Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1904-09-23 · 39 (23.9.1904) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
39 (23.9.1904)
Date
1904-09-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3316073-3316113--46156-3340996
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 39 „bi* * weit" Seite 13 wachte, war sie sehr erstaunt über den Brief, beschloss aber, nachdem sie sich mit ihren Ministern beraten, dem darin ausgesprochenen Befehle Folge zu leisten. Jedoch vorher wollte sie sich uberzeugen, ob Salomon wirklich der grosse Prophet wäre, für den er sich ausgab. War er nur ein König wie andere Sterbliche, so würde er die Geschenke, die sie ihm zuzusenden gedachte, mit Freuden annehmen, als Prophet jedoch, der nicht nach irdischen Gütern strebte, sie? zurückweisen.. Sie wählte daher fünfhundert Knaben und fünfhundert Mädchen aus, die als Gesandte ihm entgegengehen mussten. Die Knaben aber steckte sie in Frauen-, diei Mädchen in Männerkleidung und nun sollte Salomon die richtigen Geschlechter erraten. Ferner gab sie ihm auf, den Inhalt eines kleinen Schreins, in den sie eine herrliche Perle gelegt hatte, zu erraten, ohne den Deckel zu öffnen, sowie durch das vielfach gewundene Loch in einer Gemme einen Faden zu ziehen. Der schlaue Wiedehopf, der die ganzen Vorbereitungen für die Ausfertigung der Gesandtschaft aus seinem Verstecke gesehen, flog ihr sofort voraus und setzte seinen Gebieter von allem in, genaue Kenntnis. So wusste Salomon natürlich, als er den Schrein nur in die Hand nahm, dass darin eine kostbare Perle verborgen. Durch das gewundene Loch schickte er einen ganz kleinen Wurm, der in seinem Maule einen Faden hielt, wodurch auch diese Aufgabe gelöst war. Dm das Geschlecht der Gesandten zu erraten, Hess er ihnen, die von der Reise bestaubt waren, Wasssr zum Waschen reichen. Diejenigen, die ohne weiteres das Wasser in ihre schmutzigen Hände schöpften, um sich das Gesicht zu waschen, erkannte er als Knaben, diejenigen aber, die sich erst sorgfältig die Hände reinigten, als Mädchen. Nachdem so seine 'Weisheit über die der Königin triumphiert hatte, schickte er die Gesandten mitsamt den Geschenken zurück. Nun zögerte sie nicht mehr, seinem Rufe Folge zu leisten. Von einem glänzenden Hofstaate begleitet, zog sie ihm entgegen. Für Salomon war es eins, sie zu sehen und ihrer in heisser Liebe zu begehren. Da sie einwilligte, seine Gattin zu werden, feierte man die Hochzeit an Ort und Stelle. Einen Monat lang blieben die Gatten beisammen, dann kehrte jeder in sein Reich zurück, jedoch alle folgenden Monate kam Salomon einmal nach Saba, um drei Tage an der Seite seiner schönen Gattin zu verleben. Aus dieser Ehe ging ein Sohn hervor, der der Stammvater der Könige von Yemen und Aethiopien wurde. Da auch in dieser Sage die Deszendenz König Meneliks von Salomon, die von diesem König so leidenschaftlich in Anspruch genommen wird, bestätigt wird, so hätte eigentlich Herr Dr. Mardrus Anspruch auf denselben Orden, mit dem der Negus Herrn. Hugues le Roux für seine Entdeckung belohnte. (Voss. Ztg.) Der Aufenthalt Israels in Aegyote» im Lichte der ägyptischen Monumente wird von dem Strassburger Aegyptologen W. Spiegelberg in einer gemeinverständlich geschriebenen Schrift behandelt. (Strassburg, Schlesier und Schweikhardt, 1904. 