Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 42 (14.10.1904)
- Date
- 1904-10-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42 „bis # weit" Seite 5 über die die Alliance verfügt, ihren Einflüss auf die Juden des Orients, auf die Administration der „IcaÄ in den Dienst der jüdischen Nationalsache zu stellen. Und wir wollen nicht dafür Sorge tragen, dass die Wahl in unparteiischer Weise geleitet werde? Auf Jahre hinaus soll der Kurs bestimmt werden, den die Alliance und mit ihr die „Icaa einhalten werden. Und wir legen die Hände in den Schoss.? Wir sehen untätig zu, wie die Assimilation sich der Wählerschaft der Alliance bemächtigt und ihr einen Stimmzettel in die Hände drückt, der den Tod des jüdischen Volkes bedeutet? An Herzls Grab wurde in unserem Namen gelobt, nicht zu rasten, bis unser Ziel erreicht sei. Diesen Worten müssen Thaten folgen. Es gibt keine wichtigere und fruchtbringendere Arbeit, als die, welche die „Ica" und die Alliance, unseren nationalen Idealen dienstbar machen. Raffen wir uns deshalb auf und leisten wir diese Arbeit. Mülhausen, Oktober 1904. Dr. Elias- Ich bitte alle Parteiblätter, vorstehenden Aufruf zu veröffentlichen. Zur Organisation der Judenwanderung. Wir haben im Anschlüsse an die in den Nummern 39, 40 und 41 der „ Welt" veröffentlichten Vorschläge betreffs der Organisation der jüdischen Wanderung eine Anzahl von Zuschriften erhalten, die alle das lebhafteste Interesse für diese Frage und die Bereitwilligkeit, nach Kräften mitzuwirken, beweisen. Die Redaktion der „Weit" wird die wichtigsten dieser Zuschriften, insofern sie beachtenswertes Material enthalten, den Lesern bekanntgeben. Zunächst möge folgender Brief aus Russland Aufnahme finden. An die Redaktion der „Welt*! Wir haben beschlossen, eine Broschüre erscheinen zu lassen, die den jüdischen Emigranten als Wegführer dienen könnte, und haben zu diesem Behufe einen Fragebogen an verschiedene Vereine und entsprechende Personen zur Beantwortung versendet. Aus dem Material der Antworten soll die Broschüre abgefasst werden. Da die Sache sehr viele Orte betrifft, in denen wir vielleicht keine Gewährsleute bekommen werden, und da sie überhaupt ein allgemeines Interesse hat, so bitten wir Sie ganz ergebenst, den Fragebogen, welcher hierbei folgt, gefälligst in der „Welt" veröffentlichen zu wollen, mit dem Ersuchen an jeden, der mit einem Rat, einer Weisung oder Auskunft über die in den Fragebogen vorgelegten Fragen dienlich sein könnte, dieselben uns zugehen lassen zu wollen. Mit Zionsgruss und Hochachtung Verein „Theodor Herzl" G. Lourie Ephr. Li fschütz. A. Rubinstein. Unsere Adresse: Grigory Lourie, Pinsk. FRAGEBOGEN. A. 1. Welche Gesetze existieren in Ihrem Lande für die dasselbe passierenden und in dasselbe einwandernden Emigranten, unter welchen Bedingungen werden die Emigranten zugelassen und unter welchen werden sie zurückgewiesen? (Bitte um völlige Zitierung der betreffenden Gesetze). 2. Werden diese Gesetze angewendet auch in bezug auf Personen, die mit zweiter Klasse im Schiffe ankommen, oder nicht, und im letzteren Falle, wie wird mit solchen Personen verfahren? 3. Nach welchem Zeiträume und unter welchen Bedingungen werden in Ihrem Lande Immigranten naturalisiert? B. I. Was hat der Auswanderer seit dem Verlassen des nächsten Etappepunktes bis zur Ankunft in Ihrem Orte oder (bei Transitostellen) bis zur weiteren Abfahrt (zum Beispiel in Deutschland: seit Passieren der russischen Grenze bis zur Abfahrt von Hamburg oder Bremen, und in England: seit Abfahrt von Lübeck, Hamburg und Bremen bis zur Ankunft, beim Verbleiben in England und bis zur weiteren Abfahrt, falls dies der Fall ist; in Belgien und Holland eben dasselbe; in^den Immigrationsländern: seit dem Betreten des Schiffes bis zur Ankunft) durchzumachen? Wo befindet sich die Kontrollstation, wo findet die ärztliche Untersuchung statt und wie sind deren Vorschriften? 3. Wo bekommt der Auswanderer Wohnung und Beköstigung während seines provisorischen Aufenthaltes oder während einer gewissen Zeit nach seiner Ankunft? 4. Gibt es bei Ihnen Stiftungen, Vereine oder Privatpersonen, welche Emigranten im allgemeinen oder speziell jüdischen Passanten und Emigranten zu Hilfe kommen und ihnen mit Rat und Tat dienlich sind? Wie heissen dieselben? 5. Welche Dampferlinien führen von Ihrer Stadt direkt nach den Haupthäfen der Immigration (Vereinigte Staaten von Nordamerika, Brasilien, Kanada, Argentinien'und Transvaal) und welche nur bis zu den Transitohäfen (London, Liverpool, Antwerpen, Rotterdam etc.), von denen aus die Emigranten in andere Schiffe umsteigen müssen, um an ihr Endziel zu gelangen, und wie lange muss auf die letzteren in den Transitohäfen gewartet werden? 6. Weiches sind die wichtigsten, billigsten und bequemsten Eouten und wie hoch ist der Preis des Reisebilletts per Eisenbahn und per Dampfer von Ihrem Aufenthaltsorte bis zu den Transito- und endgültigen Häfen in verschiedenen Klassen für Erwachsene und Kinder (welchen Alters)?j 7. An welchen Tagen gehen die Dampfer ab und kommen sie an und wie lange dauert die Fahrt? 8. Wieviel Bagage ist gratis mitzuführen gestattet? 9. Welche Plätze werden eingeräumt? 10. Wie sind die Bedingungen der Beköstigung während der Fahrt? II. Ist auch zur Aufnahme in das Schiff eine ärztliche Untersuchung nötig? 12, Werden zurückgewiesene Emigranten von den Dampfern gratis zurückgeführt? C. 1. Welche Fragen werden den Emigranten von den Behörden vorgelegt und wie sind dieselben zu beanworten? 2. An welchen Häfen ist es am besten, ans Land zu gehen? 3. Welche Provinzen, respektive Städte, in Ihrem Lande sind von jüdischen Immigranten bereits stark besetzt und welche weniger? 4. Welche Handwerker werden bei Ihnen am meisten gesucht? 5. Bei welchen Arbeitern und unter welchen Bedingungen kann die Ruhe an c'en Samstagen und anderen jüdischen Feiertagen beobachtet werden? 6. Unter welchen Umständen kann sich ein Immigrant in ihrem Lande dem Ackerbau widmen und wie sind die Ansiedlungsbedingungen? Aus Russland. Petersburg. Der Zar hat während seiner jüngsten Anwesenheit in Odessa unter den vielen Abordnungen, welche auf dem Bahnhofe erschienen waren, um den Monarchen zu begrüssen, auch eine jüdische Deputation empfangen. Der Führer der Deputation überreichte dem Zaren eine Thorarolle und hielt dabei eine Begrüssungsansprache, in welcher er die patriotischen Gesinnungen der Juden her-