Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 42 (14.10.1904)
- Date
- 1904-10-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 # W$lt" Nr. 42 Frankfurter Brief. Le sionisme est ä Francfort en marche. Er hat zwar noch einen langen Weg zu machen, ehe er am Ziel ist, i. e. am praktischen Ziel, alle Frankfurter für den Zionismus einzunehmen oder, wie der lokale Terminus technicus lautet, ihnen den Zionismus sympathisch zu machen. Wir Zionisten haben hier in Frankfurt harte Arbeit zu tun: Unser braver „Israelit" ist, wenn man sich so ausdrücken darf, das „Evangelium", auf das zum grossen Teile die Notabilitäten der Frankfurter Judenschaft schwören. Durch die geschickte Auswahl seiner Mitarbeiter — nicht etwa nach ihrer wissenschaftlichen Bedeutung und Tüchtigkeit, sondern nach persönlichen Verbindungen hin — der Sohn des Rabbiners der „frommen" Gemeinde hat als solcher einen Namen und dieses sein ganzes Verdienst bildet die Grundlage des Wertes seiner Arbeiten — hat er noch immer einen gewissen Anhang hier. Was er verloren hat, hat er aber nicht nur durch den Mangel eines positiven Wertes seiner Arbeiten verloren, sondern er hat auch durch seinen rüden Ton viele Sympathien, die er in Frankfurter frommen Kreisen noch genoss, in Antipathien verwandelt. Was die Judenheit momentan auf der ganzen Welt im gleichen Masse interessiert, ist das Juden elend in Russland und das am nächsten liegende dauernde Abwehrmittel des Zionismus. Wie unser „Israelit" begeisterte Zionisten, noch dazu in geistlicher Stellung, begeiferte,nur deshalb, weil sie Zionisten waren, wissen Ihre Leser bereits. Sie werden aber nicht wissen, dass ihm ein mindestens ebenbürtiger Gegner im gut zionistischen „Frankfurter Familienblatt" erstand. Pfeile flogen hinüber und herüber, aber schliesslich gab das Mainzer ßlättchen den Kampf auf, denn das Frankfurter Blatt bot ihm nicht den taktischen Vorteil, auf das Niveau seines Toues herabzusteigen. So wartet Kuropatkin-, Israelit", bis der Feind sich in die „Ebene* wagt. So weit musste ich ausgreifen, um die Lage, in der die „Zionistische Vereinigung Frankfurt" sich befindet, darlegen zu können. Dazu kam noch die Gefahr einer Spaltung, da infolgedessen, dass Frankfurt der Standort des Misrachi- Aktionskornitees für Westeuropa ist, die Friktionen zwischen Freisinnigen und Misrachi häufiger und schärfer wurden, als es förderlich war. Bestand doch für einen Moment die Gefahr, dass die Wahlen zum Kongresse gesondert vorgenommen würden und manche Hitzköpfe (wobei die Hauptbedeutung auf dem ersten Teile des Wortes liegt) sich gegen den Eintritt der neuen Mitglieder des Misrachi in die Ortsgruppe der „Zionistischen Vereinigung" erklärten. Aber alle Differenzen wurden durch Verhandlungen der beiderseitigen Vorstände gütlich geregelt oder sind im Wege, geregelt zu werden. So bot die Generalversammlung der Ortsgruppe Frankfurt, die am 28. September stattfand, ein Bild voller Harmonie. Der Vorstand erhielt Decharge in Anbetracht seines erfolgreichen Arbeitens. Assessor Friedemann hielt einen warmen Nachruf für Theodor H erzl und kam darauf auf die allgemeine Lage des Zionismus zu sprechen. Dr. Friedemann sprach sehr reserviert. Nach ihm und seinen Andeutungen befindet sich alles im Stadium der Diskretion. Vorsitzender Fritz Sondheimer gab einen Jahresbericht, woraus zu entnehmen ist, dass der Verein in diesem Jahre um 124 Mitglieder, d. i. mehr als 100%, zugenommen hat. Die jüdischnationale Frauen Vereinigung habe ihre Selbständigkeit aufgegeben und sei als Sektion im Verein aufgegangen. Für den Nationalfonds sind 277 Mark gesammelt worden, für die Herzlspende sind 1700 Mark eingelaufen; doch schliesse die Bilanz mit einem kleinen Fehlbetrag, was ein gutes Zeichen für die Arbeit des Vereines sei, denn die meisten Ausgaben seien