Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 40 (30.9.1904)
- Date
- 1904-09-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 „bie $ w^it" Nr, 40 zu erwirken. Der Enthusiasmus für die jüdische Sache w.ar so gross, dass aich sofort 4?:\ Mittelschüler als Mitglieder meldeten. Die Mittelschüler, die sich an der Versammlung beteiligten, waren grösstenteils mit zionistischen Abzeichen erschienen, während einige Assimilanten- Mitteischüler vor dem Gebäude der Kultuegemeinde mit rot-weißß-blauen Bändern demonstrativ auf- und abpromenierten. Stefanesty. In allen Synagogen unserer Stadt wurde am Jörn Kippur „El mole rachamim" für die Seelenruhe unseres unvergesslichen Führers gebetet. Galatz. Die wackere Sektion „Kadimah" beschloss die Gründung einer Lesehalle, respektive eines genossei]schaftlichen Klubs für alle hiesigen, 400 Mitglieder zählenden zionistischen Vereine. — Die „Kadimah" veranstaltet am Simchas Thora-Abend ein Kränzchen, dessen Reinerträgnis zur Gründung der Lesehalle verwendet werden wird. — Am zweiten Rosch-HasGhono-Tage erstattete Herr Samuel Pineles in einer hiesigen Synagoge vor einem zahlreichen Publikum den Bericht über den Wiener Kongress, bei welcher Gelegenheit Herr J. Goldenthal, einer der eifrigsten zionistischen Arbeiter, über das Wesen des Zionismus sprach. Am letzten Montag hielt der vom „Bnei Brith" gegründete Zionistenverein „Esrah" auf Anregung des Herrn Schönberg ein Requiem für Dr. Herzl ab, bei welcher Gelegenheit mehrere Redner der hohen Verdienste Dr. Herzls um das gesamte Judentum gedachten. K. Schöneberg. Beim T^jft am Jörn Kippur-Gottesdienst des Schöneberger Religionsvereins in der Lottostrasse nannte Rabbiner Dr. Frankfurter auch Dr. Herzl. Ausserdem wurde auf Anordnung des Vorstandes besonders D^ftfH ^ar Herzl in feierlicher Form vom Kantor gesungen. Paris. Der Grand-Rabbin Zadoc Kahn erwähnte in seiner am Versöhnungstagre, in der Synagoge Rue de la Victoire gehaltenen Rede den Zionismus, und stellte den Mann als bewundernswert hin, der sein Leben, Vermögen und Familie seinem Volke opferte. N. Paris. In der „Universite populaire juive" von Montmartre fand während der Feiertage ein Gottesdienst statt, der dem Zionismus in diesem Viertel Nutzen bringen dürfte. Am Jom Kippur, nach dem Vorlesen der Thora, wobei jeder für den Nationalfonds spendete, hielt der Präsident und Gründer der Universität, Herr Scherschewski, eine schöne zionistische Rede. Und als er des grossen Toten, unseres unsterblichen Herzl, gedachte, rührte er die ganze Versammlung zu Tränen. Der Redner wies auf den Zionismus als einziges Rettungsmittel des Zionismus hin, ferner sprach er in ironisierender Weise über die französischen Israeliten, die sich im Zweispänner und Automobil in den Tempel begeben, jedoch sich keineswegs um die Interessen des Judentums bekümmern. Abends, nach dem Schoferblasen, sang die ganze Gemeinde im Chor die Hatikwah. N. London. Am 29. August hielt Mr. J. d, Haas in dem Lokal der „Bnei Zion Association" eine grosse Rede, dit im Gegensatz zu Dr. Gasters Aufsatz : „Herzl" — und weiter — »Herzl und jetzt" zum Thema hatte. Es war keine direkte Bekämpfung der Gasterschen Ausführungen, aber die Profession de foi eines treuen, ergebenen Zionisten. Krügersdorp. Am 12. August fand in „Ohel JanV ein grosses zionistisches Meeting statt, dem Mr. Selgowsky präsidierte. Auch Mr. Goldreich war anwesend. Letzterer hielt eine Rede über den Zionismus und wandte sich speziell an die Kinder. Mr. Gold reich ermahnte die Versammlung, für das Nationalgeschenk für die Kinder Herzls zu sammeln. Es wurden dann auch eine beträchtliche Summe von den Versammelten gezeichnet. Personalnachrichten. Am 30. September feierte der Vorsitzende der Zionistischen Ortsgruppe in Bremen Herr Eduard Koopmann und seine Gemahlin in vollster Rüstigkeit das Fest der silbernen Hochzeit. Wir gratulieren herzlichst. — Der A. H. der Verbindung „Kadimah* Ingenieur Artur Glück vermählte sich mit Frl. Frieda Schmitz, beide in Wien. Unseren Glückwunsch. Todesfälle. Am Dienstag den 11. Tischri verschied in Frankfurt a. M. nach kurzem Leiden unser hochgeschätzter