Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 42 (14.10.1904)
- Date
- 1904-10-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42 lfbie # weit Seite 3 entfremdet werden. Die Modifikationen, die ich vorgeschlagen habe, würden das angebotene unbewohnte Landgebiet vermehren und dasjenige ausschalten, welches eine dichteBevölkerung hat. Es bleibt noch ein Detail zu beachten, dass derzeit ein grosser Teil des Landes durch eine prachtvolle Fauna ausgezeichnet ist. Ich habe einmal gehofft, dass man Anordnungen treffen werde, um ein grosses Wildrevier dort einzurichten. Ich glaube aber, dass auch die jüdischen Siedler sieh mit der Idee befreunden werden, grosse Wildparkanlagen zu halten, die ein grosses Interesse sowohl für sie als auch für andere gewinnen werden. Alles, was Sie mir bezüglich der projektierten Verfassung der Siedlung gesagt haben, scheint mir hinreichend zu sein, um jeden Einwand zu entkräften. Ich möchte aber noch folgende Versieherungen wünschen: dass die Siedlung nie vom britischen Reiche ohne Einwilligung des Reiches losgetrennt werden kann und dass, wenn etwa nach Ablauf von 25 Jahren der Plan keine Erfolge aufzuweisen hat oder wenn politische Umstände die jüdische Kolonisation in eine andere Richtung gelenkt haben, das Land der britischen Regierung zurückgestellt werden muss. Wenn das Territorium Ihrem Komitee für die auseinandergesetzten Ziele angeboten wird, so werden Sie eines der besten unbewohnten Landstücke, die sich im britischen Reiche befinden, bekommen. Da ich die Wichtigkeit der Wohlfahrt des jüdischen Volkes für das britische Reich einsehe, so glaube ich nicht, dass diese Gabe mehr als eine gewissenhafte Spekulation unsererseits sei, aber wenn die Ihrigen sich nach längerer Zeit nicht an den Ackerbau gewöhnen werden oder wenn sie von der ihnen jetzt gebotenen Gelegenheit keinen vernünftigen Gebrauch machen werden, dann glaube ich nicht, dass das Territorium für unbestimmte Dauer anderen europäischen, asiatischen oder Neger Siedlungen entfremdet würde. Keine einzige Klausel dürfte die britische Regierung verhindern, zu Reichszwecken durch das Land Eisenbahnlinien zu legen. So weit ich Ihren Plan kenne und gutheisse, wird das Land, das eine rein jüdische Siedlung sein wird, einfach eine Provinz des Britisch-Ostafrikagebietes sein, eine Provinz, die, wenn auch von einem jüdischen Vizegouverneur (Subcommissioner) verwaltet, unter der allgemeinen politischen Leitung des künftigen Gouverneurs (High Commissioner) von Ostafrika stehen wird. Sie wird ein integrer Bestandteil des britischen Reiches bleiben, obwohl den daselbst angesiedelten Juden eine gewisse Autonomie eingeräumt würde. Sie fragen mich nach meiner Meinung über die allgemeine Frage der Zukunft des jüdischen Volkes. Ich halte nocli an dem Palästinaideal fest, ich glaube noch, immer, dass wir uns aus politischen, strategischen und Gefühlsgründen für einen künftigen jüdischen Staat in Süds3Tien und Palästina bereithalten müssen, und dieser Staat würde vielleicht die Sinaihalbinsel einsehliessen und sich nach dem Osten zum Euphrat erstrecken. Die Juden müssten meiner Meinung nach ihre zivilisatorische Arbeit in Arabien, die durch den Islam unterbrochen wurde, wieder aufnehmen. Das Ostafrikaprojekt in den gezeichneten Grenzen ist als Station, als Haltepunkt auf dem Wege immerhin von Wert, da man die mehr oder weniger als Parias behandelten Juden auf diese Weise stärken und zu einem gesunden, durchaus kraftbewussten Volke machen kann. Angenommen^ dass die Kritik, die ich an dem Projekt geübt