
- Date
- 1904-10-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 0 „bis w^it" Nr. 42 Berichte» Wien. Samstag den .8. d.M.fand hier ein literarischer jargonabend statt. Im Mittelpunkte desselben stand der argondichter Abraham Reisen, der seine Skizze „Der G'milath Chessed" und einige kleinere Gedichte vortrug. Diese Skizze gehört zu den besten Sachen aus Eeisens Feder und sie erzielte durch die frische und natürliche Art in der Schilderung des Löbens der kleinen Kaufleute in der Judengasse ungeteilten Beifall. Wenn auch J. A. Lubezky in seinem einleitenden Vortrag „Ueber die Bedeutung der Jargonliteratur" manche Thesen über die Wertung dieser Literatur aufstellte, denen nicht unbedingt zugestimmt werden kann, so hatten doch die vorgetragenen Skizzen von Reisen, Perez und Schülern- Aleicliem dem Vortragenden darin recht gegeben, dass die neuere Jargonbellotristik als natürlicher Ausdruck des jüdischen Volkslebens, wie es sich im Ghetto ausgestaltete betrachtet werden muss. M. Berkowicz las Perez' „Elend" vor, Seid es und Malas c h o w lasen Schulem-Aleichems Skizzen : „Wenn ich Rothschild wäre" und „Dreyfus in Kassrieliwke", die im vorigen Jahrgange der „Welt" in deutscher Uebersetzung erschienen sind, und eine grössere Skizze in Form eines Monologe3 „Von dem Priziw" (Assentierung), die einen stürmischen Beifall hervorriefer. Das Reinerträgnis wird dem Vereine russischer Studenten „Leo Pinsker" zur Verfügung gestellt. Es wäre wünschenswert, wenn solche Abende häufig veranstaltet würden, um die Meisterwerke unserer eigentlichen Volksliteratur einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. K—rg. Wien. (Akademische Verbindung „Kadimah".) Chargenwahlen für das Semester 1904)05: Präses F. L ö h n e r, Vizepr. S. W o 1 o c h, Schriftf. F. Deutsch. Brünn. (Jüdischer Verein jugendl. Arbeiter. Zeile 25, III. St.) Generalversammlung am 25. September. Rechenschaftsbericht günstig. Verein veranstaltetp: Kurse in kaufm. Fächern, allwöchentlich Vorträge und Diskussionen, Ausflüge, Gründungsfeier, öffentliche Versammlungen, und sammelte für den N.-F; Neuwahlen: Obmann L. Politzer, Obmann Stellvertreter M. Klingenb erger, Kassier E. P a r i 11 e, N.-F.-Kommissär K. L ö w, I. Schriftf. E. Fein, IL Schriftf. A. Wodak, Bibl. A. Drexler, Ersatzmänner: O. Weiss, J. Klein, F.B reich enstein, Agitation rührig, Mitgliederzahl steigt stetig. 86 Mitglieder. Sammlung für den N.-F. K 8-82 und 6300 Postmarken» Ung.-Ostra. (Konzert, N.-F. 10 K.) Am letzten Simchas- Thora-Abend, den 2. Oktober L J.v, veranstaltete unser Gesinnungsgenosse, der rühmlichst bekannte Oberkantor von Bisenz Herr Weiss, mit seinem aufs vollkommenste zusammengesetzten Chore ein Konzert. Die zum Vortrage gelangten synagogalen Gesänge — zum grossen Teile Kompositionen des Konzertgebers — entzückten und begeisterten die zahlreiche Zuhörerschaft. Auf allseitiges Verlangen versprach der Oberkantor Weiss, demnächst mit einem durch national zionistische Lieder bereicherten Programm wiederzukommen. VomReinerträgnisse widmete der Konzertgeber freiwillig 10 K dem N.-F. Prag. Die neuen, bedeutend erweiterten Lokalitäten des Vereines jüdischer J^ochschüler „Bar Kochba" befinden sich ab 1. Oktober am Poric im Hotel „Kaiser von Oesterreich", im Hofe, I. Stock. Lesestunden für Nichtmitglieder vorläufig Samstag 11 — 12 Uhr vormittag und 4—5 Uhr nachmittag. Komotau. Wanderversammlung des Teplitzer Volksvereines „Z i o ntf in Komotau. Referent Herr Ernst Bechert: „Die Lösung der Judenfrage/ Nach den grossartigen Ausführungen des Referenten äusserst anregende Debatte reicher Beifall von seiten der zahlreichen Anwesenden Ortsgruppenbildung. 50 Mitglieder. Nationalfondssammlung mehr als K 50. Jungbunzlau. Anlässlich der Sch'mini Azereth-Totenfeier gedachte Se. Ehrw. Rabbiner Dr. Max Hoch mit beredten Worten unseres allzufrüh dahingeschiedenen Führers Dr. Tri. H e r z 1. Dieser Teil seiner Rede wurde von den Gemeindemitgliedern stehend angehört und selten ist bisher eine Beterversammlung so ergriffen gewesen, wie diese durch die warm und innig vorgetragenen, tief durchdachten Worte zur Ehrung Herzls. Unter anderem sagte Sr. Ehrwürden: „Wenn wir Herzls in Liebe gedenken, dann werden wir auch unseres Judentums niemals vergessen, für das er lebte mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele, für das er mit gebrochenem Herzen leider allzufrüh in der Blüte seiner Jahre starb. Dieses Gedenken wird unser gebeugtes Rückgrat aufrichten, wird uns alle erstarken lassen im