55 S. Mk. 1.) Der Verfasser weist nach, dass der Kern der biblischen Ueberlieferung über den Aufenthalt und über den Auszug der Israeliten als geschichtliche Tatsache zu betrachten ist Mehr kann man von dem Aegyptologen, der im übrigen von den Voraussetzungen der kritischen Schule (Wellhausen, Stade, Gunkel etc.) ausgeht, nicht verlangen. Die Schrift bedeutet gegenüber der bisherigen. Bezweiflung der biblischen Ueberlieferung einen Schritt weiter in der „rücK- I auf igen Bewegung zur Tradition'4, deren Einzelheiten der Verfasser allerdings seinen Voraussetzungen gemäss als ,,Sage und Dichtung4' ablehnt. Spiegelberg hat vor zehn Jahrern als erster die berühmte Inschrift veröffentlicht, auf welcher der Name Israel genannt wird, und inzwischen ausser mehreren fachwissenschaftlichen Arbeiten eine interessante gemeinverständliche Geschichte der ägyptischen Kunst veröffentlicht. Zur Geschäftslage in Palästina. In englischen Berichten wird festgestellt, dass der Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem, der Erbauung neuer und der Verbesserung der alten Strassen, sowie den Anstrengungen, die für den Bau der Eisenbahn DarnasKus-Mekka gemacht wurden, ein beträchtlicher Aufschwung der Geschäfte und eine allgemeine Besserung der Handelsbedingungen zu verdanken ist. Wenn <es gelänge, drei oder vier Dampfer auf das Tote Meer zu bringen und die Strassen des Jordantales gangbarer zu machen, würden die Kommunikationen mit dem östlichen Palästina erleichtert und vermehrt, und Jerusalem könnte ein Mittelpunkt des Warenhandels werden, wie es derzeit bereits Alenpo für das nördliche Syrien ist. Die Steigerung des Handels in Palästina ist eine dauernde. Die Einfuhr und Ausfuhr zusammen beliefen sich 1903 auf 763 110 Lstr. (15 270 000 Mark) gegen 698 740 Lstr. (12 175 000 Mark) im vorhergegangenen Jahre. Davon kommen 118 945 Lstr. auf die Ausfuhr, der Rest auf die Einfuhr. Tm Hafen von Jaffa lagen, während des verflossenen Jahres 765 Schiffe mit 589?A9 Tonnen, was gegen das Jahr 1902 eine Vermehrung um 113 Schiffe und 74 162 Tonnen bedeutet. Enormen Umfang hat speziell der Handel mit Apfelsinen angenommen, doch ist als das wichtigste landwirtschaftliche Ergebnis die Wiederaufnahme des Baumwollenbaues zu bezeichnen. Ein neuer jüdischer Minister. Professor Karl Asser, der neue Staatsminister der Niederlande, stammt aus einer berühmten holländischen Juristenfamilie. Er ist ein Neffe von Michael H. Godefroi, dem früheren Justizminister und ersten Juden, der in Holland eine solche hohe Stellung erlangt hat. Karl Asser wurde zu Amsterdam 1838 geboren und studierte daselbst. 1876 wurde er ausserordentlicher Professor für internationales Handelsrecht an der dortigen Universität. Seit Jahrzehnten nimmt er teil an allen Konferenzen über internationales Recht. Wiederholt ist er zum Schiedsrichter verschiedener Staaten gewählt worden, so bei einem Streite zwischen Russland und Amerika, ferner zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten. 1875 wurde er Staatssekretär und 1893 Mitglied des Staatsrates. Bei dem Eriedenskongress im Haüg 1899 wurde er zum Vertreter Hollands ernannt. In dieser Stellung hat er wiederholt, auch von Russland, verschiedene Auszeichnungen empfangen. Seine Werke über internationales Recht und über Handelsrecht erfreuen sich hohen Ansehens. In früheren Zeiten nahm er auch Anteil am Gemeindeleben und bis 1888 war er Mitglied des Kuratoriums für das Rabbinerseminar in Amsterdam. Ueber den jüngst verstorbenen bekannten Juristen Hermann Staub wird der „Berliner Volkszeitung" folgendes geschrieben: „Einer von den ganz Grossen ist dahingegangen. Hermann Staub ist nicht mehr! Trauernd steht