habe, berück sieht wird, wünsche ich ihm vollsten Erfolg. Ich kann Urnen bezeugen, dass man Ihnen einen gesunden Teil von Afrika anbietet, der vom agrikultureilen Standpunkte aus vorzüglich ist, und dass dabei zur Zeit keine Rivalen zu ber ücksichtigen sind. Mit Hochachtung * ,; EL H. Johns ton. An die österreichischen Zionisten! Das österreichische Landeskomitee veröffentlicht an der Spitze seiner Mitteilungen in der Oktobernummer des „Zion", folgenden Aufruf: In sehr ernster Stunde lassen wir den Ruf an euch ergehen: Auf zur Arbeit! Unser Führer ist nicht mehr und nun heisst es, die Reihen enger zu schliessen. Wir stehen am Vorabend der Neuorganisation unserer ganzen Bewegung. Die Leitung ist vorläufig einem Kollegium anvertraut und an uns ist es jetzt, sie in allem treu und selbstlos zu unterstützen, indem wir nicht auf Personen und Einzelwünsche, sondern nur auf die Wahrung der Idee achten. Zur Einigkeit rufen uns unsere Führer, zur Arbeit fordern wir euch, österreichische Zionisten, in diesem schweren Augenblicke auf. Der politische Zionismus bleibt nach wie vor das Programm unserer Organisation. Obwohl es selbstverständlich ist — halten wir es dennoch für gebogen, es hier mit Nachdruck zu betonen, um allen Missverständnissen vorzubeugen, die angesichts des Hinganges unseres Führers entstehen könnten. Auf dieser Basis wollen wir auch fürderhin unsere Werbearbeit fortsetzen, die Agitation unter unseren Stammesgenossen mit grösstem Eifer betreiben, das Selbstbewusstsein wecken und die Idee der nationalen Selbsthilfe verbreiten. Dabei können wir nicht umhin, auf ein diese Werbearbeit lähmendes Uebel hinzuweisen. Wie sich einerseits der Mangel an disziplinierten Arbeitern auf Schritt und Tritt fühlbar macht, so leiden wir andrerseits an Ueberfluss derer, die nur „Führer" sein möchten und sich als solche gerne bei jeder Gelegenheit aufspielen, wo es unverdiente Ehren einzuheimsen gilt, sich aber von jeder ernsten Arbeit fernhalten. Dem muss ein Ende gemacht werden. Jeder von uns soll in erster und letzter Reihe stehen können! Wer mit uns die Freude endlichen Sieges geniessen will, der muss auch mit uns mitkämpfen! Dagegen ergeht unser Ruf an alle diejenigen, welche in den Jugendjahren den ersten Kampf des Zionismus mitgekämpft und mitgestritten, sich aber zurückgezogen haben, nachdem sie ins praktische Leben eingetreten sind. Wenn auch das Leben, zumal für uns Juden, ein schwerer Kampf ist, so darf dennoch nicht vergessen werden, class es hier um die Zukunft des ganzen Volkes, geht. Auf dem Posten, auf dem jeder einzelne im Leben steht, soll er seinen Mann stellen und mit seinem ganzen Willen, Wissen und Können für die wirtschaftliche, körperliche und geistige Hebung aller Schichten eintreten! Also, ihr „alten Herren"! zurück in den Kampf um unsere Zukunft, an die Arbeit! Damit diese Arbeit jedoch fruchtbar und von dauerndem Werte sei, muss sie planvoll und systematisch geschehen, im Einvernehmen mit' dem Ganzen, dem wir uns einmal angeschlossen haben. Wir brauchen keine zionistische Tätigkeit auf eigene Faust. Jeder unserer Mitarbeiter muss in der Organisation stehen. Von jedem Schritt muss die Zentrale verständigt werden, damit unsere Arbeit in ihrer Gesamterscheinung gewürdigt und ihrer Intensität nach geschätzt und übersehen werden kann. Also friedliches Zusammenarbeiten und stramme Disziplin fordern wir heute wieder von unseren Genossen! Im besonderen sind jetzt folgende Arbeiten zu erfüllen: Vor allem d ieSam ml ungfürdas Nationalge schenk an die Kinder Dr. Herzls. Nicht