schweren* Kampfe gegen unsere zahllosen Feinde. Ja, das Andenken an den Führer wird die Massen des jüdischen Volkes erhalten als Juden, als brüderlich treu zu einander haltende, selbstbewusste Juden und das wird wahrlich nicht nicht nur der Gesamtheit, sondern auch jeder einzelnen Gemeinde und jedem einzelnen Glaubensgenossen zum Wohle und zur Ehre gereichen." Am Abend (Erev Simchath Thora) fand eine gemütliche Zusammenkunft im flHotel Lamm* statt, wobei über Anregung Sr. Ehrwürden für den Natiönalfonds gesammelt wurde. (Sammler: techn. F. Hirsch, Mitglied der „Bar Kochbaa, Prag. Ergebnis : K 9.40.) Auch wurden Rosenfelds Gedichte in deutscher und böhmischer Uebersetzung durch Sr. Ehrwürden und techn. Hirsch vorgetragen. Nebstdem stellte uns Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Doktor Hoch einen Vortrag über „Dr. Th. Herzl" für die allernächste Zeit in Aussicht. Unsere Gemeinde, respektive deren Vorstand hat seinerzeit einen Antrag, dem letzten Kongresse die Zustimmung auszusprechen, abgelehnt und damit ihren Standpunkt gegenüber dem Zionismus klar dargelegt. Nun dürfe es doch einen Umschwung nehmen. Der Anfang ist gemacht und wir hoffen in Kürze weitere Fortschritte zugunsten unserer Bewegung melden zu können. Tarnow. Seit längerer Zeit herrscht in den hiesigen zionistischen Vereinen ein reges Leben. Am 3. d. M, fand hier die zweite ordentliche Generalversammlung statt. Die Anwesenden wurden vom Gg, Kenner herzlich begrüsst. Nach Berichterstattung des Sekretärs, Bibliothekars und Kassiers schritt man zur Wahl, welche folgende Resultate ergab: Gg. Fluhr H., Obmann, Fenichel Z., Obmannstellvertreter, Grünfeld M., Butterfass J., Sekretäre, Gross J. Kassier. Resolution: „Verein „Poale Ziona drückt dem D.-K. in Krakau als Oberhaupt der zionistischen Landesorganisation das vollste Vertrauen aus. Als Anerkennung der besonderen Tätigkeit bei der Gründung und Entwicklung des Vereines, besonders der zionistischen Idee in Tarnow, wurde Gg. Jakob Kenner zum Ehrenmitglied ernannt." Sammlung für N.-F. Z. Fenichel. Tarnopol. (Verbindung „Bar Kochbac.) Im letzten (IV.) Semester Vereinsbibliothek bis auf 650 Bände vermehrt. Trauergottesdienst in der Synagoge, Redner Rabbiner Waldmann. Kultusgemeinde trotz orthodoxer Hetzereien daran teilgenommen. Verschiedene Bundesbrüder habenjin der Umgebung gesprochen. Die Abbrändler in Buczacz und die jüdischen Emigranten aus Russland wurden unterstützt. Letztere werden nach eingezogenen Informationen von den Begleitern unerhört ausgeplündert. Für den N.-F. im allgemeinen K 172 gesammelt, Marken für K 90 bestellt, 26.000 Postmarken eingeschickt. Eine wirklich starke Arbeiterorganisation wurde mit Hilfe des Herrn Jos. Tabacznik gegründet und gestützt. („Poalei Zion".) Viele wissenschaftliche Vorträge wurden abgehalten. 42 Mitglieder. Dr. N. Nussbaum wurde A.-H. Wahlen: jur. S. Brauner Präsident, jur. B. Nussbaum Vizepräsident, jur. M. Fischer Schriftführer, jur. A. Sass Kassier, jur. Ch. B e c k m a n n Bibliothekar. Ottynia.^XVerein „Zion".) Am 2. Oktober Abschiedsabend zu Ehren des von Ottynia scheidenden Mitgliedes Daniel Wolfenhart. Präsident Haber würdigte die Verdienste des Scheidenden, verkündete ihm die Ernennung zum Ehrenmitglied und überreichte ihm seine künstlerisch ausgestattete Mitgliedskarte. Herr Wolfenhart versicherte in seiner Dankrede, den Zielen des Zionismus stets treu bleiben zu wollen. Sammlung für den N.-F. Beim nun folgenden Bankett wurde Wolfenhart gefeiert. Musikalische Vorträge, nationaler Liedersang. Aus Osijek (Essegg) wird uns geschrieben: In der letzten Sitzung der Chewra Kadischa wurde über Antrag des Präsidenten Herrn Adolf K r a u s z sen. beschlossen, Herzl in die Haskora einzutragen. Folgender Brief wurde an die Familie Herzl gesendet: Das gefertigte Präsidium hat in seiner am 7. September 1. J. abgehaltenen Plenarsitzung mit tiefem Schmerze des Ablebens Ihres unsterblichen Gatten, Vaters und Sohnes gedacht und seine Verdienste protokollarisch verewigt. Gleichzeitig wurde auch beschlossen, den Namen des grossen Kämpfers für seines Volkes Recht und Ehre zum ewigen Andenken in die Haskora aufzunehmen und an seinem Sterbetage in dankerfüllter Pietät das Jahzeitlicht anzuzünden und für sein Seelenheil zu beten. Indem wir Ihnen hiervon ergebenst Mitteilung machen, bitten wir Sie, den Ausdruck unserer ausgezeichnetsten Hochachtung entgegenzunehmen. Und wenn auch der Genius des Judentums trauernd seine Fackel an der Gruft seines besten Sohnes senkt, so erhebt das