Gesinnungsgenosse Herr Jonas Wolf Wölpe im Alter von 69 Jahren. Der Verstorbene war in Rassein (Gouverment Wilna) als Sprössling einer hochangesehenen Gelehrtenfamilie geboren, besuchte in Russland das Wilnaer Rabbinerseminar, betrieb fleissig das Studium des Talmud und der Haskalaliteratur und verlegte sich auch auf die Erlernung moderner Sprachen. Später trat er zum Kaufmannsstande über und lebte seit 37 Jahren in Frankfurt. Mit Jonas Wolf Wölpe hat die Judenheit einen Mann verloren, der, mit wahrer Begeisterung und glühender Liebe für das Judentum beseelt, seine ganze Persönlichkeit und seine Lebenstätigkeit in den Dienst jüdischer Pflichterfüllung gestellt hatte. Sein Haus wurde in echt jüdischer Gastfreundschaft, Hachnosas aurchim, geführt; besonders seine in Frankfurt ansässigen russischen Landsleute, denen sein Haus auch ihr Haus war, werden ihn schmerzlich vermissen. Wem es vergönnt war, einen Blick in das mustergültige Familienleben dieses Mannes zu tun, der gewann ein Bild einer typisch traditionell jüdischen Familie. Seine grosse Begeisterung für den Zionismus offenbarte er voll Opferfreudigkeit und Hingebung, stets das Vorbild eines zionistischen Arbeiters. Er war einer unserer Vorkämpfer in Frankfurt und stellte seine ganze Kraft in den Dienst unserer heiligen;, Sache. Sein Andenken wird bei uns unvergessen bleiben. — In Wien verschied am 20. September Frau Bertha Felsen burg, Mutter unseres Gesinnungsgenossen Bela Felsenburg, eine allseits sehr beliebte, wackere Frau. Ehre ihrem Andenken! Jüdischer Nationalfonds. Das goldene Buch. Verein „NeisZion" in Jagutin zur Eintragung des grossen Führers Dr. Theodor Herzl Kronen At memorial Mass Meeting, Carnegie Hall, New York, July 17, 1904. Sammlung zur Eintragung des verew. Dr. Herzl. . . Dollars „Chovevei Zion", Perth Amboy, N. Y., zur Eintragung des verew, Dr. Herzl... „ Jews of Rochester, Rochester, N. Y., zur Eintragung des verew. Dr. Herzl ... „ Patriots of Zion in Providence, R. J., zur Eintragung des verew. Dr. H e r z 1. . . „ „Ahawath Zion", Los Angeles, Kai., zur Eintragung des verew. Dr. H e r zl . . . „ „Bnei Zion", Glasgow, trägt Dr. Max Nordau ein: On his lucky escape from the atfcemptet assasination.......Pfd. St „Har ha Libanon" in Manchester trägt den unermüdlichen Arbeiter Mordechai ben Israel Stratman ein......... „ „Federation Sionista Argentina" trägt Dr. Herzl ein .......•........Kronen Frau Dr. Jenny Bloede, geb. Sahlmann, Nürnberg................ „ Die Juden in Serajewo zur Eintragung Dr. Herzls................. „ „Bnoth Zion" in Winnitza zur Eintragung Dr. Herzls............... „ „Degel Zionu in Wilna zur Eintragung Dr. Herzls................. „ Verein „Misrachi" in Tarka........ „ 252. — 78.46 50.— 50.- 50.— 50.— 10.— 10.— 277.20 234.— 316.30 239.20 240.— 240.— W«1t*®b*oi)il{. Aus Jerusalem. Seit geraumer Zeit kamen massenhaft V^-Medjidies in den Verkehr, die so künstlich nachgeahmt waren, dass sie nur ein Kenner von den echten zu unterscheiden vermochte. Die Polizei fahndete lange vergeblich nach dem Schlupfwinkel der Verbrecher. Erst dieser Tage gelang es ihr endlich, der Falschmünzer habhaft zu werden. Es waren ihrer etwa 30 Personen, zusammengesetzt aus den verschiedensten Konfessionen, die in einem verborgenen unterirdischen Loche gerade beim Hantieren an der Presse ertappt wurden. Der Vorrat des vorgefundenen Geldes soll viele Zentner betragen. — Die Weinlese ist allenthalben beendet, sie blieb aber leider hinter der vorjährigen weit zurück. Der Grund dieser Missernte ist, dass es wenig Regen gab. Der Spätregen ist gänzlich ausgeblieben. Hazioni. Eine Konzession der Anatoiischen Bahnen auf Ausbeutung der Petroleumquellen in Mesopotamien. Zwischen dem Ministerium der kaiserlich türkischen Zivilliste und Geheimrat Zander, Generaldirektor der Anatolischen Bahnen, wurde ein Vertrag unterzeichnet, wonach die Anatolischen Bahnen sich verpflichten, auf eigene Kosten Vorstudien über das Vorkommen von Petroleum in den der Zivilliste durch mehrere Fermane konzessionierten Gebieten der Wilajete Mossul und Bagdad vorzunehmen. Dagegen erhalten die Anatoli-