Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 42 (14.10.1904)
- Date
- 1904-10-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 „bie & weit Nr. 42 nur sein Leben, sondern auch sein Vermögen hat unser grosser Führer dem Zionismus geopfert. Sein Tod nahm den Seinen den Vater, Erzieher und Ernährer. Das müssen wir nun zu ersetzen trachten. Oesterreich darf in der Sammlung für das Nationalgeschenk hinter keinem Lande zurückbleiben, denn in Oesterreich lebte und wirkte Herzl und wir haben die allernächsten Pflichten der Dankbarkeit. Sammelt dahet\ Genossen, im einzelnen, sammelt bei allen Anlässen, reget zu Versicherungen für die Kinder Dr. Herzls an, bestimmt unsere Reichen und Wohlhabenden zu Gaben, verschmäht nicht das kleinste Opfer, mit einem Worte setzt alles daran, dass das Nationalgeschenk eine Ehre für uns Juden und eine besondere für die zionistische Organisation in Oesterreich werde! Dann gilt es für den VII. Kongress zu rüsten. Auf demselben soll unsere Gesamtorganisation eine neue, der geänderten Sachlage entsprechende Form erhalten, eine Ordnung, die, von Personen unabhängig, Gewähr gibt fü? unsere Festigung und äussere Erweiterung. Da heisst es vor allem über die entsprechendste Form, die wir der österreichischen Organisation geben wollen, beraten und diskutieren, damit wir auf dem im Frühjahr stattfindenden IV. Parteitage und dann auf dem Kongresse zu sicheren und schnellen Resultaten gelangen* Dass des S c h e k e 1 s und des Nationalfonds nicht vergessen werden darf, brauchen wir nicht erst hervorzuheben. Insbesondere müssen wir unser grösstes Interesse dem Sehekel zuwenden. Denn er ist der offenkundigste Beweis der Stärke der Organisation und verleiht dementsprechende Vertretung auf dem Kongresse. Wieder aufzunehmen ist die Agitation für unsere Bank. Sie ist die legitime Institution, die uns zum Erwerb des alten Vaterlandes verhelfen soll. Agitiert daher eifrig für die jüdische Bank, verkaufet Aktien, gründet überall Shareklubs u. s. w. Auch der Verbandsbeitrag muss fortan in ausgiebigerem Masse entrichtet werden, denn er ist eine wichtige Quelle unserer Agitations- und Hebungsarbeit. Die Distriktsorganisationen kämpfen mit finanziellen Schwierigkeiten, wodurch sie nicht genug leistungsfähig sind, und ebenso kann das Landeskomitee ohne den Verbandsbeitrag keine grössere Agitation unternehmen. Das alte Kampfwort: „Infiltration der jüdischenlnstitutionen mit zionistischen Elementen" soll wieder aufgenommen werden. Wir müssen in die Kultusgemeinden und alle jüdischen Vereine eindringen und sie mit dem modernen Geiste beseelen und beleben. Wir gewinnen dadurch eine gesunde Grundlage lür unsere wirtschaftliehen Hebungsarbeiten und zugleich eine Quelle zionistischer Propaganda. Die diesbezüglichen Beschlüsse unserer Parteitage müssen realisiert werden. Ebenso soll die Fürsorgetätigkeit für Arbeiter, Kleinbürger und Studenten in der Praxis versucht werden. Spezielle Kommissionen oder Sektionen innerhalb der Distrikte sollen sich mit diesen Hebungsarbeiten beschäftigen. Auch die kulturelle Förderung und Hebung der Massen darf nicht ausser acht gelassen werden. Diesem Zwecke sollen ofte Vorträge, wenn möglich Toynbeehallen, dann Flugschriften und Broschüren und eine entsprechend ausgestaltete Presse dienen. Wo unsere Stimmen in die Wagschale fallen können, dort ist auch Einfluss auf die politische Haltung zu gewinnen. Wer unsere Stimme haben will, muss offen zu unserer Volksbewegung Stellung nehmen. Aus der diplomatischen Sphäre hinaus, zur Volksbewegung soll der Zionismus gehoben werden! Denn der Zionismus ist auch „das Judentum unterwegs"! Vielseitige und intensive Arbeit fordern wir von euch, Zionisten! Das Viele ist aber nicht schwer zu leisten, wenn in euch lebendiges Gefühl für unser Volk und unser Ideal lebt. Mit Begeisterung und Aufopferung geht ans Werk, und wir werden noch mehr schaffen, als uns heute möglich erscheint. Dies aber soll und muss geschehen! Gesinnungsgenossen! Auf zur Arbeit! Zum Kampf für eure und unsere Freiheit! Auf!! Mit treuem Zionsgruss Das österreichische Landes-Komitee: Dr. S. Krenberger dzt. Obmann. An die zionistischen Mitglieder der Alliance Israelite. Der Artikel, den ich am 1. Juli d. J. in der „Welt" veröffentlicht habe, hat nicht den Erfolg gehabt, den ich im Interesse unserer nationalen Sache erhofft hatte. Nirgends fielen meine Anregungen auf einen fruchtbaren Boden, nirgends haben die Zionisten, die Mitglieder der Alliance Israelite sind, Wahlen in den Ortsgruppen der Alliance veranlasst. Und doch drängt die Zeit. Im Mai 1905 scheidet ein Drittel der Mitglieder des Zentralausschusses der Alliance aus; es werden also voraussichtlich Wahlen zum Zentralausschusse stattfinden. Verharren wir in unserer bisherigen Untätigkeit, so sind wir im voraus geschlagen. Wie im Jahre 1902, werden die Helfershelfer der Assimilation die Wahlen leiten, in demselben Sinne, mit denselben Mitteln. Wollen wir uns mit Aussicht auf Erfolg an den Wahlen zum Zentralausschusse beteiligen, so müssen wir uns jetzt schon vorbereiten, und zwar dadurch, dass wir Sorge tragen, dass 1. überall, wo Ortspruppen der Alliance Israe*lite existieren, die Vorstände gewählt oder neugewählt werden, und dass 2. das nationale Judentum in diesen Vorständen repräsentiert werde. Wie aus meinen früheren Veröffentlichungen hervorgeht, haben die Ortsgruppen der Alliance das Recht und die Pflicht, ihre Vorstände zu wählen. Vorstandswahlen in den einzelnen Ortsgruppen sind in den Statuten vorgesehen, können also von der Allianceleitung nicht verhindert werden. In den meisten Fällen, in denen wir Vorstandswahlen verlangen, werden die jetzigen Leiter der Ortsgruppen sich fügen, sobald wir sie mit § 17 der Statuten bekannt machen. Dort, wo trotz Belehrung, der bisherige Vorstand auf die Statuten keine Rücksicht nimmt, veranstaltet man die Wahl ohne ihn; sein Mandat hat ja keine rechtliche Grundlage. Sorgen wir jetzt nicht für Wahlen in den Ortsgruppen, so wird es im Mai 1905 zwecklos sein, uns an der Wahl zum Zentralausschusse zu beteiligen, so wichtig dieselbe auch ist. Je nach der Entscheidung, die im Mai nächsten Jahres fallen wird, je nach den Direktiven, die die Wählerschaft geben wird, arbeitet der Allianceausschuss im nationalen oder im assimilatorischen Sinne. Die Wählerschaft hat die Macht, die Kräfte moralischer und materieller Natur,