Justitia an der Bahre eines ihrer besten Söhne. An ihm wurde das Wort des römischen Juristen Celsus „ius est ars boni et aequi" zur Wahrheit. Mit geradezu künstlerischem Erfassen griff er die Rechtsfragen an; unter seinen Händen wurde die Rechtsfindung zur Kunst. Was Hermann Staub für die Rechtswissenschaft, wie für die Rechtsprechung unserer Tage bedeutet, ist dem Aussenstehenden schwer mit einigen Worten klar zu machen. Um. es kurz zu sagen: Wer im Beratungszimmer des Richters oder als Anwalt in seinem Bureau vor die Beantwortung einer schwierigen Rechtsfrage gestellt war, der griff, ebenso wie der Gelehrte in seiner Studierstube, zunächst nach dem Kommentar zum Handelsgesetzbuche, dessen Verfasser Hermann Staub war, der nun im Alter von kaum 49 Jahren ins Grab sinkt! Doch damit ist Staubs Bedeutung nicht erschöpft; denn Kommentare zu Gesetzen haben viele geschrieben, er aber schuf den Kommentar. Bei ihm lösten sich Theorie und Praxis in eine höhere Einheit auf. Er durchgeistigte das Wirtschaftsleben mit Rechtsgedanken. Vor seinem Blicke lagen die scheinbar kompliziertesten Dinge klar und einfach, weil er die grossen Zusammenhänge erfasst hatte und mit einem wunderbaren Scharfsinn begabt war. Ihm, der als armer, unbekannter jüdischer Assessor von dem oberschlesischen Beuthen nach Berlin kam, ist in wenig Jahren das grosse Werk gelungen, dass wir heute kaum einen Band der Entscheidungen unseres höchsten deutschen Gerichtshofes in die Hand nehmen können, ohne seines Geistes einen Hauch zu verspüren. Und wenn wir in die Zivilnrozessakten des kleinsten preussischen Amtsgerichtes einen Blick werfen, so werden wir unzweifelhaft nach kurzem Blättern Stmren Staubschen Wirkens entdecken. Staub sc^uf unermüdlich. Ausser seinem Monumentalwerke über das Handelsrecht verdanken wir ihm einen Kommentar zur Wechselordnung, einen Kommentar 7.u dem Gesetze über die Gesellschaften mit beschränkter Haftung, und ausser zahllosen Aufsätzen seine letzte, überaus geistvolle Arbeit über die positiven Vertragsverletzungen. Auch die ..Deutsche Juristenzeitune" ist zum grossen Teile sein Werk. Rastlos arbeitete Staub, der zu den seltenen Menschen gehörte, denen ..in der Mühe selbst der Mühe Labung gesehen". Und was müssen wir heute erwidern, wenn wir gefragt werden, warum der Staat einen Mann nicht ehrte, der dem Ruhm der deutschen Rechtswissenschaft diente wie wenige und de* unserem Staate nützlicher war als neun Zehntel der Herren. 717 deren Ehren man in der Sieqfesallee Mprmorhaufen türmte? Die tiefbescha'mend^ Antwort lautet: Weil <*r ein Jude war. Freilich, ihm. dem Toten, war dadurch kein Schede geschehen, dass der S+aat ihn nicht ehrte. Ehrte er doch durch seine Taten den Staat! Vielleicht mnss man es heute noch der Re- "■ierunrdanken, dass sie durch ihre Enthaltsamkeit den grossen Mann in seiner Arbeit nicht störte:?ber p\s ein Dokument für unsere Ennche des Niedcrp'anp'ps werden es sich nochdie Enkel er7äh1en. wie man in unseren Tagen einen Grossen nicht beachtete, weil er ein Ju/1*3 war. Ein selbstbewusster Jude. Der Lemberger Advokat Dr. Tobias Aschkenaze wurde zur Teilnahme an dem demoKratischen Komitee eingeladen, das unter dem Vorsitze des Vizestadtpräsidenten Ciuchunski für die Landtagswahl in Lemberg die Kandidatur des Professors- Glombinski fördert. Aschkenaze refüsierte jedoch die Einladung mit folgender Begründung: Die Juden in Lemberg hätten nach Gerechtigkeit und Tradition das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.