für Agitation gemacht worden. Der Vorsitzende gedachte des verstorbenen eifrigen Zionisten Jonas Wölpe, für den der Verein einen Oelbaumpflanzen lässt. In derDiskussion sprachen Gg. Ingenieur Feingold, Kolline r, Götz und Lehrer Reinhardt. Bei den vorgenommenen Wahlen wurden gewählt: Fritz Sondheimer als erster, J. L. G o i t e i n als zweiter Vorsitzender, H. Friedländer als Kassier, Dr. W. Hanauer als Schrittführer, Hackenbroch und Feingold als Beisitzer und Ref. Dr. Schwarzschild als juristischer Beirat. Für die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Dr. med Mayer und Hirsch werden als Zeichen des Vertrauens Oelbäume gepflanzt. Zur besseren Durchführung der Agitation wurde eine besondere Kommission gewählt, bestehend aus Reinhardt (Geschäftsführer), Kollin er, Frl. Grünblatt, Referendar Dr. Seckel, Leopold Oppenheimer und zwei Vorstandsmitgliedern, zur intensiven Förderung der Nationalfondssache eine N.-F.- Kommission. bestehend aus Reinhardt, Kolliner (Geschäftsführer) und Frl. Grünblatt sowie einem Vorstandsmitgliede. Im neuen Jahre schreiten die Arbeiten auch schon rasch vorwärts. In Bälde spricht von Misraehiseite Doktor Nobel, dann wahrscheinlich York-Steiner sowie Dr. Franz Oppenheimer. Heinrich Kolliner. (Für diese Rubrik ist die Redaktion nicht verantwortlich.) Ächtung Gesinnungsgenossen! Montag, den 17. d. M., halb 8 Uhr abends, veranstaltet der Verband „Zion* im Festsaale des Hotel „Bayrischer Hof", IL, Taborstrasse 39, eine Wählerversammlung mit nachstehender Tagesordnung : 1. Die bevorstehenden Kultuswahlen in Wien. 2. Diskussion. Referent: Herr Architekt Oskar Marmore k. * * * Israelitische Kultusgemeinde Wien. KUNDMACHUNG. Der Kultusvorstand bringt zur Kenntnis, dass die Wählerliste zu den Ersatz- und Neuwahlen in den Kultusvorstand zur Einsicht der Gemeindeangehörigen inv der Kanzlei der Kultusgemeinde, L, Seitenstettengasse 45 II. Stock, aufliegt. Reklamationen wegen Auslassung wahlberechtigter oder Aufnahme von nicht wahlberechtigten Personen sind innerhalb 14 Tagen vom heutigen Tage ab schriftlich in der Kanzlei der Kultusgemeinde einzubringen. Die Wählerliste wird den Wahlberechtigten mit den Wahllegitimationen und Stimmzetteln zugesendet werden Wien, 7. Oktober 1904. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Wien. Vorlesungen am Wiener Beth-Hamidrasch im Wintersemester 1904-1905. Sonntag von 6—7 Uhr abends Herr Lektor Friedmann : „Die Könige und die zeitgenössischen Propheten". Montag von 6—7 Uhr abends ebenderselbe: Talmudsabbat. Dienstag von 6—7 Uhr abends ebenderselbe: Midrasch (Schmofc Raba). Dienstag von 7-8 Uhr abends Herr Rabbiner Dr. S. Rubin: Die Sprüche Salomos (Mischle). Mittwoch von 6—7 Uhr abends Herr Gemeinde- Rabbiner Lektor Dr. Gelbhaus: Die Psalmen, für Lehramtskandidaten für Volks- und Mittelschulen. Mittwoch von 7—8 Uhr abends Herr Rabbiner Dr. Kaminka: Religionsphilosophie, Maimonides' More Nebuchim (Fortsetzung). Donnerstag von 6—7 Uhr abends ebenderselbe: Fortsetzung. Donnerstag von 7—8 Uhr abends Herr Gemeinde- Rabbiner Lektor Dr. Gelbhaus: Fortsetzung. Samstag von 11 — 12 Uhr vormittags Herr Lektor Friedmann: Die laufende Parascha. Vorlesungen für Gymnasialschüler. Samstag von 7*5— V27 Uhr nachmittags Herr Rabbiner Dr. S. Rubin: Maschne. Samstag von 1l2^—il2^ Uhr abends ebenderselbe: Talmud für Obergymnasiasten. Sonntag von ^-Va*1 Unr vormittags ebenderselbe: Talmud, für Untergymnasiasten. Sonntag von 7—8 Uhr abends Herr Lektor Friedmann: Bibel. Ausserdem wird täglich— Freitag und Samstag ausgenommen — abends nach d^rn Gottesdienste eine Lektion Mischna vorgetragen. * * * Oeffentliche Vorträge über orientalische Sprachen. Die Vormerkungen für die Montag den 17. d. beginnenden unentgeltlichen Abendvorlesungen über Arabisch, Persisch, Türkisch, Serbisch, Russisch, Neu-